Noch immer viel zu viele Plastiktüten

Noch immer viel zu viele Plastiktüten

Stolz hat der Einzelhandelsverband bekannt gegeben, dass im letzten Jahr der Verbrauch an Plastiktüten in Deutschland von 68 auf 45 Tüten pro Kopf zurückgegangen ist. Damit erfüllt Deutschland schon fast die (nicht sehr ambitionierte) EU-Vorgabe, bis Ende 2025 nur noch 40 Tüten zu verbrauchen. Es ist sehr erfreulich, dass wir weniger Plastiktüten verbrauchen, aber es sind immer noch viel zu viele: 3,6 Milliarden Plastiktüten jährlich plus über drei Milliarden so genannte Hygiene- oder Knotenbeutel für Obst und Gemüse, Käse oder Wurst etc. Dazu kommen noch die Einwegtüten aus Papier, zu denen aktuell noch keine Daten veröffentlicht wurden.

Manche Geschäfte haben das Konzept falsch verstanden: Plastikponcho für eine Papiertasche)

Vor einem Jahr hat der Handelsverband Deutschland mit dem Bundesumweltministerium eine freiwillige Vereinbarung geschlossen, um einer gesetzlichen Regelung zuvorzukommen: Die unterzeichnenden Unternehmen verpflichten sich, Plastiktüten nicht mehr kostenlos abzugeben. Dass der Tütenverbrauch im letzten Jahr so zurückgegangen ist, zeigt wie den Kunden vor der Vereinbarung, die Plastiktüten regelrecht aufgedrängt und als günstige Werbemaßnahme genutzt wurden. Es ist aber zweifelhaft, ob sich der Verbrauch in den nächsten Jahren allein mit der Vereinbarung weiter so positiv entwickelt, denn dazu müssten sich noch viele andere Branchen verpflichten.

Gesetzliche Regelung nötig

Der NABU geht davon aus, dass eine gesetzliche Abgabe für alle Einwegtüten notwendig ist, damit auch die Branchen umdenken, in denen kostenlose Einwegtüten noch die Regel sind wie der Textilhandel oder Apotheken. Auch Imbisse, Bäckereien, Kioske oder Wochenmärkte, deren Plastiktüten häufig in der Landschaft und in Gewässern landen, geben Tüten in der Regel noch immer kostenlos ab.

Papiertüten haben keine bessere Ökobilanz als Plastiktüten – Foto: NABU/K. Graf

Die Einnahmen aus der Abgabe müssen zweckgebunden sein und etwa in Projekte zur Abfallvermeidung fließen. Wichtig ist, dass die Abgabe für alle Einwegtüten gilt, egal ob aus Plastik oder Papier, da Papiertüten keine bessere Ökobilanz als Plastiktüten haben (Papiertüten haben nur einen Vorteil, wenn sie aus Versehen in der Natur landen, was aber ja zum Glück nicht für alle Tüten in Deutschland gilt).

Für die Umwelt ist nichts gewonnen, wenn man einfach grundsätzlich auf Papiertüten umsteigt und diese nach einmal Benutzen im Altpapier oder in der Schublade landen. Das gleiche gilt für Baumwollbeutel: Aus schlechtem Gewissen braucht man an der Kasse keinen kaufen, wenn man schon weiß, dass er nach dem Einkauf nur im Schrank landet.

Tipp: Immer eigene Taschen oder eigenen Rucksack mit zum einkaufen nehmen und alle Tüten so oft wie möglich wieder benutzen. Kaputte Tüten gehören in die Gelbe Tonne (Kunststoff) bzw. ins Altpapier.

Weitere Infos

Produkte im NABU-Shop

Am 3. Juli ist der Internationale Plastiktütenfreie Tag, Aktionen vor Ort findet man unter plastiktuetenfreiertag.de

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4 Kommentare

Daniela

19.10.2017, 12:22

Die Plastiktüten lasse ich eiskalt im Laden hängen. Nehme schon seite gefühlten 100 Jahren meine eigene Tasche aus Bauswolle mit, die kann ich wenigsten in die Waschmaschine geben, wenn sie dreckig sind.

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RWC

07.07.2017, 15:33

Ich rege mich schon seit Jahren über unseren Verpackungswahnsinn auf. Leider bin ich immer noch die Ausnahme, die versucht, verpackungsfrei einzukaufen. Bei meinem Metzger z.B. werde ich oft von anderen Kunden belächelt, wenn ich gleich mit einem Behälter Wurst und Fleisch mitnehme. Aber mein Metzger findet es gut und macht mit. Ein kleiner Anfang, der auf eine große Resonanz wartet.

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M. Stephan

07.07.2017, 14:49

aLSO ICH BENUTZE Z:b: DIE eINKAUFSTASCHEN VON der Apotheke, die Kostet nichts, und ist sehr umweltfreundlich und das zum Nulltarif

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Gaby

04.07.2017, 13:42

Genau!! Die Gebühr für die Tüten sollte der Umwelt zugute kommen. Im Moment verdienen die Geschäfte damit gutes Geld. Das war doch nicht Sinn der Sache. Leider werden die meisten Menschen nicht schlau. Die einzige Lösung ist nach wie vor : sich eine Tasche mitnehmen.

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