Winterquartier Beiträge

Abzug aus dem Brutgebiet

Das Rotmilan-Brutjahr verlief, betrachtet man die Population Hessens, mal wieder ungewöhnlich. Man kann davon ausgehen, dass kein Jahr dem anderen gleicht und es immer wieder zu Sondersituationen kommt.

Aufgrund des Kälteeinbruchs in Frühjahr (März) begannen viele Paare dieses Jahr gar nicht erst mit der Brut, so dass vielerorts die bekannten Horste leider nicht aufgesucht wurden. Dazu kam schließlich noch, dass vielerorts Mäuse als wichtige Nahrungsquelle während der Sommermonate nur in geringer Zahl vertreten waren, so dass zahlreiche Paare erfolglos brüteten bzw. andere Raumnutzungen als in den Vorjahren an den Tag legten. Insekten und Vögel spielten somit einen größere Rolle als Nahrungsquellen.

Noah (Bobenhausen II) und Isolde (Salz) brüteten 2018 erfreulicherweise abermals erfolgreich; Max´ Brut bei Stockhausen verlief erfolglos.

Nachdem die besenderten Vögel bereits in den Vorjahren bis zum Abzug Richtung Winterquartiere in den Brutrevieren blieben und sich keinen Schlafplatzgesellschaften anschlossen (größere existieren z. B. bei Korbach mit max. 180 und im Amöneburger Becken mit rund 100 Vögeln), konnte dies auch 2018 wieder belegt werden. Somit hielten sich die Vögel dieses Jahr abermals – selbst in den höheren Lagen des Vogelsbergs (400 bis 500 Meter über NN) – von März bis Ende September in den Brutrevieren auf.

Gleichwohl zogen die Vögel recht zeitig aus dem Brutrevieren ab – und zwar in den letzten September-Tagen. Gegenüber 2016, als die Vögel allesamt erst um Mitte Oktober abzogen, dürfte der zeitige Abzug insbesondere mit der geringeren Nahrungsverfügbarkeit zusammenhängen.

Zugrouten besenderter Vogelsberger Rotmilane im Herbst 2018

Mittlerweile haben alle besenderten Vögel (Max, Noah, Isolde) ihre Überwinterungsgebiete in Spanien erreicht.

Noah entschied sich im dritten Jahr in Folge für die Extremadura, Isolde im dritten Jahr in Folge für Nordspanien nahe Léon. Und Max, der 2017 seinen „Datenrucksack“ erhalten hat, entschied sich für die Mitte Spaniens und hält sich bei Salamanca auf.

In den kommenden Wochen werden wir uns u. a. mit der Raumnutzung der Vögel in den Überwinterungsgebieten beschäftigen und an dieser Stelle darüber berichten.

Rotmilan auf Nahrungssuche

Spaniens Salamanca: Die Heimat von Max während des Winters 2017/18

Nachdem wir kürzlich über die Überwinterungsgebiete von unseren Rotmilanen Isolde und Noah berichtet haben, die dieselben Gebiete wie im Vorwinter bei Léon in Nordspanien bzw. der Extremadura im Süden Spaniens besetzt haben, ist es nun an der Zeit, über Max detaillierter zu berichten.

Max bekam seinen 20 Gramm schweren Sender im Juni 2017 östlich von Herbstein im mittelhessischen Vogelsberg, wo er erfolgreich mit seiner Partnerin brütete.
Das Männchen verließ als erster unser besenderten Vögel das Brutrevier am 17. September und machte sich auf den Weg nach Spanien. Für die Reise nach Salamanca benötigte er 20 Tage, ließ sich also ein wenig mehr Zeit, wie der Vergleich mit den weiteren besenderten Vögeln zeigt. Bei der Distanz von 1.650 Kilometern legte Max täglich durchschnittlich 82,5 Kilometer zurück. Am 6. Oktober erreichte er das Gebiet, in dem sich der Vogel nun bereits seit über einem Monat aufhält. Hier scheint es ihm bei Tageshöchsttemperaturen von aktuell rund 15 Grad Celsius offensichtlich sehr gut zu gehen.
Über 2.500 Datensätze hat er in den letzten rund 4 Wochen übertragen und liefert wechselweise (je nach Akkustand) in 5 oder 20 Minuten-Abständen Daten. Damit erhalten wir derzeit viele nützliche und wichtige Informationen über die Raumnutzung des Vogels im Winterquartier, die wir zu gegebener Zeit auch mit unseren Freunden und Kollegen von SEO, dem spanischen Birdlife-Partner, erörtern werden. Nur durch einen europaweiten Schutz und gemeinsame Bemühungen kann es uns gelingen, diese wunderschöne Art in ihren Beständen zu erhalten.

Das Überwinterungsgebiet von Rotmilan-Männchem Max bei Salamanca in Spanien im Herbst 2017. Über 2.500 Datensätze wurden seit Ankunft im Überwinterungsgebiet übertragen (06.10.-10.11.2017).

Salamanca, das bereits seit der Antike besteht, ist die Hauptstadt der Provinz Salamanca in der autonomen spanischen Region Kastilien und León. Die Stadt liegt etwa 220 Kilometer nordwestlich von Madrid am Río Tormes. Die Umgebung der Stadt, in der sich Max aufhält, ist eher karg und wird durch Viehzucht geprägt.

Max dürfte sich in guter Gesellschaft befinden, denn im Raum Salamanca überwintert traditionell eine größere Zahl von Rotmilanen.

Rotmilan im Vogelsberg, Juli 2017

Pudelwohl: Isolde entscheidet sich für das letztjährige Überwinterungsgebiet

Kennen wir das nicht auch? Uns gefällt es am Urlaubsort und aus einem einmaligen Aufenthalt werden mehrere. Schließlich reisen wir Jahr für Jahr wieder dorthin und entdecken eine 2. Heimat für uns. So beziehungsweise vielmehr so ähnlich dürfte es wohl auch dem Rotmilan-Weibchen Isolde gehen. Nachdem sie wie bereits im Vorjahr am längsten im Brutrevier verweilte, zog sie am 14. Oktober aus dem südlichen Vogelsberg ab und hat nun auch Spanien bzw. vielmehr ihr Überwinterungsgebiet erreicht. Und siehe da: Wie bereits im Winterhalbjahr 2016 / 2017 hält sie sich wieder nordwestlich Léon auf und besetzt ein grünlandreiches Gebiet. Man könnte dabei glatt an den Vogelsberg denken.

Isoldes Winterrevier bei Léon. Auf der Karte werden die übertragenen Daten jeweils der ersten November-Woche (2016 und 2017) miteinander verglichen.

Nachdem uns Sendervogel Noah bereits seine Treue zum vorjährigen Überwinterungsgebiet eindrucksvoll zeigte und uns damit begeisterte (s. Blog-Beitrag vom 16.10.2017), macht es ihm Isolde nach. Rund 1.350 Kilometer vom Brutplatz entfernt, hat sie sich ganz offensichtlich für eine Überwinterung in der Region Kastilien und Léon entschieden, in der eine große Zahl von Rotmilanen überwintert und aus der große Schlafplatzgemeinschaften bekannt sind.

Die Region, in der häufig Höhen von 900 Metern über NN erreicht werden, besitzt eindrucksvolle und unverwechselbare Berglandschaften, unzählige Burgen, Kathedralen sowie Klöster. Eine einsame Hügellandschaft, unterbrochen von einzelnen Bergen, schmalen Flüssen und wenigen abgelegenen Dörfern, kennzeichnen Kastilien und Léon.

 

Auch Noah ist im Vogelsberg angekommen!

Nun also auch Noah. Das Rotmilan-Männchen erreichte gestern Mittag den Raum Ulrichstein im Vogelsberg. Und es sieht ganz so aus, als wenn er den letztjährigen Horst wieder besetzen möchte. Am Nachmittag erkundete er ausgiebig sein Revier und übernachtete südlich des Horstwaldes am Rand eines kleineren Wäldchens, in dem er auch bis zum Abzug in das Winterquartier im Spätsommer und Herbst in der Regel nächtigte.

Rückblick: Noah zog im vergangenen Herbst am 4.10. aus dem Vogelsberg ab und erreichte das Winterquartier in der Extremadura im Südwesten von Spanien am 14.10. Am 14.02.2017 brach er nach 4 Monaten im Winterquartier wieder auf in den Norden und erreichte nun – nach 17 Tagen – wieder das Brutgebiet im Vogelsberg. Er legte dabei etwa 1.870 Kilometer zurück, pro Tag im Durchschnitt 110 Kilometer.

Wegzug 2016 (grün) und Heimzug 2017 (blau) von Rotmilan-Männchen Noah (Kartengrundlage: maps.google.de).

Wir wünschen ihm alles Gute für das diesjährige Brutgeschäft und werden im Herbst wieder von ihm berichten.

In den kommenden Wochen werden wir an dieser Stelle nochmals eine detaillierte Auswertung einiger Ergebnisse aus dem Winterhalbjahr 2016/17 vorstellen.

Nachdem Isolde und Noah nun den Vogelsberg erreicht haben, Tristan leider seit Ende Januar keine neuen Daten mehr liefert (Senderverlust oder Tod), bleibt jetzt noch Neptun übrig. Dieser allerdings verweilt noch immer in Portugal, ist den Senderergebnissen zufolge aber wohlauf.