Studie: Der Luchs findet grundsätzlich gute Bedingungen in Thüringen!

Potentielle Lebensräume für den Luchs in Thüringen. Je dunkler die Flächen, desto günstiger die Bedingungen für den Luchs. – Foto: Sophie Hoffmann.

Wissenschaftliche Studie (Masterarbeit) bescheinigt dem Luchs grundsätzlich gute Lebensbedingungen im Grünen Herzen Deutschlands

Zu dieser Erkenntnis kommt die aktuelle Masterarbeit von Sophie Hoffmann aus Berlin. Allein der Thüringer Wald bietet, laut der Studie, Platz für bis zu 90 Luchse. Die Fragmentierung der Waldflächen, der Straßenverkehr und die fehlende Akzeptanz wirken sich dagegen nachteilig auf die Ausbreitung und das Vorkommen von Luchsen aus. Die Forschungsarbeit wurde durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität Potsdam und den NABU Thüringen betreut.

Jena – Wie viele Luchse können in Thüringen leben? Wo im Freistaat finden die Pinselohren gute Lebensbedingungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Sophie Hoffmann aus Berlin in ihrer Masterarbeit, die sie am Mittwoch den 13. November 2019, im Rahmen des Forschungskolloquiums am Ökologischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena, vorgestellt hat. Die Arbeit trägt den Titel „Lebensraumanalyse zur potentiellen Verbreitung des Luchses (Lynx lynx) in Thüringen“ und wurde durch die Friedrich-Schiller-Universität, die Universität Potsdam und durch den NABU Thüringen betreut. Sie zeigt auf, welches Potential Thüringen als Lebensraum bietet und mit welchen Schwierigkeiten die Tiere rechnen müssen.

Laut der Studie finden Luchse im Vergleich zu den bisher etablierten Luchsgebieten, wie dem Harz, dem Bayerischen Wald und dem Pfälzerwald ebenso gute Bedingungen im Thüringer Wald. „Großflächig zusammenhängende Waldgebiete liebt der Luchs. Mit Blick auf die Voraussetzungen in den Mittelgebirgslagen von Thüringen müsste es hier eigentlich schon mehr Luchse geben. Warum dies noch nicht so ist, hängt sehr wahrscheinlich mit der Zergliederung der Waldgebiete und den Störungen durch die menschliche Infrastruktur zusammen“, sagt Sophie Hoffmann. Aus Sicht von Stefan Halle, Professor und Direktor des Ökologischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena muss diesbezüglich noch mehr Forschung betrieben werden. „Wenn wir verlässlichere Aussagen über die Vorkommen von Luchsen in unserer Landschaft machen wollen, brauchen wir noch mehr Daten. An der erfolgreichen Ausbreitung und Etablierung des Luchses in Thüringen hindern die Tiere vor allem der Straßenverkehr, weitläufige Ackerlandschaften und fehlende Luchsweibchen. In der Regel sind es Luchskater, die weite Strecken wandern und neue Gebiete erobern. Luchsweibchen hingegen wandern kaum aus ihren angestammten Gebieten ab.“

Vorstellung der Masterarbeit von Sophie Hoffmann anlässlich des Forschungskolloquiums im Ökologischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena (v.l.n.r. Sophie Hoffmann, Stefan Halle, Silvester Tamás). – Foto: Elena Jess.

Thüringen liegt nicht nur zentral in Deutschland, sondern auch mitten im Herzen Europas, zwischen den bedeutenden Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald mit den angrenzenden Böhmerwaldgebieten. Auch im Pfälzerwald entwickelt sich aktuell eine neue Luchspopulation im Rahmen des dortigen Wiederansiedlungsprojektes. Die Masterarbeit von Sophie Hoffmann sollte herausfinden, wie viele Luchse in Thüringen potentiell leben können und in welchen Gebieten sie gute Bedingungen vorfinden. Im Thüringer Wald wären das beispielsweise bis zu 90 Luchse. „Schaut man sich die Ergebnisse dieser Studie genauer an, könnten sich in ganz Thüringen sogar mehr als 100 Luchse ansiedeln“, sagt Silvester Tamás, der Projektkoordinator des NABU-Luchsprojektes „PLAN P wie Pinselohr“. „Dem Freistaat kommt deshalb nicht nur eine strategische Rolle als Lebensraum, sondern auch als Vernetzungskorridor zwischen den bislang noch voneinander isolierten Luchspopulationen in Deutschland und Europa zu. Wissenschaftliche Arbeiten, wie die von Sophie Hoffmann sind deshalb so wichtig, denn sie helfen uns zu verstehen, welche Lebensbedingungen Luchse brauchen und wo Schwierigkeiten zu erwarten sind.“

In unserem Luchsprojekt PLAN P wollen wir mit Erkenntnissen, wie jenen aus der vorliegenden Studie, den Fokus auf Schwerpunkte und Problembereiche für die Vernetzung und den Lebensraumschutz weiter schärfen und uns gemeinsam mit den Fachbehörden und politischen Gremien um Lösungen für die erfolgreiche Rückkehr der Pinselohren nach Thüringen bemühen. Hierfür braucht es aber noch mehr Wissen, deshalb haben wir uns in den letzten beiden Jahren unter anderem darum bemüht, gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden, eine umfängliche Gebietskulisse für das sogenannte FFH-Monitoring mit der Zielart Luchs in Thüringen einzurichten. Hierbei soll es zukünftig gelingen, mehr zuverlässige Daten zum Luchs im Freistaat zu sammeln und daraus wiederum abzuleiten, wie es den Luchsen bei uns geht und wo sie unsere ganz konkrete Unterstützung zum Beispiel bei der Einrichtung von Wanderkorridoren und Schutzgebieten oder den Bau von Querungshilfen benötigen.

Link zur Studie:

https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html

 

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