Extremadura Beiträge

Auf dem Weg „heim“

Während wir bereits Anfang Februar die ersten Meldungen erhalten haben, dass an mehreren Stellen Hessens bzw. Deutschlands schon wieder Rotmilane zu sehen sind (s. www.NABU-naturgucker.de), haben es sich unsere drei  besenderten Rotmilane aus dem mittelhessischen Vogelsberg etwas länger auf der Iberischen Halbinsel gutgehen lassen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass in den höheren Lagen des Vogelsbergs noch bis vor kurzem Schnee und Eis den Alltag dominierten.

Max, der die letzten Jahre bei Stockhausen im östlichen Vogelsberg brütete, war der Erste im Bunde, der letzten Sonntag die Heimreise angetreten ist. Mitte der Woche folgte ihm Noah, der seit mindestens drei Jahren bei Ulrichstein brütet. Und schließlich machte sich am Wochenende auch Isolde auf den Weg und hat genauso wie Max bereits die Pyrenäen hinter sich gelassen.

Beginn des Heim-/Frühjahrszuges 2019 der drei besendeten Vogelsberger Rotmilane Isolde, Max und Noah

Wir wünschen den Milanen alles Gute für den Heimzug!

Rotmilan-Portrait

Noahs Zug- und Überwinterungsverhalten

Faszinierend: Im dritten Jahr verfolgen wir nun das Zug- und Überwinterungsverhalten des besenderten Rotmilan-Männchens „Noah von Ulrichstein“, der im Juni 2016 seinen „Datenrucksack“ bekommen hat.

Die Zugrouten des Rotmilan-Männchens Noah 2016/17, 2017/18 und im Herbst 2018

Drei Jahre hintereinander hat er nun erfolgreich auf ein und demselben Horst in der Nähe von Ulrichstein seine Jungen aufgezogen und sich im Winterhalbjahr stets für die Extremadura als Überwinterungsgebiet entschieden. Südlich Badajoz, immerhin rund 1.800 Kilometer vom mittelhessischen Brutplatz entfernt, scheint es ihm sehr gut zu gehen, denn die Raumnutzungen in der Winterhalbjahren 2016/17, 2017/18 und im Oktober 2018 unterscheiden sich kaum.

Die Raumnutzung des Rotmilan-Männchens Noah während der vergangenen 3 Winterhalbjahre in der spanischen Extremadura.

Angekommen im Vogelsberg

Schlag auf Schlag ging es in den vergangenen Tagen, betrachtet man sich den Zeitraum von Ende Februar bis Mitte März. Nachdem zunächst das Männchen Noah den Anfang machte, folgte Max kurz nach ihm mit dem Aufbruch Richtung Nordosten. Als letztes verließ das Rotmilan-Weibchen Isolde das Überwinterungsgebiet bei Léon im Norden Spaniens.

Zugrouten der besenderten Rotmilane aus dem Vogelsberg 2016/17 und 2017/18.

Alle Vögel erreichten Mitte März das vorjährige Brutrevier. Wir wünschen den Vögeln eine erfolgreiche Brutsaison 2018!

Adulter Rotmilan

Noah hat sich auf den Weg gemacht

Es ist soweit: Nach rund vier Monaten Aufenthalt im Überwinterungsgebiet in der Extremadura hat sich Noah als erster unserer besenderten Rotmilane wieder auf den Weg Richtung Norden gemacht und dabei in den letzten drei Tagen fast 300 Kilometer zurückgelegt. Er hält sich derzeit südlich Salamanca auf.

Während vielerorts schon die ersten Heimkehrer in einigen Teilen Deutschlands festgestellt werden konnten, kann man bei der aktuellen Wetterlage des Vogelsbergs durchaus verstehen, warum sich die Milane des Vogelsberg noch ein wenig mehr Zeit für den Aufbruch gelassen haben: In Noahs Brutrevier bei Ulrichstein sind die Nächte noch sehr kalt (teilweise unterhalb von minus 10 Grad Celsius), während auch eine eisige Schneedecke den Nahrungserwerb nicht gerade einfacher macht.

Rotmilan-Männchen Noah am Tag seiner Besenderung, Juni 2016

Unterdessen mussten wir vorgestern feststellen, dass das Sturmtief „Frederike“ fast den gesamten Horst Noahs in einer Esche zerstört hat. Auf diesem brütete er gemeinsam mit seiner Partnerin seit 2015 – und das jeweils erfolgreich mit insgesamt 6 flüggen Jungvögeln. Wir dürfen also gespannt sein, ob er seinen „alten“ Horst ausbessern wird oder aber an anderer Stelle brüten wird.

In den kommenden Tagen berichten wir ausführlicher über die Zeit Noahs während der Wintermonate sowie hoffentlich zeitnah auch vom Aufbruch der weiteren besenderten Rotmilane.

Schlafen in Spanien, jagen in Portugal

Beim Blick auf die aktuellen Daten zur Raumutzung Noahs in der spanischen Extremadura fiel heute früh auf, dass es wie auch im vergangenen Jahr Wechselwirkungen zwischen Spanien und Portugal gibt. Das Milan-Männchen übernachtet in aller Regel auf spanischer Seite nordwestlich Olivenza in der Provinz Badajoz, während es zur Nahrungsaufnahme regelmäßig in Portugal anzutreffen ist. Und nicht nur das: Der Vergleich der aktuellen Daten mit den Daten aus dem Oktober 2016 zeigt vielmehr, dass Noah dasselbe Revier in ähnlicher Ausdehnung wie auch im vergangenen Herbst nutzt. Über 1.800 Kilometer vom Brutplatz im Vogelsberg entfernt, zeigt Noah somit eine hohe Treue gegenüber des Winterreviers bzw. Überwinterungsgebietes. Ob es dabei bleiben wird?

Noahs Winterrevier in der Extremadura. Auf der Karte werden die übertragenen Daten der vergangenen Woche mit den denen aus dem Oktober 2016 verglichen. Gut zu erkennen ist die spanisch-portugiesische Grenze (lila).

Die Extremadura gilt als eine der schönsten Regionen in ganz Europa – und ist bei Kulturinteressierten wie vor allem auch Vogelfreunden ein beliebtes Reiseziel. Angrenzend an Portugal, weist sie eine faszinierende Landschaft mit einer sehr beeindruckenden Tier- und Pflanzenwelt auf. Weithin bekannt ist die Region für die Stein- und Korkeichenhaine, die Dehesas genannt werden. Neben Kranichen, Weiß- und Schwarzstörchen überwintern an dieser Stelle Südwestspaniens auch sehr viele Rotmilane – in direkter Nachbarschaft zu weiteren Greifvogelarten wie u. a. Geiern.

Noahs Winterrevier in der Extremadura. In diesen Bäumen übernachtete der Rotmilan schon im vergangenen Herbst.