Kai-Michael Thomsen Beiträge

Wo sind die Senderstörche zum Jahreswechsel

Lange Zeit gab es keine Berichte über unsere Senderstörche. Wir hatten auch nicht viel zu berichten. Die Mehrzahl unserer Störche haben sich leider lang nicht gemeldet. Von Ole Einar/Przygódka, Sportie, Sonja und Else haben wir teilweise seit September nichts mehr gehört. Sie hatten die Ostroute genommen und befinden sich nun wahrscheinlich im Sudan. Aufgrund des Bürgerkrieges gibt es von dort keine Meldungen, weil das Mobilfunknetz zusammen gebrochen ist. Erst wenn ihr Sender wieder eine Verbindung zum Mobilfunknetz erhält werden ihre Ortungen zu uns übertragen. Dann wissen wir, wo sie die ganze Zeit verbracht haben. Hoffen wir, dass es ihnen gut geht.

Seit Dezember 2025 haben wir auch keine Meldungen von unseren beiden Westzieherinnen Pauli (Marokko) und Fritzi (Frankreich) erhalten. Ihre letzten Meldungen die wir erhielten zeigten, dass die Batterien ihrer Sender nur noch eine geringe Batteriespannung hatten. Im Winter bekommen die Solarzellen ihrer Sender zu wenig Licht, um die Batterien ausreichend aufzuladen. Sie stellen dann automatisch die Datenlieferung ein. Wahrscheinlich wird sich Pauli noch immer bei Tétouan im Norden von Marokko auf halten und Fritzi im Medoc bei Bordeaux. Den vergangenen vergangenen Jahren hielten sie sich dort den gesamten Winter über auf.

Max meldete sich seit er die Sahara überquert hatte regelmäßig aus dem Tschad. Derzeit rastet er gut 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Djamena. Seine Ortungen kommen derzeit vor allen von der Umgebung des Flusses Logone, der den Tschadsee mit Wsser speißt.

Die größte Überraschung lieferte uns allerdings die Senderstörchin Eva. Bei uns, im Brutgebiet, meldete sich ihr Sender nur noch sporadisch und zum Ende der Brutsaison praktisch nicht mehr. Wir vermuteten, dass der Sender seine Arbeit endgültig eingestellt hatte. Jetzt aber erhalten wir seit einiger Zeit wieder regelmäßig die Daten von Eva. Und mehr noch, wir haben alle Ortungen seit ihrem Abzug aus Tielen bekommen. Die südliche Sonne hat die Batterien des Senders offenbar wieder aufgeladen und er konnte damit die gesammelten Daten übertragen.

Nun können wir ihre Reise nachzeichnen. Vom 8. September bis zum 25. November hielt sie sich im Osten des Tschad in der Umgebung der Stadt Abéché sowie im Westen des Sudan auf. Dann zog sie über den Süden des Sudan und Äthiopien weiter nach Süden. Seit dem 10. Dezember rastet sie im Westen von Tansania, in der Region westlich der Stadt Tabora. Diese landwirtschaftlich genutzte Region hatte sie schon in den Vorjahren aufgesucht und war von dort aus zur Heimreise gestartet.

Max ist ein Stückchen nach Süden geflogen

Mehr als einen Monat lang rastete Max nordwestlich des Lac Fitri. In dieser Zeit dehnte sich sein Rastgebiet 25 Kilometer von Ost nach West und 11 Kilometer von Nord nach Süd aus. Offenbar hat er in diesem Gebiet reichlich Futter gefunden, denn sonst wäre er weiter umher gestreift. Ich habe mich in das Satellitenbild hineingezoomt und interessante Landschaftstrukturen entdeckt. Die Landschaft scheint von großen Sanddünen geprägt zu sein, die sich etwas 10 Kilometer von Nord nach Süd erstecken. Zwischen diesen Dünen liegen Senken, die nach der Regenzeit feucht und sogar überschwemmt sind. Und hier liegen die meisten Ortungspunkte von Max. Er hat sich also zumeist in diesen feuchten Bereichen aufgehalten und seine Nahrung gesucht.

Am 18. Oktober hat sich Max wieder aufgemacht und ist gut 95 Kilometer nach Südwesten geflogen. Hier scheint die Savanne sehr eben zu sein und ist von Bäumen locker bewachsen. Auch hier finden sich einige flache und feuchte Senken.

Meldung aus dem Tschad

Seit mehr als drei Wochen hatten wir keine Informationen von Max erhalten. Damals zog er gerade durch Ägypten. Jetzt gab es wieder neue Meldungen von ihm aus dem Tschad. Am 5. September zog Max entlang des Assuanstausees und des Nils nach Süden. Am nächsten Tag drehte er auf einen südwestlichen Kurs um über die Wüste Richtung Tschad zu ziehen. Für die Wüstenquerung brauchte er drei Tage, dann hatte er die Sahelzone im Tschad erreicht. Dabei legte er täglich über 400 Kilometer zurück.

Ab dem 10. September rastete er mehrere Tage an verschiedenen Orten in der nördlichen Sahelzone. Seit dem 17. September hält er sich gut 50 Kilometer nördlich des Lac Fitri auf. Hier rastete er schon im vergangenen Jahr für längere Zeit

Pauli in Marokko

Pauli rastete vier Tage lang bei Cádiz, dann machte sie sich auf ihre letzte Etappe, um über die Straße von Gibraltar nach Marokko zu fliegen. Nach 120 Kilometern hatte sie Tetouan erreicht. Hierr verbrachte sie schon in den letzten beiden Jahren den Winter.

Pauli bei Cádiz

Pauli ist seit Montag (15. Sept.) gut 150 Kilometer weiter nach Süden gezogen. Sie rastete gestern an einer Komppostierungsanlage östlich von Cádiz.

Das Ziel erreicht

Fritzi hat gestern (17. Sept.) ihr Ziel für den Winter erreicht. Sie landete an der Kompostierungsanlage bei Naujac-sur-Mer im Medoc. Für den letzten Abschnitt des Herbstzuges brauchte sie noch drei kurze Tagesetappen.

Sonja hat den Tschad erreicht

Seit dem 5. September hatten wir keine Informationen von Sonja erhalten. Damals erreichte sie den Norden Israels. Am nächsten Abend landete sie in der Negev Wüste, um dort am Boden zu übernachten. Am folgenden Tag (6. September) hatte sie auf dem Sinai fast die Küste vom Golf von Suez erreicht. Ihr Schlafplatz lag nördlich von El Tor auf einem Bergrücken. Sonntag (7. Sept.) flog Sonja zunächt bis an die Südspitze der Sinai-Halbinsel und überquerte dann den Golf von Suez. Er ist an dieser Stelle mehr als 60 Kilometer breit. Sie zog bis zum Abend in die Nähe des Nil. Die nächste Nacht (8. Sept.) verbrachte nur wenige Kilometer nördlich von Abu Simbel, wo sie im seichten Wasser am Ufer des Assuanstausees schlief.

Nun lag die Nubische Wüste vor ihr, für die sie drei lange Tagesetappen brauchte. In diesem Abschnitt ihrer Reise hat sie keine Möglichkeit zu trinken oder Futter zu finden. Andererseits findet sie ideale Flugbedingungen mit Sonne und Thermik vor. So konnte sie täglich bis zu 470 Kilometer zurücklegen.  Am 12. September übernachtete sie im Sudan nahe der Grenze zum Tschad und hatte damit ihr erstes Rastgebiet erreicht. Für ihren Herbstzug von der deutsch polnischen Grenze bis in den Tschad brauchte sie 20 Tage.

Fritzi macht eine Pause

Fritzi hat in der Umgebung des Örtchens Adriers in der Region Nouvelle-Aquitaine eine Pause von drei Tagen eingelegt. Sie suchte offenbar auf einem Feld ausgiebig nach Nahrung. Wahrscheinlich wurde es gerade bearbeitet und bot ein reiches Futterangebot für Fritzi an. Gestern (15. Sept.) hat sie sich wieder auf den Weg gemacht.

Kurs auf Gibraltar

Pauli ist ohne einen längeren Zwischenstopp bei Madrid einzulegen, weitergezogen. Sie erreichte am Donnerstag (11. Sept.) die Deponie und Biomüll-Kompostierungsanlage bei Pinto. Die Nacht verbrachte sie auf den Gebäuden an der Mülldeponie bei Vaciamadrid wenige Kilometer nördlich. Nach kurzer Nahrungssuche auf der Mülldeponie ging es weiter Richtung Toledo, um sich dort wieder in der Umgebung von Müllentsorgungsanlagen einen Tag lang aufzuhalten. Eine Nacht verbrachte sie in einem Feuchtgebiet, die andere Nacht in den Bäumen am Ufer des Rio Tajo. Sonntag (14. Sept.) flog sie 280 Kilometer weiter nach Süden und landete an einem Waldgebiet westlich von Cordoba. Gibraltar ist nur noch 180 Kilometer entfernt.

Fritzi macht Kilometer

Fritzi scheint es eilig zu haben. In zwei Etappen von 230 und 280 Kilometern Länge hat sie Belgien hinter sich gelassen und befand sich Dienstag (9. Sept.) mitten in Frankreich. Sie wird in Kürze ihr altes Winterquartier erreichen.