Luchse in Thüringen Beiträge

Kirche im Dorf lassen – Luchs und Wolf gehören nicht ins Jagdrecht !

Luchs, Totfund (illegaler Abschuss) bei Buttstädt (Lkr. Sömmerda) 03.01.2022. Foto: Kripo Erfurt/Bundespolizei.

Luchs und Wolf kehren nur sehr zaghaft nach Thüringen zurück, doch die zahlreichen Todesfälle zeigen, dass die Rückkehr der Beutegreifer noch vor großen Herausforderung steht – eine Aufnahme des Wolfes und der Verbleib des Luchses im Jagdrecht ist irreführend und gesellschaftlich nicht tragfähig

Am 18. Mai 2022 wurden zahlreiche Interessenvertreter und Verbände zur Anhörung vor dem Umweltausschuss für Umwelt, Energie und Naturschutz des Thüringer Landtags zum Thema „Konflikte zwischen großen Beutegreifern und der Weidetierhaltung durch wirksamen Herdenschutz, finanzielle Entschädigung bei Nutztierrissen und durch wirtschaftliche Stärkung der Weidewirtschaft vermindern“ eingeladen.

Der NABU Thüringen hat in seiner Stellungnahme die bisherigen Möglichkeiten der Unterstützung für die Weidetierhalter in Thüringen gelobt. Mit der Scha-Zie-Prämie, dem KULAP, dem Herdenschutzhundepilotprojekt und der Förderrichtlinie Wolf und Luchs gibt es Instrumente, die die wirtschaftlich angeschlagenen Weidetierhalter konkret unterstützen und entlasten. Das Kompetenzzentrum für Wolf/Biber/Luchs und die TLUBN leisten überdies wichtige Arbeit bei der Rissbegutachtung, dem Monitoring und dem Management von Wolf und Luchs. Entscheidend ist nun, dass die neue, überarbeitete Förderrichtlinie Wolf und Luchs in Kraft tritt, die zukünftig auch die Förderung der Unterhaltskosten im Herdenschutz einschließt. Für die Zukunft wünschenswert ist die aktive Beteiligung der in der Fläche wirkenden Naturschutzverbände und Jäger im Monitoring. Dies würde die Datenlage zu Wolf und Luchs dauerhaft und flächendeckend verbessern. Überdies würde durch diese aktive Beteiligung das Vertrauen und die Akzeptanz in die Arbeit des Umweltministeriums gestärkt.

Seitens des Thüringer Landesjagdverbandes und des Thüringer Bauernverbandes wurde zur Anhörung die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht gefordert. Einer Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht widerspricht der NABU deutlich, da der Wolf bereits dem Naturschutzrecht und damit dem Management des Umweltministeriums unterliegt. Der NABU Thüringen fordert, dass auch andere streng geschützte Arten wie Luchs und Wildkatze aus dem Jagdrecht entfernt werden. Die Jagd ist traditionsgemäß eine Möglichkeit der Wildtiernutzung, aber kein geeignetes Instrument des Managements unter Schutz stehender Arten. Zudem stagniert die Ausbreitung des Wolfes in Thüringen ohnehin. Erst zu Beginn dieses Jahres wurden gleich drei Wölfe auf Thüringens Straßen überfahren. Am Standortübungsplatz Ohrdruf sind von ursprünglich 8 Wölfen im Rudel, nur noch 3 vor Ort in der Region unterwegs. Im Januar wurde sogar ein toter, ursprünglich aus dem Harz stammender männlicher Luchs bei Buttstädt auf den Gleisen der ICE-Strecke aufgefunden, der nach Erkenntnissen der Kriminalpolizei Erfurt mittels eines gezielten Schusses in den Thorax getötet worden ist. Auch über die bislang in Südthüringen, bei der Hohenwartetalsperre, standorttreue Luchsin Mira ist seit Ende 2021 nichts mehr über deren Verbleib oder Aufenthaltsort bekannt. Auch Luchs Aslan bei Ilmenau ist verschollen. Wir müssen die Kirche einfach mal im Dorf lassen und anerkennen, dass wir aktuell noch viel in der Naturschutzarbeit für Luchs und Wolf zu tun haben, bevor wir von dauerhaften und gesicherten Wolf- oder Luchsvorkommen in Thüringen sprechen können. Eine Aufnahme des Wolfes und Verbleib des Luchses im Jagdrecht ist einfach absurd.

Lange haben Naturschutzverbände dafür gekämpft, dass zahlreiche gefährdete und bedrohte Arten und Lebensräume über die grundlegende FFH-Richtlinie 92/43/EWG geschützt und gefördert werden (RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen). Hierunter fallen auch Luchs und Wolf. Die Mitgliedsländer der Europäischen Union haben sich in diesem Grundsatzpapier darauf geeinigt, dass auch vor dem Hintergrund des massiven Landverbrauchs und des Artensterbens, Luchs und Wolf (zukünftig auch der Braunbär) wieder natürlicher Bestandteil unsere Natur werden dürfen. Seit einigen Jahren streifen auch wieder Luchse und Wölfe – wenn auch sehr selten – durch Thüringen. Doch scheinbar ist dies einigen Interessengruppen und jagdlich motivierten Politikern schon deutlich zu viel. Sie fordern bisweilen „Regulierung“, „Schutzjagden“, „Obergrenzen“ und „Wolfsfreie Zonen“.

Aus objektiv fachlicher Sicht sind aber die Wolf- und Luchszahlen in Deutschland und insbesondere in Thüringen alles andere als stabil oder gesichert und weit entfernt von einem sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“.

Die Standards zur Ermittlung eines günstigen Erhaltungszustandes ist in der FFH-Richtlinie 92/43/EWG definiert. Aus Sicht des NABU Thüringens sind Überlegungen zu von Menschen künstlich vorgegeben Wolfsgebieten oder „wolfsfreien Zonen“ irreführend. Wölfe sind hoch mobil und halten sich weder an Landesgrenzen noch an Wegweiser. Die natürliche Ausbreitung des Wolfes wird soweit voranschreiten, bis die ökologische Lebensraumkapazität in Thüringen und Deutschland erschöpft ist. Deshalb können auch weitaus mehr Wölfe in Deutschland leben, als theoretische Angaben von Mindestindividuenzahlen, die für den sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“ als notwendig angesehen werden. Gleichfalls reguliert sich die Population durch natürliche Mechanismen, wie Beute- und Lebensraumverfügbarkeit und Krankheiten, sowie innerartliche Rivalitäten. Ohnehin kann man feststellen, dass Wölfe in etablierten Wolfsgebieten einer hohen Mortalität im Straßenverkehr und durch illegale Bejagung unterliegen. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden seit dem Jahr 2000 in Deutschland insgesamt 740 Wölfe tot aufgefunden. 555 Wölfe starben durch Verkehrseinwirkung, 69 wurden illegal getötet, 10 legal im Rahmen des Managements, 67 Wölfe starben eines natürlichen Todes und bei 39 Totfunden war die Ursache unklar (Quelle: https://www.dbb-wolf.de/Totfunde, Stand: 14.04.2022).

Selbst die Annahme, nach Erreichen des „günstigen Erhaltungszustandes“ könne automatisch eine vormals bedrohte bzw. gefährdete Art ins Jagdrecht überführt und damit zur Jagd freigegeben werden, ist abwegig. Ganz im Gegenteil, durch diese gesellschaftlich längst überholte Sichtweise werden die hart erarbeiteten Ziele der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten im Natur- und Artenschutz ad absurdum geführt und faktisch zunichtegemacht.

Doch der Druck von jagdlichen Interessensgruppierungen, die den Wolf ins Jagdrecht überführen möchten, wächst. Unter fadenscheinigen und bisweilen scheinwissenschaftlichen Argumenten wird permanent versucht, den Wolf als unliebsamen Jagdkonkurrenten loszuwerden. Die Bemühungen dieser jagdlich motivierten Interessengruppierungen hierzu sind momentan auf allen politischen Ebenen groß. Es darf aber nicht Ziel der öffentlichen Politik sein, dass individuelle private jagdliche Interessen als Politikum im öffentlichen Raum missbraucht werden. Die breite Gesellschaft steht hinter der Rückkehr von Luchs und Wolf nach Deutschland und Thüringen. Entsprechende Umfragen geben Zustimmungswerte von mehr als 75 Prozent wieder. Das ist ein deutliches Signal an die Politik! Die Politik hat demnach ihr Handeln im Sinne vorrangiger gesellschaftlicher Interessen abzuwägen. Hierzu gehört es insbesondere eine Kultur des konfliktarmen Miteinanders von Mensch, Weidetieren und großen Beutegreifern zu schaffen und dies in erster Linie durch finanzielle und technische Unterstützung der Weidetierhalter und ihrer Herden selbst. Ein stumpfer Abschuss mit Blei und Schrot oder die Jagd auf Wölfe ersetzt weder die notwendigen Herdenschutzmaßnahmen, noch hilft es den Weidetierhaltern bei ihrer täglichen Arbeit. 

Hier gehts zur Forsa-Umfrage 👇

https://www.nabu.de/news/2021/04/29860.html 

 

 

 

 

 

Luchs, Wolf und Wildkatze brauchen uns mehr denn je!

Bundesweit erste Auszeichnung eines LuchsWaldes bei Nordhausen. Foto: Ivonne Przemuß.

Turbulenter Jahresbeginn 2022: erste LuchsWald-Auszeichnung, Start der LuWo-App, ein abgeschossener Luchs, drei überfahrene Wölfe und einige überfahrene Wildkatzen. Wir haben noch viel zu tun!

Es war ein ereignisreicher Einstieg in das neue Jahr! Im Januar konnte der NABU Thüringen den bundesweit ersten LuchsWald bei Nordhausen auszeichnen. Maik Engelhardt, ein engagierter Waldbesitzer in der Region, hatte sich dafür beim NABU Thüringen beworben. Schnell stellte sich heraus, dass sich in seinem Wald auch der Luchs blicken lässt. Wiederholt konnte Maik Engelhardt Bilder von den heimlichen Raubkatzen mit einer Kamerafalle in seinem Wald aufnehmen. Ein Ortstermin brachte Klarheit: so einen schönen Wald findet man kaum noch! Alte Eichen und Buchen dürfen einfach stehen bleiben. Keine Holznutzung, viel Tot- und Habitatholz. Das gefällt auch dem Luchs!

Nach einer im Januar 2022 vorgestellten Studie der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg wissen wir, dass Luchse menschliche Siedlungen und Infrastruktur meiden. Luchse orientieren sich vorzugsweise an Versteckmöglichkeiten sowie an dem Vorkommen von Beutetieren.

Hier unter dem Link geht es zur Studie 👇

http://Menschen zu meiden, ist für Luchse wichtigster Faktor bei Lebensraum-Wahl

Diese neuen, aber nicht unerwarteten Erkenntnisse machen deutlich, wie wichtig der Schutz potentieller Luchslebensräume und -wanderwege ist. LuchsWälder können dem Luchs ganz konkret dabei helfen, sich besser zu vernetzen und auch ungestört Nachwuchs groß zu ziehen. Mehr Ruhe in den Wäldern kann nicht schaden. Darüber hinaus sind wir in Thüringen, sowie in Deutschland und den EU-Mitgliedsstaaten über die sogenannte Flora-Fauna-Habitatrichtlinie 92/43/EWG sogar dazu verpflichtet, bekannte Rückzugsorte und Lebensräume der Luchse explizit zu schützen.

 

Luchs, illegaler Abschuss, Totfund bei Buttstädt (Lkr. Sömmerda, Thüringen) am 03.01.2022. Foto: Kriminalpolizeiinspektion Erfurt / Bundespolizei.

Umso trauriger war der Fund eines abgeschossenen Luchses bei Buttstädt (Lkr. Sömmerda) gleich zu Beginn des Jahres. Hier ermittelt die Polizei aktuell noch zu den Tatumständen. Denn der junge männliche Luchs aus der sogenannten Harzer Population wurde offenbar nicht dort getötet, wo er aufgefunden worden ist, nämlich auf den Gleisen der ICE-Strecke bei Buttstädt. Wollte hier jemand seine Tat vertuschen? Momentan sind noch viele Fragen offen. Dass die Luchse aus dem Harz auch nach Thüringen einwandern ist eigentlich nichts neues. Dies passiert schon seit Jahren. Gerade nördlich von Buttstädt liegen mit der Finne und der Hohen Schrecke schöne Waldgebiete, die über den Kyffhäuser mit dem Harz verbunden sind. Offenbar ist der Luchs kaum in der Region angekommen, wurde er abgeschossen. Um die Luchse besser zu schützen, ist es also von zentraler Bedeutung, dass wir aktuelle Daten über Luchsvorkommen haben. Denn nur wenn wir wissen, wo Luchse neu auftauchen, sich eventuell auch niederlassen und umherstreifen, können wir die Bevölkerung sensibilisieren und in den Schutz der Tiere einbeziehen. Illegale Abschüsse lassen sich so zukünftig vielleicht vermeiden. Für schnelle Meldungen stellt der NABU Thüringen seit Februar 2022 seine LuWo-App der breiten Bevölkerung zur Verfügung. Damit können Beobachtungen zu Luchs und Wolf ganz unkompliziert und auf direktem Wege dem NABU Thüringen gemeldet werden. Die Beobachtungsdaten werden nach einer ersten Auswertung durch den NABU Thüringen umgehend an die zuständigen Fachbehörden weitergeleitet.

Hier unter dem Link geht es zur LuWo-App 👇

https://thueringen.nabu.de/news/2022/31157.html

Dennoch lassen sich auch durch vergleichsweise schnelle Meldungen Verkehrsunfälle mit Wölfen, Wildkatzen und Luchsen nicht vermeiden. Allein im Januar und Februar des noch recht jungen Jahres starben gleich drei Wölfe im Thüringer Straßenverkehr.

Wolf, Verkehrsopfer auf der A38 bei Breitenworbis am 22.02.2022. Foto: Frau Wojtas.

Ebenso wurden dem NABU Thüringen im selben Zeitraum drei tote Wildkatzen gemeldet, die im Straßenverkehr ums Leben kamen.

Wildkatze, Verkehrsopfer auf der L1625 bei Kloster Veßra am 13.02.2022. Foto: A. Hammer.

Durch die Vielzahl an Verkehrsopfern wird deutlich, dass es noch sehr viel zu tun gibt. Insbesondere wenn es um verkehrspolitische Entscheidung beim Ausbau unserer Verkehrsinfrastruktur geht. Hier müssen die Bedürfnisse insbesondere wandernder Tierarten bei der Planung im Straßenbau mehr Berücksichtigung finden. Der NABU hat mit seinem bereits 2007 veröffentlichten Bundeswildwegeplan klare Forderungen aufgestellt, die bei Umsetzung entsprechender Vorhaben an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten für die Entschärfung von potentiellen Gefahrenstellen für Mensch und Tier sorgen können. In Thüringen geht es dabei konkret um sieben Querungshilfen und Grünbrücken, die dringend eingerichtet werden müssen. Bislang jedoch ist nicht viel passiert. Wir bleiben dran!

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Verkehrsopfer ist es unverständlich, dass hierzulande weiter Stimmung gegen den Wolf gemacht wird. In Thüringen gibt es aktuell etwas mehr als eine Hand voll standorttreuer Wölfe. Dank effektiver Herdenschutzmaßnahmen, die vom Freistaat gefördert werden, sind die Wolfsrisse im letzten Jahr (2021) auf Null zurückgegangen. Den Forderungen, verschiedener Parteien und Interessensgruppen, nach einer Bejagung von Wölfen erteilt der NABU Thüringen eine klare Absage.

Eine Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdrecht ist aus Sicht des NABU Thüringen nicht nur sinnfrei, sondern würde auch Probleme bei der Klärung von behördlichen Zuständigkeiten verursachen, da der Wolf schon dem Naturschutzrecht unterliegt. Der Wolf ist durch internationale und nationale Gesetze streng geschützt. In der Europäischen Union unterliegt er den Anhängen II, IV und V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Auf Bundesebene ist der Wolf durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Er hat damit den höchstmöglichen Schutzstatus, welcher ohnehin eine Bejagung des Wolfes ausschließt. Davon unberührt ist die Tatsache, dass der Umgang mit einzelnen sogenannten “auffälligen” Wölfen durch die Managementpläne der Länder bereits geregelt ist, dafür braucht es nicht das Jagdrecht. Der NABU bekennt sich zu einer naturverträglichen Jagd – vorausgesetzt, sie entspricht den Kriterien der Nachhaltigkeit und den ethischen Prinzipien. Aber noch immer sind viel zu viele Arten im Katalog der jagdbaren Arten enthalten, die dort schon lange nichts mehr zu suchen haben. Dazu gehören unter anderem auch Luchs und Wildkatze.

Der NABU Thüringen fordert von den Politiker, die sich für die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht stark machen, sich aktiv für die Unterstützung von Weidetierhaltern einzusetzen. An deren schlechter wirtschaftlicher Situation, insbesondere die von Schäfern, würde auch eine Bejagung von Wölfen nichts ändern, denn es werden immer wieder neue Wölfe nachrücken. Ebenso würde eine Jagd auf Wölfe auch nicht den notwendigen Herdenschutz ersetzen. Die Zukunft ist ein gemeinsames Miteinander von Mensch, Weidetierhaltung und Wolf. Das wünscht sich auch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung.

 

 

Der Luchs kommt nach Thüringen und wir helfen dabei !

Plan P wie Pinselohr – Wir machen den Weg frei für den Luchs.

Die Nachfrage zu Informationsangeboten über den Luchs ist ungebrochen groß – trotz der erschwerten Corona-Bedingungen verstärken wir unser Engagement für Pinselohr.

Am 21. September 2021 waren wir mit einem Vortrag über die Rückkehr von Pinselohr in Bad Frankenhausen am Kyffhäuser zu Gast im Regionalmuseum. Alle Stühle im Saal waren – unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen – bis auf den letzten Platz belegt. Dies vielleicht auch insbesondere deshalb, weil die Meldungen zu Luchsen in der Region in den vergangenen Jahren immer zahlreicher wurden. Dies hat auch einen guten Grund: der Kyffhäuser als kleine Mittelgebirgserhebung liegt, gewissermaßen nur einen Katzensprung entfernt, südlich des Harzes, und spielt für die Ausbreitung der Harzer Luchse eine wichtige Rolle auf dem Weg nach Thüringen, wo sie zukünftig mit den Luchsen aus der böhmischen Luchspopulation zusammenkommen könnten.

Vernetzung der Luchsvorkommen in Deutschland und Mitteleuropa. Luchsprojekt NABU Thüringen. Grafik: Sigi Reiss.

Egal ob die Veranstaltungen online oder in Präsenz von uns durchgeführt werden, es zeigt sich, dass die interessierte Bevölkerung und besonders die sogenannten betroffenen Interessengruppen, wie Jäger und Weidetierhalter, ganz konkrete Fragen zur Rückkehr von Pinselohr haben. Neben den zentralen Fragen, wo die Luchse überhaupt herkommen und warum Thüringen im Grünen Herzen Deutschlands so wichtig für die Vernetzung der mitteleuropäischen Luchspopulationen ist, interessiert die Bevölkerung unter anderem auch, ob Luchse überhaupt in unserer dicht besiedelten und von zahlreichen Autobahnen und Bundesstraßen durchzogenen Landschaft gefahrlos wandern und ihren Nachwuchs erfolgreich großziehen können. Dies gerade auch vor dem Hintergrund, dass ganz aktuell selbst in Waldschutzgebieten viel Holz eingeschlagen wird und die Lebensräume für Luchse zunehmend durch Störungen beeinflusst werden. Für die besonders von der Rückkehr der großen Beutegreifer betroffenen Interessengruppen ergeben sich dagegen ganz konkrete Fragen danach, welche Auswirkungen die Rückkehr der Luchse auf das Reh- oder Rotwild, der Leibspeise des Luchses, haben und welche Maßnahmen für den Herdenschutz durch die Weidetierhalter ergriffen werden müssen, wenn der Luchs in der Nähe ist und regelmäßig an den Weiden entlang streift und es sogar Übergriffe auf Nutztiere gibt. Die Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen ist letztlich essentiell für die Akzeptanz gegenüber der Anwesenheit des Luchses in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. In unseren Vorträgen geben wir Antworten und auch Lösungen auf diese Fragen, die uns verstehen helfen, dass auch die Natur und die darin lebenden Tiere ihre Bedürfnisse haben, auf die wir Rücksicht nehmen und für die wir gegebenenfalls aktive Maßnahmen für die Verbesserung der Lebensbedingungen ergreifen müssen. Natürlich frisst der Luchs kein Gras. Wir wissen aber, dass Luchse große Streifgebiete mit einer Reviergröße bis zu 450 Quadratkilometer haben und dort lediglich etwa ein bis zwei Rehe oder bis zu zwei Stücke Rotwild in der Hauptsache, selten auch mal ein Wildschwein, pro Woche erbeuten. Der Luchs im Revier wird sicher Effekte auf die Wildbestände haben, diese sind aber ganz natürlich. Der ökologische Mehrwert hingegen, den die Anwesenheit der Luchse in unserer Landschaft hat, ist wissenschaftlich noch nicht gänzlich untersucht, aber erwartungsgemäß eher positiv zu bewerten. In Sachen Herdenschutz wiederum macht der Freistaat Thüringen schon einiges. Zum Beispiel gibt es eine Richtlinie Wolf/Luchs. Über diese Richtlinie ist es Nutzierhaltern möglich ihre Herdenschutzmaßnahmen auf den technisch neuesten Stand zu bringen und sogar eine bis zu hundertprozentige Förderung dafür zu erhalten. Ebenso werden nachweisliche Risse, die an Nutztieren durch Wölfe oder Luchse verursacht worden sind, durch den Freistaat entschädigt. Ebenso gibt seit fast zwei Jahren die sogenannte Kompetenzstelle Wolf/Biber/Luchs beim Thüringer Umweltministerium. Hier können sich zum Beispiel Nutztierhalter melden, wenn sie mutmaßliche Übergriffe durch die großen Beutegreifer auf ihre Herden zu verzeichnen haben.

Das Interesse am Luchs ist groß. Der Vortrag zum Luchs in Thüringen in Bad Frankenhausen am 21.09.2021 war gut besucht. Foto: Silvester Tamás.

Auch der NABU tut schon viel für den Luchs. Der NABU Thüringen hat in seinem Luchsprojekt „PLAN P wie Pinselohr“ ganz konkrete Vorstellungen davon, was wir Menschen für den Luchs tun können, damit er wieder gefahrlos in seiner alten Heimat Thüringen überleben, umherstreifen und auch erfolgreich für Nachwuchs sorgen kann. Hierbei stehen das aktive Sammeln von Luchsdaten an vorderster Stelle. Neben der Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir auf politischer Ebene für die Lebensbedürfnisse der Luchse zu sensibilisieren und entsprechende Entscheidungsträger zu konkreten Maßnahmen des Lebensraumschutzes und der Lebensraumvernetzung zu bewegen. Der NABU selbst schützt Lebensräume aktiv mit dem Erwerb von großartigen und einzigartigen Naturschätzen zum Beispiel durch den Ankauf von schutzwürdigen Waldgebieten. Ganz aktuell wirbt der NABU Thüringen mit seinem Teilprojekt LuchsWald für mehr Naturschutz im Wald, denn der Luchs bevorzugt ungestörte Wälder als Rückzugsorte. Von diesen Schutzbemühungen profitieren wiederum viele andere seltene und teils bedrohte Arten. Der NABU Thüringen wird zukünftig pro Jahr bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald auszeichnen, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. 

Infos zum Projekt LuchsWald hier unter dem Link 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs/luchswald/

Luchse brauchen zuerst sichere Lebensräume

Die ursprünglich in Polen ausgewilderte Luchsin Mira an der Saaltalsperre im Saale-Orla-Kreis. Foto: Dirk Rudat (23.05.2021).

In Thüringen gibt es noch genug Platz für Luchse. Deren Lebens- und Wanderungsbedingungen müssen verbessert werden, damit sich Tiere aus den umliegenden Populationen im grünen Herzen Deutschlands gefahrlos treffen und auch für Nachwuchs können.

Am 23. Mai gelang Dirk Rudat auf seiner Wanderung am Thüringer Meer ein spektakuläres Foto. In etwa 20 Meter Entfernung vor ihm, unweit des Weges, lag ein Luchs, der ein Sendehalsband um den Hals trug. Das aktuelle Bild lässt vermuten, dass die 2019 in Westpommern in Polen ausgewilderte Luchsin Mira sich nun dauerhaft im Gebiet des Thüringer Meeres und im Einzugsgebiet der Oberen Saale aufhält. Dirk Rudat hat genau das Richtige gemacht: den Luchs zurückhaltend aus der Distanz beobachtet, ein Foto gemacht und uns zugesendet. Mittlerweile wurde das Foto auch vom zuständigen Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs des Thüringer Umweltministeriums begutachtet und als sogenannter C1-Nachweis bewertet. Damit ist die Anwesenheit des Tieres eindeutig bestätigt.

Der erste Nachweis eines besenderten Luchses in der Region gelang im Dezember 2020. Seitdem war klar, dass es sich bei dem Tier um die Luchsin Mira aus Polen handelt. Sie wurde immer wieder im Gebiet der Oberen Saale und des Thüringer Meeres nachgewiesen. Luchsin Mira stammt ursprünglich aus Westpommern. Sie wurde dort im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes, mit einem Sendehalsband ausgestattet und zusammen mit Luchskater Pako in die Freiheit entlassen. Die Geschichte der Luchsin Mira zeigt die hohe Mobilität von Luchsen. Allerdings sind es normalerweise die Luchskater, die sich auf weite Wanderungen begeben. Luchsweibchen hingegen bleiben vorzugsweise im Einzugsgebiet ihrer Herkunft. Desto überraschender ist die Tatsache, dass Mira jetzt scheinbar dauerhaft in Thüringen angekommen ist. Der NABU Thüringen sammelt Hinweise und Daten zur Anwesenheit der schönen Pinselohren. Wir wollen Herausfinden wie viele Luchse es in Thüringen gibt und warum es Europas größter Katze scheinbar so schwer fällt, sich dauerhaft im Freistaat niederzulassen.

Der NABU Thüringen hatte eine im Jahr 2019 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU Jena) vorgestellte Abschlussarbeit zum Luchs unterstützt, die sich mit dem Potenzial von Lebensräumen in Thüringen beschäftigte. Diese an von der FSU Jena und der Universität Potsdam betreute Studie von Sophie Müller (geb. Hoffmann) erbrachte eine klares Ergebnis: Thüringen hat in seinen wild- und waldreichen Gebieten Platz für mindestens 90 selbstständige Luchse!

Thüringen, zwischen den beiden größten Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald, bietet aufgrund seiner wild- und waldreichen Gebirgslagen grundsätzlich gute Bedingungen für den Luchs. Die bislang wenigen Nachweise im Freistaat belegen, dass Luchse den Weg nach Thüringen selbstständig finden können. Selbst aus Polen ist nun eine Luchsin namens Mira (Foto), in das Gebiet der Oberen Saale eingewandert und beim Thüringer Meer sesshaft geworden. Dagegen ist aktuell unklar, was mit Luchs Aslan im Thüringer Wald geschehen ist. Ist er noch da? Finden Mira und Aslan vielleicht zueinander? Das sind aktuell nur zwei spannende Fragen von vielen. Und ob die schönen Pinselohren in Thüringen bleiben, liegt letztlich an verschiedenen Faktoren.

Die größte Herausforderung ist bislang, dass umherstreifende Luchse in Thüringen – außerhalb des Harzer Einzugsgebietes – in der Regel keine Artgenossen treffen, um sich mit diesen verpaaren zu können. Für uns Menschen bedeutet das, dass wir uns konkret Gedanken darüber machen müssen, wie wir die Lebens- und Wanderungsbedingungen für die Luchse verbessern können, damit sie endlich zueinander finden.

Da Luchse, wie auch Wölfe und andere wandernde große Wildtiere, sich nicht an Landesgrenzen halten, müssen wir länderübergreifend planen und handeln. Verbesserter Lebensraumschutz und eine effektive Lebensraumvernetzung sind hierfür unter anderem wichtige Voraussetzungen. Es sterben einfach noch zu viele Luchse im Straßenverkehr. Aber auch die illegale Jagd auf Luchse und Wölfe hat offenbar Dimensionen in Deutschland angenommen, die uns zum Handeln zwingen. Der NABU Thüringen fordert deshalb schon länger die Einrichtung einer zentralen Stabsstelle für Ermittlungen zu Umweltstraftaten. Langfristig ist diese zentrale Ermittlungsstelle eine wichtige Voraussetzung, um gegebenenfalls auch Luchse im Grünen Herzen Deutschlands gezielt auswildern zu können.

Um Luchse und ihre Lebensräume noch besser zu schützen, hat der NABU Thüringen aktuell die Aktion LuchsWald gestartet. Pro Jahr werden bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald ausgezeichnet, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. Waldbesitzer*innen können sich um eine symbolische Auszeichnung ihrer Wälder beim NABU Thüringen bewerben. Darüber hinaus nimmt der NABU Thüringen Hinweise und Meldungen zum Luchs dankend entgegen.

Hier gehts zur Studie und zu weiteren Informationen rund um das schöne Pinselohr 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html

 

Straßenverkehr: die große Gefahr für Wolf, Wildkatze & Luchs!

Findulin die kleine Fund-Wildkatze aus Plinz/Altenberga (SHK) beim Tierarztbesuch am 15.05.2021. Foto: Dr. Iris Schaub.

Innerhalb kurzer Zeit erreichten uns im Mai 2021 gleich zwei Meldungen zu überfahrenen weiblichen Wildkatzen in Thüringen, die offenbar akut Nachwuchs zu versorgen hatten – 2016 und 2019 wurden zwei junge Wölfinnen auf Thüringer Autobahnen überfahren 

Der Straßenverkehr stellt für Wolf, Wildkatze und Luchs eine der tödlichsten Gefahren in unserer stark durch den Menschen geprägten Landschaft dar. Daneben ist für Luchs und Wolf auch die illegale Bejagung in Deutschland zu einer ernsthaften Bedrohung für die Rückkehrer geworden. Doch was können wir tun?

Wir können aktiv helfen: buchstäblich im letzten Augenblick sind wir so z. B. am 13. Mai 2021 im Saale-Holzland-Kreis zu einem Rettungseinsatz gerufen worden. Aufmerksame Wanderer meldeten zu Christi Himmelfahrt eine laut miauende kleine Katze in einer alten Baumhöhle. Schnell vor Ort wurde klar, dass es sich um eine etwa 3 bis 4 Wochen junge Wildkatze handelt, die offenbar schon vor zwei oder drei Tagen von ihrer Mutter zurückgelassen oder gar aufgegeben wurde. Nicht auszuschließen, dass die Wildkatzenmutter sich derart gestört gefühlt hat, dass sie ihr Junges schließlich aufgegeben hat – in unmittelbarer Nähe waren frische Holzeinschläge erkennbar.

Findulin in einer Baumhöhle bei Plinz/Altenberga (SHK, 13.05.2021). Video: S. Tamás.

 

Findulin ist gerettet. Foto: Ivonne Przemuß (NABU SHK e.V.).

 

Findulin auf dem Weg zum Tierarzt. Foto: Ivonne Przemuß (NABU SHK e.V.).

Besonders dramatisch in diesem Zusammenhang sind die Funde vom 04. und vom 17. Mai 2021 von zwei Wildkatzen, die im Straßenverkehr überfahren worden sind. In den beiden aktuellen Fällen aus Thüringen hat sich bisher u.a. durch Untersuchungen des Phyletischen Museums in Jena herausgestellt, dass es sich um weibliche Wildkatzen handelt, die auch ein laktierendes Gesäuge aufwiesen und somit offenkundig auch Wildkatzennachwuchs zu versorgen hatten. Dieser Nachwuchs dürfte damit sehr wahrscheinlich verstorben sein bzw. versterben, wenn er nicht rechtzeitig aufgefunden wird.

Überfahrene junge Wildkätzin vom 04.05.2021 (Rotehofbachtal, SHK). Foto: Zabel (Forstamt SHK).

 

Überfahrene Wildkätzin vom 17.05.2021 (Trügleben, Lkr. Gotha). Foto: Ronald Bellstedt (NABU Gotha).

Grundsätzlich gilt: Wildkatzen im Wald lassen und umgehend dem NABU melden! Erst wenn nach einem überschaubaren Zeitraum keine Versorgung oder Rückkehr der Wildkatzenmutter erfolgt, muss zügig gehandelt werden. Bitte kontaktiert uns in entsprechenden Fällen oder bei vergleichbaren Beobachtungen. Bitte lasst die Wildkatzen aber unbedingt vor Ort – wir kümmern uns darum! Immer wieder werden Wildkatzenjunge mit vermeintlich ausgesetzten jungen Hauskatzen verwechselt und mitgenommen. Schnell stellt sich dann heraus, dass es sich sich um unzähmbare Wildkatzen handelt. Diese müssen dann so schnell wie möglich zurück in den Wald, damit sich die Wildkatzenmutter, um ihre Jungen kümmern kann. In der Regel versorgen Wildkatzenmütter ihren Nachwuchs alleine. Natürlich müssen Wildkatzenmütter auch mal zwischendurch auf Nahrungssuche und entfernen sich dabei kurzzeitig von ihren Jungen. In diesem Zeitraum kann es passieren, dass sich der Nachwuchs verselbstständigt. Wenn die Wildkatzenmutter zurückkehrt, kümmert sie sich aber wieder um ihre Jungen. Hierbei sollte man den Fundort der jungen Wildkatzen keinesfalls unnötig stören, sonst könnte die Wildkatzenmutter im schlimmsten Fall ihren Nachwuchs aufgeben und zurücklassen. Damit wären die kleinen Wildkatzen verloren.

In den vorliegenden beiden Fällen der überfahrenen Wildkatzen wurde das Wildkatzenjunge mit dem Namen Findulin an eine Wildtierauffangstation übergeben. Der kleine Wildkater wurde bereits zweimal dem Tierarzt vorgestellt. Jetzt heißt es Daumen drücken, denn in einem zarten Alter von 3 bis 4 Wochen ist nämlich noch nicht klar, ob die kleine Wildkatze überleben wird. Die Chancen stehen aber gut. Aktuell geht es dem kleinen Findulin gut und er ist wohl auf. Nun gibt es konkrete Überlegungen dazu, den kleinen Findulin nach Worbis in den Bärenpark zu bringen. Dort leben in einem Gehege auch schon mehrere Fund-Wildkatzen, die durch den Bärenpark betreut, aufgepäppelt und schließlich wieder in ihrem Fundgebiet ausgewildert werden. Auch Findulin soll möglichst artgerecht und wild aufwachsen, denn schon im Herbst dieses Jahres soll er in seinem Fundgebiet zurück in die Freiheit entlassen werden.

Im Fall der überfahrenen Wildkatze bei Trügleben (Lkr. Gotha) haben sich Aktive des NABU Gotha e.V. am 18. Mai auf die Suche nach einem möglichen Geheck in der unmittelbaren Umgebung gemacht und wurden in einem alten verlassenen Bunker fündig. Hierbei konnten zwei Wildkatzenjungen im Alter von ca. 2 Wochen geborgen und anschließend dem Tierarzt vorgestellt werden. Nachdem die jungen Kätzchen erstversorgt waren, kamen sie am 19. Mai nach Worbis in den Bärenpark. Hier werden sie in den nächsten Wochen versorgt und auf die Wiederauswilderung in ihrem Fundgebiet vorbereitet.

Wildkatzengeheck am 18.05.2021 bei Trügleben (Lkr. Gotha). Foto: NABU Gotha e.V.

 

Versorgung eines der Wildkätzchen aus dem Zweier-Geheck von Trügleben (Lkr. Gotha). Foto: NABU Gotha e.V.

 

Für Meldungen zu Wildkatzen könnt ihr euch direkt an uns wenden:

Silvester Tamás

Tel.-Nr. 0177-5573434

Mail: Wildkatze@NABU-Thueringen.de

 

Weitere Informationen zu Wildkatzen und unserem Engagement findet ihr hier 👇:

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wildkatze/index.html

Projektstart: LuchsWald – Trittsteine des Lebens!

Foto: Leo/fokus-natur.de

Mit einem neuen Projekt wirbt der NABU Thüringen für mehr Naturschutz im Wald – Waldbesitzer*innen können sich ab sofort um eine Auszeichnung ihrer Wälder bewerben!

Wälder sind faszinierende Ökosysteme. Sie sind Lebensraum für seltene und bedrohte Pflanzen, Pilze und Tiere. Auch der Luchs bevorzugt ungestörte Wälder als Rückzugsorte. Als Leitart im Biotopverbund und Sympathieträger wirbt der NABU Thüringen mit dem Luchs und dem Projekt LuchsWald für mehr Naturschutz im Wald und für Lebensraumvernetzung. Mehr Naturschutz im Wald bedeutet auch bessere Lebensbedingungen für viele andere Arten und zugleich die Förderung der Anpassungsfähigkeit von Wäldern im Klimawandel.

Der NABU Thüringen wird zukünftig pro Jahr bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald auszeichnen, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. Wer sich für die Auszeichnung bewerben möchte, muss neben verschiedenen Kriterien, insbesondere auf Kahlschlag und den Einsatz von Chemie in seinem Wald verzichten. Genauso willkommen wie eine sanfte bodenschonende Bewirtschaftung und der Verzicht auf schwere Holzerntetechniken, sind Maßnahmen wie zum Beispiel die Erhöhung des Totholzanteiles und eine höhere Anzahl von Biotopbäumen. Mit den Luchswäldern wollen wir dafür werben, dass sich mehr Menschen für Naturschutz im Wald einsetzen und auf die Lebensumstände und Bedürfnisse von Luchsen in unserer stark durch den Menschen geprägten Landschaft aufmerksam machen.

Mit Hilfe von LuchsWäldern und durch begleitend angebotene Exkursionen, Umweltbildungsmaßnahmen, Informations- und Dialogveranstaltungen sowie durch die Weiterbildung von Multiplikatoren soll die Bedeutung von Waldnaturschutz und die Notwendigkeit der Lebensraumvernetzung für wandernde Tierarten herausgestellt werden.

Die Auszeichnung zum LuchsWald vergibt der NABU Thüringen jährlich für jeweils drei ausgewählte Waldgebiete. Bewerben können sich alle Waldbesitzer*innen in Thüringen, deren Wald mindestens eine Fläche von zehn Hektar zusammenhängendem Waldgebiet aufweist und die Kriterien für einen LuchsWald erfüllt.

Weitere Informationen zum Projekt findet ihr hier unter dem Link 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs/luchswald/index.html

 

Internationaler Tag des Artenschutzes – Wilderei macht bedrohten Arten schwer zu schaffen

Luchsin Tessa, vergiftet mit Carbofuran (2012). Foto: Nationalpark Bayerischer Wald.

Zum heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes (03.03.2021) wird es Zeit lauter zu werden

Aktuell überschlagen sich die schlechten Nachrichten. In einem Waldstück bei Bischofsmais (Kreis Regen) wurde am Sonntagmittag (28.02.2021) ein toter Luchs gefunden. Laut Polizei wies das weibliche Tier deutliche Verletzungen auf, die nicht von einem Verkehrsunfall stammen können. Jetzt muss die genaue Todesursache bestimmt werden. Zeitgleich hat die Suche nach dem Täter begonnen, da eine Straftat nicht ausgeschlossen werden kann.

Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Luchse in Bayern, aber auch in Sachsen-Anhalt, vorsätzlich vermutlich durch Jäger vergiftet, gefangen oder erschossen. Erst im Oktober letzten Jahres hatte ein aktiver Jäger vorgegeben, „versehentlich“ einen Luchs im Fichtelgebirge mit einem Wildschwein „verwechselt“ und deshalb abgeschossen zu haben. Bei diesem Luchs handelte es sich um Luchskuder „Ivan“, der aus dem Harz nach Bayern wanderte und dort erst im Frühjahr desselben Jahres, mit einem Luchsweibchen aus dem Bayerwald, für den ersten Luchsnachwuchs in der Region gesorgt hatte. Dass es die Luchse überhaupt durch unsere dichtbesiedelte Landschaft vom Harz bis nach Bayern, mittlerweile auch in die Lüneburger Heide, in die Lausitz und sogar bis nach Baden-Württemberg schaffen, grenzt schon an ein kleines Wunder. Denn auch im Straßenverkehr sterben viele, zu viele Luchse.

Leider wird nicht nur der Luchs verfolgt. Auch streng geschützte Wölfe werden in Deutschland illegal gejagt und erschossen, nicht selten sogar nachträglich verstümmelt. Ebenso werden geschützte Greifvögel von Taubenzüchtern und Jägern mit verbotenen Fallen gefangen oder mit vergifteten Fleischködern auf grausame Weise getötet. Regelmäßig werden auch verletzte Graureiher, Seeadler oder auch Störche aufgefunden, bei denen Schussverletzungen durch Jagdwaffen festzustellen sind.

Aus aktuellen wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass es Luchse bald nicht mehr geben könnte, wenn die illegale Verfolgung so weitergeht. Das muss endlich aufhören! Deshalb richtet sich unser Appell zum heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes an die Akteure der Landes- und Bundespolitik, endlich aktiv zu werden und Ermittlungsstellen auf Landes- und Bundesebene einzurichten, die Wilderei-Straftaten verfolgen und aufklären können. Wilderei ist nicht weit weg, nicht nur in Afrika oder in Asien, sondern findet tagtäglich bei uns vor der Haustür satt. Was es jetzt braucht, ist die Einsicht in den dringenden Handlungsbedarf, damit wir nicht noch mehr der seltenen und schönen Luchse verlieren!

Mehr zu unserer Arbeit für den Luchs findet ihr hier 👇

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs/index.html

 

Luchsbestand in Deutschland im leichten Aufwärtstrend

Foto: Silvester Tamás (NABU Thüringen)

Aktuelle Luchszahlen des BfN geben Anlass zur Hoffnung – trotz des leichten Anstiegs des Luchsbestandes gibt es aber viel zu tun für die Pinselohren

Die aktuellen Erfassungszahlen zu Luchsen in Deutschland lassen erkennen, dass es vorsichtigen Anlass zur Hoffnung für die weitere Ausbreitung der Pinselohren gibt. Die Zahlen zeigen aber auch, dass unsere Bemühungen für den Luchs weiter vorankommen müssen. Nach mehr als 50 Jahren erster Wiederansiedlungsbemühungen sind die Luchse in Deutschland immer noch vom Aussterben bedroht. Krankheiten, illegale Jagd und der Straßenverkehr zählen zu den wichtigsten Faktoren, die Luchse auf ihren Weg in ihre alte Heimat behindern.

Aktuell setzt sich deshalb unser Luchsprojekt „PLAN P wie Pinselohr“ beim NABU Thüringen dafür ein, dass das Monitoring in Thüringen weiter ausgebaut und dass ein Managementplan für Luchse auf den Weg gebracht wird. Ebenso brauchen wir eines bundeseinheitliche Luchsstrategie, mehr Aufklärungsarbeit und Akzeptanz für die schönen majestätischen Katzen. Leider werden immer wieder Luchse im Straßenverkehr überfahren oder durch uneinsichtige Jäger vorsätzlich getötet.

Mehr zu den aktuellen Zahlen und unserer Arbeit findet ihr unter dem Link 👇

https://thueringen.nabu.de/news/2021/29465.html