{"id":5922,"date":"2021-01-15T16:03:26","date_gmt":"2021-01-15T15:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/?p=5922"},"modified":"2021-01-26T10:59:34","modified_gmt":"2021-01-26T09:59:34","slug":"brexit-deal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/brexit-deal\/","title":{"rendered":"Brexit: Deal, Umwelt und aus?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5923\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5923\" data-attachment-id=\"5923\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/brexit-deal\/brexit-4166040_1280\/\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/01\/brexit-4166040_1280.jpg\" data-orig-size=\"800,533\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"brexit-4166040_1280\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Brexit. Foto Willfried Wende \/ Pixabay&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/01\/brexit-4166040_1280-300x200.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/01\/brexit-4166040_1280.jpg\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-5923 size-full\" src=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/01\/brexit-4166040_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"533\" \/><p id=\"caption-attachment-5923\" class=\"wp-caption-text\">Die EU und Gro\u00dfbritannien. Foto Willfried Wende<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>ich wei\u00df dass der Brexit bei vielen von uns nicht (mehr) zu den Lieblingsthemen z\u00e4hlt. Auch ich habe andere Favoriten. Trotzdem kann und m\u00f6chte ich Ihnen und Euch diesen Text nicht ersparen. Denn schlie\u00dflich hat das k\u00fcnftige Verh\u00e4ltnis zwischen der Europ\u00e4ischen Union und Gro\u00dfbritannien Auswirkungen f\u00fcr den Umwelt-, Klima- und Naturschutz. Ganz ausblenden sollten wir das Thema also auch in Zukunft nicht. Aber seht selbst!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Die unendliche Geschichte<\/h2>\n<p>Im Juni 2016 entschieden sich eine hauchd\u00fcnne Mehrheit der Briten daf\u00fcr, die Europ\u00e4ische Union verlassen zu wollen. Damals schrieb ich, dass mit dieser Entscheidung auch die Juncker-Politik einer sozial unfairen, den Umweltschutz vernachl\u00e4ssigenden und wenig b\u00fcrgerdemokratischen Union gescheitert sei (<a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/brexit-juncker-agenda-gescheitert\/\">siehe diesen Natursch\u00e4tze.Retten-Blog<\/a>). Wir alle wissen, dass das Drama sich sodann in die L\u00e4nge zog. Im Oktober 2017 veranstalteten wir vom NABU mit unserem Partnerverband RSPB aus Gro\u00dfbritannien in der britischen Botschaft in Berlin eine Veranstaltung, um Leitlinien f\u00fcr einen umweltschutzkonformen Deal aufzuzeigen (<a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/umweltfreundlicher-brexit\/\">n\u00e4heres in diesem Natursch\u00e4tze.Retten-Blog<\/a>). Auch zur Europawahl 2019 lie\u00dfen wir den Vorsitzenden des RSPB zu Wort kommen und erinnerten daran, einen Unterbietungswettbewerb zu vermeiden (<a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/umwelt-und-ressourcen\/gesellschaft-und-politik\/europa\/wahl2019\/26298.html\">siehe diesen Gastbeitrag von Mike Clarke<\/a>). Umwelt- und Naturschutz sind schlie\u00dflich grenz\u00fcberschreitend n\u00f6tig. Eigentlich sollte es dann schon im Januar letzten Jahres konkreter werden mit dem Brexit-Deal, also dem Handelsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union und Gro\u00dfbritannien. Also formulierten wir erneut Ideen und bewerteten die aktuelle Debatte (<a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/brexit-day\/\">siehe diesen teils mahnenden, teils vorsichtig optimistischen Natursch\u00e4tze.Retten-Blog<\/a>). Doch letztlich sollte noch ein weiteres Jahr vergehen. Die vom Europ\u00e4ischen Parlament wegen der Vertragspr\u00fcfung gesetzte Frist vor der Weihnachtspause war bereits verstrichen. Der NABU warnte kurz vor Jahresende davor, ein Abkommen um jeden Preis zu schlie\u00dfen (<a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/presse\/pressemitteilungen\/www.birdlife.org\/euroelections2009\/www.birdlife.org\/www.nabu.de\/themen\/verkehr\/verkehrspolitikprojekte\/fehmarnbelt\/www.bmu.de\/themen\/wirtschaft-produkte-ressourcen-tourismus\/wirtschaft-und-umwelt\/gruenes-drehen\/index.php?popup=true&amp;show=30312\">siehe diese Pressemitteilung<\/a>). Das Aufgeben von in der EU bestehenden Umweltschutzstandards etwa, nur um den Briten entgegenzukommen, war unbedingt zu vermeiden. Am 24. Dezember 2020 einigten sich die EU und UK aber in letzter Minute vor Vollzug des Brexits doch noch auf ein Handelsabkommen. Viele hielten es wichtig, einen \u201eDeal\u201c zu haben, statt in die b\u00fcrokratischere und ungewissere \u201eNo-Deal-Situation\u201c einzutreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das Handelsabkommen<\/h2>\n<p>Was steht diesbez\u00fcglich nun in dem langen, teils aber dennoch wenig spezifischen Vertragstext (<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/?uri=uriserv%3AOJ.L_.2020.444.01.0014.01.ENG\">in verschiedenen Sprachen hier abrufbar<\/a>)? Vorweg: ganz so tragisch wie bef\u00fcrchtet ist die Vereinbarung bez\u00fcglich fairer Wettbewerbsbedingungen und geltender Umweltstandards nicht. Gleichwohl sind die Sicherheitsmechanismen, um k\u00fcnftige Abw\u00e4rtsspiralen (\u201erace to the bottom\u201c) zu verhindern, nicht besonders stark (<a href=\"https:\/\/community.rspb.org.uk\/ourwork\/b\/martinharper\/posts\/an-assessment-of-what-brexit-and-the-new-uk-eu-trade-deal-mean-for-nature\">siehe f\u00fcr eine weitergehende Analyse z.B. auch diesen Beirag von Martin Harper vom RSPB<\/a>).<\/p>\n<p>Das in der englischen Fassung einschlie\u00dflich der Anh\u00e4nge 1449 Seiten umfassende Abkommen gliedert sich in verschiedene Teile. Von diesen sind f\u00fcr den Umweltschutz wohl vor allem jene zum \u201efairen Wettbewerb\u201c (Teil 2, Unterabschnitt 1, \u00dcberschrift 11) mit den allgemeinen Bedingungen (Kapitel 1) und den besonderen Vorschriften zu \u201eUmwelt und Klima\u201c (Kapitel 7) relevant.<\/p>\n<ul>\n<li>Bez\u00fcglich des <strong>fairen Wettbewerbs<\/strong> wurde blumig ein Wettbewerbsumfeld mit hohem Schutzniveau vereinbart (\u00dcberschrift XI, Kapitel 1, Artikel 1). Hervorgehoben wird dabei der Handel als Hauptzweck des Abkommen, nicht die Harmonisierung von Standards.<\/li>\n<li>Im (Unter-) Kapitel zu <strong>Umwelt und Klima<\/strong> findet sich sodann zwar die Auflistung verschiedener Umweltg\u00fcter wie Naturschutz und Biodiversit\u00e4t, die zum gemeinsamen Schutzniveau z\u00e4hlen sollen (Kapitel 7, Artikel 7.1).<\/li>\n<li>Allerdings ist die gew\u00e4hlte Formulierung, die das\u00a0 gemeinsame <strong>Schutzniveau <\/strong>f\u00fcr einen fairen Wettbewerb sichern soll (in Artikel 7.2), interpretationsbed\u00fcrftig. Diese stellt n\u00e4mlich ein Verh\u00e4ltnis zum Handel oder Investitionen der Vertragsparteien her (\u201ein a manner affecting trade or investment between the parties\u201c). Die genaue Reichweite muss sich hier erst noch zeigen.<\/li>\n<li>Das hei\u00dft zum anderen aber vor allem, dass vom Grundsatz her nur die heutigen Standards das Schutzniveau des Wettbewerbsumfelds bilden. Zuk\u00fcnftige Fortschreibungen m\u00fcssen nicht automatisch von beiden Seiten \u00fcbernommen werden.<\/li>\n<li>Bez\u00fcglich gewisser <strong>Grundprinzipien des <\/strong>Umweltschutzes (Artikel 7.4) verpflichten sich die Vertragsparteien vom Wortlaut her auch nur, diese zu respektieren, sprechen aber nicht von \u201eumsetzen\u201c.<\/li>\n<li>Die <strong>Durchsetzung <\/strong>der Gew\u00e4hrleistung des Schutzniveaus erfolgt (laut Artikel 7.5) durch die jeweiligen Beh\u00f6rden der Vertragsparteien selbst. Im Unterschied zu anderen Vertragsbestandteilen greifen also nicht die Regeln \u00fcber den eigentlichen Streitbeilegungsmechanismus (Teil 6, Dispute Settlement). Eine effektive Kontrolle unabh\u00e4ngig von den Mitgliedstaaten, wie wir sie in der EU z.B. durch den EuGH kennen, gibt es bez\u00fcglich der Achtung gemeinsamer Umweltstandards naturgem\u00e4\u00df auch nicht mehr.<\/li>\n<li>Immerhin enth\u00e4lt das Abkommen auch das Bekenntnis, dass sich die Vertragsparteien zur effektiven Umsetzung z.B. des <strong>Paris-\u00dcbereinkommens<\/strong> verpflichten (Artikel 8.5). Weitergehende Absprachen gibt es f\u00fcr die Kooperation im Bereich <strong>Offshore-Windenergie <\/strong>(\u00dcberschrift 8 dieses Unterabschnitts), Transport, etc.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wie geht es weiter<\/h2>\n<p>Offiziell muss zun\u00e4chst noch das Europ\u00e4ische Parlament dem vorl\u00e4ufig in Kraft gesetzten Brexit-Deal zustimmen. Dies sollte bis Ende Februar passieren. Fraglich ist nat\u00fcrlich, inwieweit Abgeordnete in diesem Stadium \u00fcberhaupt substantielle \u00c4nderungsantr\u00e4ge einbringen k\u00f6nnen. Auch viele andere Fragen sind noch offen. So wird sich erst in den Folgejahren zeigen, in welche Richtung sich die Gesetzgebung von Gro\u00dfbritannien (und der Europ\u00e4ischen Union mit ihrem aktuellen European Green Deal) entwickelt, und welche Rolle dabei Umwelt- und Klimaschutz spielen. D\u00fcstere Prognosen sind verfr\u00fcht. Die Grundgefahr, dass ein gewichtiger Wirtschaftsraum sich durch das Absenken von Umweltstandards Wettbewerbsvorteile zu verschaffen sucht, und dies auch bei den Handelspartnern einen Abw\u00e4rtstrend ausl\u00f6st, besteht in gewissem Ma\u00dfe fort. Die diesbez\u00fcglich getroffenen Regelungen lassen Interpretationsspielraum zu und bieten keine abschlie\u00dfende Sicherheit. Ob der Mechanismus, \u00fcber die jeweiligen Beh\u00f6rden von UK und EU Einspruch gegen Wettbewerbsverzerrungen durch abweichende Umweltstandards einzureichen, effektiv sein kann, ist ungewiss. Auf beiden Seiten ist hierf\u00fcr zeitnah \u00fcberhaupt erstmal auf das Einrichten der entsprechenden Stellen zu dr\u00e4ngen. Sodann sind sicher auch gemeinsame Kriterien sinnvoll, die festlegen, wann eine Wettbewerbsverzerrung vorliegt. Au\u00dferdem ist weiterhin die Aufsichts- und Kontrollfunktion von Umweltschutzverb\u00e4nden und der Zivilgesellschaft erforderlich, sowohl in der EU als auch in Gro\u00dfbritannien. Bleibt insgesamt zu hoffen, dass sich die Gesetzgebung auch in Gro\u00dfbritannien nicht nach unten entwickelt, und stattdessen ein beidseitiger Aufw\u00e4rtstrend (\u201erace to the top\u201c) einsetzt. G\u00e4nzlich ad acta legen k\u00f6nnen wir das Thema also leider noch nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- Begin Yuzo --><div class='yuzo_related_post style-1'  data-version='5.12.74'><!-- without result --><div class='yuzo_clearfixed yuzo__title yuzo__title'><h3>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren<\/h3><\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/nervenkrieg\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/12\/Wei\u00dfspitzenhochseehai_Autor_Raimund-Paris-340x226.jpg') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; \"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t\t   <span class=\"yuzo__text--title\" style=\"font-size:13px;\">COP-Corner: Die Seeschlacht von Canc\u00fan<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <\/a>\n\n\t\t\t\t\t\t  <\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/greendeal\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/12\/commissioners_twitter_post-340x226.jpg') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; 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