Gärtnern bei Trockenheit

Gärtnern bei Trockenheit

Die Klimakrise beschert uns zunehmend Hitzewellen mit langen Trockenperioden. Auch für unsere Gärten ist das eine echte Herausforderung – staubtrockene Böden, braune Rasen und vertrocknete Zier- und Gemüsepflanzen sind die Folge. Auch wenn wir keinen Regen herbeizaubern können, haben wir doch eine ganze Reihe an Möglichkeiten, unseren Gärten durch Dürreperioden zu helfen. Ich habe fünf Tipps zusammengestellt.

Tipp 1: Pflanzen clever auswählen

Heimische, an den Standort angepasste Stauden und Gehölze kommen besser mit unseren Klimabedingungen zurecht und sind insgesamt widerstandsfähiger als die meisten Exoten. Daher brauchen sie in der Regel weniger Pflege und Wasser. Für besonders trockene und sandige Standorte eigenen sich Pflanzen der Trockenstandorte wie Sedum, Sand-Thymian, Sommer-Adonisröschen, Färber-Ginster und andere spezialisierte Pflanzen, die sich auch in eigens angelegten Sandbeeten wohlfühlen. Sie haben sich an Trockenheit angepasst und überstehen auch Dürreperioden.

Im Gegensatz zu einem kurzgeschorenen Einheitsrasen kommt eine artenreiche Wildblumenwiese mit Hitze und Trockenheit meist gut zurecht. Für den Anfang reicht es oftmals aus, den Rasen weniger häufig zu mähen und Wildkräuter zuzulassen.

Tipp 2: Mikroklima verbessern

Heimische Bäume und Hecken beschatten den Garten und halten den Wind ab. Selbst eine nur 1,5 Meter hohe Hecke erzeugt einen bis zu 25 Meter langen Windschatten und kann die Windgeschwindigkeit halbieren. In der Folge verdunsten rund 20 Prozent weniger Wasser und die Bodenfeuchte sowie die Taubildung erhöhen sich – ein echter Gewinn in heißen Sommern!

Hilfreich ist es auch, den Garten nicht topfeben anzulegen. Ein welliges Profil mit Hügeln und Senken schützt den Garten besser vor Austrocknung und Überschwemmung. In den Senken sammelt sich das Regenwasser und versickert langsam. Hügel halten den Wind ab und verhindern so, dass Pflanzen austrocknen. Wenig bekannt, aber sehr wirksam sind auch spezielle Kraterbeete für Gemüsepflanzen. Weiterer Vorteil: Ein derart strukturreicher Garten ist nicht nur widerstandsfähiger, sondern macht auch optisch viel her.

Wer den Platz dafür hat, sollte zudem einen Gartenteich anlegen. Der ist nicht nur für die Tierwelt von unschätzbarem Wert. Er verbessert auch das Mikroklima enorm. Da vor allem die Pflanzen in der Sumpfzone des Teichs viel Wasser verdunsten, wirkt ein Gartenteich wie eine Klimaanlage. Er kühlt den Garten auch nachts deutlich herunter.

Tipp 3: Auf den Boden achtgeben

Ein intakter Boden ist das größte Kapital im Garten. Wer mit Kompost und Mulch den Humusgehalt steigert, sorgt nicht nur dafür, dass viele Pflanzen besser wachsen können. Humus ist auch in der Lage, viel Wasser zu speichern und es bei Trockenheit langsam wieder abzugeben – also genau das Richtige für heiße Sommer. Da die meisten von uns nicht mit schwerem Gerät im Garten unterwegs sind, braucht es zudem keine befestigten Wege. Eine Schicht aus Holzhackschnitzeln, einzelne Trittsteine oder ein einfacher Grasweg genügen in der Regel – so kann das Regenwasser direkt in der Erde versickern, wo es gebraucht wird, und läuft nicht oberflächlich in die Kanalisation ab.

Offener Boden im Garten neigt dazu auszutrocknen. Wer ihn etwa zwischen Gemüsepflanzen mit einer Mulchschicht bedeckt – aus trockenem Rasenschnitt, Ernteresten, Laub oder ähnlichem – reduziert die Verdunstung erheblich. Zwischen höheren Gehölzen oder in Staudenbeeten sind bodendeckende Pflanzen eine gute Lösung. Wo der Boden dennoch offen liegt, hilft die gute alte Hacke. „Einmal gehackt ist dreimal gegossen“ lautet eine alte Gärtnerweisheit. Denn beim Hacken der oberen Bodenschicht werden die Kapillaren im Boden unterbrochen, die das Wasser aus tieferen Bodenschichten nach oben leiten, wo es verdunstet. Hacken unterbricht den Mechanismus, sodass das Wasser im Boden bleibt.

Tipp 4: Richtig gießen

Am besten gießt man den Garten früh morgens oder spät abends. In der Mittagshitze verdunstet zu viel Wasser, das dann von den Pflanzen gar nicht aufgenommen werden kann. Zudem ist es besser, viel auf einmal zu gießen und dafür weniger häufig. Denn wer jeden Tag nur ein bisschen gießt, durchfeuchtet nur die oberste Bodenschicht. Die tieferen Bodenschichten bleiben dagegen trocken und die Pflanzen bilden flache statt tiefe Wurzeln aus. So bleiben sie stets abhängig davon, dass kontinuierlich gegossen wird.

Zum Gießen eignet sich am besten Regenwasser, zumal sowohl Wasser aus der Leitung als auch aus Flüssen und Bächen im Sommer oftmals nicht für den Garten genutzt werden darf, weil es dann an anderer Stelle fehlen würde. Eine Regentonne darf daher in keinem Garten fehlen!

Tipp 5: Auch Tiere brauchen Wasser

Dass wir unsere Zucchinipflanzen und den Salat gießen müssen, ist klar. Aber auch Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel und Igel benötigen Wasser, um im Garten überleben zu können. Dafür braucht es nicht unbedingt einen großen Gartenteich – auch wenn der wie oben beschrieben viele Vorteile bietet. Auch kleine Wasserstellen wie Vogeltränken oder einfache Wasserschalen helfen den Tieren bei Hitze und Trockenheit. Wichtig: Das Wasser sollte täglich erneuert werden, damit sich keine Krankheiten verbreiten können. Jede Wasserstelle braucht außerdem eine Ausstiegshilfe und für Vögel sollte sie immer katzensicher angebracht werden.

Dieser Tipp ist als Gastbeitrag des NABU auf dem IKEA-Unternehmensblog erschienen. Seit Januar 2020 veröffentlichen wir jeden Monat einen Tipp für ein nachhaltigeres Leben. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner. Die Illustrationen stammen von der Grafikerin Jule Roschlau.

Melanie Konrad

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NABU-Gartenexpertin
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2 Kommentare

Marianne

14.10.2022, 15:50

Ein guter Beitrag, Danke hierfür. Mein Garten ist überwiegend von hohen Bäumen umgeben und zudem an der Nordseite eines Hangs. So ist er nicht ideal für Chillies oder andere Pflanzen mit viel Sonnenbedarf, aber diesen Sommer kam ich mit dem knappen Wasser gut zurecht.

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Georgius

08.08.2022, 10:48

Alles schön und gut, aber woher soll man das viele Regenwasser nehmen, dass bei längeren Trockenperioden gebraucht wird? Das geht meist nur über einen großen (und teuren) Erdtank. Liebe Nabu, bitte setzt Euch dafür ein, dass in großem Maßstab Wasser aus Flüssen gepumpt und in einem breiten Streifen daneben versickert wird. In trockenen Zeiten, solange es der Wasserstand gerade noch zulässt, und in feuchten, solange der Boden noch aufnahmefähig ist. Ich fürchte, die bisherigen Bemühungen der Regenwasserversickerung und Wasserwiederverwendung reichen nicht aus, um zu verhindern, dass der Grundwasserspiegel weiter sinkt und schließlich auch die Nutzung von Gartenbrunnen verboten, oder sogar das Trinkwasser rationiert wird. Aus der nachvollziehbaren Empfehlung, immer mal kräftig zu wässern, ergibt sich die Frage, ob bzw. wie das mit der sehr effizienten Tröpfchenbewässerung erfolgen kann, die sich in trockenen Gebieten zunehmend verbreitet.

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