Luchse in Thüringen Beiträge

Der Luchs sorgt für großes Interesse in Mühlhausen

Empfang in der historischen Ratsstube von Mühlhausen zur Präsentation der 41. Mühlhäuser Beiträge. – Foto: Silvester Tamás.

Erster Luchsnachweis nach 349 Jahren sorgt für Aufsehen in Mühlhausen 

Nach 349 Jahren ist der Luchs zurück in den Wäldern bei Mühlhausen. Es ist damit der erste Luchsnachweis nach dem letzten Luchs aus dem Jahr 1668. Der Nachweis gelang  Jäger Dolling am 18.10.2017 mittels einer sogenannten Wildtierkamerafalle. Der Luchsnachweis sorgte für einiges Aufsehen. So wünschte sich der Mühlhäuser Geschichtsverein von uns eine Publikation zu Luchsen und ihrer Geschichte in der Region und darüber hinaus in ganz Thüringen. Deshalb waren wir mit PLAN P am 30.11.2018 in Mühlhausen zur Präsentation des 41. Bandes der Mühlhäuser Beiträge. Es war sicher nicht das letzte Mal 🙂

Luchs im Mühlhäuser Forst am 18.10.2017. – Foto: J. Dolling.

Luchs im Mühlhäuser Forst am 18.10.2017 (groß). – Foto: J. Dolling.

 

Publikation

Silvester Tamás: PLAN P wie Pinselohr – Luchse in die Mitte bitte! – Luchsprojekt des NABU Thüringen. Mühlhäuser Beiträge 41, 49-60.

Luchse sind kein Luxus – aber noch viel zu selten !

Luchsgebiete und wahrscheinliche Ausbreitungswege des Luchses. – Grafik: Sigi Reiss, Luchsprojekt NABU.

Harzer Luchse sind wanderfreudig ! 

März 2015 bei Gräfenthal in Süd-Thüringen, im Dezember 2017 schon bei Seehausen in der Altmark, im März 2018 im Tagebau Welzow-Süd (Lausitz) und jetzt auch schon bei Uelzen und bei Amelinghausen in der Lüneburger Heide (2018). Die Nachweise zu den Harzer Luchsen streuen weit ins deutsche Land.

Mit dem Ausbreitungsverhalten der Luchse lässt sich allmählich nachvollziehen, dass Luchse nicht nur die waldreichen Gebirgs- und Mittelgebirgslagen für sich als Lebensräume erschließen, sondern – wie bereits in Jahrtausenden zuvor – auch das Tiefland nutzen und vielleicht auch bald wiederbesiedeln werden. Ursprünglich sind Luchse in den mitteleuropäischen Gebirgs- und Waldregionen, wie dem Harz und dem Bayerischen Wald mit den angrenzenden Böhmerwaldgebieten, durch Menschenhand ausgewildert worden. Insbesondere im Harz geht es den Luchsen gut. Von dort aus gehen sie nun auf Wanderschaft. Platz ist jedenfalls genügend da. Hoffen wir, dass es unseren Pinselohren alsbald gelingt, auch den Weg nach Thüringen zu finden. Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit, sowie Lebensraumschutz und -vernetzung wollen wir deshalb im Rahmen unseres Luchsprojektes „PLAN P – Luchse in die Mitte bitte!“ deutlich voranbringen. Denn nur wenn wir wissen, wo und wie die Luchse bei uns leben und zurechtkommen, nur dann können wir ihnen auf die Sprünge helfen und sie ausreichend schützen 🐾

Mehr Wissen über den Luchs

Der Hörsaal auf dem Campus der Friedrich-Schiller-Universität Jena füllt sich. – Foto: NABU Thüringen.

Am 03. November 2018 waren wir mit PLAN P zu Gast auf der Lichtbildarena in Jena. Im Rahmen der wissenschaftlichen Vortragsreihe der FSU Jena konnten wir das interessierte Publikum für die „Rückkehr der Luchse“ begeistern. Ganz besonders gefreut hat uns natürlich, dass so viele junge Gäste und besonders Schulkinder anwesend waren, um mehr über den Luchs in Europa und Thüringen erfahren zu können. Im Rahmen unseres Luchsprojektes „PLAN P wie Pinselohr – Luchse in die Mitte bitte !“ konnte Silvester Tamás, der Projektkoordinator, in seinem Vortrag den interessierten Zuhörern nahe bringen, vor welchen Herausforderungen der Luchs bei seiner Rückkehr nach Deutschland steht und welche Gefahren insbesondere durch den Straßenverkehr, die illegale Jagd und die voranschreitende Lebensraumzerstörung und -zerschneidung auf das scheue Pinselohr lauern. Begeistert lauschte das Publikum den Ausführungen, als es um Visionen und Lebensbilder ging, die wildlebende Wölfe, Luchse, Biber, Braunbären, Elche und Wisente in unsere unmittelbare Lebenswelt vor der Haustür einschließen. Alle diese Tierarten kamen noch vor nicht allzu langer Zeit (bis ins 17. und 18. Jahrhundert) ständig in unserer Natur vor, und das schon lange bevor der moderne Mensch (Homo sapiens) den europäischen Kontinent vor etwa 40.000 Jahren eroberte.

Luchs, Biber und Wolf sind streng geschützt, doch auch in Deutschland werden sie häufig Opfer illegaler Jagd. – Foto: NABU Thüringen.

Ein Zusammenleben des Menschen mit sogenannten konfliktträchtigen Tierarten ist möglich. Wir müssen es nur wollen und auch versuchen. Die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten haben wir jedenfalls. Der Luchs verdient eine zweite Chance!

Netzwerk „Luchsfreunde“ gegründet !

Gründungsmitglieder des neuen Thüringer Netzwerkes „Luchsfreunde“ – Foto: NABU Thüringen.

Landesarbeitsgruppe Wolf & Luchs des NABU Thüringen gründet Netzwerk „Luchsfreunde“ 

Am 22.09.2018 trafen sich engagierte Naturfreunde in Vollradisroda zur Sitzung der Landesarbeitsgruppe Wolf & Luchs des NABU Thüringen. Die Mitglieder der diesjährigen Sitzung stammen aus unterschiedlichen Fachbereichen wie der Biologie, dem Veterinär- und Rechtswesen, sowie aus der Forstwirtschaft, der Geologie und der praktischen Naturschutzarbeit und Feldforschung.

Gemeinsam Brücken bauen für den Luchs

Podiumsdiskussion der Bayreuther Freitagsdebatte zum Thema LUCHS. Im Podium die Referenten v.l.n.r. Silvester Tamás (NABU Thüringen), Dr. Markus Port (Uni Göttingen), Eberhard Freiherr zu Gemmingen-Hornberg, Dr. Norbert Schäfer (LBV), Christoph Hartl (LBV) – Foto: LBV Bayreuth.

„Der Luchs – heimlicher Rückkehrer?“ unter diesem Titel hatte der LBV Bayreuth zur Podiumsdiskussion im Rahmen seiner Bayreuther Freitagsdebatte eingeladen

Der Saal im Bayreuther Lindenhof war voll. Das Thema weckte große Begeisterung unter dem anwesenden Publikum, andererseits sorgt das Thema in Bayern nach wie vor für Zündstoff. Denn nicht alle wollen den Luchs. Zu frisch sind die Erinnerungen an die zurückliegenden Tötungs- und Verfolgungsdelikte im Bayerischen Wald. Um so notwendiger schien die Veranstaltung mit Blick auf eine engere vernetzte und insbesondere länderübergreifende Zusammenarbeit. Denn auch gut 50 Jahre nach den ersten Versuchen den Luchs erfolgreich in seine einst angestammten Lebensräume in Deutschland und darüber hinaus zu etablieren, schaffen es die Pinselohren immer noch nicht sich über die Nationalparkgrenzen hinweg zu vernetzen, ihren Bestand zu vergrößern und letztlich auch ohne Zutun des Menschen überlebensfähig zu halten. Die Bedeutung des Themas wurde nicht zuletzt durch die Teilnahme von Mitarbeitern aus den Artenschutzreferaten der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), des Regierungspräsidiums Kassel und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) hervorgehoben.

Vortragsprogramm zur Bayreuther Freitagsdebatte. – Foto: LBV Bayreuth.

Der Luchs kennt keine Grenzen, also müssen auch wir Menschen uns über Ländergrenzen für den Luchs einsetzen. Die Referentenbeiträge boten für die Podiumsdiskussion entsprechende Impulse. So referierte Dr. Markus Port von der Universität Göttingen über die Luchssituation in Nordhessen, wo sich erstmals in Deutschland ein kleinerer Bestand von Luchsen selbstständig etablierte und sogar reproduzierte. Diese Subpopulation stand mit der Ursprungsquelle im Harz in Verbindung. Letztlich führten Räudeerkrankung und auch der Straßenverkehr zum Einbruch dieser Population. Die Zukunft der hessischen Luchse steht damit in den Sternen.

Christoph Hartl vom LBV Bayreuth veranschaulichte in seinen anschließenden, sehr eindrücklichen Ausführungen die vielfältigen Möglichkeiten des Einsatzes von Spürhunden, um dem Luchs aber auch anderen Tierarten auf die Schliche und damit letztlich auch an genetisches Material im Rahmen von Monitoringmaßnahmen zu kommen.

Eberhard Freiherr zu Gemmingen-Hornberg berichtete in seinem Redebeitrag von den Erfahrungen zweier Luchsauswilderungen in seinen Waldgebieten im Steinwald in der Oberpfalz (Bayern). Als Jäger und Landnutzer machte er sehr deutlich, dass gerade er sich als Nutzer der Natur, auch gleichermaßen für die Natur und allen darin vorkommenden Geschöpfe engagieren sollte. „Doch wer Luchs sagt, muss auch Reh sagen.“ So war es ihm auch ein wichtiges Anliegen aufzuzeigen, dass man als Waldbesitzer nicht immer „den Wald vor Wild“ sehen muss, sondern auch den Rehen – der Leibspeise des Luchses – ihren Platz und ihren Raum geben kann, ohne auf Holznutzung verzichten zu müssen – wer kann schon behaupten, Luchse in seinem Wald zu haben.

Silvester Tamás vom Luchsprojekt PLAN P beim NABU Thüringen (links) und Dr. Markus Port von der Uni Göttingen (rechts) . – Foto: LBV Bayreuth.

Silvester Tamás, der Projektleiter des Luchsprojektes PLAN P vom NABU Thüringen, schloss den Beitragsreigen mit der Idee einer großen zusammenhängenden europäischen Luchspopulation, die vom Baltikum und Süd- und Südosteuropa über Mitteleuropa bis Westeuropa reicht. Für diese Idee sind letztlich mehr politischer Wille, Lebensraumschutz und -vernetzung, sowie mehr Geld und eine länderübergreifende Zusammenarbeit notwendig. In seinen Ausführungen hob er überdies die zentrale Rolle Thüringens, zwischen den Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald-Böhmerwald, für die Luchse in Deutschland hervor. Ein gutes Beispiel dafür wie auch die Rückkehr des Luchses nach Deutschland laufen könnte, veranschaulichte er an den sehr erfolgreichen Bemühungen für den iberischen Pardelluchs in Spanien und Portugal. Sein Schlusssatz „Gemeinsam Brücken bauen für den Luchs“ leitete unmittelbar in die anschließende Podiumsdiskussion über.

In der Podiumsdiskussion wurde der Fokus auf die Herausforderungen und Probleme für die Luchse in Bayern und Deutschland geschärft. Hierzu gab es viele Fragen an die Referenten und in das Podium. Das abschließende Bekenntnis der Podiumsrunde zur engeren Vernetzung und das Fortführen des Dialogs über die Luchse in Deutschland weiter voran zu bringen, sollen den Grundstein für weitere gemeinsame Aktivitäten in naher Zukunft legen.

Erneuter Luchsnachweis im Thüringer Wald !

Luchs an einer Salzlecke im Thüringer Wald. – Foto: Anonymus.

Wiederholte Nachweise zum Luchs sind ein gutes Zeichen für Thüringen

Abermals wurde ein Luchs im Thüringer Wald nahe Ilmenau mittels einer Wildtierkamerafalle fotografiert. Das Foto vom 29.06.2018 entstand in den frühen Morgenstunden an einer Salzlecke für Schalenwild. Aktuell findet noch eine Überprüfung der Örtlichkeit durch den zuständigen Mitarbeiter der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie statt. Wir konnten zuvor schon mit dem verantwortlichen Revierförster André Deglau sprechen. Herr Deglau berichtete dabei von zeitnahen Luchsbeobachtungen in seinem Revier durch Forstmitarbeiter. Sogar beim Jagen von Hasen soll erst kürzlich ein Luchs beobachtet worden sein. All das sind sehr gute Nachrichten! Insbesondere der Thüringer Wald fungiert als wichtiger Lebensraum für die seltene und Europas größte Wildkatze. Wenn sich die Luchse hier im wild- und waldreichen Mittelgebirge dauerhaft etablieren können und sich sogar miteinander verpaaren, wäre eine wichtige Brücke von der Luchspopulation im Harz zu jener in den bayerisch-böhmischen Waldgebieten geschlagen. Diese Vernetzung brauchen die Luchse für ihr Fortbestehen. Denn nur in einer ausreichend gesichert großen und zusammenhängenden mitteleuropäischen Metapopulation ist das Überleben der Luchse auch langfristig gesichert. Woher der neuerlich nachgewiesene Luchs stammt, ist bislang noch nicht geklärt. Vermutlich handelt es sich um einen ausgewachsenen Luchskater aus dem Harz oder dem hessischen Raum.

1. Internationaler Tag des Luchses – Der Luchs ist ein echter Europäer !

Erstmals begehen am 11.06.2018 zahlreiche Verbände und Projekte den 1. Internationalen Tag des Luchses – wir wollen, dass mehr für den Luchs getan wird !

Der Luchs ist ein Europäer! Doch das schöne Pinselohr hat es immer noch sehr schwer in Deutschland und Mitteleuropa. Sie werden immer noch verfolgt oder sterben im Straßenverkehr. Luchse kennen keine Grenzen. Deshalb muss auch der Schutz und die Vernetzung ihrer Lebensräume über die Ländergrenzen hinweg und auf europäischer Ebene gedacht und bearbeitet werden. Zum 1. Internationalen Tag des Luchses möchte der NABU auf Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit für den Luchs aufmerksam machen und fordert mehr Unterstützung von der Politik für die Wiedervernetzung der Lebensräume unserer Wildtiere. Der Luchs gehört wieder in unsere Wälder!

Mehr erfahrt Ihr hier unter dem Link: https://thueringen.nabu.de/news/2018/24627.html

 

Expertentreffen für den Luchs – Tagung in Bonn

Luchstagung in Bonn – Foto: Silvester Tamás.

Experten waren sich einig: der Luchs braucht neben nachhaltigen Auswilderungsprogrammen auch eine engere Vernetzung der Lebensräume und mehr Unterstützung aus der Politik

Am 25.05.2018 waren wir vom PLAN P (NABU Thüringen) von der HIT-Umweltstiftung zum Expertentreffen an die Universität nach Bonn eingeladen, um gemeinsam mit Naturschutzverbänden, mit Experten laufender Auswilderungsprojekte und internationalen Fachleuten über die Rückkehr des Luchses nach Deutschland zu diskutieren. Die Tagung bot hochwertige und aktuelle Referentenbeiträge zur aktuellen Situation des Luchses in NRW, in Deutschland aber auch in ganz Europa. Die erfolgreichen Auswilderungsprojekte des Nationalparks Harz und in Rheinland-Pfalz verdeutlichten, wie wirksam ein gut abgestimmtes Zusammenwirken aller Interessensgruppen für den Luchs sein kann. In Bayern dagegen stagniert die Situation. Obwohl es dem Luchs im Nationalpark Bayerischer Wald scheinbar gut geht, schafft er es nicht, sich erfolgreich von dort auszubreiten. Einzelne Luchswiederansiedlungsprojekte in Europa begannen bereits in den 1970er Jahren. So leben heute in der Schweiz bereits 130 bis 150 erwachsene Luchse. In Deutschland aktuell etwa 80. In Österreich, Tschechien und Bayern scheint die illegale Jagd auf den Luchs die Hauptursache für die Stagnation der dortigen Luchspopulation zu sein. Hessen erlebte in den letzten beiden Jahren einen Zusammenbruch seines kleines Luchsvorkommens mit ursprünglich eigenständiger Reproduktion. Verantwortlich dafür waren hochwahrscheinlich ein epidemischer Räudeausbruch unter den Katzen und die verhältnismäßig hohe Mortalität im Straßenverkehr. Aktuell leben dort nur noch zwei Kuder. In Slowenien dagegen stagniert die Reproduktion vermutlich aufgrund genetischer Barrieren.