Michael Beiträge

Arthur und Michael am Tschadsee

Arthur und Michael sind in gewisser Weise Gewohnheitstiere. Wie in den Jahren zuvor haben sie sich im Laufe des Oktobers nach Westen in Richtung Tschadsee begeben. Nun rasten sie schon seit einigen Wochen im nördlichen Becken des Tschadsees – im Grenzgebiet zwischen Tschad, Niger und Nigeria. Vor Jahrzehnten gab es hier noch eine Wasserfläche. Heute prägen dagegen trockene Sanddünen die Landschaft, die von feuchten Senken umgeben sind. In den Senken steht mal Wasser, mal sind sie so trocken, dass Landwirtschaft betrieben werden kann. Hier liegen die meisten Ortungen von Arthur und Michael.

Arthur, Gustav und Michael sind nah bei einander

Arthur, Gustav und Michael halten sich im gleichen Gebiet südöstlich des Tschadsees auf. Ihre Ortungen liegen in einem Areal, dass nur 80 x 40 Kilometer groß ist. Sie sind parallel immer weiter nach Westen gewandert. Das Region scheint wohl in diesem Jahr für viele Störche besonders attraktiv zu sein. Selbst Gustav, der normalerweise weiter im Osten überwintert, hat es so weit nach Westen gezogen.

Arthur, Gustav und Michael im Sahel

Arthur, Gustav und Michael sind nun schon eine Zeit lang in ihrem ersten Winterquartier im Sahel. Während Michael schon weit westlich zwischen Tschadsee und Lac Fitri rastet, befinden sich Arthur und Gustav noch nördöstlich des Fitri. Natürlich stellen wir uns die Frage wie es ihnen zur Zeit dort ergeht und wie es dort aussieht.

Grundsätzlich dürfte die Situation für unsere Störche in diesem Herbst recht gut sein, denn bevor sie im Sahel angekommen sind, brachte in diesem Jahr die alljährliche Regenzeit offenbar gute Regenfälle und die Vegetation konnte sich gut entwickeln. So gibt es reichlich Insekten für die Störche zu erbeuten. Der ausgiebige Regen wird aber auch die Menschen in der Region erfreut haben.

Ortungen unserer Senderstörche seit dem 15. September aus dem Tschad. Gut zu erkennen sind die feuchten Flächen des Tschadsees und des Lac Fitri (Quelle: Sentinel layer – 2018\09\28 – Agriculture – Source : Esri, European Commission, European Space Agency, Amazon Web Services).

Seit kurzem gibt es für uns die Möglichkeit die aktuelle Situation vor Ort auch aus der Ferne heraus einzuschätzen. Die europäische Weltraumagentur ESA betreibt einige Satelliten zur Erdbeobachtung. Die Daten dieser Sentinel-Satelliten stehen im Internet frei zur Verfügung. So können wir die Ortungen unserer Störche vor dem Hintergrund der aktuellen Vegetationsverhältnisse darstellen. Hier die Beispiele für Michael und Gustav. Es ist viel grün zu erkennen un d das bedeutet, dass hier viel Vegetation vorhanden ist. Wir sehen aber auch feuchte Flächen.

Ortungen seit dem 15. September von Michael aus dem Tschad. Satellitenfoto vom 26.09.2018. Grün zeigt Vegetation. Dazwischen befinden sich trockene unbewachsene Flächen (Brauntöne). Michael hielt sich vor allem auf den bewachsenen Flächen auf. Blaugefärbt sind Feuchtflächen (Quelle: Sentinel layer – 2018\09\28 – Agriculture – Source : Esri, European Commission, European Space Agency, Amazon Web Services).

Ortungen seit dem 15. September von Gustav aus dem Tschad. Satellitenfoto vom 23.08.2018. Grün zeigt Vegetation. Dazwischen befinden sich trockene unbewachsene Flächen (Brauntöne). Blaugefärbt sind Feuchtflächen (Quelle: Sentinel layer – 2018\09\28 – Agriculture – Source : Esri, European Commission, European Space Agency, Amazon Web Services).

Michael – Richtung Westen

Michael hielt sich in den letzten Tagen recht weit nördlich des Lac Fitri auf. Er fliegt jeden Tag einige Kilometer und macht dann an offenbar nahrungsreichen Orten Rast und sucht nach Futter. Grundsätzlich orientiert er sich Richtung Westen.

Michael im Winterquartier

Michael ist am Samstag (1. Sept.) in seinem Winterquartier im Tschad gut angekommen. Das lässt sich daran gut erkennen, dass die stündlichen GPS-Ortungen keinen gerichteten Zug mehr zeigen, sondern sich über längere Zeit aus einem kleinräumigen Gebiet kommen. Hier macht Michael offenbar Rast und sucht nach Futter. Am Sonntag (2. Sept.) hat er sich Richtung Lac Fitri orientiert.

Michael ist fast am Ziel

Michael hatte am Freitag (31. Aug.) fast schon sein Ziel im Tschad erreicht. Da waren es noch gut 120 Kilometer bis zur Grenze.

Am Dienstag (28. Aug.) überflog er die Niloase bei Luxor ohne dort eine Pause zu machen. Am Abend erreichte er dann den Assuan Stausee und übernachtete auf einer Halbinsel im See. Am nächsten Tag flog er gut 460 Kilometer weiter  Richtung Südwest über die Sahara. Am nächsten Tag waren es noch einmal 470 Kilometer. Die Nächte verbrachte Michael mitten in der Wüste auf dem Boden, denn hier gibt es weder Baum noch Strauch. Er muss auch ohne Futter auskommen. Das gibt es erst wieder wenn er den Rand der Wüste erreicht hat. Aber das macht den Störchen nichts aus.

Ohne eine Pause einzulegen überfliegen die ziehenden Weißstörche die Niloase (Foto: K.-M. Thomsen)

Michael in Ägypten

Michael hat den Nahen Osten hinter sich gelassen. Nachdem er Syrien verlassen hatte, überflog er vorgestern (26. Aug.) das Tote Meer. Nach einer Nacht in der Negev ging es gestern weiter über den Sinai. Um die Mittagszeit überquerte er den Golf von Suez zwischen Ras Abu Rudeis und Ras Ghareb. Für die gut 62 Kilometer lange Überquerung brauchte Michael mehr als ein Stunde. Nach mehr als 130 Kilometern weiterer Zugstrecke schlief er in der Wüste. Heute wird Michael in 120 Kilometern das Niltal erreichen.

Michael hat Syrien erreicht

Michael hatte am Mittwoch (22. Aug.) seine Reise durch Anatolien fortgesetzt. Am Abend landete er im Ilgin See, der gut 80 Kilometer nordwestlich von Konya in Zentralanatolien. Im flachen Wasser wird er die Nacht sicher überstanden haben. Am nächsten Tag ging es weiter über das Taurus-Gebirge nach Süden. Kurz vor dem Mittelmeer drehte er Richtung Osten, um im seichten Wasser am westlichen Zipfel des Seyhan-Stausees bei Adana die Nacht zu verbringen. Seine derzeit letzte Ortung vom Samstag (25. Aug.) stammt dann schon aus Syrien.

Michael gibt Gas

Michael hat seit seinem Start gut Strecke gemacht. Vorgestern (22. Aug.) hatte er schon den Bosporus hinter sich gelassen und befand sich mitten in Anatolien. Er hatte zuvor die Karpaten östlich umflogen und dafür vier Tage gebraucht. Er erreichte am Dienstag (21. August) in Bulgarien die Küste des Schwarzen Meeres. Am Abend hatte er schon den Bospurus überquert und war südlich des Isnik Sees gelandet um dort die Nacht zu verbringen. In diesen Tagen haben bis zu 75.000 Weißstörche Istanbul überflogen. Der Storchenzug ist in vollem Gange.

Weißstörche ziehen in großen Trupps in Richtung Istanbul (Foto: Emine Nurhan Tekin).

Ungewöhnlich früher Storchenzug?

In den letzten Tagen erreichten mich viele Anfragen. Viele Störche sind schon weg. Ist das ungewöhnlich früh? Liegt das am Nahrungsmangel durch den  trockenen Sommer?

Es stimmt, dass viele Nester schon verwaist sind. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Störche schon mit dem Herbstzug begonnen haben. Es ist auch durchaus möglich, dass sie sich irgendwo mit anderen Störchen sammeln und da gemeinsam nach Futter suchen. Nach den Regenfällen der letzten Wochen dürfte auch fast überall wieder genug Futter zu finden sein. Die Jungstörche starten ohnehin schon Mitte August. Also keine Sorge!  Für dramatische Meldungen taugen diese Beobachtungen nicht, denn wie viele Naturphänomene ist der Storchenzug nicht auf ein festes Datum fixiert, sondern gibt es von Jahr zu Jahr und auch individuell viele Unterschiede. So brauchen unsere Störche vor allem gutes Zugwetter, damit sie segeln können. Und wenn es regnet, bleiben sie einfach noch ein paar Tage länger hier.

Während Michael sich schon auf den Weg gemacht hat, sind unsere anderen fünf Senderstörche noch an ihren Nestern. Michael war am Sonntag (12. August) gestartet und am Abend auf der polnischen Seite der Oder in der Nähe von Schwedt gelandet. Am nächsten Abend hatte er schon das Karpatenvorland erreicht. Michael ist immer der erste Senderstorch, der sich auf den Weg macht. Im vergangenen Jahr war er am 13. August gestartet. Also alles ganz normal!

Weißstorch im Flug

Weißstorch im Flug. Foto: NABU/Felix Paulin