Immer wieder Malta

Alle drei Turteltauben befinden sich zur Zeit noch südlich des Mittelmeers, das vor allem Francesco schon in den nächsten Tagen von Nordafrika aus nach Italien überqueren dürfte. Daher richtet sich unser Augenmerk wieder einmal auf die Situation in Malta, dem Inselstaat im zentralen Mittelmeer, der für die Jagd und Wilderei auf ziehende Vögel berüchtigt ist und als einziges EU-Land jährlich Ausnahmeregelungen für eine Jagd auf Zugvögel im Frühjahr durchsetzt.

Turteltaube als Jagdopfer zwischen acht Pirolen. Foto: NABU/Waheed Salama

Die maltesische Regierung wird sich wohl durchaus bewusst gewesen sein, dass eine legale Jagd auf die gefährdeten Turteltauben in diesem Frühjahr kaum zu rechtfertigen sein dürfte. Um die über 6000 schießfreudigen Jäger dennoch zufriedenstellen zu können, genehmigte der für die „Wild Bird Regulation Unit“ (WBRU) zuständige Minister Clint Camilleri, der selbst ein Jäger ist, eine dreiwöchige Frühjahrs-Saison auf Wachteln. Diese „Wachtelsaison“ bis Ende April wurde allerdings zeitlich so ausgedehnt, dass sie mit der Hauptdurchzugszeit der Turteltauben zusammenfällt – Wachteln ziehen hauptsächlich von März bis Anfang April über die maltesischen Inseln.

Darüber hinaus führt auch in Malta die Situation bezüglich der Covid-19 Pandemie dazu, dass alle Aktivitäten draußen für die Bevölkerung auf das Notwendigste reduziert sind.

Francesco überfliegt die Wüste – überwiegend nachts

Am Abend des 13. April machte sich Francesco nun schon zum dritten Mal seit seiner Besenderung auf den Heimzug ins Brutgebiet. Schon im letzten Jahr hatte er die Saharaquerung exakt am gleichen Tag begonnen. Gegen 19:30 Ortszeit verließ Francesco seinen letzten Winterort im Ansonge-Menaka Reservat im Süden Malis gen Norden, in dem er sich einen Monat lang aufgehalten hatte. In den letzten beiden Jahren hatte er für diesen längsten und sicherlich entbehrungsreichsten Teil seines Frühjahrszuges jeweils nur vier Tage gebraucht und sich dann eine ein- bis zweiwöchige Rast in Tunesien gegönnt, bevor er weiter über das Mittelmeer in sein süditalienisches Brutgebiet bei Neapel weitergezogen war.

Francescos Flugroute bei der Überquerung der Sahara vom 13. bis 18. April; Quelle: Argos.

Francesco zögert die Saharaquerung hinaus

Zuletzt hatte ich berichtet, wie Francesco schon ein erstes größeres Stück von Ghana aus nordwärts über Burkina Faso bis in den Süden Malis gezogen war. Wir hatten spekuliert, ob er damit schon seine Heimreise ins Brutgebiet angetreten hatte. In Mali angekommen war er allerdings erst einmal etwas mehr als hundert Kilometer nach Osten abgebogen, hatte den Nigerfluss überquert und hält sich seither im Ansonge-Menaka-Reservat, einem partiellen Wildschutzgebiet in Süd-Mali nahe der Grenze zum Niger auf. Möglicherweise frisst er sich dort Energiereserven für den bevorstehenden Flug über die Sahara an oder er schließt derzeit noch seine Frühjahrsmauser ab. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass Francesco, sowie seine besenderten Artgenossen Melanie und Cyril schon in den allernächsten Tagen mit der Überquerung der Sahara die erste große Etappe des Frühjahrszug antreten werden. Wünschen wir ihnen für den bevorstehenden entbehrungsreichen und gefährlichen Zug in die Europäischen Brutgebiete viel Glück!

Francescos Ortungen aus dem Ansonge-Menaka Reservat in Süd-Mali; Quelle: Argos.

Melanie zieht ein Stück den Niger entlang

Während Cyril sich schon vier Monate stationär in seinem Überwinterungsgebiet im Süden Nigers aufhält, und Francesco vor kurzem einen ersten größeren Sprung nordwärts von Ghana nach Mali unternommen hat, schauen wir uns näher an, wo sich Melanie derzeit aufhält. Sie war am 17. November letzten Jahres im Südwesten Malis angekommen und dort über einen Zeitraum von fast vier Monaten ihrem Winterort in der Flussniederung des Niger treu geblieben. In der Zeit vom 11. bis zum 18. März bewegte sie sich dann in zwei Etappen etwa zwanzig Kilometer flussabwärts in Richtung Nordosten, wo sie sich seither aufhält. Was Melanie zu dieser Ortsveränderung veranlasst hat, beziehungsweise inwiefern sich die Bedingungen in den beiden, nahe beieinander liegenden Wintergebieten unterscheiden, vermögen wir nur zu spekulieren. Vermutlich hat sie diesen Winterortswechsel jedoch nicht alleine sondern in einem Überwinterungstrupp mit anderen Turteltauben unternommen. Möglicherweise ist die derzeitige Nahrungssituation im neuen Gebiet insgesamt besser. Am Ende des Winters und vor dem Heimzug in die Brutgebiete schließen Turteltauben allerdings auch die Mauser ihres Körpergefieders ab, die sie normalerweise am Ende der Brutzeit beginnen und dann für den Herbstzug unterbrechen. Somit könnte es auch sein, dass an Melanies neuem Standort Nahrung zu finden ist, die ihr speziell beim Gefiederwechsel hilft. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass Melanie noch mindestens bis Mitte April am Südrand des Sahel zubringt, bevor sie ihren Heimzug in ihr hessisches Brutgebiet startet.

Melanies Ortungen entlang des Flusses Niger in Südwest-Mali; Quelle: Argos

Francesco schon auf der Heimreise?

Während die in Deutschland besenderten Turteltauben Melanie und Cyril weiter in ihren Winterquartieren ausharren, hat der Italiener Francesco, den wir im Frühjahr 2017 auf Malta besendert hatten, seines in Ghana kürzlich wieder verlassen. Am Abend des 14. März zog er aus der Gegend Tamale in Richtung Norden los und war am nächsten Tag bereits in Burkina Faso, ca. einhundert Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ouagadougou. In der darauf folgenden Nacht ging es dann schon weiter, und so erreichte Francesco am 16. März den Südosten Malis, etwas nördlich des Dreiländerecks zwischen Mali, Niger und Burkina Faso. Damit hat er in den zwei Nächten insgesamt etwa 650 Kilometer in nördlicher Richtung zurückgelegt.

Francescos Flug von Ghana nach Südost-Mali (Mitte); Melanie überwintert weiterhin in Südwest-Mali (links), Cyril im Niger (rechts im Bild). Quelle: Argos

Zoonosen können unseren Turteltauben zu schaffen machen

Welche Faktoren außer fortschreitenden Lebensraumveränderungen in der intensivierten Landwirtschaft und einem übermäßigen Jagddruck bereiten unseren Turteltauben sonst noch Probleme? Derzeit sind aufgrund der sich ausbreitenden Coronavirus-Epidemie allgemein Zoonosen wieder stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Als Zoonosen werden Krankheiten bezeichnet, die in Wildtierbeständen zirkulieren und unter Umständen von dort auch auf Haus- und Nutztiere sowie in seltenen Fällen auf den Menschen überspringen können.

Ringeltaube und Turteltaube an der gemeinsamen Tränke.

In den Beständen von Wildtauben, inklusive der Turteltauben findet sich eine Reihe von Erregern, wie zum Beispiel diverse Stämme von Trichomonaden der Art Trichomonas gallinae. Das sind einzellige Parasiten, die auch Nutzgeflügel krank machen können. Trichomonas befällt bei den Vögeln überwiegend den Kropf und Rachenraum, die sichtbaren Symptome der Krankheit werden auch Gelber Kropf genannt. Eine Übertragung dieser Art auf den Menschen