Beeinträchtigen Sender die Zugvögel?

Manch besorgter Vogelfreund fragt sich, ob die an den Zugvögeln angebrachten Sender diese nicht beeinträchtigen oder beim Flug gravierend stören. Auf den ersten Blick eine berechtige Frage. Doch sie können unbesorgt sein.

Der fünf Gramm leichte Sender wird an einer Turteltaube befestigt. Studien zeigen, dass diese dadurch nicht eingeschränkt ist. – Foto: Ben Metzger

Denn im Falle unserer Turteltauben wiegen die mit Solar betriebenen Sender gerade einmal fünf Gramm. Dies entspricht rund drei Prozent des Körpergewichts einer Turteltaube. Der Sender wird von geschultem Personal als Rucksack aufgesetzt, die Schlaufen individuell angepasst. Der Vogel dürfte den Sender also kaum wahrnehmen. Verschiedene, unabhängige Studien bestätigen dies: In den Untersuchungen konnten keinerlei negative Auswirkungen auf besenderte Vögel festgestellt werden. Für das Wohlergehen des Vogels und aus tierschutzrechtlichen Gründen ist das natürlich eine Grundvoraussetzung. Darüber hinaus würde ein Einfluss des Senders z.B. auf das Verhalten des Vogels ja auch die Ergebnisse der Studie selbst kompromittieren.

An Turteltaube ‚Nicola‘ wird der Sender „Argos“ befestigt – Foto: Ben Mezger

Die baugleichen Sender kommen seit einigen Jahren auch bei anderen Naturschutzorganisationen erfolgreich zum Einsatz, unter anderem beim RSPB (Royal Society for the Protection of Birds – die Königliche Gesellschaft für Vogelschutz, Europas größte Organisation zum Schutz von Wildvögeln) und bei SEO (BirdLife Spanien). Auch dort werden Turteltauben erfolgreich besendert, allerdings auf ihrer West-Zugroute.

Um den Vogelzug sowohl für einzelne Arten als auch auf dem Niveau von Individuen und Populationen hochauflösend und im Detail zu verstehen, gibt es derzeit keine besseren Techniken. Dies ist jedoch als Grundlage informierter Schutzbemühungen unerläßlich. Weisen wir mit den besenderten Turteltauben direkt nach, dass die Vögel, die über das zentrale Mittelmeer ziehen, aus stark rückläufigen Populationen stammen, machen wir es für die EU schwerer beispielsweise auf Malta Ausnahmeregelungen für die Jagd zu erlauben.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

Letzte Artikel von Ben Metzger (Alle anzeigen)

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen