Glitzer, Glitzer, Bio-Glitzer?

Glitzer, Glitzer, Bio-Glitzer?

Glitzer-Nägel, Glitzer-Make-Up, Glitter-Gesichtscreme, Glitzer für Lippen, Haare, oder den gesamten Körper – Glitzer schleicht sich in unsere Alltagsprodukte und erfährt steigende Beliebtheit auf Festivals, Partys und auf den Laufstegen der Welt.

Bevor wir uns mit den Glitzerpartikeln schmücken, gilt es, kurz innezuhalten. Denn nicht alles, was glitzert, ist gut. Der Glitzer sieht schick aus und bewusst möchte niemand der Umwelt oder seiner Gesundheit schaden, aber die Glitzerpartikel bestehen konventionell aus Kunststoff. Das meistverwendete Trägermaterial PET wird aus dem fossilen Brennstoff Erdöl gewonnen. Für den Glitzereffekt ist es häufig mit Aluminium und synthetischen Farbstoffen angereichert. Aluminium ist in seiner Gewinnung schädlich für die Umwelt und in größeren Mengen potenziell krebserregend. Auch die anderen genannten Bestandteile sind laut Studien bei Kontakt mit der Haut gesundheitlich bedenklich.

Glitzer aus PET = Mikroplastik

Wissenschaftlich wird Mikroplastik häufig definiert als partikuläre Polymere mit einer Größe bis fünf Millimeter Durchmesser. Die chemisch-instabilen Glitzerpartikel sind sehr klein und passieren nach der Dusche schnell mal ungehindert das Abwassersystem und die Kläranlagen. Mikroplastik wurde schon in Oberflächengewässern, Meeren, Trinkwasser und auf Böden entdeckt. Doch die ökologischen Folgen von Mikroplastik sind wissenschaftlich (noch) nicht in Gänze abschätzbar. So wurden einige Schäden an Meeresbewohnern bereits belegt. Weitere Gefahrenpotentiale wie die Folgen chemischer Reaktionen werden aktuell noch erforscht. Auch die Anreicherung in unseren Lebensmitteln ist nicht ausgeschlossen.  Fakt ist, die Kunststoffpartikel verrotten nicht so einfach und bleiben dauerhaft in der Umwelt. Biologische Abbaubarkeit spielt bislang nur eine ungenügende Rolle in Bezug auf Mikroplastik.

Bio-Glitzer ist nicht per se bioabbaubar

Einige Hersteller werben mit einem neuen Bio-Glitzer für den Partyspaß ohne schlechtes Gewissen. Doch hinter der Vorsilbe „bio“ kann vieles stecken. Sie steht beispielsweise für den Einsatz von biobasierten nachwachsenden Pflanzenmaterialien und/oder für biologisch abbaubar. Vorsicht vor Verwechslungen: Biobasierte Rohstoffe sind nicht unbedingt leicht biologisch abbaubar und haben potentiell ökologische Folgen. Auch der Begriff biologischabbaubar ist keine Garantie, weder für ein stichhaltiges Zertifikat, noch für die tatsächliche Abbaubarkeit in der natürlichen Umwelt. Die Kriterien für biologische Abbaubarkeit sind bislang (noch) sehr niedrigschwellig angelegt.

Aber was könnte eine Glitzer-Alternative sein?

Für den Glitzereffekt nehmen einige zertifizierte Naturkosmetik-Hersteller das Mineral Mica/Glimmer. Mica kommt natürlich vor, es wird häufig in Indien abgebaut, wo Kinderarbeit unter Tage Alltag ist und es mehrfach vorkam, dass Minen wegen Umweltbedenken geschlossen wurden.

Ein Hersteller von Bio-Glitzer setzt auf den Biokunststoff PLA, Polymilchsäure, der aus Maisstärke oder Zuckerrohr hergestellt wird und zu 99,9 Prozent biologisch abbaubar sein soll. Im Wasser ist Polymilchsäure auch Jahre und Jahrzehnte später noch zu finden und stellt laut Umweltbundesamt keine gute Alternative dar. Mit welchen Zuschlagstoffen, etwa hinsichtlich der Farbpigmente, das PLA außerdem versehen ist, bleibt Konsumenten und Konsumentinnen verborgen.

Ein anderer Hersteller verwendet laut eigenen Angaben Cellulose, basierend auf nachhaltig angebauten Eucalyptusbäumen, mit natürlichen Farbstoffen und einem kleinen Anteil Aluminium. Laut dem Institut Fraunhofer IMWS können biologisch abbaubare Cellulosepartikel aus Buchenholz, Mais, Weizen und Hafer tatsächlich eine Alternative zu Mikroplastik in bestimmten Produkten darstellen. Allerdings fehlen in Bezug auf die Glitzerprodukte noch verlässliche Informationen darüber, wie lange es dauert, bis das Glitzer biologisch abgebaut ist. Das Forschungsinstitut ist der Meinung, dass es ein vollkommen unbedenkliches und zu einhundert Prozent abbaubares Glitzer bislang nicht gibt. Ob ein Produkt zudem wirklich ökologisch einwandfrei, das heißt aus nachhaltiger ökologischer Forst- und Landwirtschaft und ohne den Einsatz von Gentechnik hergestellt wird und welche Technologie für die Haftung der Glitzerprodukte auf der Haut eingesetzt wird, stehe leider nicht unbedingt auf einer Verpackung oder in der Produktbeschreibung

Muss es denn überhaupt eine Alternative geben?

Das schimmernde Material wird unter hohem Ressourcenverbrauch hergestellt, damit es manchmal nur einen Abend auf unseren Körpern haftet. Kosmetik erfüllt wichtige Funktionen, das Glitzer ist jedoch nur Beiwerk und sollte im Sinne der Ressourcenschonung, wo möglich, vermieden werden. Cellulose-basiertes, bioabbaubares  und zertifiziertes Naturkosmetik-Glitzer kann eine weniger kritische Ausweichlösung darstellen. Genauer hinschauen sollten Sie beim Einsatz von PLA und Mica/Glimmer dies ist auch beim Natrue-Label erlaubt. Wichtig bleibt: auch auf die restlichen Inhaltsstoffe achten und nicht massenhaft nutzen.

Verena Bax

Verena Bax

Referentin für Umweltpolitik
Verena Bax

1 Kommentar

Tobias

08.09.2018, 21:18

Ich frage mich, was schlimmer ist: daß dieses Zeuch verkauft werden darf oder daß es Leute gibt, die sich so ein Zeuch auf den Körper schmieren.

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