Die Turteltaube wird politisch

Die Turteltaube wird politisch

Während sich unsere besenderte Turteltaube Francesco weiterhin östlich von Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, aufhält, musste sich in Deutschland in diesen Tagen das Bundesumweltministerium mit der bedrohten Art beschäftigen. Die derzeitigen Temperaturen von 35 Grad Celsius in Francescos afrikanischem Überwinterungsgebiet können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Turteltauben in Deutschland und Europa insgesamt eine harte Zeit durchmachen.

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die heute veröffentlicht wurde, bestätigte die Bundesregierung die dramatischen Rückgänge. Seit 2015 steht die Turteltaube als in Deutschland stark gefährdet auf der Roten Liste, denn ihre Bestände sind seit 1990 um 71 Prozent eingebrochen. Es werden als Hauptursachen der Verlust von Lebensräumen in Brut-, Rast- und Überwinterungsgebieten genannt sowie die übermäßige legale Jagd und Wilderei im Ausland.

Nicht thematisiert wird jedoch die Verantwortung Deutschlands, um diesen Zustand abzustellen. Doch der zu Recht genannte internationale Aktionsplan zum Erhalt der Turteltaube, den Deutschland im Mai 2018 mit verabschiedet hat, beinhaltet klare Ziele und Maßnahmen für die zeichnenden Staaten. Er verpflichtet auch Deutschland zum Handeln: Zum einen muss dafür gesorgt werden, dass die Turteltaube wieder mehr geeignete Lebensräume findet, nämlich Wiesen und Felder mit Hecken und strukturreichen Waldrändern. Die Turteltaube muss zum anderen genug Nahrung finden, in Form von Wildkräutersamen, die sie auf Freiflächen findet, wo keine Herbizide versprüht wurden. Die effektivste Möglichkeit ist hier ein klares Votum der Bundeslandwirtschaftsministerin für eine neue EU-Agrarpolitik, die mit ihren Subventionsmilliarden die Möglichkeit hätte, Leistungen für Struktur- und Artenvielfalt zu fördern anstelle einer ausufernden Agrarindustrie. Deutschland muss sich ebenfalls dafür einsetzen, dass die legale Jagd auf die Turteltaube in der EU beendet wird, denn sie ist klar nicht nachhaltig. Die EU-Vogelschutzrichtlinie schreibt vor, dass die Mitgliedsstaaten sicherstellen müssen, dass die Jagd Schutzbemühungen in den Ländern nicht zunichtemachen darf.

In ein paar Wochen macht sich auch Francesco wieder auf den Weg in sein italienisches Brutgebiet. Es hängt auch von Deutschland ab, ob seine Überlebenschancen steigen.

 

Titelbild: Turteltauben – Foto: Hans-Joachim Fünfstück

Eric Neuling

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Referent für Vogelschutz
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2 Kommentare

Ange Furrer-Larsen

25.04.2019, 20:38

Heute habe ich im Garten bei mir eine Turteltaube entdeckt! Ich wohne in Andermatt, in den Schweizer Alpen auf 1440 Meter über Meer! Bei uns liegt noch ziemlich Schnee und das Wetter ist im moment recht kalt. Ich habe einen grossen Garten, mit viele Bäume und füttere die Wildvögel! Habe noch nie eine Turteltaube hier gesehen! Türkentauben habe ich an der Futterstelle, Sie waren den ganzen Winter da! Ist es normal, dass Turteltauben in den Alpen sich aufhalten!

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Eric Neuling

Eric Neuling

09.05.2019, 14:00

Liebe Ange, das ist eine tolle und seltene Beobachtung. Tatsächlich sind Turteltauben alles andere als Gebirgsvögel. Sie brüten nur in Höhen bis 350, manchmal 500 Metern. Sie hatten mit großer Wahrscheinlichkeit eine Turteltaube auf dem Zug, die Ihre Futterstelle als dankbare Energiezufuhr zum Weiterflug genutzt hat. Mitte April bis Mitte Mai ist die Ankunftszeit der Turteltauben in Mittel- und Westeuropa. Nur auf dem Heimzug im Frühjahr fliegen sie tagsüber, im Herbst meistens nachts. Viele Grüße und ein vogelreiches Gartenjahr!

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