{"id":5259,"date":"2020-01-31T09:35:28","date_gmt":"2020-01-31T08:35:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/?p=5259"},"modified":"2020-01-31T14:02:32","modified_gmt":"2020-01-31T13:02:32","slug":"brexit-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/brexit-day\/","title":{"rendered":"The good, the bad and the ugly: Umweltgedanken zum Brexit"},"content":{"rendered":"<p>Heute um 23 Uhr Br\u00fcsseler Zeit verl\u00e4sst Gro\u00dfbritannien die Europ\u00e4ische Union. Der NABU und sein europ\u00e4isches Partnernetzwerk BirdLife International bedauern dies zutiefst. Im Folgenden ein paar Gedanken und Lesetipps, die den Blick vor allem nach vorne richten. Was bringt uns der Brexit f\u00fcr die Rettung von Artenvielfalt und Klima?<!--more--><\/p>\n<h3>Ein Umweltvorreiter verl\u00e4sst die EU<\/h3>\n<p>Mit Gro\u00dfbritannien verliert die EU ein Land, das sich zwar immer wieder f\u00fcr eine Absenkung von sozialen und Umweltstandards eingesetzt hat, aber auch oft eine starke Stimme f\u00fcr Natur- und Klimaschutz war. Das &#8222;Grundgesetz&#8220; des europ\u00e4ischen Naturschutzes, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie wurde ganz entscheidend von Briten mit auf den Weg gebracht. Einer der Paten der FFH-Richtlinie ist \u00fcbrigens Stanley Johnson, der Vater des amtierenden britischen Premierministers, ehemaliger Abgeordneter des Europ\u00e4ischen Parlaments. Hier ein <a href=\"http:\/\/www.euractiv.de\/section\/energie-und-umwelt\/opinion\/die-eu-naturschutzrichtlinien-das-vertrauen-von-millionen-buergern-liegt-in-junckers-haenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gemeinsamer Aufruf von Johnson und dem ehemalige NABU-Pr\u00e4sident Olaf Tschimpke<\/a> zur Verteidigung der FFH-Richtlinie von 2016, und hier ein <a href=\"https:\/\/www.birdlife.org\/europe-and-central-asia\/news\/juncker-will-soon-abandon-course-says-stanley-johnson\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit Johnson (auf Englisch)<\/a> aus derselben Zeit.<\/p>\n<h3>Die NGOs bleiben verbunden<\/h3>\n<p>Die europ\u00e4ischen Natur- und Vogelschutzverb\u00e4nde haben dem Engagement der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) viel zu verdanken. RSPB, die mitgliederst\u00e4rkste Naturschutzorganisation Europas, hat gemeinsam mit dem NABU das weltgr\u00f6\u00dfte Netzwerk von Naturschutzverb\u00e4nden, BirdLife International, gegr\u00fcndet und gleichzeitig eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen in S\u00fcd- und Osteuropa, in Zentralasien und in anderen Teilen der Welt aufgebaut. Unser BirdLife Partner RSPB wird sich weiter einbringen &#8211; in Br\u00fcssel aber schmerzlich fehlen, denn auch f\u00fcr den Aufbau des EU-B\u00fcros von BirdLife war RSPB ma\u00dfgeblich. Unsere britischen Freunde haben zum Beispiel ganz entscheidend die Arbeit zur Verteidigung der erw\u00e4hnten FFH-Richtlinie (gegen Deregulierer aus Deutschland) unterst\u00fctzt und auch die agrarpolitische Arbeit europaweit koordiniert, bevor dies der NABU jetzt \u00fcbernahm. Ein interessantes <a href=\"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/warum-vogelschutzrichtlinie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit dem fr\u00fcheren RSPB-Koordinator f\u00fcr internationale Arbeit, Alistair Gammel<\/a>, ist einer der meistgelesenen Beitr\u00e4ge dieses Blogs geworden. Und hier, brandneu, der <a href=\"https:\/\/community.rspb.org.uk\/ourwork\/b\/martinharper\/posts\/a-comment-on-the-uk-s-exit-from-the-european-union\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommentar seines heutigen Nachfolgers Martin Harper<\/a>, der in wenigen Wochen auch den NABU in Berlin besuchen wird.<\/p>\n<h3>Anforderungen an eine Handelsabkommen, das dem European Green Deal gerecht wird<\/h3>\n<p>F\u00fcr den Natur- und Umweltschutz in Europa wird es von gro\u00dfer Bedeutung sein, wie das noch auszuhandelnde Handelsabkommen zwischen Gro\u00dfbritannien und der EU aussehen wird. NABU und RSPB haben hierzu bereits vor Jahren <a href=\"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/umweltfreundlicher-brexit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">konkrete Forderungen<\/a> aufgestellt und teilweise in die Verhandlungen f\u00fcr die \u00dcbergangsregelung eingebracht. Im Vorfeld der Europawahl 2019 erl\u00e4uterte der damalige <a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/umwelt-und-ressourcen\/gesellschaft-und-politik\/europa\/wahl2019\/26298.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RSPB-Chef Mike Clarke im NABU-Magazin &#8222;Naturschutz Heute&#8220;<\/a> die wichtigsten Punkte.<\/p>\n<p>Jetzt gilt es Druck auf die Regierungen beider Seiten auszu\u00fcben, damit in Gro\u00dfbritannien auch nach der \u00dcbergangsphase ab 2021 dieselben Umweltstandards gelten und durchgesetzt werden wie in der EU. Trotz aller Beteuerungen, dass dem so sein wird, stehen die Zeichen daf\u00fcr nicht allzu gut: Erstens schielein einige in der britischen Regierung darauf, eine Art \u201eSingapur\u201c an der Themse zu werden, ein Br\u00fcckenkopf f\u00fcr US-amerikanische Unternehmen in Europa \u2013 ein Steuerparadies mit wesentlich niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards (andere \u201eVorteile\u201c des Brexit fallen auch den EU-Gegnern in England kaum ein&#8230;). Doch dies darf die EU keinesfalls akzeptieren und muss das sogenannte \u201elevel playing field\u201c als Bedingung f\u00fcr Zugang zum Binnenmarkt machen, wie dies auch f\u00fcr die Schweiz oder Norwegen \u00fcberwiegend gilt. Zweitens wird leider auch auf EU-Seite noch viel zu wenig beachtet, dass Standards auch durchgesetzt werden m\u00fcssen. Bislang ist auf britischer Seite noch viel zu wenig geschehen um Mechanismen aufzubauen, die eine \u00e4hnliche Durchsetzung garantieren wie dies in der EU mit ihrer Kommission, Beschwerdem\u00f6glichkeiten und dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof der Fall ist (ohne deren Druck zum Beispiel Deutschland nie die Nitratstandards einhalten w\u00fcrde). Ein \u00c4quivalent hierzu gibt es bisher nicht in Gro\u00dfbritannien. Und drittens muss \u2013 man denke an die Ambitionen des \u201eEuropean Green Deal\u201c und die Dringlichkeit der Umweltkrise &#8211; garantiert werden, dass beide Seiten ihre Standards anheben, sobald der jeweils andere dies tut. Wenn dies nicht erf\u00fcllt wird, besteht noch eine ganz andere Gefahr, als dass Umwelt und Naturschutz in Gro\u00dfbritannien unter die R\u00e4der kommen: Der Druck, die Standards zu senken (oder nicht ausreichend anzuheben) stiege auch innerhalb der EU, denn niemand will unfairen Wettbewerb in seinem eigenen Land.<\/p>\n<h3>Spannendes Versuchslabor f\u00fcr Klimaschutz und Agrarpolitik?<\/h3>\n<p>Es ist aber nicht gesagt, dass in allen Bereichen Gro\u00dfbritannien der EU hinterherhinkt. Zum einen k\u00f6nnen sich auch dort die politischen Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern, der Deregulierungswahn beendet werden, denn das Umweltbewusstsein in der Bev\u00f6lkerung ist gro\u00df, die Wissenschaft exzellent. Zum anderen gibt es bereits jetzt interessante Schritte und Ank\u00fcndigungen f\u00fcr ambitionierten Klimaschutz und eine <a href=\"http:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/nabu-gap-ticker-2018-09-27\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ganz andere Agrarpolitik<\/a>. Die britische Regierung will den Brexit daf\u00fcr nutzen, das zu tun, wozu Deutschland und die EU durch die Blockade der agrarindustriellen Lobby jahrzehntelang nicht im Stande waren: Die Umwandlung der ineffizienten, unsozialen und umweltsch\u00e4dlichen Fl\u00e4chenpr\u00e4mien in gezielte Anreize und Investitionshilfen f\u00fcr B\u00e4uerinnen und Bauern \u2013 mit dem Ziel die \u00f6kologische Transformation der Landwirtschaft durchzusetzen. Es lohnt sich, die k\u00fcnftigen Entwicklungen in Gro\u00dfbritannien genau zu beobachten.<\/p>\n<div id=\"attachment_5264\" style=\"width: 182px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/01\/IMG_20200131_092732.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5264\" data-attachment-id=\"5264\" data-permalink=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/brexit-day\/img_20200131_092732\/\" data-orig-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/01\/IMG_20200131_092732.jpg\" data-orig-size=\"360,627\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_20200131_092732\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/01\/IMG_20200131_092732-172x300.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/01\/IMG_20200131_092732.jpg\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-5264 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/01\/IMG_20200131_092732-172x300.jpg\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5264\" class=\"wp-caption-text\">Abschiedsparty im Europ\u00e4ischen Parlament. Foto: Andr\u00e9 Prescher<\/p><\/div>\n<h3>Eine zus\u00e4tzliche Stimme f\u00fcr den Planeten?<\/h3>\n<p>Auf globaler Ebene k\u00f6nnte sich der Brexit auch als Chance erweisen. Bislang war Gro\u00dfbritannien beispielsweise bei UN-Klima- und Biodiversit\u00e4tsabkommen immer Teil des EU-Blocks. Nun k\u00f6nnte es eine zus\u00e4tzliche progressive Stimme in die Wagschale werfen. Falls sich nach dem Abflauen des hysterischen EU-Ablehnung die britische Politik vom Mantra der Deregulierung und des Nationalismus auf die Rolle besinnt, die es lange gespielt hat. Ein Land mit exzellenter Wissenschaft, au\u00dfergew\u00f6hnlicher Naturliebe und gro\u00dfer Unterst\u00fctzung f\u00fcr internationale Kooperation kombiniert mit bester diplomatischer Vernetzung weltweit.<\/p>\n<!-- Begin Yuzo --><div class='yuzo_related_post style-1'  data-version='5.12.74'><!-- without result --><div class='yuzo_clearfixed yuzo__title yuzo__title'><h3>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren<\/h3><\/div>\n\t\t\t\t\t\t  <div class=\"relatedthumb \" style=\"width:125px;float:left;overflow:hidden;\">  \n\t\t\t\t\t\t\t  \n\t\t\t\t\t\t\t  <a  href=\"https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/cop-corner-landwirtschaft\/\"  >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t  <div class=\"yuzo-img-wrap \" style=\"width: 125px;height:90px;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"yuzo-img\" style=\"background:url('https:\/\/blogs.nabu.de\/naturschaetze-retten\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/12\/IMG-20161205-WA0002-340x226.jpg') 50% 50% no-repeat;width: 125px;height:90px;margin-bottom: 5px;background-size: cover; 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