Antwort auf den ZDF-Bericht „Rotmilan gegen Windkraft – Das Märchen vom bedrohten Greifvogel”

Antwort auf den ZDF-Bericht „Rotmilan gegen Windkraft – Das Märchen vom bedrohten Greifvogel”

Am 22. Februar 2022 veröffentlichte das ZDF in seinem Magazin „Frontal 21“ einen Beitrag zum Ausbau der Windenergie und der möglichen Gefährdung für den Rotmilan. Dieser und der dazugehörige Online-Artikel wurden in den sozialen Medien intensiv diskutiert.

In dem Beitrag werden erste Zwischenergebnisse des europäischen Forschungsprojektes LIFE EUROKITE vorgestellt. Übertragen auf die Gefährdungssituation der Rotmilane durch Windenergieanlagen in Deutschland kommt der Bericht zu dem Schluss, dass der Ausbau der Windenergie keine negativen Auswirkungen auf die Rotmilan-Population habe. Der Bestand sei stabil, so dass die Rücksichtnahme auf Belange des Rotmilan-Schutzes beim Windenergieausbau unbegründet sei. Diese Darstellung ist so nicht zutreffend, denn sie basiert auf einer unwissenschaftlichen Interpretation vorläufiger Forschungsdaten des LIFE EUROKITE-Vorhabens.  

Was untersucht das Forschungsprojekt LIFE EUROKITE? 

Das europäische Projekt LIFE EUROKITE untersucht die verschiedenen, vom Menschen ausgehenden Todesursachen, von denen Greifvögel betroffen sind. Dazu gehören illegale Verfolgung, Vergiftung, Kollision mit Straßen- und Schienenverkehr, aber auch Windparks und Stromleitungen. Dafür wurden und werden in den nächsten Jahren in 40 Projektgebieten in insgesamt zwölf  Ländern unter anderem 1.300 Rotmilane mit GPS-Sendern ausgestattet und nachverfolgt. Kommen die besenderten Vögel zu Tode, werden die Kadaver eingesammelt und obduziert. So sollen die Todesursachen identifiziert und quantifiziert und Maßnahmen abgeleitet werden, wie diese verringert werden können. 

Bislang gibt es dazu noch keine veröffentlichten Zwischenergebnisse oder Ergebnisse. Ihre Datengrundlage haben die Forschenden in einer Pressemitteilung umfangreich erläutert. Danach wurden in einer ersten Zusammenfassung vom 10. November 2021 die Todesursache von 426 Rotmilanen analysiert. Für 130 weitere Tiere konnte sie noch nicht ermittelt werden. Die Vögel wurden dabei nicht nur in Deutschland gefunden. Karten auf der Seite des Projektes liefern Aufschluss auf die verschiedenen Fundorte.  

Wie sehen die Zwischenergebnisse aus dem LIFE EUROKITE Projekte aus und wie sind diese einzuordnen? 

Zu den häufigsten Todesursachen der gefundenen und analysierten Rotmilane gehören – in dieser Reihenfolge in dem Frontal 21  – Bericht dargestellt: 1. Fressfeinde, 2. Vergiftung, 3. Straßenverkehr, 4. Stromleitungen, 5. Abschuss, 6. Schienenverkehr und 7. Windenergie. Windenergie als Todesursache falle unter „ferner liefen“, heißt es im Beitrag. Wo genau die Tiere sterben und ob es Zusammenhänge zwischen Todesart und Todesort gibt, lässt der Bericht aus. Er macht auch keine Angaben darüber, wie häufig Rotmilane an Windenergieanlagen zu Tode kommen. 

In ihrer Pressemitteilung merken die Forschenden an, dass die im Rahmen eines europäischen Projektes gemachten Funde und Rankings möglicher Todesursachen nicht eins zu eins auf die Situation in Deutschland übertragen werden können. So kommen beispielsweise Vergiftungen, illegale Abschüsse oder Stromschläge an Elektroleitungen in Deutschland im Vergleich seltener vor als in einigen anderen Untersuchungsländern.  

In dem Projekt wurden zudem vor allem Jungvögel besendert. Das bedeutet auch, dass im Rahmen der Untersuchung Jungvögel bisher überproportional vertreten sind. Es ist davon auszugehen, dass sich die Mortalitätsgründe mit zunehmendem Alter der besenderten Rotmilane nochmals verschieben werden. Schließlich müsste für Aussagen über einen möglichen Einfluss der verschiedenen Todesursachen für den Rotmilan noch dargestellt werden, ob und inwiefern es sich bei den besenderten Tieren um eine repräsentative Stichprobe der Rotmilanpopulation in Deutschland handelt. Anders gesagt muss die Frage beantwortet werden, ob aufgrund der Ergebnisse aus dem europäischen Projekt auf die Rotmilanpopulation in Deutschland Rückschlüsse geführt werden können. Diese und weitere Fragen gilt es in einer fundierten wissenschaftlichen Analyse der Ergebnisse zu beantworten und darzustellen. Das Forschungsteam hat solch eine Analyse für Ende des Jahres 2022 angekündigt. Eine Übertragung der bisher bekannten Zwischenergebnisse auf die Situation in Deutschland ist bis dahin jedoch nicht möglich. 

Darauf, dass solche Rückschlüsse, wie sie in dem ZDF-Beitrag gemacht werden, zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich sind, verweisen auch die Verantwortlichen des LIFE EUOKITE Projektes in ihrer Pressemitteilung. 

Selten aber dennoch gefährlich – die Kollision mit Windrädern 

In dem ZDF-Beitrag wird mehrfach darauf hingewiesen, dass die Kollision eines Rotmilans mit einer Windenergieanlage insgesamt ein seltenes Ereignis darstelle. Auch wenn das seit längerem bekannt ist, die Gefahr bleibt bestehen. Die Vogelschutzwarte Brandenburg führt eine Schlagopferkartei mit Vögeln, die an Windenergieanlagen zu Tode gekommen sind. Hierbei handelt es sich nicht um eine systematische Schlagopfersuche, sondern um Zufallsfunde. Damit ist davon auszugehen, dass viele Vögel gar nicht erst gefunden und eingetragen werden – die Dunkelziffer also deutlich höher liegt. Die Datei listet (Stand 23.02.2022) 637 getötete Rotmilane in Deutschland auf. Höhere Schlagopferzahlen gibt es nur beim Mäusebussard mit 685 getöteten und in die Datenbank eingetragenen Exemplaren. Die Schlagopferzahlen liegen bei beiden Populationen nah beieinander. Im Vergleich dazu ein Blick auf die Populationsgröße der jeweiligen Arten:  Die Population des Rotmilans umfasst 14.000 – 16.000 Brutpaare in Deutschland – der Mäusebussard schafft es im Vergleich dazu auf 68.000-115.000 Brutpaare.  

In Deutschland leben circa 60 Prozent des Weltbestandes des Rotmilans. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung – besonders wenn zusätzlich zu den vom Menschen ausgehenden Todesursachen mit dem Ausbau der Windenergie eine weitere Gefahrenquelle hinzukommt.

Rotmilan vor Windkraftanlage, Foto: Margaret Bunzel-Drüke

Ob eine Windenergieanlage für einen Rotmilan zum Problem wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem die Frage des Standorts spielt eine große Rolle. Im Sommer sind die Vögel in Deutschland unter anderem mit der Brut und Aufzucht der Jungen und Jagen beschäftigt. Das führt sowohl im direkten Umfeld um den Horst als auch zwischen diesem und den Jagd- und Nahrungshabitaten zu hoher Flugaktivität. In ihrem Helgoländer Papier hat die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten deshalb vor einigen Jahren Abstandsempfehlungen für verschiedene von der Windenergie betroffene Vogelarten veröffentlicht. Danach sollten zwischen dem Horst eines Rotmilans und dem nächsten Windrad mindestens 1.500 Meter Platz liegen. Der Konflikt, der im schlechtesten Fall zur Kollision und dem Tod des Tieres führen kann, soll so vermieden werden.  

Wie viel Kontakt die im LIFE EUROKITE besenderten Rotmilane mit Windparks hatten, ohne dass es zu Kollisionen kam, ob es in ihrem direktem Lebensumfeld Windenergieanlagen gab, geht aus dem ZDF-Bericht nicht hervor. Es können daher kaum solide Aussagen über die Gefahr durch Windenergie für Rotmilane getroffen werden.  

Wie entwickelt sich die Rotmilanpopulation in Deutschland? 

Im Beitrag des ZDF wird darauf hingewiesen, dass sich die Bestände des Rotmilans positiv entwickeln und dass trotz eines stärkeren Ausbaus der Windenergie. Ebenso beruft sich der Bericht auf die Rote Liste. Dort ist der Rotmilan in der niedrigsten Risikokategorie eingeordnet. LIFE EUROKITE macht in seinem Artensteckbriefs wiederum deutlich, dass die Bestandszahlen des Rotmilans im europäischen Kontext zwar kurzfristig stabil sind, langfristig jedoch abnehmen. Und auch bei der scheinbar stabilen  Entwicklung in Deutschland muss man genau hinschauen. Der Bestand entwickelt sich unterschiedlich in einigen Teilen Deutschlands. So heißt es beispielsweise in der 20. Fassung der Roten Liste Deutschlands: „Beim Rotmilan werden die Verluste im ehemals dicht besiedelten Mitteldeutschland durch Zunahmen in bislang nicht gekanntem Ausmaß vor allem in Süddeutschland mehr als aufgewogen (Grüneberg & Karthäuser 2019).“ (Seite 53). In einem Beitrag von Katzenberger & Sudfeldt (2019) wird vielmehr gezeigt, dass mindestens eine Korrelation zwischen dem Populationsrückgang in den Gebieten mit einem hohen Windenergieausbau und Populationszuwächsen in Gebieten mit geringerem Windenergieausbau besteht. Auch bei diesen Ergebnissen ist zu klären, ob weitere Einflussfaktoren, wie beispielsweise eine geänderte Landnutzung Ursache für die Veränderungen sein könnten. Aber sie sind trotzdem ein wichtiger Hinweis, dass der Windenergieausbau als Einflussfaktor für den Rotmilan nicht kleingeredet werden darf.  

Verhindert der Rotmilan den Ausbau der Windenergie in Deutschland? 

Wegen des Rotmilans drohe jedes zweite Windkraftprojekt in Deutschland zu scheitern, heißt es im Frontal-Bericht. Unklar ist, woher diese Zahl stammt. Sie lässt sich mit keinen bisher bekannten Ergebnissen in Verbindung bringen. In einer Erhebung hat die Fachagentur Windenergie an Land versucht herauszufinden, was oder wer den Ausbau der Windenergie hemmt. Betrachtet wurden hierbei ausschließlich Klageverfahren gegen Windenergieprojekte, wobei die Mehrzahl der Windparks überhaupt nicht beklagt wird. Auch das zeigt eine weitere aktuelle Untersuchung. Bei den Ergebnissen handelt es sich zudem um Selbstauskünfte der Projektierer, die mit Vorsicht zu handzuhaben sind. Zwar wird der Artenschutz als ein wichtiger Klagegrund durch die Projektierer angegeben. Einzelne Vogelarten werden aber nicht als Haupthemmnis ausgemacht.  

Strenger Schutz durch Bundesnaturschutzgesetz 

Der Rotmilan ist durch das Bundesnaturschutzgesetzt streng geschützt. Dieser Schutz geht wiederum auf die Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie zurück. Windenergieprojekte müssen also für eine Genehmigung nachweisen, dass die Rotmilane nicht durch den Bau des Windrads früher oder später mit diesem kollidieren und zu Tode kommen würden. Damit das Vorkommen eines Tieres nicht zu einem unüberwindbaren Planungshindernis wird, hat der Gesetzgeber zusätzlich eine Signifikanzschwelle eingeführt. Das bedeutet, dass Windenergieplanungen nur dann gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen und damit nicht realisiert werden können, wenn das Risiko, das von der geplanten Windenergieanlage ausgeht, im Vergleich zum allgemeinen Lebensrisiko der betroffenen Art signifikant erhöht ist. Allerdings gibt es bis heute keine deutschlandweit einheitliche und verbindliche Definition, wo genau diese Schwelle gezogen wird. Vielmehr wird in jedem Bundesland unterschiedlich damit umgegangen. Ein entscheidender Ansatz, um die Betroffenheit beispielsweise des Rotmilans durch einen Windpark zu bewerten, besteht in den schon zuvor genannten Abständen des Helgoländer Papiers. Zusätzlich wird häufig mit sogenannten Raumnutzungsanalysen gearbeitet, bei denen Gutachter*innen an dem Ort des möglichen Windparks beobachten und aufzeichnen, welche Flugbewegungen die vorkommenden Rotmilane dort durchführen.  

Rotmilan bedeutet nicht zwangsläufig Aus für den Windpark 

Doch selbst wenn davon ausgegangen werden muss, dass ein geplanter Windpark das Risiko eines Rotmilans mit einer Anlage zu kollidieren signifikant erhöht, ist das nicht zwangsläufig das Aus für die gesamte Planung. Es werden regelmäßig verschiedene Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen angewendet, um den Konflikt zu verringern. So können einzelne Windenergieanlagen innerhalb des Windparks in einen weniger kritischen Bereiche verschoben werden. Dazu gehört auch, den Bereich direkt um die Anlage herum für den Rotmilan unattraktiv zu gestalten, um ihn nicht zusätzlich in den Gefahrenbereich zu locken sowie andere – weniger kritische Bereiche – gezielt attraktiver zu gestalten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einzelne kritische Windenergieanlagen in Zeiten besonders hoher Flugaktivität pauschal abzuschalten. Ebenfalls Teil der aktuellen Diskussion ist eine automatisierte Abschaltung der Anlagen immer dann, wenn sich ein betroffenes Tier nähert. Insgesamt gesehen, gibt es somit viele Möglichkeit einen Windpark so zu gestalten, dass er nicht zu einem Konflikt mit dem Rotmilan wird. Und gleichzeitig bedeutet die Anwesenheit eines Rotmilans nicht automatisch das Aus für eine Windparkplanung. 

Wie ein naturverträglicher Ausbau der Windenergie gelingen kann 

Wir brauchen einen zügigen und naturverträglichen Ausbau der Windenergie. Naturschutz und Klimaschutz müssen gleichwertig berücksichtigt und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Konflikte zwischen einzelnen Arten und dem Ausbau der Windenergie lassen sich durch eine gute Planung verringern. Im Rahmen der Regionalplanung können Flächen ausgewiesen werden, auf denen der Ausbau der Windenergie möglich sein soll. Auf allen anderen Flächen wird der Ausbau dann ausgeschlossen. Von vornherein nicht in die Flächenausweisung einbezogen werden dürfen für den Naturschutz besonders kritische Bereiche. Das gilt zum Beispiel für Dichtezentren windenergiesensibler Arten wie dem Rotmilan, also Gebiete mit einem besonders hohen Aufkommen der Tiere. Windparkplanungen in solch einem Dichtezentrum hätten entweder wenig Aussicht auf Erfolg oder würden bei ihrer Umsetzung ein hohes Risiko für die Art darstellen, was sich im schlimmsten Fall negativ auf die Population auswirken kann. Werden die Gebiete jedoch konsequent berücksichtigt, kann das viele Konflikte bei den konkreten Genehmigungsverfahren von Windparks vermeiden. Zusätzlich ist es wichtig, dass wir bundeseinheitliche, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Standards zur Beurteilung des Konfliktes zwischen Windenergieplanung und Artenschutz entwickeln. Vergleichbare Situationen von Windpark-Artenschutz-Konflikten können derzeit in verschiedenen Bundesländern zu unterschiedlichen Ergebnissen.  Schließlich werden sich einzelne Verluste von Rotmilanen und anderen windenergiesensiblen Arten an Windenergieanlagen nicht vollständig vermeiden lassen. Damit es dadurch nicht zu Verschlechterungen der Population kommt, braucht es Artenhilfsprogramme, die die Arten gezielt unterstützen.  

Mehr Informationen und Hintergründe zu einem naturverträglichen Ausbau der Windenergie gibt es hier und hier.

Foto Header: NABU/CEWE/Birte Conrad

Katharina Stucke

Katharina Stucke

Referentin für Energiewende und Naturschutz
Katharina Stucke

7 Kommentare

Hans Conrad

30.10.2022, 18:48

Ich gehe mit meiner Frau seit etwa 40 Jahre auf der gleichen Gemarkung spazieren, dabei haben wir eine Liste der beobachteten Vogelarten erstellt. Ganz besonders haben wir uns über den Rotmilan gefreut, den wir immer sahen. 2016 wurde auf der Gemarkung ein Windpark errichtet, wir befürchteten das schlimmste für den uns liebgewordenen Rotmilan. Jetzt 2022 können wir uns an sechs Rotmilan erfreuen, die in der Nähe der Windräder auf frisch gepflügten Äckern ihre Nahrung suchen. Ein weiteres Pärchen versucht seit zwei Jahren einen Horst etwa 200 Meter von einem Windrad entfernt anzulegen wird aber immer wieder von Rabenkrähen attackiert und vertrieben.

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Jürgen Berlin

11.03.2022, 11:00

Die Wissenschaftlichkeit der angeführten Untersuchung von Karthäuser (2019) zur Korrelation von WEA-Dichte und Rotmilanpopulation ist höchst fragwürdig. Nur durch die Verschneidung der Bezugsräume von Erhebungsquadranten auf Landkreisebene lässt sich eine statistische Korrelation ersehen. Blickt man auf die einzelnen Erhebungsquadranten und die Korrelation von WEA-Dichte und Bestandsentwicklung innerhalb dieser Quadranten, ist ein statistischer Zusammenhang nicht nachweisbar. Die Veröffentlichung streut Sand in die Augen.

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Waldfee

10.03.2022, 17:48

Man muss nicht alles glauben was man hört und liest. Kritisches Hinterfragen und selbst beobachten sollte man schon tun. Bei einem BWE-Seminar vor einigen Wochen haben Experten im online-Workshop zugegeben, dass das Vogelradarsystem noch lange nicht richtig funktioniert und noch viel Forschung betrieben werden muss. ein konkretes Beispiel kann man sich im Windpark Bahren-West ansehen. Hier wird der Rotmilan im Rahmen von Tierversuchen für eine Idee geopfert und das ZDF sowie die Journalisten preisen das noch als Erfolg an. Es einfach bedauerlich, wie viele auf ein totes Pferd springen.

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Dr. Wolfgang Witzke

10.03.2022, 17:19

Wenn ich höre, Windräder seien der größte Feind der Rotmilane, kann ich nur lachen. Über unserem Haus sehe ich täglich, wer wirklich der größte Feind ist: kaum ist ein Milan am Himmel, so wird er sofort von einer oder mehreren Krähen so lange attackiert, bis er die Flucht ergreift. Wenn ich andererseits sehe, dass überall Hunderte von Krähen umherfliegen, ist klar, dass ein Milan bei uns kaum eine ruhige Minute hat. Nahrungssuche und Fortpflanzung ist da kaum möglich. Und ob Kohlekraftwerke für Vögel gesünder sind als Windkraft, ist doch auch sehr zu bezweifeln.

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Christian B.

02.03.2022, 18:09

Es gibt ja einige vielversprechende Ansätze: Ablenkfütterung, sowie die Erkennung von Greifvögeln per Kamera und Aktivieren eines Warntones oder sogar Anhalten des Rotors. Das muss der Weg sein, denn an einem zügigen Ausbau führt kein Weg vorbei. (siehe https://www.br.de/nachrichten/wissen/vogelschutz-fuer-die-energiewende-windrad-mit-aas,SrBPmRn; bereits aus 2018 ist der Bericht https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/Windkraft-Gefahr-fuer-Voegel-100.html -> wie ist der Stand heute? Und die 10H-Regel erscheint mir zu starr: ich glaube nicht, dass das Lärmproblem direkt proportional der Entfernung ist. Wenn man hier schaut (bzw. horcht -:) ), was wirklich nötig ist (ja, auch ich möchte keine WEA hören), entspannt sich die ganze Debatte.

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Immo Vollmer

01.03.2022, 19:15

Der ZDF-Bericht gibt einen Hinweis darauf, wie stark der Windkraft-Lobbyismus die Gesellschaft inzwischen durchzieht, wenn dabei so weit von der sachlichen Ebene abgerückt wird. Aber auch das Untersuchungsdesign des Projekt LIFE EUROKITE ist kritisch zu hinterfragen. Erlauben überhaupt 1300 besenderte Rotmilane eine statistisch abgesicherte Aussage? Oder verringert man dadurch nur die Überlebenswahrscheinlichkeit der Tiere für schlecht abgesicherte Aussagen oder wird sogar das Ergebnis beeinflusst? Warum werden anderseits die breit angelegten Untersuchungen von Bellebaum et al. 2013 zu Anflugopfer in Brandenburg und von Grünkorn et al. (2016 „Progress.-Studie“) systematisch totgeschwiegen? Beide Untersuchungen stützten sich im Grunddesign der Untersuchung v.a. auf die Schlagopfersuche. Aus den ermittelten Schlagopfern wurden Hochrechnungen zur Belastungsfähigkeit der Population erstellt. Beide Untersuchungen kamen bezüglich des Rotmilans zu dem Ergebnis, dass an jeder WEA im Durchschnitt alle 10 Jahre ein Rotmilan tödlich verunglückt (Progress-Studie 2016: 0,13 Rotmilane / WEA / Jahr); Bellebaum et al 2012: 0,124 bis 0,145 Rotmilane / WEA / Jahr)* Wäre das Risiko der Verunfallung gleichmäßig verteilt (was es nicht ist) oder würde hier ein Mittelwert gefunden sein (was sein kann), so würden derzeit bei ca. 30000 WEA in Deutschland und einer Totschlagsrate von 0,1 Rotmilanen/WEA/Jahr jährlich rund 3000 Rotmilane pro Jahr an WEA in Deutschland sterben. Bei ca. 15000 Brutpaaren in Deutschland ist das unter Berücksichtigung der bislang schon bestehenden Gefährdungsursachen eine kaum hinnehmbare Zunahme der Mortalität. Die Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis dass schon beim aktuellen Ausbauzustand der Windenergie ein negativer Einfluss auf die Population besteht oder absehbar besteht. Der daraus abgeleitete Hinweis auf eine Obergrenze der Belastbarkeit mit WEA, die nicht weit vom aktuellen Ausbauzustand entfernt liegt, soll aber wohl nicht weiter betrachtet werden. Warum hat man in der Zwischenzeit nicht ähnliche Untersuchungen in Dichtezentren des Mittelgebirges durchgeführt? Möchte der verantwortliche Naturschutz in Deutschland hier den „Kopf in den Sand stecken“? Oder sucht man nach Untersuchungen, die das Axiom: Energiewende = Windkraft nicht in Frage stellen? * Quellen s. Dokumentation der Vogelschutzwarte Brandenburg „Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel“ unter https://lfu.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Dokumentation-Voegel-Windkraft.pdf

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Volkmar Heitmann

26.02.2022, 12:27

Bei der Schlagopferkartei der Vogelschutzwarte Brandenburg wird nur eine Korrelation festgestellt, keine Kausalität. Man kann dort tote Vögel melden, die im Umfeld von Windenergieanlagen gefunden werden. Es findet aber nicht zwingend eine Obduktion statt. Es ist letztlich also nicht bekannt, woran die Vögel gestorben sind. Bei allen Totfunden in unserer Region, die von den Veterinärämtern untersucht wurden, waren die Windenergieanlagen nicht die Todesursache, sondern der Straßenverkehr und Erkrankungen. Dabei wurde nebenbei auch festgestellt, dass die Vögel unterernährt waren.

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