Dana nimmt die Ostroute

Die Turteltaube Dana vor der Freilassung. Foto: Ben Metzger

Die Turteltaube Dana vor der Freilassung. Foto: Ben Metzger

Die Turteltaube Dana hatten wir ebenfalls Ende April auf Comino mit einem Argos-Satellitensender ausgerüstet. Zum Brüten war sie ins bulgarisch-rumänische Grenzgebiet in den äußersten Nordosten Bulgariens geflogen. Dort hielt sie sich die gesamte Brutzeit in den Donau-Auen in der Nähe der kleinen Stadt Widin auf.

Ihre Reise in den Süden begann Dana am siebten September und flog über Serbien und Mazedonien zügig nach Griechenland. Westlich des Olymp-Nationalparks legte sie vom 10. bis 12. September eine kurze Zwischenrast ein. Die nächste Ortung des Vogels bekamen wir dann zwei Tage später am 14. September, da hatte Dana schon das östliche Mittelmeer überquert und war fast tausend Kilometer weiter südlich im Nordosten Libyens angekommen. Bemerkenswert ist hier, abgesehen von der aktiven Flugleistung, vor allem, dass die Mittelmeerüberquerung auf dem Herbstzug viele hundert Kilometer weiter östlich erfolgte als auf dem Frühjahrszug. Ausserdem scheint die Querung des Mittelmeers bei dieser Art durchaus nicht auf Meerengen beschränkt zu sein.

Turteltaubenschwarm im Zakouma Nationalpark, Tschad. Foto/Copyright: Leon Lamprecht / African Parks

Auch für die Überquerung der Sahara ließ sich Dana nicht viel Zeit, die über 1.900 Kilometer lange Strecke legte sie in gerade einmal drei Tagen zurück und erreichte am 17. September im Westen des Tschad die nördliche Uferregion des gleichnamigen Sees. Diese gesamte Strecke von annährend 3.000 Kilometer hatte inklusive der Pausen gerade einmal zehn Tage gedauert. Im Sahel nördlich des Tschadsees hielt sich Dana für vier weitere Tage auf.

Flache, zum großen Teil temporäre Gewässer, sind für die lokale Vogelwelt des Sahel und gleichsam für Wintergäste und Rastvögel aus Europa vor und nach der Überquerung der Sahara von herausragender Bedeutung. So bekamen wir von Joost Brouwer, dem Koordinator der West African Bird Database (http://www.wabdab.org) und Mitarbeiter im Internationalen Arterhaltungsplan für die Turteltaube die Information, dass Leon Lamprecht von African Parks in einem Feuchtgebiet im Nationalpark von Zakouma im südlichen Tschad einen Schwarm von schätzungsweise 10.000 Turteltauben beobachten konnte. Diese gewaltige Ansammlung von Turteltauben war allerdings bereits Ende April registriert worden.

Nach der viertägigen Rast im Tschad flog Dana am 21. September noch ein relativ kurzes Stück weiter in Richtung Südwesten. Seither ist sie im Norden Kameruns nicht weit vom Fluss Schari recht stationär, vielleicht ist hier ja schon ihr Winterquartier?

Danas bisher letzte Etappe auf dem Herbstzug von Tschad nach Kamerun.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
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