Karte der Turteltauben

Taubert zieht übers Mittelmeer nach Algerien

Tauberts Mittelmeer-Überquerung westlich der Balearen

Fast drei Wochen lang hatte Taubert an der spanischen Mittelmeerküste zwischen Barcelona und Valencia gerastet. In der Nacht vom 19. auf den 20. September war er dann von dort direkt nach Süden losgeflogen, hatte das westliche Mittelmeer nach Nordafrika überquert und war am nächsten Morgen westlich von Algier an der algerischen Küste angekommen. Interessanterweise wählte Taubert für seine Mittelmeer-Überquerung auf den afrikanischen Kontinent nicht die kürzeste Strecke übers Meer – das wäre die Straße von Gibraltar gewesen.

Jetzt scheint er auch nicht länger in Nord-Algerien zu rasten, sondern setzte gleich in der nächsten Nacht zur Überquerung der Sahara an. Das kann er sich nach der langen Rast in Spanien, auf der er sich bestimmt genügend Reserven angefressen hat, wohl leisten.

Julia als erste in Afrika

Julias Reise durch Spanien nach Marokko

Julia hatte nach der ersten großen Strecke auf dem Wegzug aus ihrem hessischen Brutgebiet etwa eine Woche lang in Zentralspanien gerastet. Am Abend des 12. September war sie dann in Etappen recht zügig in Richtung Süden weitergeflogen. Am 13. machte sie tagsüber Rast im Naturpark von Cornalvo, knapp nördlich von Mérida. Am späten Abend des 15. September war sie auf der Höhe Sevillas in Südspanien, angekommen und flog noch in der selben Nacht etwas westlich der Meeresenge von Gibraltar nach Nordafrika. Seit dem 16. rastet Julia nun in Marokko, etwa dreißig Kilometer südöstlich von Rabat. Hier hält sie sich in einer Gegend mit größeren Getreidefeldern auf. Vermutlich wird sie sich dort etwas länger aufhalten, um sich für die bevorstehende Überquerung der Sahara genügend Reserven anzufressen.

Teilerfolg: 11.000 Turteltauben sicher in Frankreich!

Foto: BirdLife Europe

Unser BirdLife-Partnerverband LPO hat uns heute darüber informiert, dass am vergangenen Freitag die Jagd auf Turteltauben in Frankreich für diese Saison vom Staatstrat vorzeitig beendet wurde (Pressemitteilung (frz.) von LPO)!

Leider war dies zu spät für den Beginn der Jagdsaison, denn das Dekret wurde vom zuständigen Ministerium erst zwei Tage vor dem Eröffnungstermin des 29. Augusts veröffentlicht, aber früh genug, um die Jagd zum Beginn der zweiten Septemberhälfte einzustellen. Französische Jäger nutzten zwar die Lücke von zwei Wochen um Turteltauben zu schießen, jedoch waren es mit 7.000 weit weniger als die vorher geltende Quote von knapp 18.000 Vögeln.

Die für die Staatsratsentscheidung zugrundeliegende öffentliche Konsultation (mehr als 19.000 Beiträge) ergab 75,2 Prozent der Stimmen gegen die Jagd auf Turteltauben. Der NABU ist LPO am 10. August mit einem kurzfristigen Aufruf in Deutschland zur Seite gesprungen. Und tatsächlich – allein dank Ihrer Unterstützung können wir davon ausgehen, dass auch einige hundert deutsche Stimmen gegen die Jagd auf „unsere“ dort durchziehenden Turteltauben geholfen haben.

Diese erfreuliche Entwicklung stimmt uns hoffnungsvoll für unsere Sendertauben: Vier von fünf haben auf ihrem begonnen Zug in die Überwinterungsgebiete den Weg über Frankreich gewählt!

Virginijus ein Opfer der Herbstjagd?

Comino, 5. Mai 2020

Turteltaube Virginijus direkt nach seiner Besenderung; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta

Schon seit dem ersten Septembers gibt es kein Signal von Virginijus, und das bedeutet leider aller Wahrscheinlichkeit nach schlechte Nachrichten.

Virginijus hatten die Kollegen von BirdLife Malta in diesem Frühjahr auf der maltesischen Insel Comino besendert. Zum Brüten war er wie die meisten der auf Malta besenderten Turteltauben nach Italien gezogen. Sein Brutrevier hatte Virginijus in einem Küstenwaldstück am Mittelmeer in der Toskana, direkt gegenüber der Insel Elba.

Immerhin konnten wir mit Hilfe seines Senders während der gesamten Brutsaison viele wertvolle Daten über seine Aufenthaltsorte sammeln und auch seine letzten Ortungen erreichten uns von dort. Leider ist es nicht unwahrscheinlich, dass Virginijus das Schicksal mit unzähligen weiteren Turteltauben und Vögeln anderer Arten teilt und in Italien ein Opfer der Herbstjagd auf Zugvögel wurde.

Romeo macht sich als letzer auf die Reise

Romeo (braun) wählt wie Melanie, Julia und Taubert die Route über Frankreich.

Romeo, den die Wissenschafterl*innen der Universität Gießen in diesem Sommer als erste Turteltaube mit einem Sender ausgestattet hatten, startete seine Reise aus seinem Brutgebiet bei Cleeberg in Richtung Winterquartier als letzter. Damit sind nun alle Sendertauben auf dem Weg in ihr Überwinterungsgebiet im Sahel Afrikas.

Er war am Abend des 6. Septembers Richtung Süden losgezogen und gegen elf Uhr abends bis nach Kaiserslautern gekommen, flog in seiner ersten Zugnacht vermutlich aber noch weiter. Denn schon am Abend des nächsten Tages erreichten uns die Signale seines Senders aus der Nähe von Clermond-Ferrand im Zentrum Frankreichs. Noch in der gleichen Nacht zog er dann bis nach Südfrankreich an die Garonne, wo er sich seither auf etwa halber Strecke zwischen Bordeaux und Tulouse in landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Rast aufhält. Ich gehe nun davon aus, dass er schon sehr bald über die Pyrenäen nach Spanien weiterfliegen wird.

Taubert zieht die Costa Brava entlang

Von Tauberts Reise nach Südfrankreich hatten wir bereits vor einigen Tagen berichtet. In der Nacht des 26. auf den 27. August zog er nun von der Region Nimes aus weiter Richtung Südwesten und war am Abend des 27. bei Perpignan, unweit der spanischen Grenze an den Nordostausläufern der Pyrenäen. In der Nacht auf den 28. flog er dann nach Spanien weiter entlang der Costa Brava und rastete danach bis zum 30. August am Mittelmeer südwestlich von Barcelona, zwischen Barcelona und Tarragona. Am 31. morgens erreichten uns dann die nächsten Peilungen seines Satellitensenders aus der Nähe des Ebrodeltas, das Naturfreunden aufgrund der großen Vielfalt an dort rastenden und brütenden Wasservogelarten ein Begriff ist. Taubert hält sich seither in der Region auf und rastet küstennah ca. 30 Kilometer südlich der Flussmündung in Kulturland. Gespannt warten wir, wie es mit seiner Reise weitergeht und fragen uns wann er wohl das Mittelmeer überquert.

Rastende Turteltauben bei der Nahrungssuche; Foto: Ben Metzger