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Hans Albert und Tine bei Madrid

Hans Albert und Tini befinden sich immer noch bei Madrid. Sie sind wohlauf. Insofern ist alles wie in den Jahren zuvor. Die Mülldeponie bei Vaciamadrid ist das Überwinterungsgebiet für unsere Störche. Doch bei genauerer Betrachtung gibt es einige Veränderungen im Verhalten unserer Störche. Bisher hielten sie sich vor allem auf der Mülldeponie direkt bei Vaciamadrid auf. Vor allem hier finden sie ihre Nahrung. Daneben rasteten sie am Ufer und auf den Feldern des Manzanares.

Doch in diesem Jahr kann man einige Veränderungen feststellen. Die eigentliche Mülldeponie wird nicht mehr so stark aufgesucht. Jetzt sind die Störche viel häufiger etwa 7,5 Kilometer weiter südlich zu finden. In der Nähe des Ortes Pinto liegt eine Anlage, die aus dem Biomüll Kompost und Biogas produziert. Daneben ist eine Deponie, auf der sich die Störche derzeit bevorzugt aufhalten. Es ist nicht zu erkennen, welche Art von Müll dort abgeladen wird. Ist es vielleicht ein Zwischenlager für Biomüll?

Die Schlafplätze unserer beiden Senderstörche bfinden sich entweder in einem nahe gelegenen Gewerbegebiet oder auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage weiter nördlich. In Spanien scheint sich einiges bezüglich der Müllbehandlung zu tun und der Müll im geringeren Umfang auf Deponien abgelagert.

Keine Meldung von Joe

Von Joe haben wir immer noch keine Meldung erhalten, seit er am 20. August den Nil verlassen hatte. Ich vermute, dass er sich im gleichen Gebiet wie Gustav und Eva aufhält, nur dass sein Sender kein Netz hat, um die Daten zu übertragen. Wir müssen abwarten!

Eine Meldung von Gustav

Der Sender von Gustav hat sich mal wieder gemeldet. Auch er scheint sein erstes Rastgebiet gefunden zu haben. Die wenigen Ortung von ihm kamen aus dem Tschad nahe der Grenze zum Sudan. Sie liegen etwa 100 Kilometer südöstlich vom Rastgebiet seiner Partnerin Eva.

Eva im Tschad angekommen

Bei Eva gab es am Montag (20. Sept.) wieder eine Meldung. Sie hatte zehn Tage zuvor am 10. Sept. südlich des Ennedi-Massivs den Tschad erreicht. Hier in der Region Wadi Fira beginnt die Savanne und eigentlich ist es hier sehr trocken. In den meisten Jahren machen die Störche erst einige hundert Kilometer weiter südlich ihre erste längere Rast. Doch in dieser Regenzeit scheint der Regen weit nach Norden vorangekommen zu sein, so dass es hier auch sehr grün geworden ist. Und wo es grün ist gibt es viele Insekten für unsere Störche. Die Gegend ist nur dünn besiedelt, so dass es nur ein lückiges Mobilfunknetz gibt. So herrscht nach dieser Meldung erst einmal wieder „Funkstille“ bei Eva.

Hans Albert und Tini bei Vaciamadrid

Hans Albert und Tini haben die Gegend von Vaciamadrid erreicht. Tini nahm den direkten Weg von Norden und erreichte Vaciamadrid am Donnerstag (9. Sept.).

Hans Albert hatte sich zunächst „verflogen“. Er bog am Montag (6. Sept.) gut 150 Kilometer nördlich von Madrid nach Westen ab und flog etwa 100 Kilometer entlang der Sierra de Guadarrama. Dieser Gebirgszug ist ein Teil des Iberischen Scheidegebirges mit Bergen von über 2000 Meter Höhe, dass sich bis nach Portugal zieht. Offenbar wollte er die Berge überqueren, um auf den direkten Weg nach Madrid zu fliegen. Das ist ihm offensichtlich nicht gelungen, so dass er sich am Dienstag (7. Sept.) auf den Rückweg machte. Auf diese Weise erreichte Hans Albert am Mittwoch (8. Sept.) Vaciamadrid.

Eva überquert die Sahara

Die letzte Ortung von Eva am Westufer des Assuanstausees stammt vom Mittwoch (8. Sept.). Seitdem gibt es keine neuen Informationen mehr von ihr. Die ziehenden Störche überqueren von hier aus die Sahara in Richtung Südwesten. Dann landen sie nach gut 1400 Kilometern im Tschad am Rande der Sahara. Oder sie ziehen entlang des Nil direkt nach Süden. Da es am Nil meist ein gutes Mobilfunknetz gibt, würden wir in diesem Falle von Zeit zu Zeit neue Ortungen von ihr bekommen. Ich vermute, dass sie die südwestliche Route gewählt hat. So heißt es für uns erst einmal Geduld zu haben und zu warten.

Auch Joe wird diesen Weg genommen haben. Er müsste sich eigentlich längst gemeldet haben. Was kann geschehen sein? Die Welternährungsorganisation berichtet über die abgelaufene Regenzeit im Sahel, dass die Regenfront in diesem Jahr wieder weiter als gewöhnlich nach Norden gezogen ist, so dass es auch entlang der Sahara derzeit recht grün ist. So dürften Joe und Eva gleich südlich der Wüste gute Nahrungsressourcen vorfinden. Allerdings gibt es hier offenbar kein Moiblfunknetz, so dass wir keine Ortungen zugeschickt bekommen. Schon im vergangen Jahr hielten sich einige unserer Senderstörche eine längere Zeit südlich des Ennedi Massivs auf. Hier vermute ich jetzt auch Joe und Eva.

Eva hat den Nil erreicht

Nachdem Eva am Samstag (4. Sept.) den Golf von Iskenderum überquert hatte, flog sie noch etwa 230 Kilometer weit, um am Abend in Syrien zu übernachten. Am nächsten Abend landete sie nach gut 300 Kilometern am Jordan und schon am Montagabend war sie auf der Sinaihalbinsel. Dienstagmorgen gegen 10 Uhr überquerte sie bei El Tor den Golf von Suez. Für die gut 34 Kilometer breite Wasserfläche brauchte sie weniger als eine Stunde. Am Abend war sie schon am Nil in der Nähe von Luxor. Hier schlief sie in der Wüste, ohne dass sie zuvor in der Niloase nach Futter gesucht hatte. Dann ging es gestern weiter zum Assuanstausee.

Hans Albert lässt sich Zeit

Hans Albert hatte gestern (8. Sept.) noch gut 130 Kilometer nach Madrid zurückzulegen. Er lässt es in den letzten Tagen etwas gemächlicher angehen.

Tini in Richtung Madrid

Nachdem Tini die Nacht von Sonntag auf Montag (6. Sept.)  nahe der Pyrenäen bei Bayonne verbracht hatte, startete sie gegen 10 Uhr. Zunächst flog parallel zur Küste in Richtung Westen. Dann bog sie nach Süden Richtung Pamplona ab und überquerte endgültig die Berge. Nahe Pamplona verbrachte sie die Nacht. Am nächsten Morgen flog sie nur etwa 70 Kilometer weit in die Gegend von Alfaro. Heute Morgen befand sie sich nur gut 40 Kilometer von Madrid entfernt.

Anmerkungen zum Storchenzug

In den Kommentaren gab es mehrere Fragen zum Zugverhalten der Störche. Das Zugverhalten ist den Störchen angeboren. Da die Jungstörche zumeist zwei Wochen früher als ihre Eltern losziehen können sie die Route nicht von ihnen erlernen. Die Jungen „wissen“ aber dass sie nach Süden ziehen müssen. Dann Treffen sie auf Weißstörche die bereits unterwegs sind, z. B. weil sie nicht gebrütet haben oder ihre Brut verloren haben. In einer solchen Gemeinschaft gelangen sie in ihre Winterquartiere im Westen oder im Osten und „erlenernen“ den genauen Zugweg. In Deutschland brüten west- wie ostziehende Störche. Deshalb kann es vorkommen, dass der Nachwuchs von ostziehenden Eltern auf die Westroute gelangt und umgekehrt.

Bei Altstörchen ist der Zugweg festgelegt. Dennoch kann es wie im Falle von Eva passieren, dass ein ostziehender Storch zunächst in einer Gruppe von Westziehern ein kleines Stück auf der „falschen“ Route mitzieht. Nach kurzer Strecke wechseln sie die Richtung und sie fliegen in ihre „richtige“ Zugrichtung.

Weißstörche ziehen meist in Gruppen, die aus einigen hundert Individuen bestehen können. An den sog. Flaschenhälsen ihrer Zugroute, wie am Bosporus, an der Straße von Gibraltar oder in Israel können diese Trupps einige zehntausend Individuen stark sein.