{"id":8235,"date":"2025-09-26T12:24:09","date_gmt":"2025-09-26T10:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/?p=8235"},"modified":"2025-09-26T12:24:09","modified_gmt":"2025-09-26T10:24:09","slug":"die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand\/","title":{"rendered":"Die Wattkartierung: Was lebt in Schlick und Sand?"},"content":{"rendered":"<p>An den meisten Tagen ist mein Blick von der Insel aus auf das weite Watt gerichtet. Ich beobachte die V\u00f6gel, die bei Ebbe zur Nahrungssuche auf die Wattfl\u00e4chen fliegen, oder schaue zu, wie die Flut diese langsam zur\u00fcckerobert. Doch nachdem die meisten Aufgaben auf der Insel erledigt sind, war ich f\u00fcr die j\u00e4hrliche Wattkartierung selbst in dieser unendlich scheinenden Landschaft unterwegs.<\/p>\n<p>Die Wattkartierung wird seit \u00fcber 30 Jahren durchgef\u00fchrt, hierbei werden an festgelegten Probepunkten biotische und abiotische Daten herhoben um den Zustand des gesamten \u00d6kosystems Wattenmeer zu dokumentieren. Die Probetransekte, bestehend aus 10-15 Probepunkten, liegen im ganzen Wattenmeer verteilt. Zwei Transekte davon befinden sich in der N\u00e4he von Trischen.<\/p>\n<p>Die Vorbereitung auf die Wattkartierung f\u00fchlt sich jedes Mal an, als wenn ich zu einer kleinen Expedition aufbreche. Statt Fernglas und Notizbuch packe ich Spaten, ein spezielles Sieb und eine gro\u00dfe Stechr\u00f6hre ein. Dazu kommen ein GPS-Ger\u00e4t zur Navigation und ein Ma\u00dfband, um die 1 m<sup>2<\/sup> gro\u00dfen Probefl\u00e4chen abzustecken, die untersucht werden sollen. All dieses Material \u00fcber das Watt zu schleppen, ist eine echte Herausforderung und schr\u00e4nkt die Bewegungsfreiheit ordentlich ein. Ich befestige was m\u00f6glich ist am Rucksack, in die linke Hand nehme ich den Spaten, unter den rechten Arm klemme ich die Stechr\u00f6hre und los geht\u00b4s!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_8250\" style=\"width: 950px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8250\" data-attachment-id=\"8250\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand\/photo_2025-09-25_12-07-07-3\/\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-07-2.jpg\" data-orig-size=\"1263,947\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"photo_2025-09-25_12-07-07\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Die Weite des Wattenmeers&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-07-2-300x225.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-07-2-1000x750.jpg\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-8250\" src=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-07-2-1000x750.jpg\" alt=\"\" width=\"940\" height=\"705\" \/><p id=\"caption-attachment-8250\" class=\"wp-caption-text\">Die Weite des Wattenmeers<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders t\u00fcckisch ist der Untergrund selbst, denn das Watt ist nicht einfach nur Schlamm: Es gibt festes Sandwatt, das haupts\u00e4chlch aus groben Sandk\u00f6rnern betseht und kaum unter den F\u00fc\u00dfen nachgibt und weiches Schlickwatt, in das man bei jedem Schritt einsinkt und die Fortbewegung sehr langsam und beschwehrlich macht. Man wei\u00df vorher nie genau, was einen erwartet. Erst der n\u00e4chste Schritt verr\u00e4t, ob der Boden tr\u00e4gt oder nachgibt. Ein st\u00e4ndiges Tasten und Abw\u00e4gen bis ich an meinem Zielpunkt angelangt bin.<\/p>\n<p>Es ist ungewohnt, die Insel nach so vielen Monaten von dieser Entfernung zu sehen, denn die Probepunkte, zu denen ich mit Hilfe des GPS-Ger\u00e4ts gelange, liegen bis zu 2 km von Trischen entfernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_8240\" style=\"width: 950px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8240\" data-attachment-id=\"8240\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand\/photo_2025-09-25_12-07-33\/\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-33.jpg\" data-orig-size=\"1280,960\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"photo_2025-09-25_12-07-33\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-33-300x225.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-33-1000x750.jpg\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8240 size-large\" src=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-07-33-1000x750.jpg\" alt=\"\" width=\"940\" height=\"705\" \/><p id=\"caption-attachment-8240\" class=\"wp-caption-text\">Die Vogelw\u00e4rter:innen-H\u00fctte ist nur noch ein kleiner Punkt am Horizont<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das GPS-Ger\u00e4t zeigt an: 0 m bis zum Probepunkt, ich bin angekommen. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Ich stecke den Quadratmeter mit dem Ma\u00dfband ab und inspiziere zun\u00e4chst die Oberfl\u00e4che: Welcher Watttyp liegt vor? Ist der Probepunkt von Wasser bedeckt und wie drick ist die Oxidationsschicht? Entdecke ich Strandschnecken auf der Oberfl\u00e4che? Sehe ich die sternf\u00f6rmigen Spuren der Pfeffermuschel oder den charakteristischen Haufen eines Wattwurms? Alles notiere ich mit schlickigen H\u00e4nden aber sorgf\u00e4ltig auf dem Datenblatt. Danach kommt die massive Stechr\u00f6hre zum Einsatz. Mit vollem K\u00f6rpergewicht dr\u00fccke ich sie 30 Zentimeter tief in den Boden, um eine exakte Probe zu entnehmen. Der spannendste Teil folgt aber erst danach: Direkt neben der Probestelle grabe ich mit dem Spaten ein tiefes Loch, bis es sich mit Sickerwasser f\u00fcllt. In diesem Wasser wasche ich nun den Inhalt der Probe durch das Sieb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_8237\" style=\"width: 950px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8237\" data-attachment-id=\"8237\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand\/photo_2025-09-25_12-08-23\/\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-23.jpg\" data-orig-size=\"1280,960\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"photo_2025-09-25_12-08-23\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Der Abgesteckte Probepunkt mit Stechr\u00f6hre.&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-23-300x225.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-23-1000x750.jpg\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8237 size-large\" src=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-23-1000x750.jpg\" alt=\"\" width=\"940\" height=\"705\" \/><p id=\"caption-attachment-8237\" class=\"wp-caption-text\">Das abgesteckte Probequadrat mit Stechr\u00f6hre und Arbeitsutensilien<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Langsam, Schicht f\u00fcr Schicht, sp\u00fclt das Wasser den Schlick davon und legt frei, was sonst im Verborgenen lebt. Pl\u00f6tzlich zeigen sich Herzmuscheln in unterschiedlichsten Gr\u00f6\u00dfen im Sieb, winzige Schneckenh\u00e4user der Wattschnecke tauchen auf und W\u00fcrmer ringeln sich im restlichen Sediment. Es ist eine faszinierende Welt im Miniaturformat. Jeder Fund wird sorgf\u00e4ltig gez\u00e4hlt und notiert. Nichts wird mitgenommen, alles bleibt vor Ort. Am Ende des Tages \u00fcbertrage ich die erhobenen Daten von dem, von Schlick und Salzwasser ganz wellig gewordenen Datenblatt, in eine Exceltabelle. Nachdem ich alle Punkte beprobt habe sende ich die Daten an die Schutzstation Wattenmeer, wo sie gesammelt werden um den Zustand des Wattenmeers zu dokumentieren und Ver\u00e4nderungen erkennen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"tiled-gallery type-rectangular tiled-gallery-unresized\" data-original-width=\"940\" data-carousel-extra='{&quot;blog_id&quot;:7,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/blogs.nabu.de\\\/trischen\\\/die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand\\\/&quot;,&quot;likes_blog_id&quot;:107410700}' itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageGallery\" > <div class=\"gallery-row\" style=\"width: 940px; height: 471px;\" data-original-width=\"940\" data-original-height=\"471\" > <div class=\"gallery-group images-1\" style=\"width: 627px; height: 471px;\" data-original-width=\"627\" data-original-height=\"471\" > <div class=\"tiled-gallery-item tiled-gallery-item-large\" itemprop=\"associatedMedia\" itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\"> <a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/die-wattkartierung-was-lebt-in-schlick-und-sand\/photo_2025-09-25_12-08-00\/\" border=\"0\" itemprop=\"url\"> <meta itemprop=\"width\" content=\"623\"> <meta itemprop=\"height\" content=\"467\"> <img data-attachment-id=\"8238\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-00.jpg\" data-orig-size=\"1280,960\" data-comments-opened=\"\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"photo_2025-09-25_12-08-00\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-00-300x225.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-00-1000x750.jpg\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2025\/09\/photo_2025-09-25_12-08-00.jpg?w=623&#038;h=467&#038;ssl=1\" width=\"623\" height=\"467\" data-original-width=\"623\" data-original-height=\"467\" itemprop=\"http:\/\/schema.org\/image\" title=\"photo_2025-09-25_12-08-00\" alt=\"Wattprobe vor dem Aussieben\" style=\"width: 623px; 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Aber wenn ich danach mit schlickverschmierter Kleidung und schmerzenden Armen zur\u00fcck auf die Insel komme und den Blick wieder \u00fcber das, nun von der Flut bedeckte Watt schweifen lasse, sehe ich es mit anderen Augen. Ich wei\u00df jetzt ein bisschen besser, welche Geheimnisse unter der dem Meereswasser verborgen sind und wie viel Leben in diesem scheinbaren Nichts pulsiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eure Naturschutzwartin 2025<br \/>\n<em>Mareike<\/em> <em>Espenschied<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- Begin Yuzo --><div class='yuzo_related_post style-1'  data-version='5.12.74'><!-- without result --><div class='yuzo_clearfixed yuzo__title yuzo__title'><h3>Related Post<\/h3><\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:145px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/seltener-gast-auf-trischen-gelbbrauen-laubsaenger\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 145px;height:145px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/trischen\/wp-content\/uploads\/sites\/7\/2019\/10\/Gelbbrauen-Laubs\u00e4nger_Trischen_2019_AdW-150x150.jpg') 50% 50% no-repeat;width: 145px;height:145px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; 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