Was geschah mit Bilbo?

Viele Besucher und Besucherinnen unserer Waldkauz-Webcam erinnern sich sicherlich an den dramatischen Tod von Bilbo, dem jüngsten der vier Berliner Waldkauz-Küken Anfang Mai dieses Jahres. Das Waldkauz-Junge wurde urplötzlich von einem größeren Geschwister attackiert und anschließend von ihm aufgefressen – Bilbo wurde 28 Tage alt.

Bilbo verstarb völlig unvermittelt. Er war vier Tage jünger als die beiden ältesten Jungen und zog bei vielen Fütterungen den Kürzeren.

Unklar waren zunächst die Umstände des Ablebens. Zwar ist es überhaupt nicht ungewöhnlich, dass nicht alle geschlüpften Jungen nicht überleben, und das Geschwister-Vögel sich gegenseitig auffressen („Kainismus“), doch der ziemlich späte Todeszeitpunkt überraschte selbst Fachleute. Was genau war also passiert? Hans-Juergen Stork vom NABU Berlin-Reinickendorf und NABU-Vogelexperte Lars Lachmann erläutern die Umstände von Bilbos Tod:

Das Ei für „Bilbo“ wurde sieben Tage nach dem ersten Ei gelegt, zwei Tage nach dem vorletzten.

Dadurch ergab sich auch ein späteres Schlüpfen des Kleinen, zwei Tage nach dem Schlupf des dritten Jungen. Er war damit immer etwas kleiner als seine Geschwister, obwohl er immer auch Futter von der Mama und später auch von Papa bekam. Er kuschelte sich auch immer zwischen seine Geschwister und war gut gewärmt.

Doch sobald seine Geschwister auf den „Balkon“, den Absatz des Nistkastens direkt am Einflugloch, klettern konnten, verschlechterte sich seine Futterversorgung erheblich. Denn die Großen verperrten den Zugang der Eltern zum Kleinen und fingen jedes Beutetier ab. Unsere Analysen der Videoaufnahmen von den letzten Tagen vor Bilbos Tod haben gezeigt, dass weiterhin reichlich Nahrung von den Eltern herangebracht wurde, allerdings nicht mehr direkt an die einzelnen Jungtiere verfüttert wurde. Weil sich Bilbo nicht gegen seine Geschwister durchsetzen konnte, wurde er mehrere Tage nicht mehr gefüttert und wurde im Laufe der Nacht immer schwächer und weniger beweglich.

Sein verändertes Verhalten wurde für seine Geschwister zudem immer mehr „Auslöser“ im Futtertier-Reizschema. Weil er sich nicht mehr verhielt wie ein junger Waldkauz, wurde er schließlich nicht mehr als Geschwister erkannt, sondern instinktiv für ein Beutetier gehalten. Konsequenz daraus war, dass sie ihn, das „Nicht-mehr-Geschwister“, aufgefressen haben.

Mit drei Jungen pro Brut war die Berliner Waldkauzbrut dennoch überdurchschnittlich erfolgreich. Aus langjährigen Studien wissen wir, dass nur ein Viertel der erfolgreich brütenden Waldkäuze in Berlin drei Junge aufziehen können.

Der Konkurrenzkampf unter den Geschwistern ist eine biologische Anpassung an die Normalsituation, dass Futter meist nicht für alle Jungvögel reicht. Somit wird sichergestellt, dass die Jungen mit der größten Überlebenswahrscheinlichkeit zum Ausfliegen kommen. Wäre es üblicherweise vorteilhafter, dass die Eltern das Futter aktiv gleichmäßig zwischen allen Jungen aufteilen, hätte sich sicherlich ein entsprechendes Verhalten der Eltern entwickelt. Dies würde aber die Gefahr bergen, dass zwar alle Jungen ausfliegen, dann aber mehr als eines zu schwach wäre um zu überleben.

Wir konnten in diesem Frühjahr also eine sehr erfolgreiche Waldkauzbrut beobachten, auch wenn sie nach unseren menschlichen Maßstäben nicht maximal erfolgreich verlaufen ist.

NABU-Waldkauzteam
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15 Kommentare

Ulla M.P.

16.11.2017, 11:57

Hallo liebes NABU-Team, es ist sehr schön, dass die Webcams wieder geschaltet sind. Vielen Dank. Heute gegen 11:25 hatte ein Eichelhäher auf dem Ast vor dem Nistkasten einen ziemlichen Rabatz gemacht. Die beiden Käuze verzogen sich schnell nach unten in den Kasten! Gegen 11:33 kam dann eine Elster, die auch gucken wollte. Da ist das Pärchen noch unten. Jetzt ist Ruhe eingekehrt, und beide können wieder oben im Balkon schlummern ;-) Herzliche Grüße!

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Winfried Lippmann

12.10.2017, 00:51

Halo auch, Verfolge dies noch vom hie, gernst immer. Habe plööde Nachbarn Hr.L.Lachmann kennt mn."Leidgschichtle" sicherlich zu fast Genüg Fern gar nah elsterlein ist 45cm das Stichwortl der Nachbahr,brachte es sogar fertig als er den Wäscheplatzfux zum zwoten Male wozu sind Händys da,zum :feix: ach wär ich dochn wegfliegtier ps.: Nu wart y,bis dem Fuxe grauerth es war schon nur einmal ein Fliegtier auf meinem rOstbalkone das war viel orangner wer weis?s,was das war. wl

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ElkeEmmi

11.10.2017, 16:56

Habe mal wieder die Waldkauz-Webcam aufgerufen und freue mich sehr, dass sie noch da ist. Und heute (7.10./16:45) sitzen tatsächlich beide Tiere drin und machen ihr Nickerchen 💤 . Ganz vielen Dank auch noch für die Erläuterungen zu Bilbos Tod. Ich schätze die Ehrenamtliche Arbeit des Nabu-Teams sehr, Danke. Nun freue ich mich schon aufs nächste Jahr mit hoffentlich neuen Jungen, bin sehr gespannt. Viele Grüße von ElkeEmmi

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ElkeEmmi

11.10.2017, 16:57

Korrektur, heute ist der 11.10.

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Maria

22.09.2017, 10:14

Liebes Nabu-Waldkauz-Team, wurde die Berliner Waldkauz-Webcam still gelegt oder ist es nur ein technisches Problem, dass sie seit vorgestern nicht mehr aktiv ist? Dank und herbstliche Grüße

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Der NABU

Der NABU

25.09.2017, 09:42

Guten Tag Maria, in der Tat gibt es momentan technische Proleme. Wir arbeiten daran! Herzliche Grüße, Ihr NABU-Team

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Maria

07.10.2017, 23:18

Korrektur: Am 25.09.17, nicht am 22.09. , hattet Ihr geantwortet (sorry). Heute ist der 07.10.17.

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Der NABU

Der NABU

10.10.2017, 10:51

Liebe Maria, die Webcams funktionieren jetzt wieder. Bitte entschuldigen Sie die lange Ausfallzeit. Beachten Sie bitte aber auch, dass die Kameras von einer ehrenamtichen Berliner NABU-Gruppe betreut werden. Freundliche Grüße, Ihr NABU-Waldkauz-Team

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Maria

07.10.2017, 23:02

"Momentan technische Probleme. Wir arbeiten daran." Dies Eure "beschwichtigende")Antwort vom 22.9.. Das klingt inzwischen ganz nach dem Berliner Flughafenprojekt BER. ;-) Hat sich das Waldkauzteam vielleicht aufgelöst? Ihr scheint nicht zu ahnen, wie viele neu gewonnene WaldkauzfreundIinnen (oder potenzielle NABU-FreundiInnen) Ihr enttäuscht. Wo liegt das Problem? Es wäre schön, etwas über die Perspektive der Waldkauz-Cam zu erfahren. Wird sie je wieder zu sehen sein?? Zur nächsten Brutsaison erst? Es wäre zu schade, wenn da gar nichts mehr läuft.... Herzliche Grüße Maria

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maria

09.09.2017, 11:55

Vielen Dank auch von mir für die abschließenden und nachvollziehbaren Erklärungen zum traurigen Tod von "Bilbo". Dennoch will mir nicht ganz aus dem Kopf, dass auch er es geschafft hätte (immerhin hatte er es ja schon 28 Tage geschafft!), wenn er auf dem "Balkon" des Nistkastens Platz gefunden hätte. Ihr schreibt ja selbst, dass das gelieferte Futter eigentlich für alle ausreichend gewesen wäre. Ich freue mich dennoch sehr auf die nächste Brutsaison und hoffe, die Webcam bleibt in Betrieb, auch wenn dann der Vogel des Jahres ein anderer sein wird. Es wäre ganz hervorragend, wenn die Webcam dann auch mit einem Mikrofon gekoppelt werden könnte, denn die Lautäußerungen innerhalb und außerhalb des Kastens gehören einfach dazu und machen das Beobachten doppelt so spannend. Viele Grüße an Inke, Sabine :-) und vor allem an das engagierte Nabu-Waldkauzteam!!

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Winfried Lippmann

09.09.2017, 01:33

Auch Danke, Erläuterungen ziemlich einleuchtend. ps Im momange betrübt mich das Fehlen der Balkonamseln. FudderRosinschen ,lange für Sie rangekauft,verderben mir aber nicht. Wespen nehmn die Sücklein für Stücklein ausenander. ps auße , ich Idy, schichte da umme Zwisch Zeigfinger Ökä Aber nach ner Woch schwoll das nach pöööser Knochnerz dan wars wech Natur Pur

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Uwe

08.09.2017, 16:33

Danke für die Info, habe leider nicht alles verfolgen können. So sind nun mal die Gesetze der Natur und wir Menschen sollten uns scheuen, alles aus unserer Sicht zu beurteilen und jedes kranke Getier aufzupäppeln, ob Waschbär oder Krähe. Das klingt sicher hart, aber um eine gesunde Population zu erhalten, müssen ebend die schwächeren sterben. Gruß Uwe

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Inke

08.09.2017, 14:22

Liebes Waldkauz-Team, Herzlichen Dank, dass ihr uns noch wie versprochen am Ergebnis der Bilderauswerung teilhaben lasst! So ist es nun restlos aufgeklärt.

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Sabine

08.09.2017, 14:19

Vielen Dank, dass Ihr Euch noch mal die Mühe gemacht habt für die Erklärung. Es war schon wirklich fürchterlich, das mit anzusehen. Vielen Dank für Euren ganzen Einsatz. Ich hoffe auf weitere Webcam-Bilder nächstes Jahr ...

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Natascha

08.09.2017, 10:30

Vielen Dank für die Erläuterungen zu Bilbos Tod. Natürlich ist es nach wie vor sehr traurig, dass Bilbo es nicht geschafft hat und dies auch so hilflos beobachten zu müssen. Aber andererseits sind drei ausgeflogene Kauzkinder wirklich ein tolles Ergebnis! Schade, dass man nicht weiß, wie es ihnen inzwischen geht. Hoffentlich gut. Danke für die Möglichkeit, dies alles so lange beobachten und begleiten zu können! Ich freue mich auf die nächste Webcam!

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