Toter Basstölpel

Heute soll es um ein ernstes Thema gehen. Bislang habe ich über Müll am Strand meist mit einem kleinen Augenzwinkern berichtet. Aus einem bestimmten Grund: Um die Aufmerksamkeit auf das Thema Müll im Meer zu lenken und zum Nachdenken anzuregen. Denn es ist ein wichtiges Thema. Das verdeutlicht wieder einmal ein Fund der letzten Tage.

Im Spülsaum lag ein Basstölpel (Morus bassanus), der äußerlich völlig unversehrt war und erst vor kurzer Zeit gestorben sein kann. Um seinen Unterschnabel war ein Knäuel aus schwarzen Kunststofffasern gewickelt, dass sich nicht mehr lösen ließ. Schaut man sich den Schnabel aus der Nähe an, versteht man auch warum: auf den Schnabelrändern befinden sich nach hinten weisende Widerhaken, die eigentlich verhindern, dass gefangene Fische wieder aus dem Schnabel rutschen. Denn Basstölpel jagen auf See nach Fischen, indem sie aus großer Höhe senkrecht ins Wasser stoßen. Diese Seevögel kommen nur zum Brüten an Land, meistens Inseln mit steilen Felsen. Die nächste Kolonie befindet sich zum Beispiel auf Helgoland.

Mit dem Kunststoffknäuel, dass sich um Unterschnabel und Zunge verheddert hatte, konnte dieser Basstölpel vermutlich nicht mehr fressen und ist vermutlich verhungert. Teilweise verheddern sich Tiere auch so, dass sie stranguliert werden oder ertrinken. Doch Verheddern ist nur eine und sehr auffällige Art, wie Tiere durch Müll im Meer sterben. Auch Tiere, die äußerlich völlig intakt sind, können durch Plastikmüll gestorben sein, z. B. indem sie ihn als vermeintliche Beute verschluckt haben und sie bei vollem Magen verhungert sind, da Plastik nicht verdaut werden kann. Bei Vögeln betrifft dies oft noch größere Müllteile, z. B. Plastiktüten.

Noch unscheinbarer aber mindestens genauso bedeutsam sind Plastikteile, die so klein sind, dass sie mit bloßem Auge kaum oder gar nicht zu sehen sind: das sogenannte Mikroplastik. Auch dieses wird von vielen Tieren als vermeintliche Nahrung aufgenommen, angefangen beim Zooplankton, z. B. kleinen Garnelen, und reichert sich dann über die Nahrungskette an, bis es auch in großen Fischen, Vögeln, Robben und Walen angekommen ist. Doch verschlucktes Plastik kann nicht nur nicht verdaut werden und so zum Verhungern führen. Es kann auch zu inneren Verletzungen führen oder giftige Stoffe abgeben und so zum Tod führen.

Dies soll nur ein kleiner Abriss sein. In Wissenschaft, Natur- und Umweltschutzorganisationen ist das Problem schon lange bekannt und auch in Öffentlichkeit und Medien erlangt es seit einiger Zeit zunehmend die Aufmerksamkeit, die es verdient. Denn es ist noch viel zu tun.

Wenn Sie sich noch mehr zum Thema Müll im Meer informieren und selbst aktiv werden wollen, schauen Sie doch auf den folgenden Seiten vorbei:

Meere ohne Plastik

Coastal Clean Up Day

Weitere Literatur

Law, Kara Lavender (2016). Plastics in the Marine Environment. Annual Review of Marine Science 9:205-2029.

Tore

Naturschutzwart Trischen 2017