Trischen Beiträge

Zwergenauflauf

Liebe Blogleser:innen,

wie ich hier bereits berichtet habe, hat die Anzahl der Zwergseeschwalben auf Trischen nach der Kükenflut Anfang Juni deutlich zugenommen. Auf der Insel brüten etwa 80 Vögel, nach dem Hochwasser waren es dann doppelt so viele. Anfang Juli waren dann für einige Tage mehr als 100 Trauerseeschwalben auf der Insel, darunter auch bis zu drei Weißflügelseeschwalben. Und wenige Tage später haben dann auch die hier rastenden Brandseeschwalben die Hunderter-Marke geknackt. Von den Zwergseeschwalben halten sich mittlerweile mehr als 650 Vögel hier am Strand auf, eine ungewöhnlich hohe Zahl. Mein Kollege Kilian, der Vogelwart von Schahörn, berichtet gerade von 500 bei ihm anwesenden Trauerseeschwalben. Irgendetwas geht hier gerade vor sich, vermutlich hat es mit einer guten Nahrungsverfügbarkeit zu tun: Es könnten Massen von Stint und Hering sein, die aus der Elbe strömen.

Wie ja hier im Blog schon deutlich geworden ist, begeistert mich das Ablesen von Vogelringen sehr und der Schwarm der Zwergseeschwalben ist eine wahre Goldgrube. Leider sind die Vögel extrem scheu und unruhig, in den letzten Tagen habe ich aber Wege gefunden, mich nah an sie heranzuschleichen und ich konnte mit dem Ablesen beginnen. Der Anteil an beringten Vögeln ist wirklich beeindruckend, rote, grüne und weiße Ringe an gefühlt jedem zwanzigsten Bein. Aktuell bin ich bei fast 20 abgelesenen Individuen. Einer der Vögel kommt aus den Niederlanden, genauer gesagt von der Insel Vlieland am anderen Ende vom Wattenmeer, der Großteil kommt aus Polen und vier der Vögel stammen aus dem Naturschutzgebiet Bottsand an der Kieler Außenföhrde. Ich bin nun in engem Kontakt mit den Kollegen aus Dänemark und Schleswig-Holstein, die die Zwergseeschwalben beringen. Die Summe der hier anwesenden Vögel ist eine gute Gelegenheit, um mehr über die Art herauszufinden. Meine Vögel stammen scheinbar größtenteils von der Ostsee, sie scheinen Schleswig-Holstein über die Schlei und dann die Trene-Sorge Niederung zu überqueren und dann hier zu landen. Die Zwergseeschwalben aus allen Teilen Dänemarks hingegen halten sich gerade eher weiter nördlich auf, beispielsweise auf Rømø. Ablesungen von Zwergseeschalben hier in Dithmarschen sind bisher recht rar, es motiviert mich sehr, hier einen Beitrag zur Forschung leisten zu können. Die Stunden um Hochwasser verbringe ich gerade immer damit, über den Strand zu schleichen oder in der Düne zu hocken, um so nah wie möglich an die kleinen Seeschwalben heranzukommen und immer mehr Ringe abzulesen.

Zwergseeschwalbe YE5 vom NSG Bottsand

Dabei gab es auch schon guten Beifang. Sechs abgelesene Alpenstrandläufer und ein Steinwälzer, farbberingte Sichelstrandläufer und Knutts und einfach herrliche Szenen von großen Massen an Limikolen auf dem Strand. Der Herbstzug bahnt sich an und mit ihm meine Vorfreude auf tolle Beobachtungen. Unter den am Strand rastenden Vögeln konnte ich auch zwei Seltenheiten ausmachen. Gestern saß direkt vor der Hütte am Strand zwischen den Alpenstrandläufern ein Sumpfläufer, eine seltene Limikole aus Skandinavien. Und vorgestern sah ich das absolute Highlight und meine bisher wohl seltenste Art hier auf Trischen: einen Terekwasserläufer! Er zeigte sich für ca. fünf Minuten unter tausenden rastenden Vögeln und flog dann ab.

Terekwasserläufer

Auch wenn gerade vom Wetter her erst der Sommer kommt, ich bin bereit für den Herbst mit seinen tausenden Gästen!

Viele Grüße

Jakob

Die Schatzinsel

Moin liebe Blogleser:innen,

die Hälfte meiner Zeit auf Trischen ist schon fast vorbei, das nehme ich mir heute zum Anlass, um zu berichten was es am Strand zu finden gab. Neben unerfreulichen Funden wie verschiedenstem Müll und Kadavern gab es nämlich schon den ein oder anderen schönen Fund, und bei meinen Gängen am Strand entlang achte ich immer darauf, was im Spülsaum liegt. Oft werde ich belohnt. Ein Klassiker unter den Strandfunden ist der Bernstein. Jeder Fund freut mich aufs neue, das fossile Harz kommt in unterschiedlichsten Farben und Größen hier an. Die Bandbreite reicht von winzigen Krümeln bis zu tennisballgroßen Brocken. Die meisten Bernsteinfunde machte ich zu Beginn der Saison, über den Winter hatte sich wohl einiges angesammelt. Es kommt aber immer noch Bernstein an und es lohnt sich immer mal wieder, danach zu suchen.

Bisher gefundener Bernstein

Ein Fund der mich ebenfalls sehr gefreut hat, war eine Münze, 5 Rentenpfennig, 1924 geprägt. Trischen war nicht immer so einsam wie heute. 1925 wurden auf der Insel 78 ha Land eingedeicht, der Trischenkoog entstand. Hier wurde Landwirtschaft betrieben, mit Anbau von Roggen, Weizen, Hackfrüchten und Klee, daneben gab es Viehwirtschaft. Auf dem Luisenhof lebten die Menschen, die das Land bestellten. Zwischenzeitig gab es hier auch eine Künstler:innenkolonie, verschiedene Romane wurden auf der Insel geschrieben. Nach einer schweren Sturmflut 1936 wurden die Küstenschutzmaßnahmen eingestellt, nach verschiedenen Deichbrüchen und Überflutungen wurde die Landwirtschaft dann 1943 aufgegeben. 1946 und 1947 lebte noch eine Familie mit ihren Schafen auf Trischen, danach war die Insel sich selbst überlassen. Heute sieht man noch verschiedene Zeugnisse aus dieser Zeit, dazu zählen viele Backsteine vom Luisenhof, Lahnungen und Grüppenfelder vom Koog. Bei der Suche nach Gelegen der Austernfischer habe ich die Münze gefunden, die wahrscheinlich von damals stammt.

Womit ich mehr gerechnet hatte, ist Flaschenpost, hiervon habe ich bisher nur eine gefunden. Es war ein sehr bewegender Abschiedsbrief. Ich hatte mir vor der Abreise viele Postkarten und Briefmarken besorgt, um eventuell ankommende Flaschenpost zu beantworten. Über die Sommermonate dürfte die Post jetzt zunehmen. Außerdem erwähnenswert sind noch ein Surfbrett, Wrackteile eines alten Holzschiffes, ein Fünfmarkstück, 1959 geprägt und der Ring einer Brieftaube. Die Beute aus der ersten Hälfte meines Aufenthaltes ist schon nicht schlecht, ich bin gespannt, was meine „Schatzinsel“ in der zweiten Hälfte meiner Zeit hier abwirft.

Viele Grüße,

Jakob

Trischen International Teil 2

Moin liebe Blogleser:innen,

heute geht es mal wieder um Vogelringe. Ein Teil meiner Arbeit besteht im Ablesen bereits beringter Vögel (LINK). Diese Tätigkeit ist in den letzten Wochen zu meiner Lieblingsbeschäftigung und zu einem Nebenprojekt geworden. Ich war nicht untätig und stehe schon bei über 500 Ablesungen.

Hier auf der Insel werden bald die Löffler, Silber- und Heringsmöwen beringt, ich freue mich sehr darauf. 2014 war ich während meines FÖJs in Friedrichskoog bei der Löfflerberingung auf Trischen dabei, ein tolles Erlebnis. Mit drei der Vögel, die ich damals als Küken sehen und vielleicht auch einfangen durfte, gab es jetzt nach zehn Jahren ein Wiedersehen an ihrem Schlupfort. Ich konnte ihre Ringcodes in den letzten Tagen ablesen.

Neue Vögel aus Norddeutschland waren auch dabei. Der Löffler ist noch relativ frisch als Brutvogel im Wattenmeer, seit 2000 brütet er in Schleswig-Holstein und außerdem auf mittlweile sieben Inseln und Halligen. Ich hatte vor kurzem einen Löffler von Hallig Oland, einer von Hallig Südfall war auch schon vertreten. Die Kolonien hier an der Westküste tauschen sich also aus. Eine der hier brütenden Silbermöwen stammt weit aus dem Nordosten, von Hiddensee. Eine weitere kommt von der Hallig Nordstrandischmoor, außerdem ist eine Silbermöwe aus Schleswig immer wieder vor meiner Kamerafalle herumgelaufen. Der Sandregenpfeifer, über den ich bereits berichtet hatte, hat übrigens wieder auf Trischen gebrütet, sein Gelege lag unweit der Hütte unter einem Plastikeimer.

Silbermöwe H40W – treuer Gast vor der Kamerafalle

Und jetzt wird es wieder international: Zu den internationalen Gästen kam ein Alpenstrandläufer, der in Wales beringt wurde hinzu, eine Heringsmöwe die aus der Nähe von Rotterdam stammt, Löffler vom Ijsselmeer, von Schiermonnikoog und Terschelling und zwei besonders tolle Sanderlinge: Der eine der beiden wurde 2017 in Hampshire, genauer am Strand von Mengham beringt. Dort blieb er den Winter über, wurde noch einige Male abgelesen und dann im April 2018 von Jonas Kotlarz, einem meiner Vorgänger, hier auf Trischen am Südstrand wiederentdeckt. Dort blieb er für mindestens drei Tage, um dann im August wieder in Hampshire aufzutauchen. Seither wird er jährlich im Süden von England beobachtet. Wieder im April, allerdings sechs Jahre später, saß der Vogel plötzlich wieder vor dem Vogelwart von Trischen, und zwar wieder am Südstrand. Ich habe mich riesig gefreut, einen Sanderling zu finden, der ein Stammgast auf Trischen zu sein scheint. Zwei Wochen später konnte ich ihn noch einmal beobachten.

Gestern war ich für die Springtidenzählung an der Südspitze unterwegs, hier rasten zu Hochwasser immer viele Arten von Watvögeln. Beim Zählen fielen mir die bunten Beine an einem hin- und herrennenden Sanderling auf –  ein beringter Vogel! Ich konnte Fotos durch mein Spektiv machen und so den Code ablesen. Kaum eingetragen auf der Meldeplattform kam auch das Ergebnis: Der Vogel wurde 2020 im Osten Grönlands beringt. Ich musste sofort an meinen Freund Benoît aus dem Elsass denken, wir zählen jeden Winter gemeinsam die Wasservögel am Rhein und Benoît reist jährlich für Forschungseinsätze nach Grönland. Ich schrieb ihm also eine Mail, dass ich einen grönlandischen Vogel entdeckt hatte und heute kam direkt die Antwort: Mit zwei Kollegen hat er seit 2010 an die 1.400 Sanderlinge im Nordosten Grönlands beringt. Ich habe also einen Vogel gesehen, den ein Bekannter von mir vermutlich schon in den Händen hatte, allerdings 2.650 km entfernt. Wie klein die Welt doch ist.

Die Herkunft des Sanderlings

In den nächsten Wochen werden die Zugvögel weniger, sie sind in ihren Brutgebieten im hohen Norden eingetroffen. Ich muss mich mit dem Ablesen der hier ansässigen Vögel begnügen. Aber ich freue mich jetzt schon sehr auf die Rückkehr der nordischen Zugvögel, die dann zahlreich und hoffentlich mit vielen Ringen an den Beinen wieder hier auftauchen werden.

Viele Grüße,

Jakob

Ungebetene Gäste Teil 2

Moin liebe Blogleser:innen,

leider war die Geschichte mit den Nagern auf Trischen nach dem Fund der Spuren am Strand doch noch nicht vorbei. Einige Tage später fand ich Bauten im Treibsel auf der Südspitze. Diese sahen dann doch verdächtig nach Wanderratten aus, und die Lage wurde wieder brisant. Das Nationalparkteam reagierte sofort und lieferte mir zwei Kamerafallen über meine nächste Versorgungsfahrt. Diese stellte ich an den Eingängen der Bauten auf und schnell zeigte sich ein erstes Ergebnis: In der Nacht kam eine große Wanderratte aus dem Bau. Nun war klar, dass auf Trischen eine akute Bedrohungslage herrschte. Es bestand dringender Handlungsbedarf, um die gerade mit dem Brüten beginnenden Vögel zu schützen. Die Wanderratte ist eine invasive Art und in Deutschland nicht heimisch. Sie stellt weltweit eine der größten Gefahren für Seevögel auf Inseln dar. Die Populationen der Wanderratte in Norddeutschland wachsen, sie besiedelt mittlerweile viele Inseln und Halligen im Wattenmeer.

Die wohl erste und hoffentlich letzte Wanderratte auf Trischen

In den nächsten Tagen behielt ich die Ergebnisse der Kamerafallen im Auge, suchte verstärkt nach Spuren im Sand und nach weiteren Bauten. Die Rattenaktivität konzentrierte sich auf einen kleinen Bereich auf der Südspitze, mit wenigen Ausnahmen von Spuren am Weststrand der Insel. Auf den Kamerafotos war ausschließlich eine männliche Ratte zu sehen, ich fand insgesamt fünf Baueingänge. Die Chancen standen gut, dass sich nur eine einzelne Ratte auf der Insel aufhielt. Sicherheit bestand jedoch nicht. Die Rattensuche wurde intensiviert, um auszuschließen, dass sich eine möglicherweise vorhandene Population durch das zunehmende Nahrungsangebot mit Küken und Eiern noch weiter vermehren konnte. Als nächster Schritt wurden Fallen und ein Nachtsichtgerät auf die Insel gebracht. Nun galt es, tagsüber die Fallen zu kontrollieren und nachts mit dem Nachtsichtgerät nach der Ratte zu suchen. Und tatsächlich: In meiner ersten Nachtschicht konnte ich eine Ratte in wenigen Metern Entfernung in der Düne beobachten. Nach einem kurzen Anblick war sie aber verschwunden. Leider blieben die Fallen leer, auch in den kommenden Tagen, weshalb verschärfte Maßnahmen notwendig wurden.

Die Baueingänge der Ratte

Ich bekam in Abstimmung mit der Nationalparkverwaltung Besuch und professionelle Unterstützung durch zwei spezialisierte Biologen, die mit dem Versorgungsschiff anreisten und mir für drei Nächte Gesellschaft auf der Insel leisteten. Am dritten Tag fanden wir einen frischen Rattenbau. Innen bot sich ein erschreckendes Bild: Im verzweigten Bau der Ratte fanden sich diverse Depotkammern mit Beute: ein Kiebitzregenpfeifer, ein Knutt, drei Steinwälzer, ca. zehn Alpenstrandläufer, diverse Singvögel und weitere Überreste von Vögeln, zudem sieben Eier von Silber-/Heringsmöwen. Ein Möwenei dieser Arten wiegt etwa 92 Gramm, ein Hühnerei zum Vergleich etwa 45 Gramm. Wanderratten sind also ziemlich kräftig und können große Beute machen. Wohlgemerkt ist diese Masse an Beute einer einzigen Ratte zuzurechnen. Eindrücke davon, welche Schäden die Säuger bei Brutvögeln anrichten können, findet ihr in folgenden Videos: LINK; LINK. Kurz vor Abreise meiner Kollegen konnte die Ratte entnommen werden. Unser Eindruck war weiterhin, dass es sich um die einzige Ratte auf der Insel handelte. Damit ist Trischen jetzt vermeintlich wieder rattenfrei, ein Glück!

Die Fallen sind abgebaut, meine Sonder-Nachtschichten sind vorbei und die Vögel haben wieder ihre Ruhe. Zu den bisherigen Aufgaben als Vogelwart ist für mich und für meine Nachfolger:innen nunmehr wichtig, noch intensiver nach Spuren der Nager Ausschau zu halten und auf Bauten zu achten. Wir bleiben hier wachsam und gegebenenfalls muss wieder reagiert werden, damit Trischen der sichere Brutplatz bleibt, der er ist.

Viele Grüße,

Jakob

Vogelrennen 2024

Moin liebe Blogleser:innen,

gestern war es endlich wieder so weit, der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) hat das jährlich stattfinde Birdrace, den Tag der Vogelartenvielfalt, ausgerichtet. In ganz Deutschland gingen Teams an den Start, um zu versuchen, innerhalb von 24 Stunden so viele Vogelarten wie möglich zu beobachten. Dabei sind die Teams meist in einem Landkreis unterwegs, manche mit dem Auto, viele mit dem Rad und einige auch zu Fuß. Die letzten acht Jahre war ich mit meinem Team in Freiburg und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald unterwegs, um Auerhuhn und Ringdrossel im Schwarzwald, Bienenfresser und Wiedehopf am Kaiserstuhl zu suchen. Dieses Jahr war jetzt alles etwas anders. Seit Corona ist es möglich, die Ergebnisse als virtuelles Team zusammenzuzählen und dieses Jahr haben wir diese Gelegenheit genutzt. Mareike und David waren am dithmarscher Festland unterwegs, Hannah in unserer Heimat im Süden und ich hier auf Trischen.

Der Start an der Hütte

Am Vortag konnte ich schon gegen 21 Uhr schlafen, so ausgeschlafen war ich noch nie bei einem Birdrace. Um 5:30 Uhr ging es dann los auf Trischen, da hatte mein Team am Festland schon die ersten 14 Arten beobachtet. Den Start bei mir machten Singdrossel und Fitis, beide nicht alltäglich hier, aber auch nicht allzu selten. Die üblichen Brut- und Rastvögel kamen schnell zusammen und eine Stunde später waren wir als Team schon bei 50 Arten. Auf Trischen wurde es dann aber recht schnell ruhig, die Standardarten waren abgehakt, Ausnahmen blieben aus und das Lockgebüsch sehr leer. Ich fing langsam an mir Sorgen zu machen. Dann aber eine Überraschung, aus der Hütte heraus hörte ich eine singende Türkentaube, die eine Weile auf dem Dach saß, das war ein kleiner Energieschub. Für mich war es Zeit die Hütte zu verlassen, ich habe mein Glück in der Salzwiese versucht, um Rohrammer, Bekassine oder andere, schwerer zu findende Arten zu suchen, leider ohne Erolg. Deshalb machte ich mich auf zur Südspitze, das Hochwasser stand an. Leider blieb der Wasserstand sehr niedrig, dadurch hielten sich nur wenige Watvögel am Hochwasserrastplatz auf. Also war für mich Rückzug angesagt, auf dem Weg sah ich immerhin einen Merlin. Das Wetter war herrlich, also nutzte ich den Mittag, um an der Hütte zu sitzen, auf ziehende Greifvögel zu warten und die Sonne zu genießen. Nach drei Stunden wurde das Warten mit einer durchziehenden Kornweihe belohnt. Dann kam Axel auf eine kurze Stippvisite vorbei, um mir Wasser, Post und Lebensmittel zu liefern. Im Watt um das Boot gab es dann die ersten Knutts, Dunkelwasserläufer und Rauchschwalben des Tages. Ich wechselte zur Nordspitze, um die Mantelmöwe abzuhaken. Beim Absuchen des spiegelglatten Wassers bot sich dann ein ungefiedertes Highlight: meine erste Schweinswal-Sichtung dieses Jahr! Das Tier ließ sich in einiger Distanz vor dem Weststrand immer mal wieder beim Auf- und Abtauchen beobachten. Danach ist nicht mehr viel passiert, zwei Brandseeschwalben patroullierten noch den Strand, zwei Graureiher landeten in der Salzwiese der Ostspitze und ein Flussuferläufer rief in der Dämmerung aus der Südostbucht. Um 21:30 Uhr war dann Feierabend.

 

Am Ende stand ich bei 46 Arten, kein schlechtes Ergebnis für Trischen, ich bin zufrieden. Als Team konnten wir 149 Arten beobachten, das ist auch ein gutes Ergebnis! So ganz alleine am Birdrace teilzunehmen war eine neue Erfahrung für mich, meine Teamkolleg:innen haben mir gefehlt. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang draußen zu sein und zu Vögel zu beobachten, macht großen Spaß, kann aber auch sehr müde machen. Da ist es gut, in motivierender Gesellschaft zu sein. Außerdem sieht und hört man als Team mehr. Ich war den Tag über immer wieder telefonisch und per Chat in Kontakt mit meinem Team. Wir haben uns über neue Sichtungen ausgetauscht und so unsere Erlebnisse geteilt und die Motivation hoch gehalten.

Außerdem hatte ich viel Kontakt mit Kilian, dem Vogelwart von Scharhörn, der Insel hier nebenan. Er hat auch am Birdrace teilgenommen und wir haben immer mal wieder versucht, uns ziehende Vögel anzusagen. Zwei Höckerschwäne, die er und sein Team auf Scharhörn sehen konnten, kamen wenig später tatsächlich auf Trischen an, rasteten in der Bucht und bereicherten meine Artenliste.

Warten auf die Kornweihe

So war es ein schöner Tag auf Trischen und ein spannendes Birdrace! Einige der Arten, die ich gestern auf meine Liste schreiben durfte, werde ich wohl nicht noch einmal bei einem Birdrace sehen. Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr und empfehle allen, die Spaß an der Vogelbeobachtung haben, einmal selbst am Birdrace teilzunehmen!

Viele Grüße von Trischen

Jakob