Drama in Berlin – R.I.P. Bilbo

Was viele Kommentatoren unserer Waldkauz-Webcam in den letzten Tagen befürchtet hatten, ist jetzt doch eingetreten: Das jüngste der vier Waldkauz-Küken (Bilbo) ist tot. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass nicht alle geschlüpften Jungen bis zum Ausfliegen überleben, aber der sehr späte Zeitpunkt des Todes (Bilbo wurde 28 Tage alt) hat auch Fachleute überrascht.

Bis 11:31 Uhr scheint Bilbo noch völlig normal und keineswegs geschwächt. Er ist 4 Tage jünger als die beiden ältesten Jungen und zieht bei vielen Fütterungen den Kürzeren. Er wächst daher langsamer, was aber kein Problem sein muss, da er ansonsten gesund erscheint.

Eine vorläufige schnelle Analyse des Bildmaterials ergibt folgenden Hergang: Um 11:31 sitzt Bilbo mit einem seiner größeren Geschwister (ohne direkten Größenvergleich ist es schwer zu sagen, welches) gemeinsam am Nestboden und bewegt sich ziemlich normal, kuschelt sich sogar an das Geschwister.

Das größere Geschwister fängt ganz unvermittelt an, das Jüngste zu attackieren. Viel ist nicht zu sehen, aber plötzlich fängt es an zu fressen.

Dieses attackiert aber plötzlich und beginnt eine Minute später, das Kleine zu fressen.

Später kommen andere Geschwister dazu. Als alle wieder oben auf dem Balkon sitzen, sieht man, wie wenig diese vom Jüngsten übrig gelassen haben.

Die traurigen Reste des jüngsten Kükens. Bilbo, 28 Tage alt, R.I.P. (rest in peace)

Dieses Erlebnis verstört viele von uns, zeigt uns aber, dass die Natur keine heile Welt ist, sondern ein ständiger Kampf ums Überleben. Wir werden in den nächsten Tagen noch prüfen, ob es Hunger sein kann, der die Attacke ausgelöst hat, indem wir nachschauen, ob es in der letzten Nacht weniger zu Fressen gab als zuvor. Zumindest das Wetter in Berlin war in den letzten Tagen außerordentlich kühl und regnerisch.

Angesichts der Tatsache, dass Bilbo bis zur Attacke kaum besonders geschwächt aussah, ist nicht anzunehmen, dass er selber zu wenig Futter bekommen hat oder von den Geschwistern totgetrampelt worden wäre. Wäre dieses Geschehen in einer früheren Phase der Nestlingszeit passiert, hätten wir das als „normal“ verbuchen müssen. Jetzt, zu dieser späten Zeit mit fast flüggen Jungvögeln ist es für uns alle, auch die Waldkauz-Experten, eine böse Überraschung.

Dennoch werden und dürfen wir die größeren Geschwister, die wie damals Kain in der Bibel ihren kleinen Bruder getötet haben (ein Verhalten, das in Fachkreisen daher auch „Kainismus“ genannt wird), nicht dafür verteufeln und wünschen ihnen trotzdem alle Gute, damit wenigstens die übrigen drei Jungen überleben. Drei flügge Junge wären für Waldkäuze immer noch ein gutes Brutergebnis.

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30 Kommentare

Winfried

14.05.2017, 16:49

der Gedank war zu unnausgreift Hat d.dies Trupp zuviel am senkl. Das kann einmal ander sei wördem.;KaumHoff; wiesch gern abschwüf Eine Herklärung bitt Es streizankln sich nie Meisen mit Spatzen Amselmn immrer im Winta,Luftkämpfe und Spatzen yesterdays ums Fuderschen? diiesein woho antiGlobal?

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Winfried

12.05.2017, 06:44

Hallo,kuz ich nochma.. Es ist ja balde die Stünd der Frühlingsvoglzählerung. Soimm eben beim sitzn,auf Neubalkonstühl,dippscherweis auch kleinstreckmetall,nicht grad unleis,wie dem auch nei kleinMeis kommt da schon mal aufm halfmeter ran zum Fuuderschen. Trage den Gedanken,der gar nicht in das Formate hier passt. Aber ehschn nauztratschern tue.. Wiedemso,kriggt nicht die GT&die nva d.dDdR den Friednsnoblpreiß? Es wurd kein Schuss abgegebe und nu lausch pere Hördings neuerdings wied den etw.Lautrem Getzschwitscherle ala BetonbalkonArien....eur

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Joachim

10.05.2017, 22:15

Es ist schon ziemlich traurig aber das ist die Natur. Ich frage mich ob der Bilbo sowas geahnt hat das er bald Futter für seine Geschwister sein wird. Da wo er jetzt ist, ist er vllt glücklicher. R.I.P Bilbo

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Volker

09.05.2017, 11:52

Die Erklärung von Rainer finde ich hochinteressant und absolut überzeugend. Jetzt hoffe ich nur, daß die 3 ausgeflogenen Jungkäuze nicht in die Fänge des Waschbären gelangen, der dem Kasten schon früher mehrere Besuche abgestattet hatte. Wird die unmittelbare Umgebung des Kastens nach dem Ausflug von NABU-Engagierten regelmäßig kontrolliert?

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Rainer

09.05.2017, 12:16

Hallo Volker, die Ästlinge werden von den Eltern gegen jeden potenziellen Feind rabiat verteidigt, bzgl. Waschbär muss man sich da im Normalfall keine Sorgen machen. Es hat seinen Grund, warum der Waschbär nur an dem Kasten war, als die Altvögel nicht anwesend waren und warum dort mit Brutbeginn kein Waschbär mehr gesichtet wurde.

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Inke

09.05.2017, 12:42

Naja, der Waschbär war ja lt. Lars so häufig da, dass sie eine Manschette um den Stamm gelegt haben, deswegen hat man ihn nicht mehr gesehen ;o) Aber wir hoffen mal, das immer ein Alttier zur Verteidigung in der Nähe ist.

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Rainer

09.05.2017, 14:05

Stimmt, das mit der Manschette hatte ich vergessen. Aber auch vor der Manschette war der Bär nur da, wenn die Käuze nicht da waren. Nötig gewesen wäre die Manschette aber nach meiner Einschätzung ohnehin nicht, s. o.

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Volker

09.05.2017, 13:08

Vielen Dank, Rainer, für die rasche , beruhigende und einleuchtende. Antwort !

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Rainer

07.05.2017, 11:46

Vielleicht nochmal etwas ausführlicher zum Tod des Jungvogels: Grundsätzlich gilt, dass die jungen Waldkäuze jedes tote Wirbeltier fressen, das sich im Kasten befindet, egal ob Maus, Frosch oder Eidechse. Dies gilt sowohl für tote als auch für lebende Wildtiere: Ein noch lebender kleiner Vogel oder eine noch lebende Maus würde von den Jungvögeln ebenfalls sofort attackiert und gefressen werden. Die jungen Waldkäuze sind für die Geschwiester jeweils durch bestimmte Signale als Waldkauz und damit als Geschwister erkennbar, sowohl durch Verhalten als auch durch akustische Signale. Damit wird bei Eulen und vielen anderen Vogelarten im Normalfall auf recht schematische Weise sichergestellt, dass alles fressbare im Kasten oder Nest auch tatsächlich gefressen wird, aber nicht die eigenen Geschwister, und das ist ja sehr sinnvoll. Ich vermute hier, dass der jüngste, insbesondere nachdem die größeren Geschwister auf dem Balkon saßen, doch über mehrere Tage zu wenig Nahrung bekommen hat und langsam aber sicher schwächer wurde. Viele Postings hier sprechen auch dafür. Vermutlich waren seine Signale für "Ich bin ein Waldkauz" am Schluss so schwach, dass diese für das Geschwister zu einem bestimmte Zeitpunkt nicht mehr ausreichend waren. In diesem Moment hörte der Jüngste für das Geschwister aber auf, ein Waldkauz zu sein. Damit war der Jüngste ein kleines noch lebendes Wirbeltier und damit Beute. Die Folge war die Attacke und dass anschließende Fressen. Hier muss also nicht genereller Nahrungsmangel ausschlaggebend gewesen sein, und das passt zu der toten Maus, die danach erstmal eine Weile im Kasten liegen blieb. Vieles was ich schreibe, basiert auf plausiblen Vermutungen, also bitte nicht als gesichert ansehen. Einiges ließe sich besser absichern, wenn über den Zeitraum von etwa 7 Tagen vor dem Tod nochmal verfolgt wird, wieviel Nahrung der Jüngste noch bekommen hat, dass dürfte ja möglich sein.

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Winfried

07.05.2017, 02:46

Das Ist nichtmal was unmenschliches. Wenn ich mir mn.Fam.-vitae so genäüster ansehn tu.. Jr.hat sich ums Jahrswechsel as Antitelfon,jetzt sogar bei sei Mutty.. Die Natur hat noch viel mär Übrraschunk. sir St.Hawking gibt uns Erdelensern,noch knappste 10 Dekaden... den weisßeerdbeerschen geheths guu d.ewg Kreislauf sagt,ein Kurzschneechen kömmt noch, Die Balkonämseln fuddern mär rosinchen... ps:Zeitscher Winta diesjah....

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crissi

06.05.2017, 23:37

Die Natur hat ihre eigenen "Gesetzte". Ich bin so dankbar, dass ihr uns die Möglichkeit vor Augen führt wie die Natur sein kann, nämlich nicht nur Eier legen und raus aus dem Nest. Wie muss sich Vater und Mutter "Kauz" plagen, bei Wind und bei Wetter? Ich wünsche den Initiatoren von diesem Projekt weiterhin viel Erfolg, ich denke ich bin mit dieser Meinung nicht alleine, Den 3 Waldkäuzchen wünsche ich viel Glück

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Sabine

06.05.2017, 01:10

Wie ist das eigentlich (wie gesagt, ich kann nicht schlafen), häufig saßen oder standen ja Größere auf dem Kleinen. Gestern (4.5. 16:04) habe ich selbst noch ein Foto gepostet, wo ein Großer 2 Kleinere als Trittleiter benutzte. Wenn also geschätzt das 5... fache Eigengewicht auf dem Kleinen lastete - konnte es das gesund überstehen ? Wenn nicht, wäre es kein Wunder, dass es gestern Abend so einen geschwächten Eindruck machte. --- Und wenn dann noch heute vormittag wieder die Geschwister offenbar längere Zeit auf ihm herumgetrampelt sind - haben sie ihm damit nicht Knochen brechen und innere Organe massiv verletzen müssen ? War das das eigentliche "Ende", das sie ihm zugefügt haben ? Hat es sich dann an den Großen gekuschelt - und ist dann irgendwann tot weggesackt ... Aber Ihr sagtet doch, es hat noch einen ganz normalen Eindruck gemacht, war lebhaft ... ich kann es immer noch nicht fassen. Alles Gute Dir, mein Kleines, im Käuzchenhimmel ❤️❤️❤️

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Anderielle

05.05.2017, 23:50

Ich finde es auch entsetzlich, dass der kleine unvermittelt vom eigenen Geschwisterchen attackiert wurde obwohl er nur kuscheln wollte..... Aber so ist halt die Natur und wir dürfen es nicht vermenschlichen!!!

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Sabine

05.05.2017, 20:03

Bemerkenswert finde ich auch die Intuition der Beobachterinnen gestern Abend, die offenbar gespürt haben, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht haben sie irgend etwas (unbewußt ?) wahrgenommen, was anderen - auch mir - bei eher kurzen Blicken in den Kasten entgangen ist. --- Wenn auch die Intuition sich der wissenschaftlichen Erklärung nach wie vor weitgehend entzieht, so sollte man sie nicht verachten oder verleugnen. Das kennt sicher Jede/r aus seinem / ihrem Leben. Schwierig ist immer nur die Abgrenzung zwischen Intuition und übertriebener Sorge oder Angst.

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Maria

05.05.2017, 21:51

Zur Intuition - dem "Bauchgefühl" - hatte ich auch was geschrienen, Sabine. Bin ganz deiner Meinung.

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eli

05.05.2017, 19:56

Sollte man die Kamera jetzt viellleicht abschalten? Rest in Peace - lieber Bilbo liebe Grüße

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Inke

05.05.2017, 20:01

Nein Eli, das ist traurig, aber Natur und es leben doch noch drei, denen man weiter zuschauen kann.

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eli

05.05.2017, 21:42

ja, ich verstehe schon - kein schöner Anblick. Aber so kann man zumindest Abschied von Bilbo nehmen und natürlich die anderen drei weiter beobachten.

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Inke

05.05.2017, 20:04

Aber ich gestehe, schön ist der Anblick "Innen" natürlich derzeit nicht, falls du darauf hinaus wolltest :o(

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Monika

05.05.2017, 19:56

Eine Frage hätte ich noch: Der Beschreibung nach kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Kleine bei lebendigem Leibe aufgefressen wurde ? Verstehe ich das richtig ?

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Sabine

05.05.2017, 20:05

Ich hoffe und denke, dass der Nabu versuchen wird, das Ganze noch näher aufzuklären, so gut es geht.

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Monika

05.05.2017, 20:28

Das denke ich auch, Sabine. Die Fachwelt wird sicherlich darüber in den Diskurs gehen. Wie Du in der allg. Kommentarseite schriebst, ist es eine Sache, wenn ein an Schwäche oder Hunger gestorbenes Junges als Nahrung für die übrigen dient, aber eine andere, wenn ein zwar klein entwickeltes, doch gesundes Junges vom/von den Geschwister/n gefressen wird. Attackiert und zunächst angefangen, den kleinen Bilbo zu fressen, hat ja nun erst einmal 1 Geschwister-Junges. Dass die anderen Geschwister in die Fressorgie eingestiegen sind, halte sogar ich für "normal", wenngleich ich es nicht verkraften kann, es zu sehen.

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Berta

05.05.2017, 18:53

Vielen Dank für den genauen Bericht! Hoffentlich ist nicht einem der Altvögel etwas passiert

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Eveline

05.05.2017, 17:36

ich hatte ja schon lange die Befürchtung, weil Bilbo nicht so gut gewachsen ist, wie seine Geschwister. Aber trotzdem bin ich traurig,dass Bilbo es nicht geschafft hat. Ich glaube die 3 Großen schaffen es.

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Sabine

05.05.2017, 22:46

Bilbo war 4 Tage jünger und kleiner als die Ältesten. Das konnte er nicht aufholen, zumal er daher auch weniger Nahrung abbekam. Ein gewisser Teufelskreis für den Jüngsten und daher Kleinsten :-(

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Manu

05.05.2017, 17:17

Ich hoffe der kleine Bilbo flattert nun an einem besseren Ort. Eine kleine Kerze brennt für ihn. Kleiner Kauz grûss mir die Engel.....

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Sabine

05.05.2017, 22:50

Das finde ich ganz lieb von Dir, Manu :-)

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Gaby

05.05.2017, 16:54

Das ist nun mal Natur. So leid es einem auch immer tut. Solange genug der Jungen erwachsen werden, wahrscheinlich auch kein Problem. Da haben die Tiere allgemein wohl schlimmere Probleme.

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JuttaP

05.05.2017, 16:23

Vielen Dank für die Erklärung. Bis jetzt schien es für mich ein ganz besonders trauriges und auch etwas überraschendes Ereignis. Aber ich war davon ausgegangen, daß einfach zu wenig Nahrung gebracht wurde. Kann es sein, daß der Kleine vielleicht doch krank war? Oder für uns nicht erkennbar irgendwie verhaltensgestört?

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Sabine

05.05.2017, 16:26

Oder der Große

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