Turteltauben Beiträge

Francesco bereitet sich auf die nächste lange Reise vor

Schon die zweite Brutzeit seit seiner Besenderung im Frühjahr 2017 hat die männliche Turteltaube Francesco nun in Italien nordöstlich von Neapel verbracht und dort vermutlich erfolgreich gebrütet und Junge aufgezogen. Aber was machen die Turteltauben wohl in der Zeit zwischen der Brutperiode und dem Herbstzug?

Hauptaktionsraum von Francesco während und nach der Brutzeit in diesem Jahr.

Wie die Ortungen des Satellitensenders belegen, hält sich Francesco auch nach der Brut weiterhin in der Gegend seines Brutgebiets auf. Wir können davon ausgehen, dass er dort im Familienverbund oder schon als Teil eines größeren Turteltaubentrupps umherstreift. In der Nachbrutzeit beginnen die Vögel auch mit der Handschwingenmauser, die sie dann für den Zug unterbrechen und erst im Winterquartier abschließen werden. Für diesen Aufbau der neuen Flugfedern, aber auch zum Aufbau von Fettreserven, die auf der bevorstehenden Reise als Treibstoff dienen werden, benötigen Turteltauben qualitativ hochwertige Nahrung. Sie besteht überwiegend aus Sämereien einer Vielzahl von Wildblumen und -kräutern. Diese gibt es jedoch in einer intensivierten, industriellen Landwirtschaft mit Herbizideinsatz leider immer weniger – vermutlich einer der Hauptgründe für den starken Bestandsrückgang der Turteltaube in weiten Bereichen Europas in den letzten Jahrzehnten.

Wir hoffen jedoch stark, dass es in der Gegend, in der sich Francesco derzeit aufhält, noch genügend gute Nahrung gibt, denn schon sehr bald wird er sich wieder auf den weiten Weg nach Süden in Richtung Winterquartier begeben.

Francesco zieht noch weiter

Am 11. November 2018 verließ das Turteltaubenmännchen Francesco sein erstes diesjähriges Überwinterungsgebiet im Osten Malis. In südwestlicher Richtung flog er ungefähr 340 Kilometer in den Norden Burkino Fasos. Dort hält er sich seither im Schutzgebiet Réserve sylvo-pastorale et partielle de faune du Sahel auf. Mit etwa 16.000 Quadratkilometern ist es das größte Naturschutzgebiet in Burkina Faso. Wenngleich weite Teile trotz des offiziellen Schutzstatus recht intensiv beweidet sind, gibt es noch einige weniger genutzte Flächen und temporäre Seen mit höherer Bedeutung als Rastflächen für Zugvögel.

Francesco ist zurück und Dana ist auf dem Weg nach Norden

Die beiden Turteltauben haben den Winter gut überstanden und sind nun auf dem Rückweg.

Abbildung: Francescos Zugweg und sein Zwischenrastgebiet in Tunesien

Wo sind die Turteltauben im Winter?

Turteltaubenschwarm im Zakouma Nationalpark, Tschad – Foto: African Parks, Leon Lamprecht

Dana und Francesco verbringen ebenso wie Nicola im Jahr zuvor ihren Winter in der Trockensavanne. Diese Vegetationszone zieht sich wie ein Gürtel südlich von Wüste, Halbwüste und Dornsavanne am Südrand der Sahara quer über den Kontinent, durch die Länder (von West nach Ost): Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad und Sudan.

Jans Reise endet vorzeitig

Der besenderte Turteltäuber Ján hatte, wie hier im Blog an früherer Stelle berichtet, die Brutzeit in der Slovakei in der Nähe des Ortes Spisske verbracht. Von dort war er am 18. August durchgestartet und hatte seinen Herbstzug in Richtung Süden begonnen. In Südostungarn nahe Szarvas legte er eine ausgedehnte Pause ein, er hielt sich dort vom 22. August bis zum 15. September zur Zwischenrast auf.

Jans Reisestrecke auf dem Herbstzug

Längere Rastdauern und kürzere Etappen sind für viele Vogelarten auf dem Herbstzug keine Seltenheit, im Frühjahr haben sie es hingegen meist eiliger, wollen möglichst zeitig in die Brutgebiete gelangen um schnell die besten Reviere zu besetzen. Ornithologen sprechen davon, dass der Vogelzug im Frühjahr eher zeitlimitiert, im Herbst im Gegensatz dazu eher ressourcenlimitiert abläuft.

Über Serbien, den Kosovo und Mazedonien war Ján weiter nach Griechenland gezogen, am 19. September war er ungefähr zwanzig Kilometer westlich von Korinth angekommen. Der mit einem Argos-Sender ausgestattete Vogel zog von dort aus weiter in südöstlicher Richtung und ließ die zufälligerweise gleichnamige Stadt (Argos) südwestlich liegen. Leider verloren wir kurze Zeit später den Kontakt zum Vogel, die letzte Ortung erfolgte am frühen Nachmittag des 20. Septembers über dem Myrtóön-Becken.

Über die Ursache für den Verlust des Vogels können wir natürlich nur spekulieren, ein plötzlicher Ausfall des Senders erscheint uns jedoch unwahrscheinlich. Sicherlich ist der Herbstzug durchaus mit Gefahren verbunden und so könnte Ján auf einer der kleinen Inseln in der Region ein Opfer der leider nach wie vor dort ausgeübten Herbstjagd geworden sein. Auch eine natürliche Todesursache, etwa durch einen der auf den Inseln heimischen Wanderfalken ist jedoch durchaus möglich.

Wie funktionieren die Satellitensender?

Um die Positionen auf den Karten besser beurteilen zu können und auch zu verstehen, warum Nicolas Sender nach 15 Monaten ausfiel, möchten wir heute ein paar technische Details beschreiben:

Das ARGOS System (Advanced Research and Global Observation Satellite) wurde 1978 von NOAA (USA), NASA (USA) und der französischen Raumfahrtagentur CNES ursprünglich für meteorologische Messungen realisiert. Seit 1990 wurden ARGOS-Zusatznutzlasten für das Tiertracking verfügbar gemacht und ARGOS dient seitdem auch der Beobachtung von globalen Tierwanderungen, aber auch anderen Anwendern wie der Kontrolle im Schiffsverkehr.

Irgendwann erhält man kein Signal mehr: Die Lebensdauer eines Sender hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Akku – Foto: Ben Metzger

Während beim GPS-System der Empfänger auf der Erde seine Position mittels empfangener Satellitendaten berechnet, ist der Weg bei den Argos-Sendern umgekehrt.