{"id":6467,"date":"2021-12-01T08:31:51","date_gmt":"2021-12-01T07:31:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/?p=6467"},"modified":"2022-07-14T14:04:56","modified_gmt":"2022-07-14T12:04:56","slug":"waldpolitik-im-ampel-koalitionsvertrag-wertholz-oder-furnierimitat-im-politischen-schaufenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/waldpolitik-im-ampel-koalitionsvertrag-wertholz-oder-furnierimitat-im-politischen-schaufenster\/","title":{"rendered":"Waldpolitik im Ampel-Koalitionsvertrag: Wertholz oder Furnierimitat im politischen Schaufenster?"},"content":{"rendered":"<p><strong>1.12. 2021. Gesunde W\u00e4lder sind sch\u00f6n und unsere nat\u00fcrlichen Verb\u00fcndeten gegen die fortschreitende Klima- und Biodiversit\u00e4tskrise.\u00a0So unterschiedlich traditionelle Blickwinkel und Prim\u00e4rinteressen hiesiger Akteure zu Waldfragen sein m\u00f6gen: Die Anerkennung des prek\u00e4ren Zustandes des Waldes zwischen \u00f6kologischen Krisen und hohem Nutzungsdruck ist mittlerweile unumstritten. Entsprechend wenig \u00fcberraschend und trotzdem positiv ist die problembewusste Tonlage, mit der die neue Koalition dem Thema Wald begegnet. Es finden sich im neuen Koalitionsvertrag aber nicht nur die richtige Melodie, sondern auch eine Menge Holz an neuen und grunds\u00e4tzlich interessanten Vorhaben und Zielen. Wir schauen genauer hin.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4lder bieten Lebens- und Erholungsraum, produzieren nachwachsende Rohstoffe und generieren durch ihre unbezahlbaren Prozessleitungen k\u00fchle, saubere Luft und klares Wasser, sch\u00fctzen den Boden vor Austrocknung und Erosion, vermindern Umwelt- und Gesundheitsgefahren und nicht zuletzt binden sie gro\u00dfe Mengen an Treibhausgasen. Auch die heimischen Wald\u00f6kosysteme sind mittlerweile auf gro\u00dfer Fl\u00e4che so massiv und tiefgreifend gesch\u00e4digt, dass Ihre Funktionsf\u00e4higkeit akut beeintr\u00e4chtigt wird. Je gesch\u00e4digter die W\u00e4lder, desto st\u00e4rker mindern sich aber ihre positiven Funktionen und k\u00f6nnen sich schlie\u00dflich sogar ins Gegenteil wenden. Gesunde W\u00e4lder wirken bekannterma\u00dfen als bedeutende Senke von Treibhausgasen, stark beeintr\u00e4chtigte W\u00e4lder verwandeln sich in eine weitere Quelle.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Ampelkoalition verhandelt, steuert die Menschheit das Weltklima auf eine Erhitzung von +2,7\u00b0C bis im Jahr 2100 zu. Im Zeithorizont des Waldbaus hat dieses Referenzjahr l\u00e4ngst begonnen. F\u00fcr die waldpolitische Glaubw\u00fcrdigkeit des Slogans \u201e<em>Mehr Zukunft wagen!\u201c<\/em> \u00a0sind unkonkrete Versprechen und nicht angemessen finanzierte Instrumente also wertlos. Darauf einzahlen k\u00f6nnen konkrete Ver\u00e4nderungen und Ma\u00dfnahmen, die geeignet sind,<\/p>\n<ul>\n<li>waldsch\u00e4digende Praktiken zu beenden.<\/li>\n<li>nachhaltige Wertsch\u00f6pfung zu vertiefen und \u00d6kosystemleistungen zu honorieren.<\/li>\n<li>degradierte Waldfl\u00e4chen zu revitalisieren.<\/li>\n<li>mehr Raum f\u00fcr naturnahe und nat\u00fcrliche Waldentwicklung zu schaffen.<\/li>\n<li>konfligierende Akteursinteressen zu befrieden und die Bev\u00f6lkerung mitzunehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Ampel serviert Weinschorle<\/strong><\/p>\n<p>Um absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, ob die waldpolitischen Vorhaben der neuen Bundesregierung in Bezug auf Konkretheit, Wirksamkeit, Reichweite und Finanzierungssicherheit auch geeignet sind, die dringend ben\u00f6tigte Wende im Wald auszul\u00f6sen, braucht es einen zweiten Blick auf Instrumente und Details sowie thematische Leerstellen. Dabei mischen sich gewisse Zweifel unter den edlen rot-gelb-gr\u00fcnen Wein. Ein Blick auf die Architektur der waldpolitischen Machtzentren gibt der Ampelschorle schlie\u00dflich eine vielversprechend spritzige Note.<\/p>\n<p><strong>Positiv und gehaltvoll<\/strong><\/p>\n<p>Die Ampel bekennt sich zur konsequenten Umsetzung der bestehenden Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen sowie des EU Green Deals mit der Biodiversit\u00e4tsstrategie 2030. Daraus l\u00e4sst sich im Grunde die gesamte Bandbreite waldrelevanter Ampel-Vorhaben ableiten. Durchweg positiv zu bewerten sind dabei alle Ans\u00e4tze, die den Schutz von Klima und Biodiversit\u00e4t als gleichrangig dringliche und untrennbar miteinander verwobene Aufgaben beschreiben und deren Instrumente den Weg freimachen f\u00fcr natur- und evidenzbasierte L\u00f6sungen, welche der NABU gem\u00e4\u00df dem Leitbild eines \u00f6kosystemorientierten Waldnutzungs- und Schutzmanagements seit langem einfordert.<\/p>\n<p>Hierunter fallen folgende Ank\u00fcndigungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Weiterentwicklung des Klimaschutzgesetzes<\/li>\n<li>Aktionsprogramm Nat\u00fcrlicher Klimaschutz<\/li>\n<li>Aktionsplan zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt<\/li>\n<li>Aktionsplan f\u00fcr verbessertes Schutzgebietsmanagement<\/li>\n<li>Nationale Moorschutzstrategie<\/li>\n<li>Anpassung des Bundesbodenschutzrechtes an Kriterien des Klima- Biodiversit\u00e4tsschutzes und bodenschonende Waldbearbeitung<\/li>\n<li>Investitionen in Klimaanpassungsma\u00dfnahmen wie den Hochwasserschutz<\/li>\n<li>Review der Bundeswaldinventur und digitales Update von Wald- und Biodiversit\u00e4tsmonitoring<\/li>\n<li>Nationale Wasserstrategie mit dem Ziel eines integrierten Wassermanagements und verbesserten Gew\u00e4sserschutzes<\/li>\n<li>Anstrengungen f\u00fcr die Ausweitung des Netzwerks gesch\u00fctzter und besonders gesch\u00fctzter Gebiete sowie f\u00fcr Wiederherstellung und Neubegr\u00fcndung von Wald.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Als besonders positiv hervorzustellen ist die Ank\u00fcndigung einer Novelle von Bundeswaldgesetz und Forstsch\u00e4denausgleichgesetz mit dem Ziel, den Waldumbau klimaresilient, artenreich und mit \u00fcberwiegend standortheimischen Baumarten aktiv zu gestalten. In diesem Kontext noch recht unkonkret aber \u00e4u\u00dferst wichtig: Es sollen \u00fcber die bisherigen Zertifizierungssysteme hinausgehende Zielanforderungen f\u00fcr zus\u00e4tzliche Klimaschutz- und Biodiversit\u00e4tsleistungen definiert und honoriert werden.<\/strong><\/p>\n<p>Damit diese Vorhaben kein reines Ampel-Wunschdenken bleiben, m\u00fcssten die Nachhaltigkeitsinvestitionen f\u00fcr den Wald nicht nur deutlich steigen, sondern sehr passgenau entlang der Entscheidungskaskade vom Bund bis in die Reviere konstruiert und au\u00dferdem koh\u00e4rent auf die Umsetzungsakteure zugeschnitten werden. Die Instrumente der Ampel m\u00fcssen also Waldbesitzer, Forstwirtschaft und den Naturschutz \u00fcberzeugen, nun konsequent entlang der formulierten Ziele an einem Strang zu ziehen. Dies gelingt, wenn als Ausgleich f\u00fcr steigende Anforderungen an das Waldmanagement im Sinne einer \u00f6kologischen Intensivierung, auch dem Ma\u00df der Herausforderungen entsprechende attraktive und unb\u00fcrokratisch abrufbare Anreiz- und Honorierungssysteme geschaffen werden. Wort halten will die Ampel mit Gegenfinanzierungen durch ein Sonderverm\u00f6gen Energie- und Klimafonds, einem neu einzurichtenden Bundesnaturschutzfonds, der B\u00fcndelung bestehender Bundesprogramme zum Naturschutz und verbesserte Rahmenbedingungen f\u00fcr privatwirtschaftliche Investitionen. Ob dies ausreicht, ist fraglich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/ampel-aufbruch-in-der-naturschutzfinanzierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Analyse der Ampelpl\u00e4ne f\u00fcr die Naturschutzfinanzierung geht\u2019s hier.<\/a><\/p>\n<p>Holzwirtschaftlich relevante Vorhaben der Ampel, wie die Ausweitung der \u00f6ffentlichen Beschaffung unter Ber\u00fccksichtigung von Nachhaltigkeitsstandards, die Verankerung der Kaskadennutzung als Grundsatz und die St\u00e4rkung von regionaler Holzwertsch\u00f6pfungsketten (mit einer Holzbauinitiative), k\u00f6nnen vermutlich begr\u00fc\u00dft werden. Es m\u00fcsste klarer werden, mit welchen Instrumenten diese umgesetzt werden sollen.<\/p>\n<p>Ohne unmittelbar erkennbare Neuausrichtung und doch uneingeschr\u00e4nkt positiv zu bewerten, sind die Ampel-Ambitionen,<\/p>\n<ul>\n<li>rechtsverbindliche EU-Regelungen f\u00fcr entwaldungsfreie Lieferketten weiter zu st\u00e4rken.<\/li>\n<li>die Entwicklungszusammenarbeit entlang der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) auszurichten. Daf\u00fcr sollen der internationale Natur- Arten-, Biodiversit\u00e4ts-, Waldschutz- und Wiederherstellungsvorhaben weiter gef\u00f6rdert werden, etwa \u00fcber Kooperationen mit kleinb\u00e4uerlichen- und privatwirtschaftlichen Fl\u00e4chennutzern f\u00fcr eine nachhaltige Forstwirtschaft.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Etwas w\u00e4ssrig<\/strong><\/p>\n<p>Andere Vorhaben der Ampel sind prinzipiell zwar ebenfalls positiv zu bewerten, k\u00f6nnten jedoch in der Gesamtschau wegen begrenzter Reichweite oder geringer Wirkungstiefe letztlich mehr als schm\u00fcckendes Beiwerk betrachtet werden. Dazu geh\u00f6rt etwa die Ank\u00fcndigung, W\u00e4lder im Bundesbesitz mittelfristig mindestens nach FSC- oder Naturland-Standards zu bewirtschaften. Dieses Ziel w\u00fcrde auf einer Fl\u00e4che greifen, die nur in etwa dem K\u00f6lner Stadtgebiet entspricht und ist zeitlich wenig ambitioniert formuliert. \u00c4hnlich beim angek\u00fcndigten Stopp von Einschl\u00e4gen in alten, naturnahen Buchenw\u00e4ldern der \u00f6ffentlichen Hand: Erstens bleibt unklar wie dies umgesetzt w\u00fcrde, zweitens d\u00fcrften ob der vierfachen Einschr\u00e4nkung letztlich nur sehr wenige Waldfl\u00e4chen profitieren. Interessant k\u00f6nnte der Passus werden, wenn dadurch konfliktive Gro\u00dfinfrastrukturvorhaben ber\u00fchrt w\u00fcrden (vergleichbar etwa mit den Prosteten anl\u00e4sslich der Rodungen im Dannenr\u00f6der Forst f\u00fcr den Bau der A-49).<\/p>\n<p>Verpasste Klimafolgenanpassung seien erst teuer und irgendwann unbezahlbar &#8211; stellte der Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft angesichts von \u00fcber 180 Todesopfern und Sch\u00e4den idHv. gesch\u00e4tzt 30 Mrd.\u20ac nach der Hochwasserkatastrophe dieses Jahr fest. Die Wucht der durch Dauer- und Starkregen ausgel\u00f6ste Fluten wurde durch Waldsch\u00e4den im Einzugsgebiet miterm\u00f6glicht. Zwar nimmt sich die Ampelkoalition dem Thema Adaptation an und verspricht ein neues Klimaanpassungsgesetz als Rahmenwerk f\u00fcr die nationale Klimaanpassungsstrategie. Unklar bleibt jedoch:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie soll sich das im Vergleich zur Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe deutlich unterfinanzierte nationale Programm f\u00fcr pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zuk\u00fcnftig entwickeln?<\/li>\n<li>Wie wird sich der im Katastrophenfall greifende Solidarit\u00e4tsfonds der Europ\u00e4ischen Union entwickeln?<\/li>\n<li>Welche Rolle werden dabei dem Erhalt und der Verbesserung des Erhaltungszustands von Wald\u00f6kosystemen zugesprochen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztere spielen nicht nur f\u00fcr das Risiko von Fluten und Lawinen, sondern auch bei Hitzewellen, Br\u00e4nden, St\u00fcrmen und nicht zuletzt als psychosoziale Erholungsr\u00e4ume in Krisen jeder Art eine tragende Rolle.<\/p>\n<p>Gewisse Fragezeichen ergeben sich durch die Ampelabsicht eines Privatisierungsstopps von bundeseigenen Fl\u00e4chen, die dem Naturschutz oder dem beschleunigtem Ausbau erneuerbarer Energien (Windkraft- und PV-Anlagen im Au\u00dfenbereich) dienen k\u00f6nnen. In die Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben \u00fcberf\u00fchrt, sollen diese an entsprechende Interessenten verpachtet werden. Das ergibt augenscheinlich Sinn f\u00fcr Betreiber von Anlagen. Fraglich ist dagegen, wie dieses Modell ausgestaltet werden kann, damit es zu einer dauerhaften Zweckbindung f\u00fcr den Naturschutz f\u00fchrt. Fiele der Schutzzweck in der Praxis am Ende weitestgehend aus, st\u00fcnde f\u00fcr den Wald netto ein weiter steigender Nutzungs- und Umwandlungsdruck zu Buche.<\/p>\n<p><strong>Schwach- und Fehlstellen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz vieler Passagen, die den Wert von Waldbiodiversit\u00e4t und Umweltleistungen unterstreichen, scheint der Koalitionsvertrag an relevanten Stellen das Primat forstwirtschaftlicher Eingriffe zum Zwecke der Holzproduktion zu st\u00e4rken. Die Rolle der Waldwirtschaft beim \u201egezielten\u201c Umbau wird betont. Ungenannt dagegen bleiben Zielkonzepte wie Plenter- oder Dauerwald, oder das im naturnahen Waldumbau \u00e4u\u00dferst wichtige Prinzip der (unterst\u00fctzten) Naturverj\u00fcngung. Skeptisch stimmt weiter, dass als besonders tiefer Eingriff wirkende forstliche Praktiken, wie Kahlschl\u00e4ge, der Anbau gro\u00dffl\u00e4chiger Monokulturbest\u00e4nde, gro\u00dfmaschinelle Fl\u00e4chenbefahrungen sowie die Schadstoffimissionen durch einen breiten Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Holzschutzmitteln weder als \u00f6kologisch problematisch, noch als zu vermeiden herausgestellt werden.<\/p>\n<p>Die Ampel-Position zum Thema Biomasse ist nicht nur als \u00e4u\u00dferst schwammig, sondern als eindeutige Schwachstelle zu werten. In zwei d\u00fcrren S\u00e4tzen wird Biomasse im Kapitel <em>Erneuerbare Energien<\/em> eine neue Zukunft mit neuer Nachhaltigkeitsstrategie versprochen. Die Ampel verpasst es, sich gegen die klar umwelt- und klimasch\u00e4digende Umr\u00fcstung von Kohlekraftwerken auf Holzverbrennung auszusprechen. F\u00fcr den Waldsektor w\u00e4re hier eine glockenklare Absage an die F\u00f6rderung und den Ausbau der energetischen Nutzung von Frischholz jedweder Provenienz notwendig gewesen. Um bei der Energiewende weitere schwere und langfristig wirksame Fehlentwicklungen zu verhindern, w\u00e4re es dringend geboten, f\u00fcr eine Reform der EU-Richtlinie f\u00fcr Erneuerbare Energien (RED) einzustehen. Insbesondere d\u00fcrfen die bei Holzverbrennung tats\u00e4chlich entstehenden Emissionen nicht mehr weiter pauschal mit \u201efiktiv-null\u201c bilanziert werden, sondern m\u00fcssten mit dem realen Emissionsfaktor belegt und somit in den Europ\u00e4ische Emissionshandel eingebunden werden.<\/p>\n<p>Eine klare Fehlstelle ist au\u00dferdem das Fehlen konkreter Aussagen zur Entwicklung von Naturw\u00e4ldern, welche sich ohne forstliche Eingriffe und holzwirtschaftliche Nutzung entwickeln k\u00f6nnen. Aus der EU-Biodiversit\u00e4tsstrategie h\u00e4tte an dieser Stelle f\u00fcr Deutschland ein 10%-Fl\u00e4chenziel abgeleitet werden k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Das explizite Bekenntnis zu Fl\u00e4chenzielen auf europ\u00e4ischer Ebene macht insofern stutzig. Dies k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass die Ampel sich hier offen h\u00e4lt. auf eine \u00dcbererf\u00fcllung durch andere Mitgliedsl\u00e4nder zu hoffen, anstatt die Verpflichtungen 1:1 im Inland umzusetzen.<\/p>\n<p>Deutlich kritisiert werden muss au\u00dferdem das v\u00f6llige Fehlen von Ampel-Positionen zum Thema Jagd und Wildtiermanagement. Jagdliche Themen und ihre Akteure haben schon f\u00fcr sich genommen hohe Eigenbedeutung, sollten aber auch wegen Ihrer bedeutsamen Rolle f\u00fcr einen \u00f6kologischen und effizienten Waldumbau nicht ausgeblendet werden. Ein Bekenntnis zur Verbesserung des Wildbestands- und Wildschadenmonitorings als Planungsgrundlage f\u00fcr Eingriffe in die Wildtierpopulationen w\u00e4re wichtig. Die seit Jahren \u00fcberf\u00e4llige Novelle des Bundesjagdgesetzes darf durch die Ampel nicht weiter verschleppt werden. Die Jagdgesetzgebung muss dabei nicht nur aus sich selbst heraus neu geregelt werden, sondern muss noch st\u00e4rker mit \u00fcbergeordneten nationalen und europ\u00e4ischen Vorgaben, insbesondere zum Schutz von Klima und Natur, harmonisiert werden.<\/p>\n<p><strong>Aufgabenverteilung in der neuen Koalition stimmt optimistisch<\/strong><\/p>\n<p>In politischen Koalitionen finden naturgegeben teils konkurrierende Positionen zueinander. Dabei ist neben der gemeinsamen Programmatik vor allem auch die Aufteilung der politischen Machtaus\u00fcbung von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr die zu erwartenden Ergebnisse. F\u00fcr den Waldsektor darf ganz unabh\u00e4ngig von der politischen Einf\u00e4rbung als gro\u00dfer Vorteil gelten, dass erstmals in der bundesdeutschen Geschichte die Ministerien f\u00fcr Wirtschaft (mit Querschnittsaufgabe Kimaschutz), f\u00fcr Umwelt (mit Verbraucherschutz) sowie f\u00fcr Landwirtschaft (mit der Verantwortung f\u00fcr Forst) an die gleiche Partei gehen. Die Erfahrungen aus den letzten Regierungen mit diesen Ressorts waren gepr\u00e4gt von teils schlecht abgestimmten, teils offen opponierenden Ministerien. Wenn es den Gr\u00fcnen gelingen sollte, die ihnen nun zufallenden Ministerialapparate zu einer engen Abstimmung und koh\u00e4renten Waldpolitik zu f\u00fchren, w\u00e4ren damit gro\u00dfe W\u00fcrfe m\u00f6glich. Eine weitere gro\u00dfe Abstimmungsherausforderung wartet im Verh\u00e4ltnis zwischen Bund und L\u00e4ndern, denn Wald, Naturschutz und Jagd fallen der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz zu und sind entsprechend vornehmlich L\u00e4ndersache. Ampelparteien regieren derzeit bis auf in Bayern in jedem Bundesland mit. Die Gr\u00fcnen sind derzeit in 10 von 16 Bundesl\u00e4ndern an der Regierungsverantwortung beteiligt. Die Chancen f\u00fcr Koh\u00e4renz und Bund-L\u00e4nderkooperation ist also prinzipiell gegeben. Optimistisch stimmt etwa das Signal der j\u00fcngsten Umweltministerkonferenz von Bund und L\u00e4ndern (UMK), in welcher diese von der Ampelregierung unisono eine Vorreiterrolle Deutschlands bei den Verhandlungen f\u00fcr das globale Biodiversit\u00e4tsabkommen forderten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Allein aus dem nun vorliegenden Vertragstext l\u00e4sst sich noch nicht eindeutig kl\u00e4ren, ob und wie uns die Ampelkoalition den von ihr skizzierten Fortschrittsmut tats\u00e4chlich \u00fcberbringen wird. Unverbesserliche Naturschutzoptimisten k\u00f6nnten das Papier f\u00fcr den Startschuss einer tiefen sozial-\u00f6kologisch-\u00f6konomischen Transformation im Waldsektor halten. Sie w\u00fcrden den Vertrag als Streben danach lesen, uns die W\u00e4lder als st\u00e4rksten Verb\u00fcndeten in Krisenzeiten zu erhalten und ein neues Waldmanagement zu etablieren, welches Holzproduktion als nur ein wichtiges Ziel unter vielen anderen verfolgt. F\u00fcr absolute Pessimisten ersch\u00f6pft sich die Kraft des Koalitionsvertrags dagegen vermutlich in nur rhetorisch gutem Willen, welcher sich absehbar ausdr\u00fcckt durch die Erstellung von Grundsatz- und Strategiepapieren mit geringer Halbwertszeit. Einige Vorzeigeprojekte und Einzelf\u00f6rderinititativen w\u00fcrden nichts daran \u00e4ndern, dass Besitzstandswahrung und business-as-usual weiter dominieren und unsere W\u00e4lder auf dem bereits beschrittenen Weg von Schadenereignis zu Jahrhundertereignis in eine zunehmend unkontrollierbare Degradationsspirale geraten.<\/p>\n<p>Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen diesen Extremen. Und die gute Nachricht lautet: Sie ist noch nicht festgelegt! Fest steht, viele waldrelevante Ans\u00e4tze des vorgestellten Koalitionsvertrages sind begr\u00fc\u00dfenswert. Damit nun aus einiger progressiver Rhetorik und manchen nicht zu \u00fcbersehenden offenen Fragen auch eine begr\u00fc\u00dfenswerte Waldpolitik wird, braucht es hier engagierte Unterst\u00fctzung und dort wachsame Kritik. Sicher ist eines &#8211; auch unter der Ampelregierung bleibt die flankierende Zivilgesellschaft notwendig.<\/p>\n<p>Machen wir zusammen das Beste daraus!<\/p>\n<!-- Begin Yuzo --><div class='yuzo_related_post style-1'  data-version='5.12.74'><!-- without result --><div class='yuzo_clearfixed yuzo__title yuzo__title'><h3>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren<\/h3><\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/eugh-urteil_bialowieza\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/07\/Wisente-340x226.png') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; \"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t\t   <span class=\"yuzo__text--title\" style=\"font-size:13px;\">Bia\u0142owie\u017ca-Urwald: Europ\u00e4ischer Gerichtshof droht ...<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <\/a>\n\n\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/nabu-gap-ticker-2019-06-14\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2018\/06\/nabu-agrar-ticker-340x226.jpg') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; \"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t\t   <span class=\"yuzo__text--title\" style=\"font-size:13px;\">NABU-GAP-Ticker: Alles auf Anfang \u2013 wie geht...<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <\/a>\n\n\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/nabu-gap-ticker-systemwechse\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2018\/06\/nabu-agrar-ticker-340x226.jpg') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; \"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t\t   <span class=\"yuzo__text--title\" style=\"font-size:13px;\">NABU-GAP-Ticker: Systemwechsel?  \u2013 Von wegen...<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <\/a>\n\n\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/auftakt-ins-neue-superjahr-der-one-planet-summit\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/01\/One_planet_summit_logo-340x226.png') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; \"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t\t   <span class=\"yuzo__text--title\" style=\"font-size:13px;\">Auftakt ins neue Superjahr? Der One Planet Summit<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <\/a>\n\n\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n<\/div> <style>\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post img{width:120px !important; height:110px !important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb{line-height:15px;background: !important;color:!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb:hover{background:#fcfcf4 !important; -webkit-transition: background 0.2s linear; -moz-transition: background 0.2s linear; -o-transition: background 0.2s linear; transition: background 0.2s linear;;color:!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb a{color:!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb a:hover{ color:}!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb:hover a{ color:!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .yuzo_text {color:!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb:hover .yuzo_text {color:!important;}\n\t\t\t\t\t\t\t\t.yuzo_related_post .relatedthumb{  margin: 0px  0px  0px  0px;   padding: 5px  5px  5px  5px;  }\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/style> <script>\n\t\t\t\t\t\t  jQuery(document).ready(function( $ ){\n\t\t\t\t\t\t\t\/\/jQuery('.yuzo_related_post').equalizer({ overflow : 'relatedthumb' });\n\t\t\t\t\t\t\tjQuery('.yuzo_related_post .yuzo_wraps').equalizer({ columns : '> div' });\n\t\t\t\t\t\t   })\n\t\t\t\t\t\t  <\/script> <!-- End Yuzo :) -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.12. 2021. 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