Silvester Tamás Beiträge

Treffen der LAG Wolf und Luchs, sowie der Luchsfreunde in Jena

Treffen der LAG Wolf & Luchs, sowie der Luchsfreunde in Jena. – Foto: NABU Thüringen.

Ein Treffen für mehr Wissen und Akzeptanz gegenüber unseren Rückkehrern auf dem sicheren Fundament des „Wissens“ in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena

Wolf und Luchs kehren allmählich wieder nach Thüringen zurück. Das ist nicht nur ein Erfolg für den Artenschutz, sondern auch ganz konkret der Bemühungen von ehrenamtlich engagierten Naturfreunden, die sich für den Schutz aber auch für die konkrete Wissensvermittlung zu den Heimkehrer einsetzen.

Um die Chancen für eine erfolgreiche Rückkehr der großen Beutegreifer kontinuierlich zu verbessern, dafür kamen auch dieses Jahr, am 20. November 2019, Vertreter der Landesarbeitsgruppe Wolf & Luchs, sowie die Luchsfreunde des NABU Thüringen in Jena zusammen. Wie auch schon im vergangenen Jahr trafen sich die Naturfreunde in Jena, um sich über die Ergebnisse des Monitorings und des Managements zu informieren und über konkrete Ziele und Maßnahmen zur Verbesserung der Akzeptanz gegenüber Wolf und Luchs zu beraten.

Treffen der LAG Wolf & Luchs, sowie der Luchsfreunde in Jena. – Foto: NABU Thüringen.

Die Arbeitsgruppe setzt sich u.a. aus Fachleuten der Veterinärmedizin, des Rechtswesens, der Umweltbildung und der konkreten Naturschutzarbeit und Feldforschung zusammen. Ein starkes Team also, welches zu den besonderen Fragestellungen wie Biologie, Ökologie, Konfliktmanagement und Öffentlichkeitsarbeit explizit Stellung beziehen kann und Lösungen und Antworten auf die Fragen des zukünftigen Zusammenlebens mit den großen Beutegreifern finden soll. Im Fokus der diesjährigen Sitzung standen Konfliktlösungsstrategien im Kontext der Rückkehr von Wolf/Luchs und der gesellschaftlich oft sehr hitzig geführten Wild-Wald-Jagd-Debatte. Wichtige Themen waren so auch die Bedeutung der Afrikanischen Schweinepest, die Verbesserung der Kommunikationsstrukturen zum Thema Herdenschutz und die Intensivierung der Kinder- und Jugendarbeit z.B. in den NAJU-Gruppen, sowie die Erstellung von Infomaterialien u.a. zum Luchs. Eines der Themen, welches die Mitglieder sehr beschäftigte, war die Positionierung zur Bedeutung von stützenden Maßnahmen mit Blick auf Sub- bzw. Trittstein-Populationen des Luchses. Hierzu wurde u. a. auch die aktuelle Studie zur Lebensraumsituation für den Luchs in Thüringen von Sophie Hoffmann (Uni Jena/Uni Potsdam) diskutiert. (Wir berichteten: https://blogs.nabu.de/thueringen/2019/11/der-luchs-hat-eigentlich-gute-bedingungen-in-thueringen)

Die Teilnehmer des diesjährigen Treffens in Jena waren sich darüber einig: Thüringen, das Grüne Herz Deutschlands, hat genügend Platz für Luchs und Wolf!  Ob es den beiden aber gelingt sich hier erfolgreich niederzulassen, liegt letztlich an uns Menschen und unserer Akzeptanz.

Studie: Der Luchs findet grundsätzlich gute Bedingungen in Thüringen!

Potentielle Lebensräume für den Luchs in Thüringen. Je dunkler die Flächen, desto günstiger die Bedingungen für den Luchs. – Foto: Sophie Hoffmann.

Wissenschaftliche Studie (Masterarbeit) bescheinigt dem Luchs grundsätzlich gute Lebensbedingungen im Grünen Herzen Deutschlands

Zu dieser Erkenntnis kommt die aktuelle Masterarbeit von Sophie Hoffmann aus Berlin. Allein der Thüringer Wald bietet, laut der Studie, Platz für bis zu 90 Luchse. Die Fragmentierung der Waldflächen, der Straßenverkehr und die fehlende Akzeptanz wirken sich dagegen nachteilig auf die Ausbreitung und das Vorkommen von Luchsen aus. Die Forschungsarbeit wurde durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität Potsdam und den NABU Thüringen betreut.

Jena – Wie viele Luchse können in Thüringen leben? Wo im Freistaat finden die Pinselohren gute Lebensbedingungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Sophie Hoffmann aus Berlin in ihrer Masterarbeit, die sie am Mittwoch den 13. November 2019, im Rahmen des Forschungskolloquiums am Ökologischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena, vorgestellt hat. Die Arbeit trägt den Titel „Lebensraumanalyse zur potentiellen Verbreitung des Luchses (Lynx lynx) in Thüringen“ und wurde durch die Friedrich-Schiller-Universität, die Universität Potsdam und durch den NABU Thüringen betreut. Sie zeigt auf, welches Potential Thüringen als Lebensraum bietet und mit welchen Schwierigkeiten die Tiere rechnen müssen.

Laut der Studie finden Luchse im Vergleich zu den bisher etablierten Luchsgebieten, wie dem Harz, dem Bayerischen Wald und dem Pfälzerwald ebenso gute Bedingungen im Thüringer Wald. „Großflächig zusammenhängende Waldgebiete liebt der Luchs. Mit Blick auf die Voraussetzungen in den Mittelgebirgslagen von Thüringen müsste es hier eigentlich schon mehr Luchse geben. Warum dies noch nicht so ist, hängt sehr wahrscheinlich mit der Zergliederung der Waldgebiete und den Störungen durch die menschliche Infrastruktur zusammen“, sagt Sophie Hoffmann. Aus Sicht von Stefan Halle, Professor und Direktor des Ökologischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena muss diesbezüglich noch mehr Forschung betrieben werden. „Wenn wir verlässlichere Aussagen über die Vorkommen von Luchsen in unserer Landschaft machen wollen, brauchen wir noch mehr Daten. An der erfolgreichen Ausbreitung und Etablierung des Luchses in Thüringen hindern die Tiere vor allem der Straßenverkehr, weitläufige Ackerlandschaften und fehlende Luchsweibchen. In der Regel sind es Luchskater, die weite Strecken wandern und neue Gebiete erobern. Luchsweibchen hingegen wandern kaum aus ihren angestammten Gebieten ab.“

Vorstellung der Masterarbeit von Sophie Hoffmann anlässlich des Forschungskolloquiums im Ökologischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena (v.l.n.r. Sophie Hoffmann, Stefan Halle, Silvester Tamás). – Foto: Elena Jess.

Thüringen liegt nicht nur zentral in Deutschland, sondern auch mitten im Herzen Europas, zwischen den bedeutenden Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald mit den angrenzenden Böhmerwaldgebieten. Auch im Pfälzerwald entwickelt sich aktuell eine neue Luchspopulation im Rahmen des dortigen Wiederansiedlungsprojektes. Die Masterarbeit von Sophie Hoffmann sollte herausfinden, wie viele Luchse in Thüringen potentiell leben können und in welchen Gebieten sie gute Bedingungen vorfinden. Im Thüringer Wald wären das beispielsweise bis zu 90 Luchse. „Schaut man sich die Ergebnisse dieser Studie genauer an, könnten sich in ganz Thüringen sogar mehr als 100 Luchse ansiedeln“, sagt Silvester Tamás, der Projektkoordinator des NABU-Luchsprojektes „PLAN P wie Pinselohr“. „Dem Freistaat kommt deshalb nicht nur eine strategische Rolle als Lebensraum, sondern auch als Vernetzungskorridor zwischen den bislang noch voneinander isolierten Luchspopulationen in Deutschland und Europa zu. Wissenschaftliche Arbeiten, wie die von Sophie Hoffmann sind deshalb so wichtig, denn sie helfen uns zu verstehen, welche Lebensbedingungen Luchse brauchen und wo Schwierigkeiten zu erwarten sind.“

In unserem Luchsprojekt PLAN P wollen wir mit Erkenntnissen, wie jenen aus der vorliegenden Studie, den Fokus auf Schwerpunkte und Problembereiche für die Vernetzung und den Lebensraumschutz weiter schärfen und uns gemeinsam mit den Fachbehörden und politischen Gremien um Lösungen für die erfolgreiche Rückkehr der Pinselohren nach Thüringen bemühen. Hierfür braucht es aber noch mehr Wissen, deshalb haben wir uns in den letzten beiden Jahren unter anderem darum bemüht, gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden, eine umfängliche Gebietskulisse für das sogenannte FFH-Monitoring mit der Zielart Luchs in Thüringen einzurichten. Hierbei soll es zukünftig gelingen, mehr zuverlässige Daten zum Luchs im Freistaat zu sammeln und daraus wiederum abzuleiten, wie es den Luchsen bei uns geht und wo sie unsere ganz konkrete Unterstützung zum Beispiel bei der Einrichtung von Wanderkorridoren und Schutzgebieten oder den Bau von Querungshilfen benötigen.

Falsches Signal – Naturschutz ist kein Luxus !

Luchsin Tessa, vergiftet mit Carbofuran, 2012, Nationalpark Bayerischer Wald. – Foto: Nationalpark Bayerischer Wald.

Bund der Steuerzahler rügt Ausgaben für Luchsprojekt im Pfälzerwald 

Naturschutz ist kein Luxus! Doch wenn man das aktuelle „Schwarzbuch“ des Steuerzahlerbundes in die Hand nimmt, muss man zu einem anderen Schluss kommen. Demnach seien offenbar vergleichsweise moderate Ausgaben für ein tatsächlich dringend notwendiges Artenschutzprojekt im Pfälzerwald (Rheinland-Pfalz) „Verschwendung“.

Doch was ist geschehen? Der Bund der Steuerzahler hat in seinem jüngsten „Schwarzbuch“ unter anderem Ausgaben für das aktuelle Luchs-Wiederansiedlungsprojekt im Pfälzerwald gerügt. Die Wiederansiedlung der Eurasischen Luchse (Lynx lynx) wird dort mit 50% durch das EU LIFE-Programm gefördert und hat ein Gesamtvolumen von 2,75 Mio. €. Neben der Stiftung und ihren Projektpartnern beteiligen sich das Land Rheinland-Pfalz, die Deutsche Wildtier Stiftung, die Landesverbände von NABU und BUND, die HIT Umweltstiftung sowie weitere Förderer an der Finanzierung des Vorhabens. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz unterhält ein Projektbüro in der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt. Mithilfe des europäischen Förderprogramms LIFE-Natur führt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit ihren Projektpartnern Landesforsten Rheinland-Pfalz, SYCOPARC in Frankreich sowie dem WWF das Projekt zur Wiederansiedlung der Luchse durch. Das Vorkommen soll zum Schutz und Erhalt einer Art beitragen, die in Europa nur mehr in wenigen Rückzugsgebieten vorkommt und in Zentral- und Westeuropa als gefährdet einzustufen ist. Das Projekt ist im Januar 2015 gestartet und endet im September 2021. Naturschutzexperten der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) haben die Konzeption geprüft und sehr positiv bewertet.

Doch was ist das Problem? Die Rückkehr der Luchse nach Deutschland und nach West- und Mitteleuropa ist ein zentrales Anliegen europäischer Bemühungen für den Arten- und Naturschutz. Grundlage hierfür bildet unter anderem die sogenannte FFH-Richtlinie 92/43/EWG (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie). Diese besagt – kurz gesprochen -, dass alle EU-Länder alles dafür tun und ausreichend finanzieren müssen, was die Rückkehr und Lebensbedingungen von Luchsen (auch von Wölfen, Braunbären etc.) günstig beeinflusst. Tatsächlich aber galten Luchse bis in die 1970er Jahre in Zentraleuropa als ausgestorben bzw. als ausgerottet. Es gab nur noch wenige Refugien in Europa, wo Luchse noch natürlich vorkamen und noch vorkommen (Skandinavien, Karpaten, Baltikum). Nur in wenigen einzelnen Fällen gelang es Luchse in Mitteleuropa, künstlich durch Menschenhand, anzusiedeln (Harz, Schweiz, Bayern/Tschechien). Von einer stabilen und zusammenhängenden, sich ständig im Austausch befindlichen europäischen Luchspopulation ist man jedoch – auch nach nunmehr fast 50 Jahren Bemühungen für diese Art – immer noch weit entfernt! Um aber eine stabile, regenerationsfähige und genetisch gesunde und dazu eine sich im ständigen Austausch befindliche Luchspopulation in Europa voranzubringen, braucht es zahlreiche kleine Subpopulationen, die sozusagen als „Lebensbrücken“ und „Trittstein-Populationen“ fungieren. Hierbei spielt der Pfälzerwald mit seiner Verbindungsfunktion zwischen den Waldgebieten im Dreiländereck Schweiz-Frankreich-Deutschland eine entscheidende, ja strategisch sogar überlebenswichtige Rolle für den Luchs. Und es scheint bislang zu funktionieren! Denn den bisher angesiedelt Luchsen geht es gut im Pfälzerwald !

Das ist aber nicht überall so! Luchsen fehlt es überregional und international gesehen immer noch an der notwendigen politischen und finanziellen Unterstützung. Luchse spielen als sogenannter Spitzenprädator eine wichtige Rolle im komplexen Ökosystem. Dabei werden Luchse nicht selten als Konkurrenten in der Jagd gesehen und leider auch durch Menschen getötet (mutmaßlich durch Hobby-Jäger). Auch der Straßenverkehr greift limitierend in die Luchspopulation ein. Häufig werden Luchse auf ihren Wanderung überfahren. Es fehlt an ausreichend geeigneten Querungshilfen und Vernetzungsmöglichkeiten, aber auch an Lebensraumschutz. Deshalb sind Trittstein-Projekte, wie jenes im Pfälzerwald, so wichtig und notwendig. Eigentlich braucht es aus wissenschaftlicher Sicht gesehen noch vielmehr an vergleichbaren Projekten.

Der langfristige Erfolg von Luchs-Wiederansiedlungen hängt heutzutage von der Akzeptanz der Luchse in der Gesellschaft ab. Akzeptanz kann sich nur entwickeln bzw. fortbestehen, wenn ausreichend Wissen zur Tierart vorhanden ist und eine Abstimmung mit den beteiligten Interessensgruppen wie Jägern und Weidetierhaltern erfolgt. So ist eine anfängliche große Investition in die breite Öffentlichkeitsarbeit eine mehr als sinnvolle und nachhaltige Vorgehensweise. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz steht im regelmäßigen Austausch mit den Interessengruppen, hält Bildungs- und Informationsmaterial vor und engagiert sich bei Veranstaltungen. Dabei wird sie regelmäßig durch Vertreter der Jagd, der Tierhalter und des Naturschutzes begleitet.  Wie gut eine Wiederansiedlung funktionieren kann, beweist aktuell das Projekt im Harz. Hier ist die Luchspopulation seit den ersten Freilassungen 2000 in Ausbreitung begriffen. Darüber hinaus hat der Luchs mittlerweile auch einen spürbaren Effekt für den nachhaltigen Tourismus und damit auch für die Menschen in der Region!

Aus unserer Sicht – und der vieler unserer Kollegen in Deutschland und Europa – liegt der Steuerzahlerbund dieses Mal mit einigen seiner Kritikpunkte meilenweit neben seinen Zielaufgaben. Denn Natur- und Artenschutz sind keine Billigkeitsleistungen des Staates, sondern verpflichtender Bestandteil der solide zu finanzierenden Staatsaufgaben (Etat). Man kann es nur als einen schlechten Witz verstehen, wenn der Bund der Steuerzahler meint, dass hier das Geld „verschwendet“ worden sei, zumal der Staat tatsächlich Milliarden Euro an Steuergeldern in marode Infrastrukturprojekte, in die gescheiterten Maut-Bemühungen und in eine naturfeindliche, die Artenvielfalt zerstörende Landwirtschaft versenkt.

Von uns gibt es für den Steuerzahlerbund ein ganz klares „Daumen runter der Woche“ dafür!

Mehr zum Luchsprojekt im Pfälzerwald https://snu.rlp.de/de/projekte/luchs/

„PLAN P wie Pinselohr“ geht auf Sendung !

Silvester Tamás zu Gast bei Radio LOTTE Weimar. – Foto: NABU Thüringen.

„PLAN P wie Pinselohr“ zu Gast bei Radio LOTTE Weimar und im Naturpark Thüringer Wald 

Wir sind ständig für Pinselohr auf Achse, um unseren Luchsen in Thüringen noch mehr auf die Sprünge zu helfen. Am 23.10. waren wir zu Gast bei Radio LOTTE Weimar. Im Interview mit Svea Geske konnten wir – kurz vor den Thüringer Landtagswahlen – ausführlich über unser Projekt PLAN P und unser Engagement für die Luchse in Thüringen und Deutschland berichten. Insbesondere so kurz vor den Wahlen haben wir im Gespräch mit Radio LOTTE darlegen können, wie wichtig es ist, sich besonders auf der politischen Bühne, für mehr Waldnaturschutz und Lebensraumvernetzung in unserem GRÜNEN HERZEN einzusetzen. Denn Luchse brauchen die Wälder in Thüringen! Thüringen liegt mitten in Deutschland aber auch zentral in Europa. Damit sich Luchse erfolgreich ausbreiten können, muss Thüringen mehr für den Schutz der Pinselohren und seiner Waldlebensräume tun. Luchse gehören auch nicht mehr ins Jagdrecht, auch nicht die Wildkatze. Trotzdem sind beide streng geschützten Tierarten – wie viele andere auch – noch im Katalog der jagdbaren Arten enthalten. Wir setzen uns dafür ein, dass Luchs, Wildkatze & Co. zukünftig aus dem Jagdrecht herausgenommen werden und nur noch dem Naturschutzrecht unterliegen.

Der Interview-Beitrag mit uns wird bei Radio LOTTE Weimar in den nächsten Tagen zum „Sonntags-Sektfrühstück“ zu hören sein. Haltet die Augen und Ohren offen 😉

Silvester Tamás vor Ort im Thüringer Wald. – Foto: NABU Thüringen.

Am 24.10. waren wir dann zu Gast im Naturpark Thüringer Wald, auf der idyllischen Friedrichshöhe bei Siegmundsburg. Wir trafen uns dort mit engagierten Kollegen, die sich aktiv in der – durch das GRÜNE Umweltministerium eingerichteten – Natura 2000-Station für Natur- und Artenschutz einsetzen. Im fachlichen Austausch über Luchs und Wolf haben wir uns über eine zukünftige Zusammenarbeit zu den „Heimkehrern“ beraten. Wir werden schon bald die ersten Informationsveranstaltungen und Exkursionen zu Luchs, Wolf und Wildkatze in der Region anbieten. Unser Ziel ist es, die Akzeptanz insbesondere unter den Jägern und Landnutzern zu erhöhen. Gleichzeitig wollen wir aber auch die interessierten Menschen vor Ort für die Bereicherung unserer Natur durch die Rückkehr von Wolf und Luchs begeistern. Denn wir sind davon überzeugt, dass uns ein gemeinsames Zusammenleben mit der Natur zukünftig noch besser gelingt, wenn die Menschen wissen, welche Bedürfnisse unsere Heimkehrer haben.

PLAN P vor Ort im Thüringer Wald. Hier oben in den Wäldern auf der Friedrichshöhe schaut auch der Luchs immer öfter vorbei. – Foto: Silvester Tamás.

 

Der Luchs braucht ungestörte NaturWälder!

Experten diskutieren über den Wald. Exkursion im Rahmen der Abschlussveranstaltung SpeicherWald in den Nationalpark Hainich (Thüringen). – Foto: Silvester Tamás.

Natürlich Naturwald! – Projekt SpeicherWald – eine Initiative des NABU und des Klima-Bündnis für ein Umdenken im Umgang mit unseren Wäldern

Wald ist nicht nur Holz, sondern auch frische Luft, gutes Klima und sauberes Wasser. Wald ist auch Erholungsort für Menschen und Lebensraum für seltene und bedrohte Arten. Mit dem SpeicherWald-Projekt wollen die Projektpartner Klima-Bündnis und NABU die Bedeutung unbewirtschafteter Wälder für den regionalen Klimaschutz stärker ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit rücken. Außerdem soll ein grundlegendes Wissen über den Zusammenhang zwischen dem Ökosystem Wald und dem Klimawandel vermittelt werden.

Aus diesem Anlass waren auch wir vom Luchsprojekt „PLAN P wie Pinselohr“ am 17. und 18. September 2019 in Erfurt und im Nationalpark Hainich um den erfolgreichen Projektabschluss zu begehen und uns mit den Projektpartnern und Gästen auszustauschen. Denn auch der Luchs braucht ungestörte Rückzugsräume, um zum Beispiel seinen Nachwuchs erfolgreich aufziehen zu können. Dort wo der Luchs leben kann, geht es häufig auch anderen Wildtieren gut. Besonders erfolgreich leben Luchse in den Nationalparkgebieten des Pfälzerwaldes, des Bayerischen Waldes und des Harzes. Auch im UNESCO-Biosphärenreservat Hainich und Thüringer Wald wurde der Luchs schon mehrfach nachgewiesen. Gerade die relative Ruhe und Unberührtheit der großen Waldschutzgebiete scheinen den Luchsen gut zu tun. Darüber hinaus unterliegen die Nationalparkreservate besonderer staatlicher Aufsicht, so dass sich die Luchse hier in der Regel auch sicher fühlen können vor illegaler Verfolgung. Ungestörte Wälder sind insbesondere für die scheuen Luchse von essentieller Bedeutung. Sollen Luchse erfolgreich nach Thüringen zurückkehren, dann brauchen sie auch im Grünen Herzen Deutschlands unbedingt mehr Schutz und ungestörte Rückzugsräume. Dafür setzen wir uns ein!

Mehr zum Projekt SpeicherWald: https://www.speicherwald.de

Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in Erfurt. – Foto: Silvester Tamás.

NABU-Präsident, Olaf Tschimpke, referiert über Erfolge für den Naturschutz und die Notwendigkeit von mehr politischem Willen. Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in Erfurt. – Foto: Silvester Tamás.

Staatssekretär des Thüringer Umweltministeriums, Olaf Möller, referiert zur Bedeutung des Waldes und über Erreichtes und kommende Herausforderungen. Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in Erfurt. – Foto: Silvester Tamás.

Dr. Christiane Schell, Bundesamt für Naturschutz, erklärt die unterschiedlichen Aspekte der gesellschaftlichen Naturwahrnehmung. Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in Erfurt. – Foto: Silvester Tamás.

Manfred Grossmann, Leiter des Nationalparks Hainich, führt die Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Manfred Grossmann, Leiter des Nationalparks Hainich, erklärt die Wirkung des Klimawandels auf den Hainich und die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die Zukunft. – Foto: Silvester Tamás.

Im Hainich darf der Wald seinen Weg gehen. Er darf hier ungestört aufkeimen, wachsen, sterben und vergehen. Der Mensch ist hier nur Gast. Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Im Hainich darf der Wald seinen Weg gehen. Er darf hier ungestört aufkeimen, wachsen, sterben und vergehen. Der Mensch ist hier nur Gast. Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Im Hainich darf der Wald seinen Weg gehen. Experten und Gäste diskutieren. Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Im Hainich darf der Wald seinen Weg gehen. Er darf hier ungestört aufkeimen, wachsen, sterben und vergehen. Der Mensch ist hier nur Gast. Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

Im Hainich darf der Wald seinen Weg gehen. Er darf hier ungestört aufkeimen, wachsen, sterben und vergehen. Der Mensch ist hier nur Gast. Exkursion zur Abschlussveranstaltung des Projektes SpeicherWald in den Hainich. – Foto: Silvester Tamás.

 

Luchstötungen – erster Fall vor Gericht!

Luchsin Tessa, vergiftet mit Carbofuran, 2012, Nationalpark Bayerischer Wald. – Foto: Nationalpark Bayerischer Wald.

Die illegale Verfolgung und Tötung von streng geschützten Arten hat in Deutschland ungeahnte Ausmaße angenommen – erstmals sollte sich nun ein Jäger wegen der illegalen Nachstellung und Tötung von Luchsen im Bayerischen Wald vor einem deutschen Gericht verantworten

Am 12.09.2019 war es soweit. Erstmals musste sich ein Jäger in Deutschland vor einem deutschen Gericht (Cham, Bayern) verantworten, weil er vorgegeben hatte, dass er freilebende Luchse im Bayerischen Wald mit einer illegalen Falle gefangen und anschließend getötet haben will.  Die Sache kam ans Tageslicht, weil ein verdeckter Personenkreis und andere Jäger ihm auf die Schliche gekommen waren und seine Aussagen diesbezüglich sogar noch in direkten Gesprächen am vermeintlichen Tatort mit einer verdeckten Kamera aufgenommen hatten. Allein schon diese Tatsache belegt, mit welch hoher krimineller Energie hier offenbar  Jäger völlig unbehelligt in deutschen Wäldern mit Waffe und Jagdschein unterwegs sein können und die Jagd ausüben dürfen, ganz nach dem Motto: ich schieß‘ mir die Welt zurecht, wie sie mir gefällt. Aber das ist kein Einzelfall, weit gefehlt. Immer wieder werden auch andere streng geschützte und bedrohte Arten wie Wölfe oder Greifvögel in Deutschland aufgefunden, die mittels jagdlicher Munition oder extrem wirksamen Giften (z.B. Carbofuran) absichtlich getötet worden sind. Nicht selten führt auch hier die Spur immer wieder zu Jägern, die die Jagd überwiegend in ihrer Freizeit ausüben und Beutegreifer, wie Wolf, Luchs und Habicht als jagdliche Konkurrenten sehen. Nicht immer jedoch gelingt eine Überführung der Täter, weil der Fundort häufig nicht mit dem Tatort übereinstimmt. Absichtlich „nur“ angeschossene Wölfe (zum Beispiel durch Bauchschuss) können sich unter elendigen Qualen noch Kilometer weit vom Beschussort wegschleppen und sterben fern des eigentlichen Tatorts. Anderseits wurden vorsätzlich getötete Wölfe, denen noch nach dem Tötungsdelikt der Kopf abgetrennt wurde, vom Tatort wegtransportiert, um sie als gut sichtbares Zeichen der Ablehnung unter einem Naturschutzschild abzulegen (Lieberose, Brandenburg 2015). Gut 50 Wölfe wurden in den Jahren 1991 bis heute illegal in Deutschland getötet (DBBW). Wenn man bedenkt, dass dies nur eine sehr kleine Spitze eines noch viel größeren „Eisberges“ sein dürfte, gibt der Zustand der deutschen Jagd ein erschreckendes Bild wieder. Auch im Bayerischen Wald wurde eine tragende Luchsin mit Schrot abgeschossen (2013) und eine weitere Luchsin mit dem hierzulande verbotenen Gift „Carbofuran“ vergiftet (Luchsin Tessa, 2012). In einem Fall wurde den getöteten Luchsen die Gliedmaßen abgetrennt und diese gut sichtbar, gewissermaßen als deutliches Zeichen der Ablehnung, vor eine Kamerafalle des Luchsprojektes im Bayerischen Wald drapiert (Luchs Leo und Leonie, 2015). Solche und andere vergleichbare Fälle zeigen, dass es in Sachen Jagd und Ermittlungsarbeit ein Umdenken braucht. Die Jagd in Deutschland muss besser kontrolliert und im Fall von Verstößen deutlich restriktiver sanktioniert werden. Es kann nicht angehen, dass internationale Bemühungen für den Artenschutz auf nationaler Ebene durch hochgradig kriminelle Energien unter wenigen Jägern mit Füßen getreten und zu Nichte gemacht werden. Insofern ist das Urteil von Cham ein gutes Signal! Am Amtsgericht erwartete den 53-jährigen Jäger aus Lohberg der Prozess. Dieser wurde von der Regensburger Staatsanwaltschaft wegen Besitz zweier illegaler Waffen und dem vorsätzlichen Nachstellen von Luchsen sowie der Tötung von Luchsen angeklagt und durch das Gericht für schuldig befunden. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000,- € und zur Zahlung der erheblichen Gerichtskosten verurteilt. Er gilt damit als einschlägig vorbestraft. Zudem muss er seine Waffen, die Waffenbesitzkarte und seinen Jagdschein abgeben.

Kommentar: Silvester Tamás (Autor Luchs-BLOG, NABU Thüringen)

Auf den Spuren der Luchse !

Luchs Tamino entspannt sich im Luchs-Schaugehege des Nationalparks Harz bei den Rabenklippen/Bad Harzburg. – Foto: Silvester Tamás

 

Luchsprojekt PLAN P mit dem NAJU-Luchs-Camp im Harz !

Am 08. Juli 2019 startete das erste Luchs-Camp des NAJU Thüringen in den Harz. Aufregende Tage führten uns in eine Natur, die wir so aus weiten Teilen Deutschlands bislang kaum kennen – absterbende Fichtenwälder, Unordnung, Wildnis !

Die NAJU-Kids auf Exkursion durch die Wildnis im Harz. – Foto: Silvester Tamás

Unser Ziel war das Torfhaus-Gebiet, westlich des Brockens mit seinen stolzen 1142 Metern Höhe. Hier machten wir uns fünf Tage lang auf die Suche nach Spuren des Luchses. Der letzte Eurasische Luchs (Lynx lynx) wurde hier 1818 erlegt. Im Jahre 2000 bis 2006 wurden dann im Nationalpark Harz insgesamt 24 Luchse (9 Männchen und 15 Weibchen) in die Freiheit entlassen. Alle ausgewilderten Tiere waren Gehegenachzuchten aus europäischen Wildparks. Seitdem haben sich die Luchse im Harz erfolgreich vermehrt und ausgebreitet. Heute sollen es wieder fast 100 Luchse sein, die durch den Harz streifen. Das lässt hoffen !

Wildnis bedeutet auch Unordnung. Große Teile der Fichtenwälder im Harz sterben ab und schaffen so Platz für Neues. – Foto: Silvester Tamás

Die NAJU-Kids wollten wissen, warum es den Luchsen im Harz so gut geht, wie sie dort leben, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben und ob sie auch in andere Landesteile abwandern. Um das herauszufinden begleiteten wir einen Nationalpark-Ranger in die Natur, um den Lebensraum der Luchse im Harz besser kennenzulernen. Hierbei erfuhren wir, dass die Fichtenwälder aufgrund von Trockenheit, Klimaerwärmung und Borkenkäfern absterben und als weitläufige Totholzreserviors im Wald verbleiben können und somit neues Leben schaffen. Die Natur ist der beste Baumeister! Ganz in diesem Sinne erlebten wir einen Lebensraum, der zahlreichen Wildtieren viele Lebensgrundlagen und Versteckmöglichkeiten bietet. Das nutzt natürlich auch dem Luchs. Der scheue Luchs braucht ruhige Verstecke für die erfolgreiche Aufzucht seines Nachwuchses und Lauerplätze von denen er erfolgreich aus Wildtiere wie junge Rothirsche erbeuten kann.

Besuch im Nationalpark-Zentrum Torfhaus. – Foto: Silvester Tamás

Wir erkundeten auch das schöne Informationszentrum Torfhaus im Harz, um uns einen persönlichen Überblick über die Harz-Wildnis zu verschaffen. Wir waren uns dabei einig, dass der Harz ein schönes Land für Wildtiere sein muss. Die Mitarbeiterinnen des Nationalpark-Zentrums erklärten uns, dass sie sich über die Rückkehr von Luchs und Wolf freuen, dies aber auch mit viel Informations- und Aufklärungsarbeit verbunden sei. Denn viele Menschen haben verlernt mit den großen Beutegreifern zusammenzuleben.

Exkursion auf die Wolfswarte, 912m über NN. Von hier aus hat man auch bei dunstigen Sichtverhältnissen einen schönen Überblick über den Westharz. – Foto: Silvester Tamás

 

Auf den Spuren der Luchse in der Wildnis Harz. – Foto: Silvester Tamás

Natürlich besuchten wir auch das mystische Torhausmoor. Hier versuchten wir Wildtiere live zu beobachten. Und tatsächlich: es gelang uns Rothirsche zu beobachten, nachdem wir uns wie Luchse leise und vorsichtig durch den Wald an das Moor herangeschlichen hatten.

Abendansitz am Torfhausmoor, Rotwildbeobachtungen inklusive. – Foto: Silvester Tamás

Der obligatorische Besuch zur Luchsfütterung beim Schaugehege des Nationalparks nahe der Rabenklippen bei Bad Harzburg verdeutlichte uns während ausführlicher Schilderungen eines Nationalpark-Rangers die Geschichte der Rückkehr der Pinselohren in den Harz. Und immer wieder wanderten wir durch die schönen Wälder des Harzes und konnten dabei verstehen lernen, dass auch dieser schöne Lebensraum seine Grenzen hat – nämlich an den intensiv durch den Menschen genutzten Landschaften, die unmittelbar in den Tallagen an den Harz angrenzen. Und leider ist der Luchs immer noch nicht allen Menschen willkommen.

Zur Luchs-Fütterung am Schaugehege bei den Rabenklippen nahe Bad Harzburg. – Foto: Silvester Tamás

In Vorträgen, TV-Beiträgen und in gemeinsamen Arbeitsgruppen konnten die Luchs-Camper deshalb viel über die Aufgaben und Arbeitsweisen der Luchsforscher und der Nationalpark-Ranger kennenlernen. Sie erklärten uns, warum es manchmal gut sei, wenn sich der Mensch aus der Natur zurücknimmt und den natürlichen Dingen selbst ihren Lauf nehmen lässt. Erst das schafft Wildnis !

Ein Nationalpark-Ranger erklärt, dass der Borkenkäfer ein wichtiger Helfer im Naturschutz ist – wir staunen. – Foto: Silvester Tamás

 

Wildnis bedeutet auch Erfahrungen sammeln, Spüren, Hören, Riechen, Fühlen und Begreifen. – Foto: Silvester Tamás

 

Besuch am Luchs-Denk-Mal(nach) beim Torfhausmoor. Hier in der Nähe wurde im Sommer 2000 der erste Luchs in die Freiheit entlassen. – Foto: Désirée Koch

 

Wissen ist besser als Glauben. Arbeitsgruppen zum Luchs als Einstieg in die Erkenntnis. – Foto: Silvester Tamás

 

Was ist eigentlich ein Monitoring und warum benutzt man dafür z.B. automatische Wildtierkamerafallen? Auch das erfuhren die Kinder und Jugendlichen im NAJU-Luchs-Camp. – Foto: Silvester Tamás

 

Das typische Fleckmuster auf dem Fell des Luchses ist individuell einmalig. Damit kann man Luchse auf Bildern von automatischen Wildtierkamerafallen eindeutig identifizieren. – Foto: Silvester Tamás

 

Luchs-Spur im Größenvergleich. Die Krallen des Luchses sieht man in der Spur eigentlich nie. – Foto: Silvester Tamás

 

Und natürlich durfte sich jeder Luchs-Camper sein eigenes Luchs-T-Shirt machen. – Foto: Silvester Tamás

 

Luchse im Harz sind eine Erfolgsgeschichte – bald kommen auch die Wölfe dauerhaft zurück. – Foto: Silvester Tamás

Das NAJU-Luchs-Camp war ein toller Erfolg! Den Kindern und Jugendlichen hat es riesigen Spaß gemacht. Sie waren ein Team, sie halfen sich, trafen Entscheidungen und lernten viel Neues über das wohl interessanteste Wildtier im Harz kennen – das Pinselohr ! Doch wir wollen, dass Luchse sich nicht nur im Harz wohlfühlen, sondern bald überall in Deutschlands Wäldern wieder dauerhaft anzutreffen sind. Darüber waren sich alle im NAJU-Luchs-Camp einig: wir kommen wieder, um mehr über das schöne Pinselohr zu lernen, damit wir den Luchsen auch in Thüringen auf die Sprünge helfen können.

 

Kein Grund zur Freude – Luchspopulation weiterhin auf einem kritischen Niveau!

Am 11.06. gedenkt der NABU Thüringen des internationalen Tages des Luchses – trotz leicht steigender Zahlen bleibt die Luchspopulation in Deutschland und in Mitteleuropa auf einem äußerst kritischen Niveau !

Das Bundesministerium für Umwelt verkündete in den letzten Tagen einen leichten Anstieg der Luchszahlen in Deutschland. Grundsätzlich eine gute Nachricht für den Artenschutz! Lange galten die „Pinselohren“ hierzulande als ausgestorben, heute streifen mindestens 85 selbstständige Luchse und 43 Jungtiere durch unsere Wälder, vor allem im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet, im Harz und in Rheinland-Pfalz.

Seit nun fast schon 50 Jahren gibt es in Deutschland Bemühungen für die Rückkehr der Luchse, dennoch sind die Fortschritte für den Luchs, seiner Lebensräume und für seinen Schutz recht überschaubar.

Zum 2. Internationalen Tag des Luchses am 11.06. möchte der NABU deshalb auf Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit für den Luchs aufmerksam machen und fordert mehr Unterstützung von Politik für die Wiedervernetzung der Lebensräume unserer Wildtiere.

Seit schon mehr als 25 Jahre ist Deutschland nun Unterzeichner der FFH-Richtlinie zum Schutz von bedrohten oder ausgestorbenen Arten. Damit hat sich Deutschland zu ganz konkreten Maßnahmen und Strategien für den Schutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen von diesen Arten auf europäischer Ebene bekannt. Dennoch liegen die bisherigen Ergebnisse, insbesondere mit Blick auf die Rückkehr der Luchse, weit hinter den Erwartungen zurück.

Luchse leiden in Deutschland an Lebensraumzerschneidung, illegaler Verfolgung und einsetzender genetischer Depression. Das kann langfristig zum wiederholten Aussterben des Eurasischen Luchses (Lynx Lynx) in Mitteleuropa führen.

Strategien auf Bundesebene fehlen bislang. In Deutschland ist der Luchs – wie auch andere streng geschützte Arten – sogar noch im Jagdrecht als „jagdbare Art“ mit ganzjähriger Schonzeit aufgeführt. Das ist obsolet. Denn das Jagdrecht bietet keine hinreichend fachlich begründeten Schutz- und Entwicklungsstrategien für die geschützten Arten. Deshalb müssen Luchs & Co. raus aus dem Jagdrecht und in ein maßnahmen- und ergebnisorientiertes Wildtiermanagement überführt werden. Denn der Luchs unterliegt bereits dem Bundesnaturschutzrecht und ist im Anhang der FFH-Richtlinie (FFH-RL 93/42/EWG) aufgeführt. Die Bundesrepublik Deutschland und besonders auch Thüringen haben deshalb die zentrale Verantwortung, konkrete und wissenschaftlich begründete Strategien für die erfolgreiche Rückkehr des Luchses zu formulieren und auch umzusetzen. Das Jagdrecht braucht es dafür – auch aus Gründen der Entbürokratisierung – nicht!

Anhörung im Thüringer Landtag zur Novellierung des Thüringer Jagdrechts. – Foto: Silvester Tamás

Für die richtige Weichenstellung waren wir am 06.06.2019 – auch im Rahmen unseres aktuellen Luchs-Projektes „PLAN P wie Pinselohr“ – für den Luchs und für mehr Artenschutz im Thüringer Landtag zur Anhörung für die bevorstehende Novellierung des Thüringer Jagdgesetzes. Wir vom NABU wollen zukünftig weniger Blei, keine Totschlagfallen, die auch Luchs- und Wolfswelpen, sowie Wildkatzen töten könnten. Das alte Jagdrecht muss entstaubt werden! Und Thüringen hat jetzt die Chance dazu. Immer noch gibt es zu viele geschützte und bedrohte Arten im Jagdrecht, die dort nichts mehr zu suchen haben. Mehr als die Hälfte der Arten in der Liste „jagdbarer Arten“ unterliegen bereits dem Naturschutzrecht. Da braucht es keine unwissenschaftlich begründete „Hege & Pflege“ durch die Jagd. Zukünftig benötigen wir ein fachlich und wissenschaftlich fundiertes Wildtiermanagement, was den rechtlichen Verpflichtungen des Freistaats für das Wohlergehen der bedrohten und geschützten Arten in unserer Heimat gerecht wird. Thüringen hat ganz konkrete Verpflichtungen und Aufgaben im Rahmen internationaler Vereinbarungen für den Schutz und die positiven Entwicklungen gefährdeter und bedrohter Arten auf Landesebene umzusetzen. Mit schwammigen Begriffen wie „Hege & Pflege“ wird man den modernen gesellschaftlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Wir sind mit der Novellierung des Thüringer Jagdgesetzes auf dem richtigen Weg! Nun ist die Politik gefragt, die richtigen und wegweisenden Entscheidungen für die Zukunft vieler geschützter Wildtiere und ganz besonders für den Luchs zu treffen. Wir wünschen dem zuständigen Ausschuss viel Erfolg und hinreichenden Sachverstand !

 

Hintergrund
Der Internationale Tag des Luchses wurde vom Projekt 3Lynx ins Leben gerufen, um Akzeptanz und Förderung für den Luchs zu schaffen, wo er sich die Lebensräume mit den Menschen teilt oder zukünftig teilen könnte. Im Fokus des Projekts steht die länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien. Die Herausforderung besteht darin, die Schutzmaßnahmen, das Monitoring und das Management der Luchse in eine gemeinsame grenzübergreifende Strategie zu integrieren. Der Internationale Tag des Luchses richtet sich besonders an alle Politiker (!), Jäger, Förster und Naturschützer sowie an Bürger und Wissenschaftler.