{"id":6875,"date":"2022-12-07T11:20:25","date_gmt":"2022-12-07T10:20:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/?p=6875"},"modified":"2022-12-07T16:29:50","modified_gmt":"2022-12-07T15:29:50","slug":"eu-notverordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/eu-notverordnung\/","title":{"rendered":"Die EU-Notverordnung zur Genehmigung von Erneuerbaren"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_6877\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6877\" data-attachment-id=\"6877\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/eu-notverordnung\/eeb-permitting-graph\/\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/EEB-permitting-graph.jpg\" data-orig-size=\"800,565\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"EEB-permitting-graph\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Gute Raumplanung ber\u00fccksichtigt Gebiete f\u00fcr die Natur und f\u00fcr Erneuerbare (Graphik: EEB).&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/EEB-permitting-graph-300x212.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/EEB-permitting-graph.jpg\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-6877 size-full\" src=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/EEB-permitting-graph.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"565\" \/><p id=\"caption-attachment-6877\" class=\"wp-caption-text\">Gute Raumplanung ber\u00fccksichtigt Gebiete f\u00fcr die Natur und f\u00fcr Erneuerbare (Graphik: EEB).<\/p><\/div>\n<h2>Deutschland forciert Deregulierung zu Lasten von Natur und Umwelt<\/h2>\n<p>Das Thema Beschleunigung von Genehmigungsverfahren f\u00fcr Erneuerbare besch\u00e4ftigt den deutschen Gesetzgeber. Dabei \u00e4ndert er nicht nur deutsche Gesetze, etwa durch das so bezeichnete &#8222;Osterpaket&#8220; oder j\u00fcngst durch eine \u00e4u\u00dferst kritische \u00dcberarbeitung der Verwaltungsgerichtsordnung. Auch in Br\u00fcssel pocht insbesondere Deutschland recht einseitig auf \u00c4nderung der Rechtslage.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Neben der noch nicht final abgeschlossenen vierten Novelle der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie stand die letzten Wochen in diesem Regelungsbereich vor allem die sogenannte Notverordnung f\u00fcr Erneuerbare auf der Tagesordnung. Auch diese geht allerdings einseitig zu Lasten der Natur. Sie schafft au\u00dferdem gef\u00e4hrliche Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle, was Eingriffe in bestehende Umweltstandards und das \u00dcbergehen des Europ\u00e4ischen Parlaments als Mitgesetzgeber betrifft. Und schlie\u00dflich sorgt sie f\u00fcr Rechtsunsicherheit und geht die echten Gr\u00fcnde f\u00fcr lange dauernde Genehmigungsverfahren nicht an. Ein Ausblenden beispielsweise des Artenschutzrechts kann n\u00e4mlich nichts daran \u00e4ndern, dass Beh\u00f6rden unterbesetzt sind, nicht ausreichend Gutachter zur Verf\u00fcgung stehen oder sinnvolle Ma\u00dfnahmen wie eine Solardachpflicht auf Bestandsgeb\u00e4uden oder das Abschaffen der 10H-Regelung politisch blockiert werden. Die Notverordnung ignoriert in jedem Fall auch einen Ansatz einer gr\u00fcndlichen Raumplanung, die Platz sowohl f\u00fcr Erneuerbare als auch f\u00fcr die Natur vorsieht (siehe Graphik), und so auch B\u00fcrgerproteste minimiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Das Dossier &#8222;Notverordnung&#8220;<\/h3>\n<p>Erg\u00e4nzend zu dem mit REPowerEU umschriebenen Gesetzespaket (das unter anderem die vierte \u00c4nderung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie enth\u00e4lt; siehe auch <a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/erneuerbare-energien-eu-kommission-stellt-ihren-plan-repowereu-vor\/\">diesen Natursch\u00e4tze.Retten-Beitrag<\/a>) gelangte v\u00f6llig \u00fcberraschend das Thema Notverordnung auf die Br\u00fcsseler Agenda.<\/p>\n<ul>\n<li>Beim Treffen des Europ\u00e4ischen Rates, also der Staats- und Regierungschefs selbst, forderten diese am 20. Oktober in den Ratsschlussfolgerungen die EU-Kommission auf, zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren f\u00fcr Erneuerbare vorzulegen (vergleiche <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2022\/10\/21\/european-council-conclusions-20-21-october-2022\/\">Ziffer 17 f. der Ratsschlussfolgerungen<\/a>). Die Initiative hierzu geht mutma\u00dflich auf die deutsche Bundesregierung zur\u00fcck; es wird gemunkelt, dass Deutschland dieses &#8222;Dossier&#8220; bekommen habe im Gegenzug f\u00fcr vorherige Zugest\u00e4ndnissen beim Thema Gaspreise.<\/li>\n<li>Diesem Druck konnte sich Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen offenbar nicht beugen. Trotz interner Bedenken einzelner Kommissionsmitarbeiter an der Rechtsgrundlage des Art. 122 AEUV bereitete die EU-Kommission einen Entwurf f\u00fcr eine Ratsverordnung vor. Dieser wurde von einer Medienplattform &#8222;geleakt&#8220;. Hieraufhin wandte sich der NABU per Brief an die Kommissionspr\u00e4sidentin und machte die Kritik an dem Vorhaben au\u00dferdem per <a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/presse\/pressemitteilungen\/index.php?popup=true&amp;show=35952&amp;db=presseservice\">Pressemitteilung vom 8. November<\/a> \u00f6ffentlich.<\/li>\n<li>Trotzdem ver\u00f6ffentlichte die EU-Kommission am 9. November den <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/?uri=CELEX%3A52022PC0591&amp;qid=1669020920010\">Vorschlag f\u00fcr die Notfallverordnung<\/a>. Dieser enthielt marginale Verbesserungen im Vergleich zum ersten Leak (z.B. den Hinweis auf n\u00f6tige Artenhilfsprogramme), \u00e4nderte aber an dem grunds\u00e4tzlichen Aufweichen des Artenschutzes (\u00fcberwiegendes \u00f6ffentliches Interesse etc.) nichts. Zahlreiche Satzzeichenfehler (in Art. 2 der Verordnung) zeigen das schnelle Entstehen unter Missachtung jeglicher Vorgaben f\u00fcr &#8222;gute Gesetzgebung&#8220;; wie uns berichtet wurde auf Druck Deutschlands direkt gegen\u00fcber dem Kabinett von der Leyens, was beispielsweise auch den Umweltkommissar aushebelte.<\/li>\n<li>Dieser Entwurf wurde sodann im Energierat (dort f\u00fcr Deutschland: Staatssekret\u00e4r Sven Giegold, BMWK) abge\u00e4ndert und verhandelt. Wegen einer parallelen Verordnung zur Gaspreisbremse wurde die Notverordnung zur Erneuerbaren-Beschleunigung nicht mehr am 25. November formal beschlossen, eine Einigung \u00fcber den Text soll aber erreicht worden sein (siehe auch den <a href=\"https:\/\/eur05.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Ftwitter.com%2Fsven_giegold%2Fstatus%2F1595782741727084547&amp;data=05%7C01%7CRaphael.Weyland%40NABU.DE%7Cf3a07f668d1040e90afc08dad47c90cc%7Cad40dd9b5f8f4af8aee4bb88fde993a8%7C0%7C0%7C638055928720880302%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&amp;sdata=m%2BdFLyEX8RjgK4qVDPLFDKuiKQ2xljS8lGW9HT3yc5k%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Twitter-Thread von Sven Giegold<\/a> der dies als Erfolg darstellt, aber nicht auf die Eingriffe ins Umweltrecht eingeht). Der ge\u00e4nderte und <a href=\"https:\/\/eur05.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.consilium.europa.eu%2Fmedia%2F60326%2Fst15176-en22.pdf&amp;data=05%7C01%7CRaphael.Weyland%40NABU.DE%7Cf3a07f668d1040e90afc08dad47c90cc%7Cad40dd9b5f8f4af8aee4bb88fde993a8%7C0%7C0%7C638055928720880302%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&amp;sdata=c8i%2B%2BlR3%2BQRG1%2BOwCl3XEMgjAmaa9a4%2FbEGUah6kUMM%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">vermutlich finale Verordnungstext<\/a> ist auf der Seite des Energie-Rats abrufbar.<\/li>\n<li>Die Notverordnung soll bei einem weiteren (au\u00dfergew\u00f6hnlichen) Energierat am 13. Dezember beschlossen werden und k\u00f6nnte hiernach am 1.1.2023 (bzw. sobald sie sodann im offiziellen Gesetzesblatt der EU ver\u00f6ffentlicht ist) in Kraft treten. Von der Rechtskraft her stellt sie eine regul\u00e4re EU-Verordnung dar, hat also unmittelbare Gesetzeskraft in Deutschland und k\u00f6nnte nur entsprechend der in ihr vorgesehenen M\u00f6glichkeiten durch nationale Konkretisierungen wieder eingeschr\u00e4nkt werden. Im Vergleich zum Kommissions-Entwurf erfolgten immerhin leichte Verbesserungen (z.B. wurde das pauschale Wegdefinieren des artenschutzrechtlichen Vorsatzes wieder gestrichen); die Windbranche hatte sich in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen zuletzt gar einen kompletten Freifahrtschein gew\u00fcnscht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Der Inhalt der Ratsverordnung<\/h3>\n<p>Die Ratsverordnung ist von ihrem Umfang her relativ \u00fcberschaubar und &#8211; zumindest was die Regelungstechnik angeht &#8211; in etwas klarerer Sprache verfasst als z.B. der Kommissionsvorschlag oder Textpassagen der parallel verhandelten vierten Novelle der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie. Dies \u00e4ndert nichts daran, dass das genaue Verh\u00e4ltnis zu bestehendem und geplanten deutschen Planungs- und Genehmigungsrecht und auch zum EU-Umwelt- und Naturschutzrecht Fragen aufwerfen wird im Rahmen der einzelnen Genehmigungsverfahren.<\/p>\n<ul>\n<li>Kritikw\u00fcrdig ist v.a. Artikel 2 der Ratsverordnung, in dem das \u00fcberwiegende \u00f6ffentliche Interesse pauschal f\u00fcr alle Erneuerbaren in allen relevanten Umweltrechtspr\u00fcfungen (also nach der EU-Vogelschutz- und FFH-Richtlinie sowohl f\u00fcr den Gebiets- als auch f\u00fcr den Artenschutz und nach der Wasserrahmenrichtlinie) festgestellt wird. Wir interpretieren den Wortlaut so, dass die anderen Bedingungen der jeweiligen Ausnahmepr\u00fcfungen (z.B. in Art. 16 FFH-Richtlinie f\u00fcr den Artenschutz bzw. entsprechend nach der Vogelschutzrichtlinie oder in Art. 6 Abs. 4 FFH-Richtlinie f\u00fcr den Gebietsschutz) trotzdem gelten.<\/li>\n<li>Der Vorrang der Erneuerbaren bei der Abw\u00e4gungsentscheidung im Rahmen der Ausnahmepr\u00fcfung soll nach Art. 2 Abs. 2a bez\u00fcglich des Artenschutzes nur gelten, wenn angemessene Artenschutzma\u00dfnahmen (Artenhilfsprogramme etc.) getroffen wurden, die auf das Erreichen des g\u00fcnstigen Erhaltungszustands (FCS) abzielen und finanziell hinterf\u00fcttert sind. Diese Vorgabe wird vermutlich vor allem auch f\u00fcr andere Mitgliedstaaten wichtig, sie entstammt wegen der Analogie zur deutschen Debatte ganz offensichtlich der deutschen Feder. Offen ist, inwieweit die Artenhilfsma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich bereits durchgef\u00fchrt sein m\u00fcssen; ich bef\u00fcrchte ja, dass von den zur schnellen Entscheidung verpflichteten Beh\u00f6rden bei Anwendung der Notverordnung entweder gar nicht gefordert wird, entsprechende Ma\u00dfnahmen zu t\u00e4tigen oder zumindest nicht kontrolliert wird, ob diese auch effektiv umgesetzt sind.<\/li>\n<li>Ansonsten enth\u00e4lt Artikel 3 Vorgaben f\u00fcr die Genehmigung von Anlagen f\u00fcr Solarenergie. Vorgesehen ist eine maximale Genehmigungsdauer von 3 Monaten f\u00fcr den Bau auf k\u00fcnstlichen Strukturen, ohne dass eine Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung erforderlich w\u00e4re, mit sich anschlie\u00dfender Genehmigungsfiktion f\u00fcr bestimmte Situationen. Insgesamt ist zu bef\u00fcrchten, dass mangelnde Beh\u00f6rdenkapazit\u00e4ten bei jedweder Genehmigungsfiktion zu einer Nicht-Pr\u00fcfung von Umweltbelangen f\u00fchren, und dass sich Freifl\u00e4chen-Photovoltaik au\u00dferdem auch auf wertvollem Ackerland ausbreitet (und damit die Debatte \u00fcber Ern\u00e4hrungssicherheit versch\u00e4rft).<\/li>\n<li>Artikel 4 bezieht sich auf Repowering (wohl \u00fcberwiegend von Windenergieanlagen), und sieht eine maximale Genehmigungsdauer von 6 Monaten vor; soweit eine Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung n\u00f6tig wird (was ebenfalls eingeschr\u00e4nkt ist), sollen nur zus\u00e4tzliche Auswirkungen ber\u00fccksichtigt werden (das Problem in diesem Zusammenhang sind vor allem Altanlagen, f\u00fcr die niemals eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Umweltpr\u00fcfung durchgef\u00fchrt wurde, oder Standorte, an denen sich die Bedingungen ver\u00e4ndert haben). Artikel 5 bezieht sich auf W\u00e4rmepumpen und d\u00fcrfte insgesamt weniger problematisch, wenn nicht gar vorteilhaft sein.<\/li>\n<li>Die Verordnung soll nach ihrem Artikel 6 f\u00fcr insgesamt 18 Monate gelten (wobei der tats\u00e4chliche Anwendungszeitraum insofern l\u00e4nger ist, als es auf den Zeitpunkt der Einreichung des Antrags ankommt). Eine \u00dcberpr\u00fcfung und m\u00f6gliche Verl\u00e4ngerung der Verordnung ist weiterhin vorgesehen (auch wenn die Voraussetzungen des Art. 122 AEUV dies wohl erst recht nicht hergeben).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Unsere Kritik und Forderungen<\/h3>\n<p>Sowohl am Verfahren als auch am Inhalt der Notverordnung (sowie entsprechend auch am Inhalt der geplanten Novelle der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie) lassen sich verschiedene Punkte scharf kritisieren.<\/p>\n<ul>\n<li>Der erste Punkt betrifft schon das Vorgehen. Aus unserer Sicht sind die Voraussetzungen des Art. 122 AEUV nicht gegeben bei derart weitreichenden \u00c4nderungen an bestehenden Gesetzen, ohne dass es sich um eine konkrete Notlage handelt. Es setzt einen f\u00fcr die EU-Demokratie gef\u00e4hrlichen Pr\u00e4zedenzfall, wenn der Rat (also die Mitgliedstaaten) die EU-Kommission auffordern kann, zu jedwedem Thema auf Grundlage von Art. 122 AEUV aktiv zu werden, und hierdurch das regul\u00e4re Gesetzgebungsverfahren mit Beteiligung des Europaparlaments umgangen wird.<\/li>\n<li>Inhaltlich ist insgesamt \u00e4u\u00dferst kritikw\u00fcrdig, wenn in sektoralem Umweltrecht bestehende Vorschriften durch einzelnes Fachrecht abge\u00e4ndert werden sollen. Wenn beispielsweise von der Pflicht zur Durchf\u00fchrung einer Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung abgewichen werden soll, ist auch Gr\u00fcnden der Transparenz und Erm\u00e4chtigungsgrundlage hierf\u00fcr stattdessen wie gehabt die entsprechende UVP-Richtlinie (und dort die Anh\u00e4nge) anzupassen. Ansonsten wird die B\u00fcchse der Pandora f\u00fcr weitere Abweichungen ge\u00f6ffnet, wie dies schon vom Verkehrssektor oder der Halbleiterindustrie als Begehrlichkeit kommuniziert wurde.<\/li>\n<li>Bez\u00fcglich konkreter Regelungen ist sodann das pauschale Feststellen eines \u00fcberwiegenden \u00f6ffentlichen Interesses zu kritisieren. Dieses ignoriert nicht nur, dass es mehrere planetare Krisen geht, sondern geht zu Lasten der Naturkrise. Wenn beispielsweise die letzte Orchideenwiese ihrer Art oder ein wertvoller Wildbach durch ein Erneuerbare-Energien-Vorhaben mit begrenzter Energieausbeute zerst\u00f6rt werden soll, kann dieses Interesse nicht \u00fcber das Naturinteresse \u00fcberwiegen. Vielmehr ist wie bisher eine Einzelfallpr\u00fcfung sinnvoll, in der auch heute schon die Erneuerbaren das \u00f6ffentliche Interesse best\u00e4tigt bekommen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Gleiches trifft auf das besondere Artenschutzrecht zu. Dieses kann im Einzelfall durch entsprechende Schutzma\u00dfnahmen abgearbeitet werden. Deutschland hat es jahrzehntelang vers\u00e4umt, Ma\u00dfnahmen zu treffen, um einen g\u00fcnstigen Erhaltungszustand f\u00fcr den Gro\u00dfteil der vorkommenden Arten zu erreichen. Solange entsprechende Hilfsprogramme nicht eingerichtet und ihre Effektivit\u00e4t best\u00e4tigt ist, ist kein Platz f\u00fcr eine entsprechende Deregulierung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt geht die Notverordnung auch tats\u00e4chliche Probleme nicht an, die Einfluss auf die Verfahrensdauer haben.<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst ist zu kritisieren, dass die Debatte nicht wissenschaftlich gef\u00fchrt wird. Sie basiert nicht auf Studien und Daten, welche die Verfahrensdauer und Gr\u00fcnde untersuchen. Nach NABU-Erfahrungen sind f\u00fcr lange Verfahren vor allem auch fehlende Gutachter und unterbesetzte Genehmigungsbeh\u00f6rden sowie unzureichende Digitalisierung urs\u00e4chlich. Alle diese Aspekte werden von der Notverordnung nicht angegangen.<\/li>\n<li>Elementar f\u00fcr eine gute L\u00f6sung ist sodann eine vern\u00fcnftige Raumplanung, die sowohl Platz f\u00fcr Erneuerbare als auch f\u00fcr die Natur vorsieht. Erneuerbare sollten sich dabei zun\u00e4chst auf vorbelastete Gebiete, auch entlang von Infrastruktur oder bei Solar auf D\u00e4cher konzentrieren, und sodann auf entsprechend ausgewiesene und gepr\u00fcfte (Go-To- oder Vorrang-)Gebiete. Im gleichen Atemzug sind aber (streng) gesch\u00fctzte Naturschutzgebiete auszuweisen, die von menschlichen Einfl\u00fcssen weitegehend frei bleiben, au\u00dferdem bestehende Schutzgebiete besser zu managen und auch die Kulisse des Netzes Natura 2000 von entsprechenden St\u00f6rungen freizuhalten. Die EU-Vorgaben f\u00fcr 30% terrestrische und marine Schutzgebiete (10% streng gesch\u00fctzt) sind umzusetzen. Erneuerbare m\u00fcssen dabei nicht zwangsweise dem Schutzzweck widersprechen, dies ist aber im Einzelfall abzukl\u00e4ren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir fordern die Bundesregierung jetzt vor allem auf, eine Naturschutz-konforme Umsetzung der Notverordnung in Deutschland zu gew\u00e4hrleisten. Das BMWK muss im Energierat au\u00dferdem sicherstellen, dass die Verhandlungen zur \u00dcberarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED IV) gestoppt und grundlegend angepasst werden, um nach der Geltungsdauer der Notverordnung diesen kritikw\u00fcrdigen Zustand nicht weiterzuf\u00fchren. Stattdessen ist eine gr\u00fcndliche Raumplanung vorzusehen, welche die oben genannten Kritikpunkte und Forderungen aufgreift. Das BMWK ist au\u00dferdem gefordert, das BMUV beim Thema Schutzgebiete und Wiederherstellung der Natur zu unterst\u00fctzen, und dies in der Bundesregierung insgesamt zu einem Handlungsschwerpunkt zu machen.<\/p>\n<!-- Begin Yuzo --><div class='yuzo_related_post style-1'  data-version='5.12.74'><!-- without result --><div class='yuzo_clearfixed yuzo__title yuzo__title'><h3>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren<\/h3><\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/red3\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Blogs-1200x8001-1-340x226.png') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; 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