Robert noch immer nicht weitergezogen

Robert ist noch immer nicht weiter nach Afrika gezogen. Er hat zwar die Gegend um Bet Sche’an verlassen und ist gut 37 Kilometer nach Süden geflogen. Aber es sieht noch nicht danach aus, dass er weiter nach Afrika ziehen will. Jetzt rastet Robert an einem Wasserreservoir in der Nähe des Jordan mitten im Westjordanland.

Im Gästebuch wurde nach den Gründen dafür gefragt. Roberts Verhalten ist allerdings ungewöhnlich. Normalerweise müsste er sich schon seit längerer Zeit im Tschad oder im Sudan aufhalten, wie das unsere anderen Störche gerade machen. Aber schon im vergangenen Jahr brauchte er länger und machte auf dem Weg in den Süden längere Pausen auf bewässerten Feldern entlang des Nil. Es ist auch bekannt, dass alljährlich eine kleine Anzahl von Weißstörchen den Winter in Israel verbringen. Vielleicht gehört auch Robert in diesem Jahr dazu.

Insgesamt zeigt das Verhalten von Robert, dass es immer Ausnahmen vom allgemeinen Verhalten der Vogelart Weißstorch gibt. So „probieren“ immer mal wieder einige Individuen, ob ein anderes Zugverhalten nicht auch funktionieren könnte. Wenn es klappt, nimmt dieses Verhalten innerhalb der Population zu. Beispielsweise kann so die Überwinterungstradition in Spanien entstanden sein. Außerdem kommt es auch regelmäßig dazu, dass Weißstörche bei uns im Brutgebiet überwintern. Auf diese Weise kann sich der Weißstorch an Veränderungen seiner Umwelt anpassen und so sein Überleben sichern.

Kai-Michael Thomsen

Kai-Michael Thomsen

NABU-Storchenexperte

5 Kommentare

Marion Lehmann

21.10.2019, 13:28

Hallo Herr Thomsen, vielen Dank für die Berichterstattung von Robert. Ich habe gehört, dass das Rasten der Zugvögel an den Fischteichen in Israel leider auch große Gefahren mit sich bringt. Einige dieser Teiche werden mit Netzen umspannt. Zahlreiche Vögel verfangen sich in diesen Netzen. Einiger geraten unter sie und verenden qualvoll. In Israel soll es einen Naturschützer geben, der jeden Tag unermüdlich diese Teiche mit dem Auto ansteuert. Er befreit die Vögel aus dieser schrecklichen Lage und bringt verletzte Vögel in die Tierklinik. Hoffentlich geht es unserem Pionier Robert gut. Viele Grüße Marion

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Popi Mathis

09.10.2019, 16:20

https://www.jpost.com/Israel-News/Migrating-birds-winter-in-Israel-as-climate-change-makes-desert-dangerous-515319 Lieber Kai-Michael, dieser Zeitungsartikel wurde in einem anderen Forum gepostet. Ist interessant. Viel Glück allen Störchen auf Zug.

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jens v. bruun

09.10.2019, 13:29

DANKE SCHÖN UND INTERESSANT. iST ER ALT?

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Stefan Kroll

09.10.2019, 11:42

Der 2013 nestjung vom Storchenhof Loburg besenderte Weißstorch "Jonas" überwintert seit mehreren Jahren in Israel und nutzt dabei ebenfalls vorrangig das Nahrungsangebot in den Fischzuchtanlagen bzw. Fischteichen. In den ersten Lebensjahren war er noch nach Ostafrika gezogen. Seine beiden 2019 ebenfalls besenderten Nachkommen sind dagegen im August/September zusammen mit anderen Weißstörchen über Gibraltar nach Marokko (zu einer Deponie) bzw. über den Golf von Suez in den östlichen Sudan gezogen. Dort rasten sie jeweils schon seit Wochen.

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Martha Bürgler

09.10.2019, 11:30

Danke für die interessanten Erklärungen ! Gibt es da nicht auch "Angaben" zur Klimaveränderung" ? Ist es auch möglich, dass die kräftezehrende Reise nach Ostafrika nicht nur gut ist für die Störche ? Danke für weitere Erklärungen ! Mit freundlichen Grüssen !

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