Schlägt das Grüne Herz auch für den Luchs ?

Tourbusse der Nationalparkverwaltung werben mit dem Luchs im Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

Erfahrungsaustausch für den Luchs – zu Besuch im Luchsland Andalusien (Spanien)

Die Rückkehr der Luchse nach Thüringen kommt nur schleppend voran. Trotz, dass es immer wieder einzelne Nachweise zu Europas größter Wildkatze im Thüringer Wald und im Schiefergebirge, am Grünen Band, im Hainich und bei Mühlhausen, sowie im Südharz gibt, ist nur wenig über die Lebensumstände der schönen Katze bekannt. Deshalb ist es ein besonderes Anliegen unseres Projektes „PLAN P wie Pinselohr“, die Forschung und das Wissen zum Luchs im Grünen Herzen Deutschlands deutlich zu verbessern. Neben dem Erkenntnisgewinn über mögliche Lebensräume und Gefahrenstellen, können uns die Erfahrungen aus anderen Ländern im Umgang mit den Herausforderungen für eine erfolgreiche Rückkehr der Pinselohren dabei helfen, dem Luchs auch hierzulande gewissermaßen auf die Sprünge zu helfen. Als Projektleiter unseres Luchsprojektes bin ich deshalb wieder im schönen Luchsland Andalusien unterwegs. Zum Beispiel im National- und Naturpark Doñana mit seiner reichen Flora und Fauna lässt sich hautnah erleben, welche verschiedenen Interessen der Landnutzung mit dem Anspruch des generellen Naturschutz kollidieren, aber auch durchaus in Übereinklang zu bringen sind. Es zeigt sich häufig, dass die Grenzen zwischen Grundwasser zehrenden Baumwoll- und Erdbeerplantagen zu den eigentlichen Schutzzonen sehr scharf verlaufen und die Tiere, die an der Nationalparkgrenze stehen, sich weiträumig ausgeräumten und durch intensive Landwirtschaft ausgedörrten und strapazierten Nutzflächen gegenübergestellt sehen. Weiß- und Schwarzstörche brüten im geschützten Nationalparkgebiet noch in ihren ursprünglichen Baumhabitaten, verlassen sie die Nationalparkgebiete stellen Nistplätze auf Strommasten und Gebäuden für sie grundsätzlich keine Probleme dar – sie passen sich an. Doch Reptilien, Amphibien, Wildkaninchen und Luchse scheitern nicht selten auch hier am Verlust des Lebensraumes und der fehlenden Lebensraumvernetzung. Dennoch hat man es in Spanien und Portugal in den vergangenen 20 Jahren geschafft die einstmals unmittelbar vom Aussterben bedrohte Population der iberischen Pardelluchse durch massive politische und finanzielle Anstrengungen soweit zu stabilisieren, dass heute wieder gut 600 Pardelluchse über die iberische Halbinsel streifen. Die Gründe für diesen Erfolg liegen darin begründet, dass Großgrundbesitzer und auch der Tourismus den Luchs als Chance für eine Bereicherung wahrnehmen. Mehrere Aufzucht- und Auswilderungsstationen für Pardelluchse, die Einrichtung von äußerst großflächigen Schutzgebietszonen und die Forcierung der „grünen Infrastruktur“ sind maßgeblich für den Erfolg verantwortlich. Trotzdem sterben auch hier immer noch Luchse im Straßenverkehr und durch die illegale Jagd. Anders als der iberische Wolf, der bis vor wenigen Jahren noch im süden der iberischen Halbinsel anzutreffen war und hier gnadenlos mittels Gift und Schrot beseitigt worden ist, dient der Luchs mittlerweile als Identifaktionsfigur des touristischen Andalusiens. Die Rückkehr der Luchse auf die iberische Halbinsel sieht man heute in ganz Spanien nicht nur als einen Erfolg für den Artenschutz, sondern auch als praktizierte Symbiose zwischen Mensch und Natur, bei der der Luchs als Verständigungsbrücke für die praktische Zusammenarbeit im Naturschutz und der Landnutzung fungiert. Ich denke, dass sich die Ergebnisse aus dem Süden Spaniens nicht unmittelbar auf Deutschland und insbesondere nach Thüringen übertragen lassen, aber sie zeigen deutlich, dass es der Luchs in Deutschland höchstwahrscheinlich auch nur dann schafft, ohne den Menschen zu überleben, wenn wir kleinteilige Partikularinteressen zurücklassen und uns aufmachen zu einem neuen Verständnis im Umgang mit unserer Natur, und ihr mehr Raum und Ressourcen überlassen. Für den Luchs in Deutschland und Thüringen bedeutet dies zuerst, dass wir mehr Wissen über die schöne große Katze vermitteln sollten, durchaus über unberührte Schutzgebietzonen für den Luchs nachdenken und den Ausbau der „grünen Infrastruktur“ für die Vernetzung der potentiellen Luchslebensräume voranbringen müssen. Dann wird man vielleicht auch bald in Thüringen sagen können: hier schlägt das Grüne Herz auch wieder für den Luchs !

Auf Tour im Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Auf Tour im Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Auf Tour im Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Auf Tour im Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Auf Tour im Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Weißstörche nisten hier noch in ihrem natürlichen Habitat. Nationalpark Doñana (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Auch die weitläufige mit Wanderdünen durchsetzte Atlantikküste im Nationalpark Doñana zählt zum natürlichen Lebensraum des iberischen Pardelluchses (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Auch die weitläufige mit Wanderdünen durchsetzte Atlantikküste im Nationalpark Doñana zählt zum natürlichen Lebensraum des iberischen Pardelluchses (Andalusien, Spanien). – Foto: Silvester Tamás, NABU-Luchsprojekt.

 

Silvester Tamás

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Koordinator Luchsprojekt bei NABU Thüringen
Silvester Tamás

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