Ben Metzger Beiträge

Francesco startet seinen Herbstzug

Am 11. September gegen sechs Uhr abends Ortszeit startete das besenderte Turteltaubenmännchen Francesco den Herbstzug aus seinem Brutgebiet in Italien. Dabei handelt es sich nun schon um den zweiten Flug am Sender in Richtung Süden. Zwei Stunden später um 20 Uhr war Francesco schon über dem Thyrrenischen Meer und überflog gegen 22 Uhr die westlichen Äolischen Inseln. Die nächsten Signale des Senders erreichten uns dann am späteren Nachmittag des 12. Septembers, da hielt sich Francesco an der Südküste Siziliens auf, in der Nähe der Ortschaft Licata. Von dort aus startete er noch am selben Abend zur Überquerung des zentralen Mittelmeers, ließ Malta, wo zur Zeit leider wieder Jadgsaison ist, glücklicherweise deutlich östlich liegen und kam damit sicher am frühen Morgen des 13. September an der nordafrikanischen Küste an. Die derzeit letzten Signale erreichten uns aus dem Osten Tunesiens, ca. 70km vom Meer entfernt.

Die Argos-Satellitenkarte zeigt Francescos Zugstrecke der letzten drei Tage.

Francesco hat diese erste Etappe seiner Reise mit der Querung des Mittelmeers sehr zügig absolviert und überwiegend nachts. Gespannt erwarten wir die kommenden Tage, in denen Francesco die Überquerung der Sahara bevorsteht und werden Sie darüber auf dem Laufenden halten.

Francesco bereitet sich auf die nächste lange Reise vor

Schon die zweite Brutzeit seit seiner Besenderung im Frühjahr 2017 hat die männliche Turteltaube Francesco nun in Italien nordöstlich von Neapel verbracht und dort vermutlich erfolgreich gebrütet und Junge aufgezogen. Aber was machen die Turteltauben wohl in der Zeit zwischen der Brutperiode und dem Herbstzug?

Hauptaktionsraum von Francesco während und nach der Brutzeit in diesem Jahr.

Wie die Ortungen des Satellitensenders belegen, hält sich Francesco auch nach der Brut weiterhin in der Gegend seines Brutgebiets auf. Wir können davon ausgehen, dass er dort im Familienverbund oder schon als Teil eines größeren Turteltaubentrupps umherstreift. In der Nachbrutzeit beginnen die Vögel auch mit der Handschwingenmauser, die sie dann für den Zug unterbrechen und erst im Winterquartier abschließen werden. Für diesen Aufbau der neuen Flugfedern, aber auch zum Aufbau von Fettreserven, die auf der bevorstehenden Reise als Treibstoff dienen werden, benötigen Turteltauben qualitativ hochwertige Nahrung. Sie besteht überwiegend aus Sämereien einer Vielzahl von Wildblumen und -kräutern. Diese gibt es jedoch in einer intensivierten, industriellen Landwirtschaft mit Herbizideinsatz leider immer weniger – vermutlich einer der Hauptgründe für den starken Bestandsrückgang der Turteltaube in weiten Bereichen Europas in den letzten Jahrzehnten.

Wir hoffen jedoch stark, dass es in der Gegend, in der sich Francesco derzeit aufhält, noch genügend gute Nahrung gibt, denn schon sehr bald wird er sich wieder auf den weiten Weg nach Süden in Richtung Winterquartier begeben.

Dana gelingt die Überquerung der Sahara nicht

Die Turteltaube Dana hatte ihren Rückweg ins Brutgebiet am 23. April angetreten. An diesem Tag war sie aus ihrem Winterquartier in Kamerun losgeflogen. Zwei Tage später erfolgten die nächsten Ortungen bereits aus dem Niger, 670 km in nordwestlicher Richtung. Zwei Tage und weitere 500 km nordwestlich hatte Dana ein Sanddünengebeit im Niger im nationelen Naturreservat ‚Air und Ténéré‘ erreicht. Die Wüstengegend Ténéré nördlich der Oasenstadt Agadez, gehört sicherlich zu den extremen Trockengebieten der Erde. So waren wir erst erstaunt, als es schien, dass sich Dana für eine Zwischenrast dort entschieden hatte und dann zunehmend beunruhigt, da die Ortungen für die nächsten Tage und Wochen aus der gleichen Gegend kamen, die bei Betrachtung des Satellitenbilds als Rastgebiet für Turteltauben ziemlich ungeignet erscheint.

Danas letzte Flugbewegung wurde am 26. Mai geortet. Das Signal kommt mitten aus der Sahara, südlich von Algerien.

Ungefähr einen Monat nach Danas Feststellung in der Ténéré erreichte uns am 26. Mai das bisher letzte Signal ihres Satellitensenders. Leider müssen wir davon ausgehen, dass der Vogel dort bei der Saharaüberquerung entweder umgekommen ist oder den Sender verloren hat. Insgesamt stellen große Wüstengebiete wie die Sahara für viele Zugvögel ökologische Barrieren dar, die nur unter großer Anstrengung überwunden werden können. Oasen, die Nahrung, Wasser und schützende Vegetation zur Zwischenrast bereitstellen, dienen dabei als sogenannte Trittsteine. Dehnen sich Wüsten aufgrund von Veränderungen im Klima aus oder verschwinden diese Trittsteine aus dem gleichen Grund, bleiben unsere Zugvögel ganz wörtlich gesprochen zunehmend auf der Strecke.

Jans Reise endet vorzeitig

Der besenderte Turteltäuber Ján hatte, wie hier im Blog an früherer Stelle berichtet, die Brutzeit in der Slovakei in der Nähe des Ortes Spisske verbracht. Von dort war er am 18. August durchgestartet und hatte seinen Herbstzug in Richtung Süden begonnen. In Südostungarn nahe Szarvas legte er eine ausgedehnte Pause ein, er hielt sich dort vom 22. August bis zum 15. September zur Zwischenrast auf.

Jans Reisestrecke auf dem Herbstzug

Längere Rastdauern und kürzere Etappen sind für viele Vogelarten auf dem Herbstzug keine Seltenheit, im Frühjahr haben sie es hingegen meist eiliger, wollen möglichst zeitig in die Brutgebiete gelangen um schnell die besten Reviere zu besetzen. Ornithologen sprechen davon, dass der Vogelzug im Frühjahr eher zeitlimitiert, im Herbst im Gegensatz dazu eher ressourcenlimitiert abläuft.

Über Serbien, den Kosovo und Mazedonien war Ján weiter nach Griechenland gezogen, am 19. September war er ungefähr zwanzig Kilometer westlich von Korinth angekommen. Der mit einem Argos-Sender ausgestattete Vogel zog von dort aus weiter in südöstlicher Richtung und ließ die zufälligerweise gleichnamige Stadt (Argos) südwestlich liegen. Leider verloren wir kurze Zeit später den Kontakt zum Vogel, die letzte Ortung erfolgte am frühen Nachmittag des 20. Septembers über dem Myrtóön-Becken.

Über die Ursache für den Verlust des Vogels können wir natürlich nur spekulieren, ein plötzlicher Ausfall des Senders erscheint uns jedoch unwahrscheinlich. Sicherlich ist der Herbstzug durchaus mit Gefahren verbunden und so könnte Ján auf einer der kleinen Inseln in der Region ein Opfer der leider nach wie vor dort ausgeübten Herbstjagd geworden sein. Auch eine natürliche Todesursache, etwa durch einen der auf den Inseln heimischen Wanderfalken ist jedoch durchaus möglich.

Dana nimmt die Ostroute

Die Turteltaube Dana vor der Freilassung. Foto: Ben Metzger

Die Turteltaube Dana vor der Freilassung. Foto: Ben Metzger

Die Turteltaube Dana hatten wir ebenfalls Ende April auf Comino mit einem Argos-Satellitensender ausgerüstet. Zum Brüten war sie ins bulgarisch-rumänische Grenzgebiet in den äußersten Nordosten Bulgariens geflogen. Dort hielt sie sich die gesamte Brutzeit in den Donau-Auen in der Nähe der kleinen Stadt Widin auf.

Ihre Reise in den Süden begann Dana am siebten September und flog über Serbien und Mazedonien zügig nach Griechenland. Westlich des Olymp-Nationalparks legte sie vom 10. bis 12. September eine kurze Zwischenrast ein. Die nächste Ortung des Vogels bekamen wir dann zwei Tage später am 14. September, da hatte Dana schon das östliche Mittelmeer überquert und war fast tausend Kilometer weiter südlich im Nordosten Libyens angekommen. Bemerkenswert ist hier, abgesehen von der aktiven Flugleistung, vor allem, dass die Mittelmeerüberquerung auf dem Herbstzug viele hundert Kilometer weiter östlich erfolgte als auf dem Frühjahrszug. Ausserdem scheint die Querung des Mittelmeers bei dieser Art durchaus nicht auf Meerengen beschränkt zu sein.

Beeinträchtigen Sender die Zugvögel?

Manch besorgter Vogelfreund fragt sich, ob die an den Zugvögeln angebrachten Sender diese nicht beeinträchtigen oder beim Flug gravierend stören. Auf den ersten Blick eine berechtige Frage. Doch sie können unbesorgt sein.

Der fünf Gramm leichte Sender wird an einer Turteltaube befestigt. Studien zeigen, dass diese dadurch nicht eingeschränkt ist. – Foto: Ben Metzger