Aktionsidee Warentauschtag

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Seit 2011 organisiert die lokale NABU-Gruppe einen Warentauschtag in Meckenbeuren-Kehlen. Damit möchte sie ein Zeichen für den Klimaschutz, die Schonung der Rohstoffe und Abfallvermeidung setzen. Aber auch der soziale Aspekt ist der Gruppe wichtig. Norbert Schupp, Pressesprecher des NABU Eriskirch-Meckenbeuren, war von Anfang an dabei. Er berichtet hier, wie es zum Warentauschtag kam und wie er abläuft.

Warenausstauschtag 2015 - Foto: Norbert Schupp

Was der eine nicht mehr braucht, kann für den anderen sehr nützlich sein – Foto: Norbert Schupp

Herr Schupp, was steckt hinter dem Warentauschtag?
Viele Dinge, die weggeworfen werden oder im Keller ihr Dasein fristen, sind noch voll funktionstüchtig. Unser Ziel ist es, diese Dinge zurück in den Verwendungskreislauf zu bringen. Das gelingt uns durch einen Warentauschtag. Vor dem Aktionstag rufen wir die Bürgerinnen und Bürger in der lokalen Presse auf, Dachböden und Keller nach noch noch verwendbaren Gegenständen zu durchforsten und sie am Aktionstag anderen Interessierten zum Tausch anzubieten. Bevor die Gegenstände auf den Tischen landen, werden sie von NABU-Helfern natürlich geprüft, denn wir wollen ausschließen, dass jemand nur seinen Müll entsorgen will. Nachdem die Waren sortiert und auf den Tischen ausgestellt sind, können alle Gäste – auch die, die mit leeren Händen gekommen sind – stöbern und mitnehmen, was gefällt. Man muss nicht unbedingt tauschen: Die Gegenstände werden kostenlos angenommen und kostenlos abgegeben.

Wie kam es zum Warentauschtag in Meckenbeuren-Kehlen?
Im Jahr 2010 hatte unser im Landkreis Bodenseekreis zuständiges Abfallwirtschaftsamt einen Wettbewerb zur Müllvermeidung ausgeschrieben. Ich hatte sofort die Aktion „Warentauschtag“ vorgeschlagen, die ich aus Reutlingen kannte. Dort organisiert der BUND schon seit 20 Jahren Warentauschtage. Mein Vorschlag war, dass jede größere Stadt oder Gemeinde einen solchen Tag einmal im Jahr durchführt. Mit dieser Idee habe ich den 1. Platz erreicht.

Gleichzeitig haben wir mit unserer NABU-Gruppe Eriskirch-Meckenbeuren zusammen mit dem Abfallwirtschaftsamt den ersten Warentauschtag in Friedrichshafen durchgeführt – mit durchschlagendem Erfolg. Seit dem veranstaltet das Abfallwirtschaftsamt je einen „Müllspartag“ in Friedrichshafen und in Überlingen. Seit 2011 organisieren wir mit unserer NABU-Gruppe in Zusammenarbeit mit der lokalen Agenda 21 der Gemeinde Meckenbeuren einen eigenständigen Warentauschtag in Meckenbeuren-Kehlen. Die Gemeinde ist interessiert, weil diese damals nach dem Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert war und inzwischen durch den Energy Award ausgezeichnet ist. Unsere Aktion bringt dazu Pluspunkte.

Wie sieht die Kooperation mit der Gemeinde ganz praktisch aus?
Durch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde erhalten wir kostenlos eine ebenerdige, überdachte Fläche (Zeltanbau an der Festhalle) und 50 Biertischgarnituren zur Verfügung. Auch das Abfahren der sortierten Reststoffe nach der Veranstaltung übernimmt die Gemeinde. Wir als NABU-Gruppe organisieren alles und führen den Warentauschtag durch.

Wie haben sich die Teilnehmerzahlen entwickelt?
Das Interesse bei den Bürgerinnen und Bürgern ist enorm. Mit jedem Jahr kommen mehr Besucher, um ihre Waren anzubieten oder zu selbst etwas mitzunehmen. Bei unserem ersten Warentauschtag 2011 waren es 410 Besucherinnen und Besucher, in diesem Jahr 752 – das ist bisher Rekord.

Welche Dinge sind am beliebtesten? Kann man alles mitbringen?
Besonders beliebt sind einfache Gebrauchsgegenstände: von Geschirr über Vasen und Kochtöpfe findet sich alles auf den Tischen. Aber auch Wohnungsaccessoires wie Kerzenständer sind sehr beliebt. Darunter sind teilweise sehr hochwertige oder komplett neue Gegenstände. Zink-Bettflaschen, alte Stücke und alte Metallwaren sind für Sammler interessant. Außerdem gibt es auch eine breite Auswahl an Elektrogeräten, Sportartikeln, Spielzeugen, Bildern, Koffern, Taschen, Büchern, CDs oder Videos.

Natürlich gibt es auch Dinge, die beim Warentauschtag nicht angenommen werden und vor allem aus hygienishen Gründen aussortiert werden. Dazu gehören Kleidung, Bettwäsche oder Teppiche. Doch auch defekte Geräte, Röhrenmonitore, stark abgenutzte Ware oder Kriegsspielzeug werden abgelehnt. Der Warentauschtag soll nicht als Sperrmüll zweckentfremdet werden. Daher sind auch die Helferinnen und Helfer bei der „Eingangsprüfung“ so wichtig.

Ist das Bewusstsein für Umweltschutz unter den Teilnehmern verbreitet?
Wir erhalten viel positives Feedback. Die Teilnehmer sind froh darüber, dass ihre „alten Stücke“ nicht im Müll landen, sondern weiter verwendet werden.

Kritisch ist, dass sich beim Warentauschtag inzwischen auch „professionelle“ Flohmarktverkäufer versuchen, mit Ware einzudecken, um diese dann auf dem Flohmarkt weiterverkaufen. Wenn das sehr offensichtlich und aufdringlich ist, gehen wir dazwischen. Allgemein akzeptieren wir aber, dass das passieren kann, solange es geordnet abläuft. Unser wichtigstes Ziel ist ja die Wiederverwendung.

Was könnte andere NABU-Gruppen ermuntern, ebenfalls Warentauschtage bei sich durchzuführen? Gibt es Unterstützung im NABU-Netz?
Wir freuen uns, wenn andere NABU-Gruppen unserem Beispiel folgen und ebenfalls Warentauschtage durchführen. Zur Unterstützung haben wir bereits im Jahr 2012 einige Informationen zusammengestellt, die im NABU-Netz zu finden sind. Für registrierte Mitglieder stehen alle erforderlichen Unterlagen zum Download bereit, etwa eine Checkliste, Musterpressemitteilungen, Schilder oder Plakate.

Der Warentauschtag ist außerdem eine sehr gute Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad und das positive Image der örtlichen NABU-Gruppe zu steigern. Nicht umsonst haben wir bei einer Wesser-Werbeaktion zuletzt unsere Mitgliederzahl verdreifacht! Auch Spenden werden in geringerem Rahmen in die aufgestellten Spendenbüchsen gegeben.

Weitere Informationen: http://www.nabu-eriskirch-meckenbeuren.de/warentausch/
Info für Gruppen: http://www.nabu-netz.de/aktionen/warentauschtag.html


Zur Person

20130103_Norbert_SchuppNorbert Schupp, geboren 1958, ist ein Sprecher der NABU-Gruppe Eriskirch-Meckenbeuren und dort verantwortlich für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Mitglieder und Organisation. Der Umweltbeauftragte im Bereich Anlagenbau engagiert sich in seiner Freizeit nicht nur im NABU, sondern singt auch in einem Chor.

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