Gute Vorsätze 2.0: Nicht nur weniger rauchen, sondern auch die Umwelt auf Zigaretten-Entzug setzen

Gute Vorsätze 2.0: Nicht nur weniger rauchen, sondern auch die Umwelt auf Zigaretten-Entzug setzen

Mitten in einem polnischen Nationalpark ertönt aufregende bass-lastige Musik. Auf einmal nehme ich ein auf mich zuschreitendes „Nein, Nein, Nein!!!“ war. Umso näher ich dem Boden komme, um meine Kippe auszudrücken, desto vehementer wird das „Nein!!!“. Ruckartig hält mir ein mit vielen bunten Armbändern bestückter Unterarm einen mit Glitzer und LED-Lichtern verzierten Aschenbecher hin. Noch bevor meine Kippe den Boden berühren kann, verschlingt das leuchtende Gefäß mit einer schnellen Drehbewegung den Stummel.

Ich schaue auf und sehe in ein sehr ernstes, mit Ornamenten bemaltes Gesicht und kann mir ein leises Kichern nicht verkneifen. Das Gesicht bleibt ernst. ERTAPPT! Sofort verspüre ich Scham und kann selbst nicht begreifen, wie ich im ganzen Musik-Festival-Trubel unsere Umwelt für einen kurzen Moment vergessen konnte. Dankbar änderte ich ab diesem Zeitpunkt mein Verhalten und finde jetzt immer eine Möglichkeit, Kippen richtig zu entsorgen. Das ist nun einige Jahre her.

Zusammen Zukunft machen

Zum Glück rauche ich heute nicht mehr wie zu meinen „Festival-Zeiten“. Geholfen hat mir dabei eine Challenge mit einer Freundin. Konkret hatten wir damals überlegt, wie wir gesünder leben können. Als ersten Schritt hat uns dabei ein vereinbartes Datum geholfen, zu dem wir unseren Konsum so weit wie möglich reduziert haben. Nun mein Vorsatz für 2020: Die Umwelt auf Zigaretten-Entzug setzen.

Warum ist das so wichtig?

Pro Tag werden in Deutschland rund 400 Millionen Zigaretten geraucht. Drei von vier Stummeln landen auf der Straße. Durch die vom NABU organisierten Müllsammelaktionen zum Coastal Cleanup Day  ist bekannt, dass 30 bis 50 Prozent des Abfalles an unseren Stränden Zigarettenkippen sind. Schlimm genug, dass wir überhaupt Müll an unseren Stränden finden – aber bis zur Hälfte ausschließlich Zigaretten?

Kleiner Wurf große Auswirkungen

Kippen produzieren nicht nur Müll, sondern auch Umweltgifte wie Nikotin, Teer und Arsen. Im Wasser gelöst sind sie die reinsten Zeitbomben: Das Nervengift Nikotin ist so gut wasserlöslich, dass es innerhalb von Sekunden von einem Filter ins Wasser ausgespült werden kann. Auch Teer und Schwermetalle gelangen über diesen Weg ins Wasser. Eine einzige Kippe verunreinigt so 40 bis 60 Liter sauberes Grundwasser. Kläranlagen filtern die Schadstoffe nur ungenügend heraus. Egal ob bei Regen auf der Straße, weggespült im Abfluss oder im Meer: Zigarettenreste geben ihre Schadstoffe frei und vergiften Boden, Tiere und Wasser. Früher oder später landen die Stoffe durch die Nahrungskette also auch bei uns im Körper.

Gelangen die Kippen dann auf den Meeres- oder Flussboden, passiert lange nichts. Die aus Celluloseacetat (schwer abbaubarer Kunststoff) bestehenden Zigarettenfilter benötigen bis zu 15 Jahre, um im Süßwasser vollständig verfallen zu können. Im Salzwasser geht man von hunderten Jahren aus. – Whaaat? Doch nicht nur der Filter ist schädlich, auch der Tabakrest, der das Wachstum von Pflanzen negativ beeinflusst. Studien zeigen zudem, dass geringe Mengen an Zigaretten im Wasser Fische töten können. Die Stummel eignen sich aufgrund ihrer Größe auch dazu, direkt in den Mägen von Vögeln und kleinen Wirbeltieren zu landen und enormen Schaden anzurichten.

Was kann ich tun?

Du rauchst selbst oder du hast rauchende Freund*innen, Kolleg*innen, Familie oder Bekannte in deinem Umkreis und du möchtest ihre Augen öffnen? Zusammen können wir die Zeitbomben mit diesen 11 Tipps aus unserer Umwelt fernhalten:

  1. Nicht Rauchen. Punkt.
  2. Wenn sich 1. nicht sofort umsetzen lässt: Aschenbecher benutzen.
  3. Wenn keine Aschenbecher zu finden sind: Taschenaschenbecher nutzen und/oder verschenken. Ob kleine Metallschachtel oder Schraubglas, umgebastelte Shampooschachtel oder Recycling-Aschenbecher: Jede*r Raucher*in sollte einen (T)aschenbecher bei sich tragen, z.B. kostenlose Taschenaschenbecher aus recycelten Zigarettenresten.
  4. Wenn keinerlei Aschenbescher vorhanden: Alternativen finden. Stummel können in Müllrest eingewickelt und bei der nächstbesten Gelegenheit ordnungsgemäß entsorgt werden. Achtung: Nicht direkt in leere Mehrweg-Flaschen schmeißen, denn dies bedeutet mehr Aufwand bei der Säuberung oder beim Recyceln.
  5. Schon während des Rauchens überlegen oder darauf ansprechen, wo der Stummel hinkommen soll – hilft vielleicht beim Reduzieren. 🙂
  6. Alternative Biofilter verwenden, industriell hergestellte Zigaretten vermeiden. Einige enthalten sogar Pflanzensamen, aber das Auf-Den-Boden-Werfen wollen wir ja vermeiden. Ein Vorteil von Biofiltern: Selbstgedrehte Zigaretten produzieren auch weniger Müll.
  7. Walk the extra mile: Zigarettenstummel in der Natur aufsammeln. Beim Spazieren gehen einfach mal ein paar Kippen aufsammeln. (Okay, das ist für Nichtraucher*innen und selbst für Raucher*innen natürlich echt viel verlangt. Dennoch – letztendlich geht es um den Umweltschutz. Und wenn man eh gerade Müll aufsammelt, warum nicht gleich die umliegenden Kippen mitnehmen!?)
  8. Gemeinsame Kippen-Sammelaktion oder #FilltheBottle-Challenge organisieren und/oder daran teilnehmen z.B. Gewässerretter*in werden. Für eine Sammelaktion empfiehlt sich: Greifarme ausleihen, wiederverwendbare Handschuhe verteilen, Abfallbehälter bereitstellen, die Aktion rechtzeitig kommunizieren und über ordnungsgemäßes Entsorgen informieren oder an Zigaretten-Recycling-Programmen teilnehmen.
  9. Geschäfte, Organisationen und Veranstalter*innen darum bitten, Aschenbecher mit Hinweisschildern aufzustellen, beispielsweise: „Kippen gehören in den Müll“. Bei Open Air Events (T)aschenbecher kostenlos verteilen.
  10. Sag’s weiter: Über die Problematik mit Freund*innen, Kolleg*innen, Familie und Bekannten sprechen, Lösungen und Tipps nennen.
  11. Leute auf frischer Tat ertappen und Alternativen anbieten, ob mit einem glitzernden LED-Aschenbecher oder „ Aah guck mal, da vorne steht ein Aschenbecher!“

Ich habe bereits angefangen, diese Tipps umzusetzen und nehme zum Beispiel beim Spazierengehen ein altes Schraubglas mit, um auf dem Boden liegen gebliebene Kippen anschließend in der Hausmülltonne zu entsorgen. Du willst noch mehr für die Umwelt tun? Dann melde dich für unseren Newsletter „Nachhaltig leben“ an und mache bei unserer Januar-Challenge mit. #UndAction !

(Die hier genannten Daten stammen aus einem Interview mit NABU Meeresschutz-Experte Kim Detloff sowie vom Kärntner Institut für Seenforschung  (2012): Zigarettenstummel gehören in den Restmüll, Naturschutzbund Österreich (k.A.): Kleine Ursache, große Wirkung: Zigarettenstummel in der Umwelt und Ökotest (2019): Forscher fordern Verbot von Filterzigaretten)

3 Kommentare

Saskia

22.01.2020, 08:00

Ich brauche Flyer mit diesem Bild und einen Qr-Code zu diesem Artikel, die hänge ich dann an jeder Laterne auf.

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Astrid Winner

20.01.2020, 19:26

Auf die Idee, anderer Leute Kippe aufzusammeln bin ich beim besten Willen noch nicht gekommen! Doch wenn ich diesen Beitrag lese, es macht Sinn!! Ob ich ein Schraubglas mitnehmen werde zu diesem Zweck... an den Gedanken kann ich mich noch nicht gewöhnen... Nichtraucherin bleiben ist doch auch schon was? Danke für den Denkanstoß Eure Astrid Winner

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hanne ihring

20.01.2020, 15:32

mehr auf die umwelt achten und nicht soviel müll wegwerfen. mehr abfalleimer aufstellen wo die tiere leben.

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