Wanderlust – Harzer Luchs erkundet Lausitz !

Harzer Luchskater im Tagebaugebiet Welzow-Süd in der Lausitz (2018). – Foto: Uwe Dittmann

Luchse waren einst in ganz Europa verbreitet – jüngere Nachweise gab es auch schon im Norddeutschen Tiefland bei Magdeburg

Damit hätte wohl an diesem Tag niemand gerechnet, außer Uwe Dittmann. Der begeisterte Naturfotograf hatte sich extra auf die Suche nach Hinweisen in der Lausitz gemacht, um das eigentlich sehr scheue und vorsichtige Pinselohr schließlich im Tagebaugebiet Welzow-Süd zu fotografieren (siehe Foto oben). Sichtungen gab es wohl schon einige in der Region, aber eben noch keinen Nachweis in Form eines Fotos oder eines genetischen Beleges. Allein Fotos von einem freilebenden Luchs zu machen, scheint nahezu unmöglich, wo es doch vielen Fotografen in der Lausitz eigentlich um Wölfe, Seeadler und Rothirsche geht.

Uwe Dittmann hatte offenbar den richtigen Riecher und die dazu notwendige stundelange Geduld auszuharren. Schließlich gelang das, worauf die Luchsfachleute in Deutschland immer sehr begierig warten: ein Fotonachweis eines Luchses außerhalb der etablierten Vorkommensgebiete des Luchses. Dazu noch ein Harzer Luchs, der im Luchsprojekt Harz durch den Projektleiter Ole Anders mit einer Ohrmarke im linken Ohr markiert worden ist. Dies geschah bereits 2016 bei Horden nahe Osterode. Danach galt der männliche Luchs als verschollen.

Schaut man ein paar Jahrhunderte zurück, so erfährt man, dass Luchse eigentlich alle Lebensräume besiedelt haben, die wir Menschen heute mit unserer Kulturlandschaft überprägt haben – dazu gehören auch die Lausitz und das Norddeutsche Tiefland. Dass der Luchskater nun gut 220 km Luftlinie zurückgelegt und dies trotz der vielen Straßen zwischen Harz und Lausitz auch noch unbeschadet überstanden hat, grenzt an ein Wunder. Denn die Zerschneidung unserer Landschaft gilt als das Hauptproblem welches Luchse haben, um sich in Deutschland, ja in ganz Mitteleuropa zu etablieren und eine eigenständige und stabile Metapopulation zu begründen. Viele Luchse sterben, sobald sie aus dem Schutz der Nationalparks wie dem Harz oder dem Bayerischen Wald abwandern, denn dort bestehen die größten Luchsvorkommensgebiete. Verkehr und illegale Jagd spielen die hauptsächlichen unnatürlichen Todesursachen bei Luchsen in Europa.

Die aktuellen Zahlen vom Bundesamt für Naturschutz belegen, dass im Monitoringjahr 2016/2017 nur 77 Luchse in Deutschland lebten. Erste aktive Wiederansiedlungsversuche gab es aber schon bereits seit den 1970er Jahren. Diese Situation verdeutlicht, wie stark gefährdet die schönen Pinselohren sind. Die Zahlen stagnieren. Vermutlich leben in ganz Mitteleuropa insgesamt nur 350 Tiere in weit von einander entfernten und stark isolierten Lebensräumen. Damit die Luchse aber langfristig auch unabhängig von menschlichen Bemühungen überlebensfähig sind, müssen die stark fragmentierten Lebensräume des Luchses miteinander verbunden und wiedervernetzt werden. Luchse müssen sich wieder gefahrlos durch unsere Wälder und über unsere Straßen bewegen können, damit sie zueinander finden und sich genetisch austauschen können. Nur so haben die hübschen Pinselohren eine realistische Chance zu überleben.

Luchsprojekt NABU – Grafik: Sigi Reiss

Die empfindlichen Luchse brauchen wild- und waldreiche Lebensräume mit genügend Rückzugsräumen für die Aufzucht ihrer Jungen. Ob nun Wölfe oder Wildkatzen oder gar Braunbären in ihrer Nähe leben, scheint nicht weiter von Bedeutung. So gibt es seit 2011 auch wiederkehrende Meldungen zu einem Luchs im Wolfsrevier auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow zwischen Magdeburg und Berlin. Aus Osteuropa liegen Belege vor, dass sich Luchse gegen einzelne Wölfe ordentlich zu verteidigen wissen. Menschliche Aktivitäten wie Straßen- und Siedlungsbau oder gravierende forstwirtschaftliche Eingriffe in Waldlebensräume jedoch können Luchse empfindlich stören, zum Abwandern bewegen oder gar die Aufzucht ihrer Jungen verhindern.

Es braucht wieder mehr Sensibilität im Umgang mit unserer Natur und den darin lebenden Geschöpfen. Insbesondere Luchse scheinen empfindliche Gradmesser für den Zustand unserer Waldlebensräume zu sein. Gleichfalls tragen sie in erheblichen Ausmaß zur Funktion und Vitalität des Ökosystems Wald bei. Pinselohren gehören wie Fliegenpilz und Specht in unsere Wälder. Wenn wir wollen, dass sie wieder auf Dauer in unsere heimischen Wälder zurückkehren, dann müssen wir Brücken für sie bauen, Jäger für ihren Lebenswert begeistern und Waldlebensräume für sie schützen und miteinander vernetzen. Für all das setzten wir uns ein … denn Wir haben einen Plan: PLAN P wie Pinselohr – Luchse in die Mitte bitte – dem Luchs gemeinsam auf die Sprünge helfen. Helfen Sie mit 🙂

 

E-Mail: Silvester.Tamas@nabu-thueringen.de
Internet: https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/luchs

 

 

 

 

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