Posts in Woche 5

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Mann über Bord!

Beim Anlegemanöver an einer Park-Haltestelle unmittelbar vor der Spandauer Schleuse gibt es von achtern einen mächtigen Platsch. „Sebastian, alles klar?“ ruft Andreas am Steuer. Nichts zu hören außer dem Motor. Während wir anderen schon auf dem halben Weg zum Rettungsring sind, hören wir erleichtert ein lautes Prusten. Sebastian ist wieder aufgetaucht, unverletzt, nass bis auf die Knochen, Mütze wie festgetackert auf dem Kopf. Die gute Nachricht: Er hatte weder Handy noch Schlüssel noch andere wichtige Dinge in der Tasche. Die schlechte: Die Sachen trocknen so schlecht, wenn’s draußen nieselt.

Weil wir alle jetzt ein bisschen nervös sind und ein Unglück selten allein kommt, schmeißt Rebecca beim zweiten Anlege-Versuch auch noch den Sack unserer Solardusche in die Havel. Bootshaken raus, kurz fischen, alles wieder gut.

Bei unserem Glück heute ist es vielleicht ganz gut, dass gleich der Floßbauer Martin zu uns stößt, um uns sicher durch die Spandauer Schleuse zu bringen. Das war aber schon vor unserer Mann-über-Bord-Episode geplant! Es ist die größte Schleuse auf der Havelberry-Finn-Tour, die intensiv auch von der Berufsschifffahrt genutzt wird, und für Schleusen-Laien wie uns kann das gefährlich werden.

Bootsstände Lahe - mit Hafenmeister Mette
Heute Morgen beim Abschied vom Tegeler See und einem letzten Schnack mit Hafenmeister Mette war es noch deutlich friedlicher. Da schien auch noch die Sonne.

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Försterglück im Tegeler See

Baumwerder, Hasselwerder, Lindwerder, Maienwerder… der Tegeler See ist reich an Inseln. Leider dürfen wir mit unserem Floß nirgends anlegen. Alles Privatliegeplätze. Wir haben das Beste draus gemacht, haben am schönsten Platz geankert und sind in unser Kanu gestiegen. Unser Ziel: Reiswerder.

Dicke Äste von Weiden und Erlen hängen tief bis ins Wasser hinein. Graureiher, Kormoran und Blässhühner machen Pause auf vermoderndem Holz, das aus dem Wasser ragt, dazwischen wachsen gelbe Seerosen. Kaum zu glauben, dass das hier alles zu Berlin gehört. Ein tolles Ziel für einen Tagesausflug!

„Versorgungssteg“ steht an dem Anlieger, wo wir festmachen. Nach ein paar Schritten wird klar, wofür: Eine Kleingartenkolonie überzieht fast die ganze Insel, eine Laube neben der anderen. Am Schwarzen Brett des Vereins: Eine lange Liste, wer alles auf einen Schrebergarten wartet. Und der Hinweis, dick und rot und mit Ausrufezeichen: „Hecken schneiden nicht vergessen!“

Ein paar Schritte weiter wartet Andreas. „Komm her, guck mal, das hab ich schon lange nicht mehr gesehen!“ Grund für den Jubel des Försters: Eine Ulme. „Die ist in Deutschland fast ausgestorben“, erklärt er Djuke, die etwas verständnislos guckt. Der Grund für den Ulmentod: eine Pilzinfektion, die die Leitungsbahnen der Bäume verstopft. Dieser Pilz wird vom Ulmensplintkäfer übertragen, vor allem in den 1980er Jahren sind viele, auch sehr alte Ulmen, daran eingegangen. „Da konnte man nix gegen machen, da half kein wegschneiden, kein Fällen – nicht mal Gift“, sagt Andreas. Nur in die seit 100 Jahren bestehende Kleingartenkolonie hat sich der Ulmensplintkäfer offenbar nicht getraut. Ganz Förster erklärt Andreas noch schnell, woran man eine Ulme erkennt: an der asymmetrischen Blattbasis.

Und noch eine Seltenheit ist uns auf dem Tegeler See begegnet: der Drosselrohrsänger, auch bekannt als „Karrekiet“. Der charakteristische Ruf war so laut, als ob jemand den Vogelstimmenlautsprecher angemacht hätte, als wir mit dem Floß an dem schmalen Schilfgürtel vorbeizogen.
Wer will, kann sich den Drosselrohrsänger hier anhören (auf der Seite etwas runterscrollen).

Die Nacht werden wir nicht vor Anker liegen, sondern gut vertäut an den Bootsständen Lahe. Der Wind ist ordentlich aufgefrischt, die Vorhersage lautet: Unwetter…

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Homestory – Das Floß

Als wir die Hängebrücke in Hennigsdorf mit dem Auto überquert haben, ist es uns sofort ins Auge gestochen – das Floß der Havelberry-Tour. Nicht nur, weil es ein echtes Unikat ist, sondern weil der Kontrast kaum größer sein könnte als zwischen unserem rustikalen Holzfloß und den gleißend weißen Booten im Yachthafen. Zumindest von außen.
Dass unser Floß in der Kategorie der fahrbaren Untersätze auf der Havel mindestens 3 Sterne verdient hat, erschließt sich halt erst auf den zweiten Blick. Zum Beispiel die Küche, die alles hat, was man braucht: einen Gasherd mit zwei Platten, ein kleiner mit Gaskartuschen betriebener Kühlschrank und riesige Kaffeebecher mit NABU-würdigem Blumenmuster. Zentrales Utensil: Der Wasserkessel. Um heißes Wasser zum Abwaschen zu machen. Und natürlich für Kaffee. Wenig Vertrauen erweckend war aber die Warnung der Gruppe vor uns: „Ihr müsst mal gucken, ob das irgendwie komisch schmeckt. Uns ist leider das Wasser da drin angebrannt.“ Wie genau das passieren konnte, bleibt ein Geheimnis… Der erste Kaffee aus den Pötten war jedenfalls bestens.
Die „Große Bärin“ fährt mit dem NABU übrigens ihre erste Saison. Es ist das größte Floß, das Martin Richter zu vermieten hat: 8,5 Meter lang, 3,5 Meter breit, angetrieben von einem 8-PS-Motor. Da das Floß stattliche fünf Tonnen wiegt, kommen wir aber trotzdem nur gemächlich voran. Vier bis fünf Kilometer schafft man im Schnitt pro Stunde, und der Motor ist kaum zu hören. Das Grundgerüst der „Großen Bärin“ ist aus Kiefernholz, und zwar aus ganz besonderem: Es ist Neumondholz, geschlagen im Winter. Auch wenn es esoterisch klingt, hat es laut Martin Richter einen handfesten Hintergrund: Das Holz wird im Winter geschlagen, weil der Baum dann in einer Ruhephase ist – und sich somit auch seine Säfte nicht bewegen. Der Neumond bewirkt zusätzlich, dass das Wasser sich ganz besonders weit außen im Baum befindet. Man kann es glauben oder nicht – Martin Richter schwört drauf und braucht sein Floß nicht chemisch zu behandeln, um Schädlingsfraß zu verhindern.
Nach unserem ersten Tag auf dem Floß freuen wir uns vor allem darauf, uns im wetterfesten Navigations- und Kochhäuschen in den Schlaf schaukeln zu lassen. Und zwar gebettet wie die Prinzessin auf der Erbse: Erst eine isolierende Decke, dann richtig dicke, sich selbst aufblasende Isomatten, und darauf kommt noch mal ein acht Zentimeter dicker Futon.
Morgen geht’s zum Tegeler See, dort ist „Tag des offenen Floßes“. Liebe Berlinerinnen und Berliner: Wollt ihr uns besuchen? Wir nehmen euch auch gern eine Runde auf der Großen Bärin mit.
Ab 11 Uhr liegen wir hier: Bootsstände Lahe, Im Saatwinkel 15, 13599 Berlin. Mit dem ÖPNV: Bus Nr. 133, Haltestelle Maienwerder Weg – und dann noch 10 Minuten zu Fuß.

Nieder-Neuendorfer-See – 4. Mannschaftswechsel

Team 4 übergibt an Team 5 – bei traumhaftem Wetter. Wie ihr seht, sind wir auch dafür gerüstet. Martin hatte dem Floß als letzten Schliff noch eine Markise verpasst. Dafür sind wir jetzt sehr dankbar und freuen uns auf eine sonnige Woche rund um Berlin.