Nicola – Erste ganzjährige Verfolgung einer auf Malta besenderten Turteltaube

Unsere erste Turteltaube – Nicola – wurde bereits am 13. Mai 2016 auf Malta besendert. Die Taube hielt sich dann einige Tage in einem Wäldchen auf Malta auf, was wegen der illegalen Jagd nicht ungefährlich ist, aber am 20. Mai 2016 erhielten wir die ersten Positionen aus Süditalien und konnten aufatmen.

Nach wenigen Tagen kam Nicola dann am 22. Mai 2016 im Brutgebiet an, und hielt sich bis zum 14. September 2016 hier auf. Das Gebiet beim Ort Cerignola in der Provinz Foggia in Apulien ist ein bedeutendes Olivenanbaugebiet. Von hier stammen die grünen Oliven der Sorte „Bella di Cerignola“, die zu den größten Tafeloliven Italiens zählen. Im Luftbild sind die Olivenhaine gut zu erkennen. Die grünen Vierecke sind Nicolas per Satellit geschätzte (und je nach Satellitenposition unterschiedlich genaue) Positionen:

Karte der Olivenhaine in Cerignola/Italien. Die grünen Punkte sind die Positionen von Nicola.

Margherita Christiani aus Apulien besuchte die Farm, auf der Nicola vermutlich gebrütet hatte, und hat auch mit dem Besitzer der Farm Tenuta Rocco dort gesprochen und uns ein paar Fotos geschickt. Francesco Rocco baut überwiegend Oliven und Wein an, und da er Jäger nicht mag, versucht er, sie von seinem Land fernzuhalten. Er hat dieses Jahr eine Turteltaube in der höchsten Fichte auf seinem Land beim Brüten und beim Trinken an seinem Wasserreservoir beobachtet.

Im September begann Nicolas Reise nach Süden. Die erste Position in Afrika erhielten wir von der Hafenstadt al-Chums in Libyen. Bis zum 5. Oktober 2016 hielt sich Nicola in Libyen auf, und zog dann durch Algerien, Mali und Niger bis nach Nord-Nigeria.

Nicolas Reise von Mai 2016 bis August 2017.

Hier erreichte das Täubchen am 16. November das Gebiet südlich des Bakolori Stausees im Bundesland Zamfara im Nordwesten von Nigeria. Nicola blieb hier 5 Monate lang bis zum 20. April 2017. Zamfara, ursprünglich von Trockensavanne dominiert, ist heute von Landwirtschaft geprägt. Die Bevölkerung hier besteht zum überwiegenden Teil aus Kleinbauern. Es werden auf kleinen Feldern Hirse und Mais angebaut und auf Weideland Kühe, Schafe, Ziegen und Hühner gehalten. Das Klima ist von Regen- und Trockenzeit geprägt, und ganzjährig warm bis heiß. Die Regenzeit fällt dabei in die Monate Mai und Juni bis September und Oktober, so dass es sicher bei Nicolas Ankunft im Gebiet in der Savanne und auf den Feldern ein reiches Samenangebot gab. Nicola hielt sich außerdem am Flusslauf des Sokoto und kleinerer Zuflüsse und Seen auf (Luftbild). März und April sind die heißesten Monate, mit Temperaturen häufig über 36 Grad Celsius.

Nicolas Überwinterungsgebiet in Nigeria.

Vor dem Einsetzen der Regenzeit, welche zu Beginn häufig von heftigen Regenstürmen begleitet ist, begann Nicolas Frühjahrszug. Während der Herbstzug zwei Monate gedauert hatte, war der Frühjahrzug zielgerichteter. Über Niger erreichte Nicola in nur drei Tagen Libyen, legte hier in der Nähe von Tripolis eine zehntägige Rast ein und überquerte dann das Mittelmeer wieder in Richtung Italien. Am 6. Mai 2017 erhielten wir die erste Position in Europa, aus der Nähe von Bologna/Italien, und seit 15. Mai bis zum letzte Signal am 5. August war Nicola wieder wie im Vorjahr in den Olivenhainen von Cerignola. Etwa zehn Tage zuvor fing der Sender an, unregelmäßiger zu senden, so dass wir von einem Ausfall des Senders ausgehen.

Nicolas Reise über die letzten 15 Monate mit zu verfolgen, war für alle Beteiligten ein großartiges und spannendes Erlebnis, und nun drücken wir die Daumen, dass wir auch von Jan, Dana und Francesco viel über ihren Lebensraum und ihre Zugwege lernen können.

Petra Quillfeldt

Petra Quillfeldt

Petra Quillfeldt ist Professorin für Verhaltensökologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo sie im Studiengang Biologie mit Schwerpunkt Evolution,
Ökologie und Naturschutz unterrichtet. Ihre Forschungsschwerpunkte
reichen von der Ökologie von Sturmschwalben und Walvögeln im Südlichen
Ozean bis zu lokalen Projekten an Singvögeln im urbanen Lebensraum.
Sie hat Erfahrungen mit Geolokations-, GPS- und Satellitentracking.
Seit mehreren Jahren stehen Wildtauben und besonders die Europäische
Turteltaube ebenfalls im Fokus der Arbeitsgruppe. Verbesserte
Kenntnisse der Zugbewegungen und der Populationsgenetik, aber auch der
Krankheiten sollen zum Schutz der Art beitragen. Petra Quillfeldt ist
unter anderem Mitglied im deutschen Nationalkomitee SCAR/IASC
(Forschungskoordination in Arktis und Antarktis), im Beirat der
Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) sowie in NABU und HGON.
Petra Quillfeldt

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