Mehr Schutz für den Wald auf dem Ettersberg bei Weimar

Anhörung im Landtag zum Wald auf dem Ettersberg. – Foto: Silvester Tamás

Der Wald auf dem Ettersberg bei Weimar ist ein wichtiger Trittstein im europaweiten NATURA 2000-Biotopverbund – auch der Luchs war schon hier

Am 2. Februar 2018 war ich zur ersten Anhörung im Thüringer Landtag bezüglich einer Petition der Bürgerinitiative „proEttersberg“. Mehr als 50.000 Menschen hatten sich einer Petition der Bürgerinitiative angeschlossen, welche die massiven Forstarbeiten mit Schwertechnik im FFH-Gebiet Nr. 45 „Großer Ettersberg“ mit teilweiser Betroffenheit des Naturschutzgebiets (NSG) Nr. 50 „Prinzenschneise“ kritisierten und eine naturnahe und waldschonende Bewirtschaftung nach dem sogenannten „Lübecker Modell“ einfordern.

Das FFH-Gebiet Nr. 45 „Großer Ettersberg“ und das NSG Nr. 50 „Prinzenschneise“ befinden sich auf dem Ettersberg bei Weimar, nahe der Gedenkstätte Buchenwald und dem Schloss Ettersburg. FFH- und Naturschutzgebiete verpflichten den Freistaat Thüringen zum Schutz der ausgewiesenen Gebiete und zu einer möglichst eingriffsarmen und naturschonenden Nutzung, insbesondere aber zur Entwicklung dieser Gebiete mit Blick auf natürliche Lebensräume, die geschützten und bedrohten Arten ein Refugium bieten. Auch der Luchs war schon da. Zweimal wurde er bereits hier am Südhang des Ettersberges gesehen. Platz ist genügend da. Das Naturschutzgebiet am Südhang des Ettersberges hat die NABU-Stiftung in den letzten Jahren durch den Kauf mehrerer hundert Hektar für die Zukunft erhalten können. Der oberhalb dieses Naturschutzgebietes liegende 1.500 Hektar große, sehr attraktive und historisch bedeutende Wald auf dem Ettersberg jedoch wurde in den vergangenen beiden Jahren ganz massiv durch den Thüringer Staatsforstberieb geschröpft und geschädigt. Arten wie der Mittelspecht oder Schwarz- und Rotmilane, auch Wildkatzen vielleicht sogar Luchse nutzen diesen Wald regelmäßig als Refugium und als wichtigen Trittstein in einer sonst nach Norden durch Landwirtschaft weithin ausgeräumten Landschaft (Thüringer Becken). Der Mittelspecht hat sich schon rar gemacht. Auch die sensiblen Luchse und Wildkatzen könnten gänzlich verschwinden und nicht wiederkommen. Das wäre ein sehr großer Verlust.

Seit dem Winter 2015/2016 jedoch werden im FFH-Gebiet sowie teilweise auch im NSG „Prinzenschneise“ und im gesamten Waldgebiet des Ettersberges durch das Forstamt Bad Berka massive Eingriffe mit schwerer Technik durchgeführt und wertvolle Eichen und Buchen gefällt.  Tonnenschwere Holzerntemaschinen von ThüringenForst schufen sogenannte Rückegassen im Abstand von 20 Metern, die den sensiblen Waldlebensraum auf Jahrhunderte geschädigt haben. Insbesondere die schweren Schäden im Bereich des Bodens aufgrund extremer Verdichtung und der Zerstörung der sensiblen Bodenkulturen auf einem Viertel (!) der gesamten Waldfläche, werden auch durch den Versuch einer „Wiederherstellung“ nicht mehr „repariert“ werden können. Die Wege sind auch aufgrund der Befahrung durch die tonnenschweren Holzerntemaschinen bei den anhaltenden nassen Witterungsverhältnissen tief zerfurcht und völlig unbrauchbar gemacht. Sie bleiben somit auch für die wichtige Naherholung in der unmittelbaren Nachbarschaft zu Weimar einer Nutzung durch Radfahrer, Wanderer, Jogger, Jäger und Naturfreunde entzogen.

Mit der Petition an den Landtag fordert die Bürgerinitiative die Anwendung des „Lübecker Modells“ für das Waldgebiet auf dem Ettersberg sowie die Einstellung der forstwirtschaftlichen Nutzung der „Prinzenschneise“. Beim „Lübecker Modell“ handelt es sich um ein Konzept der naturnahen Waldnutzung, das heißt möglichst wenig Eingriff in die Natur nach Minimalprinzip mit Orientierung an natürlich ablaufenden Prozessen zur Entwicklung möglichst großer Naturnähe. Wenn dieses Modell auf dem Ettersberg umgesetzt würde, hätten auch an den Waldlebensraum gebundene und teils vom Aussterben bedrohte Arten eine Chance, sich hierher zurückzuziehen, hier zu leben oder sogar zu brüten oder für überlebenswichtigen Nachwuchs zu sorgen. Der Wald auf dem Ettersberg ist nicht umsonst mit FFH- und Naturschutzgebieten bedacht. Der Ettersberg bei Weimar, im Grünen Herzen Deutschlands, ist ein wichtiger Trittstein im europaweiten Schutzgebietsnetz NATURA 2000 und somit auch ein potentieller Rückzugsort für unsere schöne Pinselohren. Deshalb unterstützen wir die Forderungen der Bürgerinitiative für mehr Schutz und die Erhaltung eines natürlichen Waldes auf dem Ettersberg bei Weimar.

Ettersberg bei Weimar: kaum alte Bäume im Wald aber viel Holz geschlagen und wertvolle stämmige Buchen und Eichen gefällt. So sieht es leider in vielen FFH- und Naturschutzgebieten in Thüringen aus. Der Fokus des Staatsforstbetriebes liegt auf Holznutzung, da der heimische und internationale Markt das deutsche Holz begehrt und gute Preise zahlt. Der Arten- und Naturschutz, sowie die Naherholungsfunktion werden dabei leider zu häufig vernachlässigt. – Foto: Silvester Tamás

 

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