Irrweg auf der Straße: Verbrennungsmotor und synthetische Kraftstoffe sind nicht die Zukunft

Irrweg auf der Straße: Verbrennungsmotor und synthetische Kraftstoffe sind nicht die Zukunft

Es wird eng für den Verbrennungsmotor – und damit die nach wie vor auf Diesel und Benziner spezialisierte Autoindustrie in Deutschland. Weltweit kündigen immer mehr Staaten an, in den kommenden fünf, zehn oder spätestens zwanzig Jahren keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zulassen zu wollen. Darunter für die deutschen Hersteller so wichtige Märkte wie Großbritannien oder Frankreich, aber auch Indien, Kalifornien, die Niederlande oder Dänemark.

Doch auch aus der Industrie selbst kommen dieser Tage bemerkenswerte Verlautbarungen: So haben unlängst Schwergewichte wie General Motors oder Ford sowie kleinere, aber ebenfalls sehr bekannte Marken wie Volvo oder Jaguar den Abschied von der Produktion von Verbrennungsmotoren verkündet. Selbst im Schwerlastbereich haben die weltweit führenden Hersteller MAN, Daimler, Volvo, Scania, DAF und andere unter dem Dach ihres Branchenverbands im Dezember letzten Jahres erklärt, ab 2040 keine Fahrzeuge mehr auf den Markt bringen zu wollen, die mit fossilen Kraftstoffen angetrieben werden.

E-Fahrzeuge auf der Überholspur

Gleichzeitig stehen immer mehr Modelle im Pkw- und Nutzfahrzeugsegment zur Verfügungen, die batterieelektrisch angetrieben werden. Die Kundinnen und Kunden freut’s: Der Absatz von E-Fahrzeuge nahm 2020 trotz Corona-Krise drastisch zu: Alleine in Europa wurden im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride zugelassen, ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 137% bei einem ansonsten um rund ein Fünftel geschrumpften Fahrzeugmarkt.
Aus deutscher Perspektive ist dabei der Umstand interessant, dass weltweit die reinen E-Fahrzeuge die Nase vorn hatten, während hierzulande, die aus Klimasicht höchst problematischen Plug-in-Hybride (PHEV) dominieren, die im Wesentlichen weiterhin vom Verbrennungsmotor angetrieben werden, wie eine Studie von Fraunhofer/ICCT zeigt. Der Boom der PHEVs in Deutschland wurde maßgeblich durch die Fördermaßnahmen getrieben, die in Form erheblicher Kaufzuschüsse, aber insbesondere auch steuerlichen Vorteile für die Nutzung eines entsprechenden Fahrzeugs als Dienstwagen geschaffen wurden.

Es ist offenkundig, dass hier ein massiver Fehlanreiz besteht, der Dienstwagenberechtigten erhebliche, finanzielle Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit beschert, ohne dass damit effektiver Klimaschutz einherginge. Eine grundlegende Überarbeitung ist dringend geboten – nicht nur aus Klimaschutz- sondern auch aus sozialen Gründen, wie eine Studie des Öko Instituts im Auftrag des NABU zeigt.
Aber noch ein zweiter Aspekt in der deutschen Debatte sticht heraus: Nirgendwo sonst auf der Welt wird derart erbittert für den Einsatz synthetischer Kraftstoffe gekämpft wie hierzulande. Die Idee dahinter ist, auf Teufel komm‘ raus am Verbrennungsmotor festhalten zu können und irgendeinen Weg zu finden, das von den Entwicklungen überholte Antriebskonzept in die Zukunft hinüber retten zu können. Was auf den ersten Blick verlockend wirken mag, weil vermeintlich für Industrie, Beschäftigte und Kunden alles bleiben kann, wie es ist, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Luftnummer.

Energieschleuder E-Kraftstoffe

Beginnen wir bei der ineffizienten Verwendung erneuerbaren Stroms, dessen Ausbau immer noch zu langsam voranschreitet und der absehbar zum wesentlichen Energielieferanten aller Sektoren werden soll. Die Umwandlung des Stroms in flüssige Kraftstoffe ist mit einem erheblichen Energieaufwand verbunden, bevor überhaupt auch nur ein Tropfen im Tank ankommt. Der bescheidene Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors vernichtet weitere, kostbare Energie, so dass am Ende lediglich magere 13% der eingesetzten Primärenergie für den Vortrieb sorgen. Schon heute gibt es massive Widerstände gegen den Bau von weiteren Windkraftanlagen in Deutschland. Konflikte mit Anwohner*innen, aber auch dem Artenschutz sind an der Tagesordnung. Eine Vervielfachung der zur Produktion von E-Kraftstoffen benötigten Strommenge würde diese Konflikte massiv verschärfen. Vergessen wir nicht, dass auch die Nachfrage nach Grünstrom aus anderen Sektoren zunehmen wird und sei es in Form von grünem Wasserstoff.

Dass all diese Ineffizienz natürlich mit hohen Produktionskosten und damit hohen Preisen für den Endkunden verbunden sind, versteht sich von selbst. Heute belaufen sich alleine die Herstellungskosten auf 4,50 EUR pro Liter, bestenfalls ließe sich das bis 2030 noch auf 2,30 EUR drücken. Hinzu kommen Energie- und Mehrwertsteuer. Die Aufschläge des Brennstoffemissionshandels („CO2-Preis“), die seit Januar 2021 fällig werden, sind dagegen homöopathisch. Wer sich Gedanken um eine sozialverträgliche Mobilitätswende macht, kann hier nur ins Grübeln kommen. Denn selbstverständlich kann es nicht darum gehen, diese Kraftstoffe dauerhaft zu subventionieren und damit künstlich zu verbilligen.

Die CO2-Bilanz synthetischer Kraftstoffe wäre ohnehin nur dann „neutral“ zu nennen, wenn das eingesetzte Kohlendioxid zuvor der Atmosphäre entzogen worden wäre, was heute im Grunde nie der Fall ist. Zentrales Hemmnis ist aber auch die Tatsache, dass es diese Anlagen heute noch nicht gibt. Frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts werden erste Anlagen stehen, wie die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) ermittelt hat. Deutlich zu spät, um noch vor 2030 einen deutlichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Fahrzeugbestands liefern zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass für den Luftverkehr bereits Beimischungsquoten vorgesehen sind, die dafür sorgen werden, dass alles, was an Kapazitäten in zehn Jahren möglicherweise am Markt sein wird, vollständig aufgesogen werden wird. Hier und in der Schifffahrt sind die E-Kraftstoffe allerdings richtig eingesetzt, da uns anders als beim Straßenverkehr die technischen Alternativen fehlen.

Statt falscher Signale konsequent umsatteln auf Klimaschutz

In der Regel verweisen die Befürworter synthetischer Kraftstoffe ohnehin wie selbstverständlich auf Energieimporte, was aber nur dann zulässig wäre, wenn mit dem Entzug der erneuerbaren Kilowattstunden nicht gleichsam die Energiewende in den Herkunftsländern ausgebremst, wenn nicht gar komplett verhindert würde. Angesichts der enormen Zahlungsbereitschaft des Verkehrssektors in den Industriestaaten muss damit gerechnet werden, dass sämtlicher Grünstrom dieser „Gunststandorte“ (in Form flüssiger und gasförmiger Energieträger) in den Export geht. Politische Initiativen, die dies zu verhindern versuchen, sucht man vergeblich. Dabei kann diese Perspektive im globalen Zusammenhang nur als egoistisch bezeichnet werden. Damit sich der wohlhabende Deutsche nicht von seinem geliebten, hochmotorisierten Diesel verabschieden muss, verlängern wir gerne die Abhängigkeit anderer Staaten von fossilen Energiequellen.

Auch industriepolitisch werden fatale Signale an die Hersteller und damit die Beschäftigten der Autoindustrie gesendet, weil suggeriert wird, es gäbe eine Chance, die Produktion nicht konsequent und zügig auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Ein Bärendienst, wenn der Rest der Welt die Fahrzeuge in zehn Jahren nicht mehr haben will und andere Akteure das Rennen machen. Wer sich diese Zusammenhänge bewusst macht, dem ist schnell klar, warum E-Kraftstoffe nicht der verblüffend einfache Königsweg für mehr Klimaschutz sind, sondern die Schlaglochpiste sind, die letztlich den Wagen zum Halten bringen werden.

Folglich dürfen diese Kraftstoffe nicht noch durch gesetzliche Vorgaben gefördert werden. So wäre etwa eine Unterquote zur Beimischung von E-Kraftstoffen für den Straßenverkehr im Zuge der nationalen Unsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie II (RED II) oder eine Anrechnung von synthetischen Kraftstoffen auf die europäischen Flottengrenzwerte von Pkw genau das Gegenteil von effektivem Klimaschutz.

6 Kommentare

Fridays for Hubraum

16.03.2021, 07:53

Es ist ein Irrtum zu glauben, es würde "eng werden" für ICE's . Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne Marktpräferenzen herbeireden.(<1% am Bestand) Es ist ein Irrtum zu glauben, Verbote sind die Lösung.

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Eckhard Koch

10.03.2021, 15:29

Bisher konnte mir niemand erklären, woher der Strom kommen soll um all die E-Autos zu laden, wenn einmal die Sonne nicht scheint und kein Wind weht? Oder sollen dann alle für diese Zeit auf die Benutzung der eigenen Fahrzeuge verzichten, auch wenn der öffentliche Nahverkehr steht, weil die Buse auch nicht geladen werden? Wie wollen wir in dieser Zeit die Stromversorgung für alles was unbedingt notwendig ist z.B. Kühlung von Lebensmittel, Funktion der Kassen im Supermarkt, Krankenhäuser etc. erzeugen? So große Speicher gibt es nicht. Nach meiner persönlichen Einschätzung gibt es nur einen zukunftsweisenden Weg. Die Erzeugung von Solarstrom in den Wüsten diese Erde z.B. der Sahara, die Umwandlung in chemische Energie z.B. über den Weg Wasserstoff zu Methanol und dessen Lagerung und Nutzung. Sicher die Verluste sind relativ groß aber die Energieeinstrahlung dort ist viel höher und gleichmäßiger, die Flächen sind riesig, eine Versiegelung hat nur einen geringen ökologischen Fußabdruck.

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Alex S.

10.03.2021, 15:07

Aller Anfang ist schwierig. Solar kann inzwischen so installiert werden, dass unter den Flächen der Anbau von Gemüse, usw. möglich ist. Man kann alle diese Dinge verbessern, man muss die Dinge nur vorantreiben oder selbst vorangehen. Anders sehe ich die Versiegelung der Flächen durch den Straßenbau. Wo bleiben die ökologischen Projekte? Fahrradwege, Elektrifizierung der Bahn, usw. Hier muss weiter gehandelt werden. Die Verbrenner-Lobby verteufelt die E-Autos. Aber fast jeder besitzt 2,5 Smartphones. Ein E-Auto neuester Generation (mit 80KW-Batterie) ist nach 47.000 Km CO2-Neutral, ein Handy braucht 200 Jahre bis es CO2-Neutral ist. Da kann man ja mal drüber nachdenken, oder? Aber das E-Auto ist tatsächlich nicht die Lösung. Auch nicht weil die Verbrenner-Industrie zu spät auf den Zug aufgesprungen ist und jetzt so tut als ob sie es könnten. Der neueste Bafa-Betrugs-Skandal durch die Vermittler der E-Autos vom VW-Konzern lässt doch an der Ernsthaftigkeit deutscher Ingenieurskunst zweifeln. Ebenso die Affäre bei der VW-Tochter Scania. Das ist alles unglaublich. Auch die Arbeitsplätze der Autoindustrie, die inzwischen in Gebiete verlegt sind, wo Leiharbeiter aus dem EU-Ausland geholt werden, so dass Deutschland wirtschaftlich und ökonomisch immer weniger davon profitiert. Auch dieses Thema muss diskutiert werden. Mobilität und Ökologie: Wirklich helfen wird nur der Brennstoffzellen-Wasserstoff-Antrieb bei Herstellung mit "Grünem Strom". Hier ist natürlich bedingt durch das Überangebot von "Grünem Strom" Schleswig Holstein das Land, das wirklich etwas bewegen könnte. Durch dieses Überangebot könnte das Wasserstoffprojekt von Ove Petersen weiter an Fahrt aufnehmen. Doch was macht die deutsche Ingenieurskunst, unter dem Dach des VDA: Sie entscheiden "Das E-Auto ist die Zukunft, nicht das Wasserstoff-Brennstoffzellen-Auto" (AUDI-Mitteilung), nachdem sie gemerkt haben dass der E-Auto-Markt brummt. Als ich 2018 mein erstes E-Auto gekauft habe, sagten alle zu mir: Das ist doch Mist, wir warten auf das Wasserstoff-Auto. Jetzt gibt es aber keinen deutschen Hersteller mehr (siehe BafA) Liste förderfähiger BSZ-Autos. Deutsche Ingenieurleistung unter dem Dach des VDA macht es NICHT möglich. Die deutschen Hersteller verkaufen lieber die Hybrid-Autos, die größer, schwerer und beim Recycling wieder schlecht auffallen werden. Schade deutsche Ingenieurkunst. Ich bin übrigens auch für ein Tempo-Limit auf allen deutschen Straßen und gegen die Veröffentlichung von Tempo-Überprüfungen.

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Reinhard Laszig

10.03.2021, 12:45

Es ist wirklich wunderbar, wenn man auf der einen Seite die Versiegelung von Flächen beklagt und andererseits haktarweise Solaranlagen (z.B.in Schleswig -Holstein) errichtet.(wohlgemerkt nicht auf Dächern!!!) Gleichzeitig sind allein in SH ca 3500 ha Land für die Landwirtschaft oder den Naturschutz durch Windmühlen unbrauchbar geworden. Und wo die Massen an hochwertigen Rohstoffen herkommen interessiert offenbar auch niemanden.(s. Südamerika, Kongo etc.). Mit freundlichen Grüßen Reinhard Laszig

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Friedhelm Wilkat

10.03.2021, 09:34

Ich bin seid 2020 Besitzer eines Hyundai eKonas, die Preitransparenz an den Ladesäulen fehlt und das Laden ist noch viel zukompliziert.

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Bodo Schneider-Schrimpf

09.03.2021, 18:43

Ja, gewiss ist der Weg mit E-Fuels für Kraftfahrzeuge ein Irrweg, ebenso wie die Vorstellung, da könne man mit Wasserstoff viel bewegen, dem "Champagner unter den Energieträgern" - der batterieelektrische Antrieb ist nicht ohne Grund derjenige, der schon am weitesten entwickelt ist und mit immer größeren Zuwachszahlen in den Verkehr kommt. Aber wichtig ist dabei auch, das bisherige PKW-Konzept nicht 1 : 1 mit E-Antrieb weiter zu verfolgen: So ist die Reichweitendebatte bei E-Autos ein ziemlicher Unsinn; was da aktuell an Reichweiten verlangt wird, kann nur mit großen Akkus umgesetzt werden und die haben nun mal einen erheblichen ökologischen Fußabdruck; dem durchschnittlichen Nutzerprofil, das in der Regel kaum einmal mehr als 100km am Tag benötigt, genügen kleine Akkus, die aber schnell nachzuladen sind, am besten, da wird auch der eingesetzte Rohstoff nicht einfach verschwendet, sondern effizient genutzt. SUVs mit E-Antrieb verbieten sich wegen der Ressourcenaaserei ohnehin. Kleine Autos sind das Ding der Zukunft - wer mal weiter fahren will, der kann das in der Regel doch sowieso besser mit der Bahn erledigen (die auch kräftig ausgebaut gehört) oder sich zur Not auch mal einen Plug-in-Hybrid oder effizienten Verbrenner mieten - das eine Auto, das man sich zulegt und das für jeden auch nur im Entferntesten vorstellbaren Zweck taugen muss, gehört der Vergangenheit an, nur Flexibilität und multimodales Verhalten haben Zukunft. Das hartnäckige Festhalten unserer Automobilfirmen am Verbrennungsantrieb dürfte seinen Grund darin haben, dass man diese komplizierte Technik ziemlich ausentwickelt hat und die Investitionen in Entwicklung und insbesondere Produktionsanlagen jetzt noch so lange wie möglich nutzen will - die E-Antriebstechnik ist nichts, worauf die Autokonzerne ein ähnliches Monopol hätten, da kauft man besser Komponenten von Herstellern zu, die in der Technik schon lange Erfahrung haben und das bedeutet Verlust von Kompetenz und Wertschöpfungsanteil, also nichts, was ein Betrieb sich wünschen könnte. Und das in einer Zeit, in der die Automobilbranche eh eher auf dem absteigenden Ast ist ....

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