Luchse in Thüringen Beiträge

Der Luchs kommt nach Thüringen und wir helfen dabei !

Plan P wie Pinselohr – Wir machen den Weg frei für den Luchs.

Die Nachfrage zu Informationsangeboten über den Luchs ist ungebrochen groß – trotz der erschwerten Corona-Bedingungen verstärken wir unser Engagement für Pinselohr.

Am 21. September 2021 waren wir mit einem Vortrag über die Rückkehr von Pinselohr in Bad Frankenhausen am Kyffhäuser zu Gast im Regionalmuseum. Alle Stühle im Saal waren – unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen – bis auf den letzten Platz belegt. Dies vielleicht auch insbesondere deshalb, weil die Meldungen zu Luchsen in der Region in den vergangenen Jahren immer zahlreicher wurden. Dies hat auch einen guten Grund: der Kyffhäuser als kleine Mittelgebirgserhebung liegt, gewissermaßen nur einen Katzensprung entfernt, südlich des Harzes, und spielt für die Ausbreitung der Harzer Luchse eine wichtige Rolle auf dem Weg nach Thüringen, wo sie zukünftig mit den Luchsen aus der böhmischen Luchspopulation zusammenkommen könnten.

Vernetzung der Luchsvorkommen in Deutschland und Mitteleuropa. Luchsprojekt NABU Thüringen. Grafik: Sigi Reiss.

Egal ob die Veranstaltungen online oder in Präsenz von uns durchgeführt werden, es zeigt sich, dass die interessierte Bevölkerung und besonders die sogenannten betroffenen Interessengruppen, wie Jäger und Weidetierhalter, ganz konkrete Fragen zur Rückkehr von Pinselohr haben. Neben den zentralen Fragen, wo die Luchse überhaupt herkommen und warum Thüringen im Grünen Herzen Deutschlands so wichtig für die Vernetzung der mitteleuropäischen Luchspopulationen ist, interessiert die Bevölkerung unter anderem auch, ob Luchse überhaupt in unserer dicht besiedelten und von zahlreichen Autobahnen und Bundesstraßen durchzogenen Landschaft gefahrlos wandern und ihren Nachwuchs erfolgreich großziehen können. Dies gerade auch vor dem Hintergrund, dass ganz aktuell selbst in Waldschutzgebieten viel Holz eingeschlagen wird und die Lebensräume für Luchse zunehmend durch Störungen beeinflusst werden. Für die besonders von der Rückkehr der großen Beutegreifer betroffenen Interessengruppen ergeben sich dagegen ganz konkrete Fragen danach, welche Auswirkungen die Rückkehr der Luchse auf das Reh- oder Rotwild, der Leibspeise des Luchses, haben und welche Maßnahmen für den Herdenschutz durch die Weidetierhalter ergriffen werden müssen, wenn der Luchs in der Nähe ist und regelmäßig an den Weiden entlang streift und es sogar Übergriffe auf Nutztiere gibt. Die Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen ist letztlich essentiell für die Akzeptanz gegenüber der Anwesenheit des Luchses in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. In unseren Vorträgen geben wir Antworten und auch Lösungen auf diese Fragen, die uns verstehen helfen, dass auch die Natur und die darin lebenden Tiere ihre Bedürfnisse haben, auf die wir Rücksicht nehmen und für die wir gegebenenfalls aktive Maßnahmen für die Verbesserung der Lebensbedingungen ergreifen müssen. Natürlich frisst der Luchs kein Gras. Wir wissen aber, dass Luchse große Streifgebiete mit einer Reviergröße bis zu 450 Quadratkilometer haben und dort lediglich etwa ein bis zwei Rehe oder bis zu zwei Stücke Rotwild in der Hauptsache, selten auch mal ein Wildschwein, pro Woche erbeuten. Der Luchs im Revier wird sicher Effekte auf die Wildbestände haben, diese sind aber ganz natürlich. Der ökologische Mehrwert hingegen, den die Anwesenheit der Luchse in unserer Landschaft hat, ist wissenschaftlich noch nicht gänzlich untersucht, aber erwartungsgemäß eher positiv zu bewerten. In Sachen Herdenschutz wiederum macht der Freistaat Thüringen schon einiges. Zum Beispiel gibt es eine Richtlinie Wolf/Luchs. Über diese Richtlinie ist es Nutzierhaltern möglich ihre Herdenschutzmaßnahmen auf den technisch neuesten Stand zu bringen und sogar eine bis zu hundertprozentige Förderung dafür zu erhalten. Ebenso werden nachweisliche Risse, die an Nutztieren durch Wölfe oder Luchse verursacht worden sind, durch den Freistaat entschädigt. Ebenso gibt seit fast zwei Jahren die sogenannte Kompetenzstelle Wolf/Biber/Luchs beim Thüringer Umweltministerium. Hier können sich zum Beispiel Nutztierhalter melden, wenn sie mutmaßliche Übergriffe durch die großen Beutegreifer auf ihre Herden zu verzeichnen haben.

Das Interesse am Luchs ist groß. Der Vortrag zum Luchs in Thüringen in Bad Frankenhausen am 21.09.2021 war gut besucht. Foto: Silvester Tamás.

Auch der NABU tut schon viel für den Luchs. Der NABU Thüringen hat in seinem Luchsprojekt „PLAN P wie Pinselohr“ ganz konkrete Vorstellungen davon, was wir Menschen für den Luchs tun können, damit er wieder gefahrlos in seiner alten Heimat Thüringen überleben, umherstreifen und auch erfolgreich für Nachwuchs sorgen kann. Hierbei stehen das aktive Sammeln von Luchsdaten an vorderster Stelle. Neben der Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir auf politischer Ebene für die Lebensbedürfnisse der Luchse zu sensibilisieren und entsprechende Entscheidungsträger zu konkreten Maßnahmen des Lebensraumschutzes und der Lebensraumvernetzung zu bewegen. Der NABU selbst schützt Lebensräume aktiv mit dem Erwerb von großartigen und einzigartigen Naturschätzen zum Beispiel durch den Ankauf von schutzwürdigen Waldgebieten. Ganz aktuell wirbt der NABU Thüringen mit seinem Teilprojekt LuchsWald für mehr Naturschutz im Wald, denn der Luchs bevorzugt ungestörte Wälder als Rückzugsorte. Von diesen Schutzbemühungen profitieren wiederum viele andere seltene und teils bedrohte Arten. Der NABU Thüringen wird zukünftig pro Jahr bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald auszeichnen, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. 

Infos zum Projekt LuchsWald hier unter dem Link 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs/luchswald/

Luchse brauchen zu erst sichere Lebensräume

Die ursprünglich in Polen ausgewilderte Luchsin Mira an der Saaltalsperre im Saale-Orla-Kreis. Foto: Dirk Rudat (23.05.2021).

In Thüringen gibt es noch genug Platz für Luchse. Deren Lebens- und Wanderungsbedingungen müssen verbessert werden, damit sich Tiere aus den umliegenden Populationen im grünen Herzen Deutschlands gefahrlos treffen und auch für Nachwuchs können.

Am 23. Mai gelang Dirk Rudat auf seiner Wanderung am Thüringer Meer ein spektakuläres Foto. In etwa 20 Meter Entfernung vor ihm, unweit des Weges, lag ein Luchs, der ein Sendehalsband um den Hals trug. Das aktuelle Bild lässt vermuten, dass die 2019 in Westpommern in Polen ausgewilderte Luchsin Mira sich nun dauerhaft im Gebiet des Thüringer Meeres und im Einzugsgebiet der Oberen Saale aufhält. Dirk Rudat hat genau das Richtige gemacht: den Luchs zurückhaltend aus der Distanz beobachtet, ein Foto gemacht und uns zugesendet. Mittlerweile wurde das Foto auch vom zuständigen Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs des Thüringer Umweltministeriums begutachtet und als sogenannter C1-Nachweis bewertet. Damit ist die Anwesenheit des Tieres eindeutig bestätigt.

Der erste Nachweis eines besenderten Luchses in der Region gelang im Dezember 2020. Seitdem war klar, dass es sich bei dem Tier um die Luchsin Mira aus Polen handelt. Sie wurde immer wieder im Gebiet der Oberen Saale und des Thüringer Meeres nachgewiesen. Luchsin Mira stammt ursprünglich aus Westpommern. Sie wurde dort im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes, mit einem Sendehalsband ausgestattet und zusammen mit Luchskater Pako in die Freiheit entlassen. Die Geschichte der Luchsin Mira zeigt die hohe Mobilität von Luchsen. Allerdings sind es normalerweise die Luchskater, die sich auf weite Wanderungen begeben. Luchsweibchen hingegen bleiben vorzugsweise im Einzugsgebiet ihrer Herkunft. Desto überraschender ist die Tatsache, dass Mira jetzt scheinbar dauerhaft in Thüringen angekommen ist. Der NABU Thüringen sammelt Hinweise und Daten zur Anwesenheit der schönen Pinselohren. Wir wollen Herausfinden wie viele Luchse es in Thüringen gibt und warum es Europas größter Katze scheinbar so schwer fällt, sich dauerhaft im Freistaat niederzulassen.

Der NABU Thüringen hatte eine im Jahr 2019 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU Jena) vorgestellte Abschlussarbeit zum Luchs unterstützt, die sich mit dem Potenzial von Lebensräumen in Thüringen beschäftigte. Diese an von der FSU Jena und der Universität Potsdam betreute Studie von Sophie Müller (geb. Hoffmann) erbrachte eine klares Ergebnis: Thüringen hat in seinen wild- und waldreichen Gebieten Platz für mindestens 90 selbstständige Luchse!

Thüringen, zwischen den beiden größten Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald, bietet aufgrund seiner wild- und waldreichen Gebirgslagen grundsätzlich gute Bedingungen für den Luchs. Die bislang wenigen Nachweise im Freistaat belegen, dass Luchse den Weg nach Thüringen selbstständig finden können. Selbst aus Polen ist nun eine Luchsin namens Mira (Foto), in das Gebiet der Oberen Saale eingewandert und beim Thüringer Meer sesshaft geworden. Dagegen ist aktuell unklar, was mit Luchs Aslan im Thüringer Wald geschehen ist. Ist er noch da? Finden Mira und Aslan vielleicht zueinander? Das sind aktuell nur zwei spannende Fragen von vielen. Und ob die schönen Pinselohren in Thüringen bleiben, liegt letztlich an verschiedenen Faktoren.

Die größte Herausforderung ist bislang, dass umherstreifende Luchse in Thüringen – außerhalb des Harzer Einzugsgebietes – in der Regel keine Artgenossen treffen, um sich mit diesen verpaaren zu können. Für uns Menschen bedeutet das, dass wir uns konkret Gedanken darüber machen müssen, wie wir die Lebens- und Wanderungsbedingungen für die Luchse verbessern können, damit sie endlich zueinander finden.

Da Luchse, wie auch Wölfe und andere wandernde große Wildtiere, sich nicht an Landesgrenzen halten, müssen wir länderübergreifend planen und handeln. Verbesserter Lebensraumschutz und eine effektive Lebensraumvernetzung sind hierfür unter anderem wichtige Voraussetzungen. Es sterben einfach noch zu viele Luchse im Straßenverkehr. Aber auch die illegale Jagd auf Luchse und Wölfe hat offenbar Dimensionen in Deutschland angenommen, die uns zum Handeln zwingen. Der NABU Thüringen fordert deshalb schon länger die Einrichtung einer zentralen Stabsstelle für Ermittlungen zu Umweltstraftaten. Langfristig ist diese zentrale Ermittlungsstelle eine wichtige Voraussetzung, um gegebenenfalls auch Luchse im Grünen Herzen Deutschlands gezielt auswildern zu können.

Um Luchse und ihre Lebensräume noch besser zu schützen, hat der NABU Thüringen aktuell die Aktion LuchsWald gestartet. Pro Jahr werden bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald ausgezeichnet, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. Waldbesitzer*innen können sich um eine symbolische Auszeichnung ihrer Wälder beim NABU Thüringen bewerben. Darüber hinaus nimmt der NABU Thüringen Hinweise und Meldungen zum Luchs dankend entgegen.

Hier gehts zur Studie und zu weiteren Informationen rund um das schöne Pinselohr 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html

 

Straßenverkehr: die große Gefahr für Wolf, Wildkatze & Luchs!

Findulin die kleine Fund-Wildkatze aus Plinz/Altenberga (SHK) beim Tierarztbesuch am 15.05.2021. Foto: Dr. Iris Schaub.

Innerhalb kurzer Zeit erreichten uns im Mai 2021 gleich zwei Meldungen zu überfahrenen weiblichen Wildkatzen in Thüringen, die offenbar akut Nachwuchs zu versorgen hatten – 2016 und 2019 wurden zwei junge Wölfinnen auf Thüringer Autobahnen überfahren 

Der Straßenverkehr stellt für Wolf, Wildkatze und Luchs eine der tödlichsten Gefahren in unserer stark durch den Menschen geprägten Landschaft dar. Daneben ist für Luchs und Wolf auch die illegale Bejagung in Deutschland zu einer ernsthaften Bedrohung für die Rückkehrer geworden. Doch was können wir tun?

Wir können aktiv helfen: buchstäblich im letzten Augenblick sind wir so z. B. am 13. Mai 2021 im Saale-Holzland-Kreis zu einem Rettungseinsatz gerufen worden. Aufmerksame Wanderer meldeten zu Christi Himmelfahrt eine laut miauende kleine Katze in einer alten Baumhöhle. Schnell vor Ort wurde klar, dass es sich um eine etwa 3 bis 4 Wochen junge Wildkatze handelt, die offenbar schon vor zwei oder drei Tagen von ihrer Mutter zurückgelassen oder gar aufgegeben wurde. Nicht auszuschließen, dass die Wildkatzenmutter sich derart gestört gefühlt hat, dass sie ihr Junges schließlich aufgegeben hat – in unmittelbarer Nähe waren frische Holzeinschläge erkennbar.

Findulin in einer Baumhöhle bei Plinz/Altenberga (SHK, 13.05.2021). Video: S. Tamás.

 

Findulin ist gerettet. Foto: Ivonne Przemuß (NABU SHK e.V.).

 

Findulin auf dem Weg zum Tierarzt. Foto: Ivonne Przemuß (NABU SHK e.V.).

Besonders dramatisch in diesem Zusammenhang sind die Funde vom 04. und vom 17. Mai 2021 von zwei Wildkatzen, die im Straßenverkehr überfahren worden sind. In den beiden aktuellen Fällen aus Thüringen hat sich bisher u.a. durch Untersuchungen des Phyletischen Museums in Jena herausgestellt, dass es sich um weibliche Wildkatzen handelt, die auch ein laktierendes Gesäuge aufwiesen und somit offenkundig auch Wildkatzennachwuchs zu versorgen hatten. Dieser Nachwuchs dürfte damit sehr wahrscheinlich verstorben sein bzw. versterben, wenn er nicht rechtzeitig aufgefunden wird.

Überfahrene junge Wildkätzin vom 04.05.2021 (Rotehofbachtal, SHK). Foto: Zabel (Forstamt SHK).

 

Überfahrene Wildkätzin vom 17.05.2021 (Trügleben, Lkr. Gotha). Foto: Ronald Bellstedt (NABU Gotha).

Grundsätzlich gilt: Wildkatzen im Wald lassen und umgehend dem NABU melden! Erst wenn nach einem überschaubaren Zeitraum keine Versorgung oder Rückkehr der Wildkatzenmutter erfolgt, muss zügig gehandelt werden. Bitte kontaktiert uns in entsprechenden Fällen oder bei vergleichbaren Beobachtungen. Bitte lasst die Wildkatzen aber unbedingt vor Ort – wir kümmern uns darum! Immer wieder werden Wildkatzenjunge mit vermeintlich ausgesetzten jungen Hauskatzen verwechselt und mitgenommen. Schnell stellt sich dann heraus, dass es sich sich um unzähmbare Wildkatzen handelt. Diese müssen dann so schnell wie möglich zurück in den Wald, damit sich die Wildkatzenmutter, um ihre Jungen kümmern kann. In der Regel versorgen Wildkatzenmütter ihren Nachwuchs alleine. Natürlich müssen Wildkatzenmütter auch mal zwischendurch auf Nahrungssuche und entfernen sich dabei kurzzeitig von ihren Jungen. In diesem Zeitraum kann es passieren, dass sich der Nachwuchs verselbstständigt. Wenn die Wildkatzenmutter zurückkehrt, kümmert sie sich aber wieder um ihre Jungen. Hierbei sollte man den Fundort der jungen Wildkatzen keinesfalls unnötig stören, sonst könnte die Wildkatzenmutter im schlimmsten Fall ihren Nachwuchs aufgeben und zurücklassen. Damit wären die kleinen Wildkatzen verloren.

In den vorliegenden beiden Fällen der überfahrenen Wildkatzen wurde das Wildkatzenjunge mit dem Namen Findulin an eine Wildtierauffangstation übergeben. Der kleine Wildkater wurde bereits zweimal dem Tierarzt vorgestellt. Jetzt heißt es Daumen drücken, denn in einem zarten Alter von 3 bis 4 Wochen ist nämlich noch nicht klar, ob die kleine Wildkatze überleben wird. Die Chancen stehen aber gut. Aktuell geht es dem kleinen Findulin gut und er ist wohl auf. Nun gibt es konkrete Überlegungen dazu, den kleinen Findulin nach Worbis in den Bärenpark zu bringen. Dort leben in einem Gehege auch schon mehrere Fund-Wildkatzen, die durch den Bärenpark betreut, aufgepäppelt und schließlich wieder in ihrem Fundgebiet ausgewildert werden. Auch Findulin soll möglichst artgerecht und wild aufwachsen, denn schon im Herbst dieses Jahres soll er in seinem Fundgebiet zurück in die Freiheit entlassen werden.

Im Fall der überfahrenen Wildkatze bei Trügleben (Lkr. Gotha) haben sich Aktive des NABU Gotha e.V. am 18. Mai auf die Suche nach einem möglichen Geheck in der unmittelbaren Umgebung gemacht und wurden in einem alten verlassenen Bunker fündig. Hierbei konnten zwei Wildkatzenjungen im Alter von ca. 2 Wochen geborgen und anschließend dem Tierarzt vorgestellt werden. Nachdem die jungen Kätzchen erstversorgt waren, kamen sie am 19. Mai nach Worbis in den Bärenpark. Hier werden sie in den nächsten Wochen versorgt und auf die Wiederauswilderung in ihrem Fundgebiet vorbereitet.

Wildkatzengeheck am 18.05.2021 bei Trügleben (Lkr. Gotha). Foto: NABU Gotha e.V.

 

Versorgung eines der Wildkätzchen aus dem Zweier-Geheck von Trügleben (Lkr. Gotha). Foto: NABU Gotha e.V.

 

Für Meldungen zu Wildkatzen könnt ihr euch direkt an uns wenden:

Silvester Tamás

Tel.-Nr. 0177-5573434

Mail: Wildkatze@NABU-Thueringen.de

 

Weitere Informationen zu Wildkatzen und unserem Engagement findet ihr hier 👇:

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wildkatze/index.html

Projektstart: LuchsWald – Trittsteine des Lebens!

Foto: Leo/fokus-natur.de

Mit einem neuen Projekt wirbt der NABU Thüringen für mehr Naturschutz im Wald – Waldbesitzer*innen können sich ab sofort um eine Auszeichnung ihrer Wälder bewerben!

Wälder sind faszinierende Ökosysteme. Sie sind Lebensraum für seltene und bedrohte Pflanzen, Pilze und Tiere. Auch der Luchs bevorzugt ungestörte Wälder als Rückzugsorte. Als Leitart im Biotopverbund und Sympathieträger wirbt der NABU Thüringen mit dem Luchs und dem Projekt LuchsWald für mehr Naturschutz im Wald und für Lebensraumvernetzung. Mehr Naturschutz im Wald bedeutet auch bessere Lebensbedingungen für viele andere Arten und zugleich die Förderung der Anpassungsfähigkeit von Wäldern im Klimawandel.

Der NABU Thüringen wird zukünftig pro Jahr bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald auszeichnen, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. Wer sich für die Auszeichnung bewerben möchte, muss neben verschiedenen Kriterien, insbesondere auf Kahlschlag und den Einsatz von Chemie in seinem Wald verzichten. Genauso willkommen wie eine sanfte bodenschonende Bewirtschaftung und der Verzicht auf schwere Holzerntetechniken, sind Maßnahmen wie zum Beispiel die Erhöhung des Totholzanteiles und eine höhere Anzahl von Biotopbäumen. Mit den Luchswäldern wollen wir dafür werben, dass sich mehr Menschen für Naturschutz im Wald einsetzen und auf die Lebensumstände und Bedürfnisse von Luchsen in unserer stark durch den Menschen geprägten Landschaft aufmerksam machen.

Mit Hilfe von LuchsWäldern und durch begleitend angebotene Exkursionen, Umweltbildungsmaßnahmen, Informations- und Dialogveranstaltungen sowie durch die Weiterbildung von Multiplikatoren soll die Bedeutung von Waldnaturschutz und die Notwendigkeit der Lebensraumvernetzung für wandernde Tierarten herausgestellt werden.

Die Auszeichnung zum LuchsWald vergibt der NABU Thüringen jährlich für jeweils drei ausgewählte Waldgebiete. Bewerben können sich alle Waldbesitzer*innen in Thüringen, deren Wald mindestens eine Fläche von zehn Hektar zusammenhängendem Waldgebiet aufweist und die Kriterien für einen LuchsWald erfüllt.

Weitere Informationen zum Projekt findet ihr hier unter dem Link 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs/luchswald/index.html

 

Internationaler Tag des Artenschutzes – Wilderei macht bedrohten Arten schwer zu schaffen

Luchsin Tessa, vergiftet mit Carbofuran (2012). Foto: Nationalpark Bayerischer Wald.

Zum heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes (03.03.2021) wird es Zeit lauter zu werden

Aktuell überschlagen sich die schlechten Nachrichten. In einem Waldstück bei Bischofsmais (Kreis Regen) wurde am Sonntagmittag (28.02.2021) ein toter Luchs gefunden. Laut Polizei wies das weibliche Tier deutliche Verletzungen auf, die nicht von einem Verkehrsunfall stammen können. Jetzt muss die genaue Todesursache bestimmt werden. Zeitgleich hat die Suche nach dem Täter begonnen, da eine Straftat nicht ausgeschlossen werden kann.

Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Luchse in Bayern, aber auch in Sachsen-Anhalt, vorsätzlich vermutlich durch Jäger vergiftet, gefangen oder erschossen. Erst im Oktober letzten Jahres hatte ein aktiver Jäger vorgegeben, „versehentlich“ einen Luchs im Fichtelgebirge mit einem Wildschwein „verwechselt“ und deshalb abgeschossen zu haben. Bei diesem Luchs handelte es sich um Luchskuder „Ivan“, der aus dem Harz nach Bayern wanderte und dort erst im Frühjahr desselben Jahres, mit einem Luchsweibchen aus dem Bayerwald, für den ersten Luchsnachwuchs in der Region gesorgt hatte. Dass es die Luchse überhaupt durch unsere dichtbesiedelte Landschaft vom Harz bis nach Bayern, mittlerweile auch in die Lüneburger Heide, in die Lausitz und sogar bis nach Baden-Württemberg schaffen, grenzt schon an ein kleines Wunder. Denn auch im Straßenverkehr sterben viele, zu viele Luchse.

Leider wird nicht nur der Luchs verfolgt. Auch streng geschützte Wölfe werden in Deutschland illegal gejagt und erschossen, nicht selten sogar nachträglich verstümmelt. Ebenso werden geschützte Greifvögel von Taubenzüchtern und Jägern mit verbotenen Fallen gefangen oder mit vergifteten Fleischködern auf grausame Weise getötet. Regelmäßig werden auch verletzte Graureiher, Seeadler oder auch Störche aufgefunden, bei denen Schussverletzungen durch Jagdwaffen festzustellen sind.

Aus aktuellen wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass es Luchse bald nicht mehr geben könnte, wenn die illegale Verfolgung so weitergeht. Das muss endlich aufhören! Deshalb richtet sich unser Appell zum heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes an die Akteure der Landes- und Bundespolitik, endlich aktiv zu werden und Ermittlungsstellen auf Landes- und Bundesebene einzurichten, die Wilderei-Straftaten verfolgen und aufklären können. Wilderei ist nicht weit weg, nicht nur in Afrika oder in Asien, sondern findet tagtäglich bei uns vor der Haustür satt. Was es jetzt braucht, ist die Einsicht in den dringenden Handlungsbedarf, damit wir nicht noch mehr der seltenen und schönen Luchse verlieren!

Mehr zu unserer Arbeit für den Luchs findet ihr hier 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs/index.html

 

Luchsbestand in Deutschland im leichten Aufwärtstrend

Foto: Silvester Tamás (NABU Thüringen)

Aktuelle Luchszahlen des BfN geben Anlass zur Hoffnung – trotz des leichten Anstiegs des Luchsbestandes gibt es aber viel zu tun für die Pinselohren

Die aktuellen Erfassungszahlen zu Luchsen in Deutschland lassen erkennen, dass es vorsichtigen Anlass zur Hoffnung für die weitere Ausbreitung der Pinselohren gibt. Die Zahlen zeigen aber auch, dass unsere Bemühungen für den Luchs weiter vorankommen müssen. Nach mehr als 50 Jahren erster Wiederansiedlungsbemühungen sind die Luchse in Deutschland immer noch vom Aussterben bedroht. Krankheiten, illegale Jagd und der Straßenverkehr zählen zu den wichtigsten Faktoren, die Luchse auf ihren Weg in ihre alte Heimat behindern.

Aktuell setzt sich deshalb unser Luchsprojekt „PLAN P wie Pinselohr“ beim NABU Thüringen dafür ein, dass das Monitoring in Thüringen weiter ausgebaut und dass ein Managementplan für Luchse auf den Weg gebracht wird. Ebenso brauchen wir eines bundeseinheitliche Luchsstrategie, mehr Aufklärungsarbeit und Akzeptanz für die schönen majestätischen Katzen. Leider werden immer wieder Luchse im Straßenverkehr überfahren oder durch uneinsichtige Jäger vorsätzlich getötet.

Mehr zu den aktuellen Zahlen und unserer Arbeit findet ihr unter dem Link 👇

https://thueringen.nabu.de/news/2021/29465.html

Für Luchs und Wolf im Wildkatzendorf Hütscheroda

Die LAG Wolf & Luchs des NABU Thüringen zu Gast im Wildkatzendorf Hütscheroda/Nationalpark Hainich. – Foto: Susanne Löw.

Am 17.10.2020 kam die Landesarbeitsgruppe Wolf & Luchs des NABU Thüringen im neu gestalteten Wildkatzendorf in Hütscheroda am Rand des Nationalparks Hainich zusammen

In diesem Jahr kamen die Luchsfreunde und die LAG Wolf & Luchs des NABU Thüringen – auch Corona bedingt – zu einer Freiluftveranstaltung zusammen. Hierfür bot sich ein vielversprechender Ausflug zu unseren Naturschutzpartnern ins Wildkatzendorf nach Hütscheroda (Hainich) an. Dort empfing uns Thomas Mölich, der als Projektverantwortlicher beim BUND für Wildkatze und Luchs, sozusagen die erste Adresse für unsere Fachgruppe sein sollte. Er nahm sich dankenswerterweise die Zeit für uns, das Wildkatzendorf und seine heimlichen „Bewohner“, unserer LAG vorzustellen.

Das Wildkatzendorf in Hütscheroda ist schon seit Jahren ein fest etablierter Programmpunkt für Touristen des Hainich Nationalparks. Seit 2019 hat das Wildkatzendorf, neben den Wildkatzen, eine weitere Attraktion zu bieten, den Luchs! Für uns war es deshalb besonders eindrücklich zu erleben, wie das neue Luchsgehege dort gestaltet und mit welchen Informationsangeboten die Besucher dort über das schöne Pinselohr und seine Bedürfnisse aufgeklärt werden.

Offenbar scheinen sich die Luchse im neu angelegten Gehege des Wildkatzendorfes wohlzufühlen, denn unerwartet bekam das dort beherbergte Luchspärchen im Jahr 2020 Nachwuchs. Für alle überraschend und gleichzeitig eine große Freude, denn Nachwuchs ist unter Gehegetieren immer auch ein Hinweis darauf, dass sich die Tiere in ihrer Herberge wohl und sicher fühlen. Leider ist dies noch keine selbstverständlichkeit für frei lebende Luchse. Das soll sich auch dank der Arbeit der Naturschutzverbände ändern. Uns erging es zum LAG-Treffen ebenso wie den Luchsen in Hütscheroda. Auch wir fühlten uns wohl beim Besuch und Austausch über die Notwendigkeit der Rückkehr der Pinselohren in ihre alte Heimat Thüringen.

Im besonderen Fokus unseres diesjährigen Treffens stand diesmal die Diskussion um Möglichkeiten des Lebensraumschutzes und -vernetzung, sowie aktive Maßnahmen, die den Luchsen sozusagen aus ihren angestammten Lebensräumen, wie dem Harz und dem Bayerischen Wald, auch nach Thüringen auf die Sprünge helfen können. Thüringen ist nach einer aktuellen Studie, die unter der Beteiligung des NABU entstanden ist, ein sehr lebenswertes Luchsland. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Thüringen Platz für etwa 100 Pinselohren bieten würde, doch allein was fehlt sind Luchse. Zukünftig wird sich die LAG deshalb darum bemühen, Möglichkeiten von Maßnahmen für die Rückkehr der Pinselohren in Politik, Forstwirtschaft, Jagd und Öffentlichkeit zu diskutieren und entsprechende Lösungsvorschläge gemeinsam zu entwickeln und auf den Weg zu bringen.

👉 hier geht’s zur Luchs-Studie: https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html

Natürlich nahm auch das Thema Wolf wieder viel Raum während unseres Treffens ein. Insbesondere die aktuelle Klage um den Abschuss der Ohrdrufer Wölfin wurde diskutiert. Hierzu war es für alle Beteiligten eine Erleichterung zu erfahren, dass das vom Thüringer Umweltministerium auf den Weg gebrachte Projekt zum Einsatz von Herdenschutzhunden erfolgreiche Fortschritte macht und die Schäfer in der Region des Standortübungsplatzes „Gotha-Ohrdruf“ – dem Lebensraum des ersten Thüringer Wolfsrudel – offenbar immer weniger Schäden durch Wolfsübergriffe zu beklagen haben. Bedauerlich für die LAG war in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass das Umweltministerium offenbar immer noch an dem Abschuss der Ohrdufer Wölfin festhalten will. Die LAG war sich darüber einig, dass dieses Vorgehen unnötig sei und falsche Signale an die Weidetierhalter sendet. Der Abschuss von Wölfen ist kein Herdenschutz! Insofern ist Thüringen mit dem jüngst beim TMUEN eingerichtete Kompetenzzentrum und mit dem Herdenschutzhundeprojekt auf der richtigen Fährte. Das unnötig beschwerliche und den Naturschutzverbänden regelrecht aufgezwungene Klageverfahren behindert jedoch sowohl die Zusammenarbeit mit den für den Artschutz verantwortlichen behördlichen Stellen und kostet unnötig Kraft und Geld, welches in anderen Bereichen des Naturschutzes weitaus sinnvoller angelegt wäre. Nach Ansicht des NABU Thüringen verstößt das Abschussbegehren evident gegen geltendes FFH-Schutzgebietsrecht. Demnach ist der Wolf eine prioritäre Art mit strengem Schutzstatus, für welche Thüringen eine besondere Verantwortung hat. Sowohl das Thüringer Verwaltungsgericht in Gera, als auch das Oberverwaltungsgericht in Weimar folgten in ihren bisherigen Beschlüssen, im Zuge eines Eilverfahrens, dieser Auffassung. Die Ohrdurfer Wölfin bleibt demnach bis zur Entscheidung im Klageverfahren vor dem behördlich verfügten Abschuss sicher. Mit einer endgültigen Entscheidung im Klageverfahren ist frühestens 2021 zu rechnen.

👉 hier geht’s zur Pressemitteilung des NABU zum Beschluss des Thüringer OVG: https://thueringen.nabu.de/news/2020/28394.html

Die LAG Wolf und Luchs des NABU Thüringen setzt sich aus Personen verschiedenster Fachrichtungen zusammen. So arbeiten in unserer LAG unter anderem Biologen, Ökologen, Jursiten, Förster, Tierärzte, Pädagogen, hauptamtliche und ehrenamtliche Naturschützer mit.

 

Thomas Mölich (BUND) führt unsere LAG durch das Wildkatzendorf. – Foto: Silvester Tamás.

 

Die LAG im Wildkatzengehege bei der Fütterung der wilden und hungrigen Samtpfoten. – Foto: Silvester Tamás.

 

Warten auf den Luchs. Hier im Beobachtungshäuschen mit Blick ins neue Luchsgehege. – Foto: Silvester Tamás.

 

Thomas Mölich (BUND) zeigt unserer LAG die neue Isolierstation für die Luchse. – Foto: Silvester Tamás.

 

Thomas Mölich (BUND) führt unsere LAG durch die neu gestaltete Wildkatzenscheune. – Foto: Silvester Tamás.

 

Thomas Mölich (BUND) erklärt unserer LAG die neu gestaltete Ausstellung. – Foto: Silvester Tamás.

 

Die Wildkatze, das Maskottchen des Wildkatzendorfes Hütscheroda. – Foto: Silvester Tamás.

 

 

 

 

Gibt es erstmals Luchsnachwuchs in Südthüringen?

Silvester Tamás am 09.09.2020 vor Ort im schönen Wisentatal im Schiefergebirge (Thüringen). Video: Silvester Tamás.

Streift hier ein Luchsweibchen mit ihrem Nachwuchs durchs Revier? Silvester Tamás war vor Ort und ging der Sache auf den Grund.

Am 08. September 2020 erreichte den NABU Thüringen die Nachricht, dass zwei Wanderfreunde Anfang September auf ihrer Tour durch die schöne Region des Wisentatals bei Walsburg im Schiefergebirge einen Luchs gesehenen haben, dem sogar noch ein weiterer kleinerer Luchs gefolgt sein soll. Natürlich sind für uns derartige Meldungen immer eine kleine Sensation, denn bei der Beobachtung könnte es sich um den ersten Hinweis auf eine sogenannte führende Luchsin in Südthüringen ergeben, die ihr Luchsjunges erstmals auch auf Streiftouren durch ihr Revier führt. Gerade jetzt im Spätsommer nehmen sowohl Luchse als auch Wölfe ihren Nachwuchs mit auf ausgedehnte Streifzüge durch ihr Revier. Diese Streifzüge sind deshalb so besonders wichtig, weil die Jungen sozusagen erstmals die große weite Welt entdecken. Sie lernen dabei, wo es Verstecke und Wasser gibt, wo und wie man gefahrlos und möglichst unentdeckt auf Beutejagd geht. Nicht immer bleiben sie dabei unentdeckt. Gut für uns !  Denn im Rahmen unseres Luchsprojektes PLAN P wie Pinselohr nehmen wir alle Meldungen zum Luchs dankbar entgegen und versuchen möglichst rasch zu handeln und gegebenenfalls Spuren vor Ort zu sichern. Diesbezüglich war ich gleich vor Ort, um zu schauen, ob sich die Hinweise auf eine Luchsin mit ihrem Nachwuchs verdichten lassen. Im Video erfahrt dazu ihr mehr!