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Rätsel um Robert

Das Zugverhalten von Robert gab mir einige Rätsel auf. Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass Weißstörche bis zur Südspitze des Sinai fliegen. Einige Kollegen sind sogar der Auffassung, dass vor allem geschwächte Vögel bis Sharm el Sheik ziehen, weil sie  für die Überquerung des Golf von Suez zu schwach sind. Sie halten sich dann an den Klärteichen der Tourismushochburg auf. Viele Weißstörche verenden dort im Schlamm, so dass der Ort unter Storchenschützern schon traurige Berühmheit erlangt hat.

Auch Robert hält sich seit einigen Tagen dort auf, allerdings ohne dass er in Gefahr geraten ist. Außerdem gibt es gut 14 Kilometer weiter nördlich von Sharm el Sheik eine offene Mülldeponie, die von Robert auch aufgesucht wird. Die Nacht verbringt er auf den umgebenden Felskuppen.

Dann fiel mir ein, dass sich Robert auch während des Herbstzuges im vergangenen Jahr ungewöhnlich verhalten hatte. So holte ich mir die Ortungen von 2017 aus der Datenbank. Und richtig Robert nahm im vergangenen Jahr die gleiche Route und machte zwei Tage lang bei Sharm el Sheik Pause. Dies scheint also der normale Zugweg von Robert zu sein. Mal sehen wann er zum Weiterflug startet.

Wieder getrennte Wege

Lilly und Gustav sind noch am Samstag (9. Sept.) gemeinsam bis zum Nil geflogen. Dort legten sie um die Mittagszeit auf kreisrunden Bewässerungsfeldern nördlich von Luxor eine Pause ein. Danach trennten sich ihre Wege wieder und jeder nahm eine andere Richtung. Lilly zog einfach  den Nil entlang weiter Richtung Süden, um am Donnerstag (13. Sept.) etwa 320 Kilometer nördlich von Karthum eine Pause einzulegen. Dort suchte sie  auf kreisrunden Bewässerungsfeldern in der Nähe des Nil nach Futter.

Gustav hingegen zog, wie jedes Jahr, über die Nubische Wüste nach Südwesten weiter. Am Mittwoch (12. Sept.) erreichte er den Tschad und am nächsten Tag wurden die täglich zurückgelegten Strecken wieder kürzer – Gustav hatte nach 23 Tagen sein erstes Winterquartier erreicht.

Was macht Hans Albert?

Während sich unsere Ostzieher noch mächtig anstrengen müssen, um ihr Winterquartier in Afrika zu erreichen, kann sich Hans Albert schon seit einiger Zeit in Spanien erholen. So langsam kristalisiert sich ein Muster bei seinen Aufenthaltsorten heraus. Zum einen ist dort die große Mülldeponie bei Vaciamadrid (1), auf der er auf sein Futter wartet. Daneben gibt es 7 Kilometer südwestlich davon eine Anlage in der Biomüll zu Biogas vergoren wird (2). Auf der Deponie daneben sucht er offenbar auch häufiger nach Futter. Die meisten Ortungen stammen aus dem Flusstal des Rio Manzanares (3).

Ortungen von Senderstorch Hans Albert in der Nähe von Madrid (Quelle: GoogleEarth).

Was ist mit Robert los?

Die Zugroute von Robert gibt mir einige Rätsel auf. Er erreichte am Samstag (8. Sept.) das Tote Meer. Er zog aber nicht weiter Richtung Süden, sondern bog am nächsten Tag nach Westen ab, um bei Beer Scheva einen Tag lang am Rande der Negev Pause zu machen. Am Dienstag (11. Sept.) ging es weiter über den Sinai direkt zum Golf von Suez, den er relativ weit nördlich bei Ras Matarma erreichte. Er folgte der Küste Richtung Süden und rastete am Abend an dem Ort, an dem die meisten Störche den Golf von Suez überqueren, um nach Afrika zu gelangen. Doch gestern machte Robert genau das nicht. Er flog dagegen einfach die Küstenlinie weiter, bis es an der Spitze der Sinai Halbinsel bei Ras Mohamed nicht mehr weiter ging. Um die Mittagszeit startete er einen Versuch nach Afrika zu gelangen, kehrte aber nach wenigen Kilometer um. Ich bin gespannt wie es weiter geht.

Gemeinsam ein Stück des Weges

Lilly und Gustav überquerten am Samstagnachmittag (8. Sept.) den Golf von Suez etwa zur gleichen Zeit, aber noch gut 60 Kilometer von einander entfernt. In Afrika angekommen verbrachten sie die Nacht in der Wüste, um am nächsten Morgen ihren Zug fortzusetzen. Gegen 9 Uhr müssen sich ihre Trupps begegnet sein und sie sind danach gemeinsam weiter Richtung Nil gezogen. Leider ist dies nicht so gut auf der Karte im Blog zu erkennen, aber da ich alle Ortungen erhalte, kann ich ihre „gemeinsame“ Reise nachvollziehen.

Die beiden dürften sich allerdings kaum begegnet sein, denn ihr Zugschwarm dürfte aus mehreren tausend, wenn nicht zehntausend, Weißstörchen bestehen. Aber diese Episode zeigt doch ganz anschaulich, wie sich die Storchentrupps während des Zuges ständig neu mischen und neu zusammensetzen.

Athur ist im Tschad angekommen

Arthur hat die Nubische Wüste wohlbehalten hinter sich gelassen. Vorgestern (11. Sept.) sendete er die ersten Ortungen aus dem Tschad. Für die 1.260 Kilometer lange Wüstenetappe benötigte Arthur vier Tage. Dann flog er noch einmal 160 Kilometern nach Südweste und erreichte sein erstes Winterquartier.

Gustav kommt voran

Gustav hatte am Mittwoch (5. Sept) den Golf von Iskenderun umflogen und sich auf die Etappe über Syrien gemacht. Am Freitagmorgen (7. Sept) hatte er die Ebene nördlich des Golan erreicht und nahm Kurs auf Jordanien.

 

Robert über dem Golf von Iskenderun

Es gibt zwei Arten, wie unsere Weißstörche den Golf von Iskenderun hinter sich lassen. Lilly beispielweise umflog die breite Bucht im Süden der Türkei, während Robert am Donnerstagmorgen (6. Sept.) die fast 40 Kilometer breite Bucht auf direktem Wege überquerte. Robert war dazu gut 40 Minuten unterwegs. Lilly dagegen brauchte mit 1 Stunde und 35 Minuten deutlich länger. Dabei dürfte sie ihre Strecke vorwiegend segelnd zurückgelegt haben, während Robert aktiv fliegen musste.

Lilly durchquert Syrien

Die Letzten Ortungen von Lilly stammen vom Mittwoch (5.  Sept.). Da hatte sie Syrien schon fast ganz durchquert.

Arthur am Assuan Stausee

Von Arthur gibt es einige neue Ortungen. Sehr weit ist er in den letzten Tagen noch nicht gekommen.

Am Montag (3. Sept.) flog er parallel zum Nil um kurz vor Assuan die Nacht zu verbringen. Am nächsten Tag zog er über die Wüste, um schon nach 180 Kilometern am Ufer des Assuan Stausees zu landen. Mittwoch und Donnerstag machte er nur sehr kurze Tagesetappen entlang des großen Stausees. Erst am Freitag (7. Sept.) verließ er den Assuan Stausee, um noch ein paar Kilometer entlang des Nils zu ziehen.

Ein ungewöhnliches Verhalten, denn so lange halten sich die ziehenden Störche während des Herbstzuges nicht am Nil und dem Assuan Stausee auf.  Normalerweise verlassen sie rasch den Assuan Stausee, um in langen Tagesetappen die Nubische Wüste zu überqueren. Behindert etwa Gegenwind aus dem Süden den Storchenzug?