Posts in Woche 5

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Hundertwasser und die „Heilige Scheiße“ oder: Das Kompostklo

Beim Wasserklosett werden aus 1.000 Gramm Scheiße 50.000 Gramm Unrat-Gift.
Beim Humusklosett 50 Gramm Rohstoff-Gold!
Friedensreich Hundertwasser, 1975

Wer im Zug mal muss, findet dort ein Örtchen, für Touren mit dem Auto gibt’s Autobahnraststätten – aber wie ist das eigentlich auf dem Floß? Nun – hier gibt es ein Kompostklo. Mit Klobrille, Klodeckel, aber: ohne Spülkasten. Nachdem man dort in einen Eimer hinein gemacht hat, was gemacht werden musste, schmeißt man eine Schippe Sägemehl hinterher. Und, was soll ich sagen? In der kleinen Kammer riecht es nach nichts anderen als nach frisch gefällten Bäumen. Kein Scherz. Ist so.
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Biberführung mit Käsekuchen

Darauf haben wir uns schon die ganze Woche gefreut: Die Kanutour mit den NABU-Biberexperten Burghard und Petra Sell auf der Nuthe, einem Nebenfluss der Havel. Das Floß machen wir an einer noblen Marina neben der Humboldtbrücke in Potsdam fest, den Rest der Strecke paddeln Djuke und Andreas mit dem Kanu. Und bekommen einen Vorgeschmack, von dem, was sie erwartet: Normalerweise ist die Nuthe ein zahmes Flüsschen – nach den Regengüssen der letzten Woche aber ist die Strömung deutlich stärker als sonst. Statt der erwarteten 10 Minuten bis zum Treffpunkt brauchen die beiden eine gute halbe Stunde und kommen etwas zu spät. Macht nix, Burghard ist noch bei der Einführung, wo überall der Biber rund um Potsdam zu finden ist.
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Ausflugstipp: Braumanufaktur Forsthaus Templin

„Geld allein macht nicht glücklich. Trinkt Bier!“ steht auf den T-Shirts von Braumeistern und Angestellten der Braumanufaktur Forsthaus Templin. Die Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler haben den Betrieb in einem alten Landgut aus dem 18. Jahrhundert aufgebaut. Die Manufaktur liegt direkt am Templiner See – von Potsdam aus zu erreichen mit dem Bus, mit dem Wassertaxi oder einer kleinen Mini-Fahrradtour von 20 Minuten. Draußen gibt es einen großen Biergarten, beschattet von Kastanien und mit einem kleinen Spielplatz, der Gastraum innen ist urig-gemütlich mit dunklen Holzmöbeln, weiß gekalkten Wänden und aufgemalten Hopfenranken. Im hinteren Teil blinken der kupferrote Maischbottich und der Läuterkessel – alles ständig in Gebrauch. Weitere Infos hier.
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Das Floß als Taxi

So richtig Glück mit dem Wetter haben wir diese Woche nicht. Aber immerhin: Es hat aufgehört zu schütten. Gemütlich-kuschelig ist es trotzdem nicht, also kommt wieder mal die Ski-Unterwäsche zum Einsatz. Alle, die am Ruder sitzen, wünschen sich zusätzlich Handschuhe, denn der Fahrtwind zwickt in den Fingern.
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Exkursion zur Pfaueninsel

Wer den Wannsee besucht, muss unbedingt einen Abstecher auf die Pfaueninsel machen. Davon war Teammitglied Andreas überzeugt. Zahlreiche Touristenführer pflichten ihm in diesem Punkt bei. Von einer malerischen Idylle ist an vielen Stellen die Rede, von einem märchenhaften Schloss, duftenden Rosengärten und einer großen Vielfalt an Baumarten. Das wollten wir auf unserer Haveltour natürlich nicht verpassen.

Nachdem unser Besuch auf der Pfaueninsel gestern an einem Anlegerverbot und einer kaputten Schiffschraube gescheitert ist, haben wir den Ausflug heute in Angriff genommen. Zumindest zwei von uns, die anderen beiden mussten an Bord bleiben und auf Schiffbauer Michael warten, der seinen freien Tag geopfert hat, um dem Team die Weiterreise zu ermöglichen.

Mit Bus und Fähre haben Andreas und Rebecca ihr Ziel in einer halben Stunde erreicht. Die Kosten für die Überfahrt sind fair und an der Touristeninformation hängt für die Besucher eine übersichtliche Karte, anhand derer Andreas eine persönliche Route erstellt. Erstes Ziel: der Rosengarten. Dass es darin wundervoll duftet, ist wahr. Andreas und Rebecca bekommen ihre Nasen kaum von den Blüten. Erst als sie markerschütternde Balzrufe hören, halten sie nach der Hauptattraktion der Insel Ausschau. Etwa 70 ausgewachsene Pfaue leben auf dem 1000 mal 1700 Meter großen Eiland, das einst von Fürsten und Königen bewohnt wurde. Die majestätischen Vögel lassen sich aus nächster Nähe beobachten und liefern eine beeindruckende Show. Der Radius eines geschlagenen Pfauenrades kann über zwei Meter betragen. In einer großen Voliere ist als besondere Attraktion der weiße Pfau zu bestaunen.
Die Insel besticht durch eine beeindruckende Abwechslung an alten Baumbeständen, verwunschenen Gebäuden, Ziergärten und Wildnis. Unser Wunsch nach einer Besichtigung des Schlosses scheiterte an den Tickets, diese müssen an der Touristeninformation gekauft werden – und das hatten die beiden Ausflügler vergessen.

Nach einem gut zweistündigen Rundgang mit vielen schönen Eindrücken verließen wir die Pfaueninsel. Schließlich wollten wir bereits am Nachmittag unsere Reise fortsetzen.

  • Reparatur
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Reparatur geglückt!

Martin, dem Floßbauer, war es tatsächlich gelungen, am Feiertag einen Bootsmechaniker aufzutreiben, der auch noch das passende Ersatzteil vorrätig hatte. Aber vor dem späten Nachmittag hatte er keine Zeit für uns. Also hieß es: warten.

Prinzipiell ist ja nichts gegen den Großen Wannsee in Berlin einzuwenden. Gute Luft, netter Biergarten, interessante Schiffe – von Luxus-Segelyacht bis Schwanen-Tretboot. Aber eigentlich wollten wir ja schon längst weiter südlich sein…

Die Reparatur selbst ging zum Glück unproblematisch, so dass wir gegen 16 Uhr Richtung Templiner See aufbrechen konnten. „Motor schnurrt wieder wie ne Katze“ simsen wir dem Floßbauer und der Bundesgeschäftsstelle. Volle Fahrt voraus durch Potsdam!

  • Tiefwerder Wiesen
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Sanfte Riesen in den Tiefenwerder Wiesen

Nachdem uns der „Blanke Hans“ bei der Einfahrt zum großen Wannsee ordentlich ins Ruder gepfuscht hatte, harren wir im Yachthafen Wannsee unserem Schicksal: auf die Ankunft des Mechanikers Michael. Endlich Zeit, den Blogeintrag über die Tiefenwerder Wiesen zu schreiben, zu dem wir gestern während der rauen Überfahrt nicht gekommen sind.

Wir wollten Gerds Vorschlag, „Klein Venedig“ einen Besuch abzustatten, nicht einfach in den Wind schlagen. Aber der Dauerregen machte wenig Lust auf Kanufahren, dem Plan wurde im demokratischen Schnellverfahren eine absolute Mehrheit verweigert. Gerd wäre jedoch nicht die gute Seele des Hafens, wenn er nicht auch für dieses Malheur einen Plan B in seinen Gummistiefeln hätte. Er gab uns in seiner charmant-plattdeutschen Art zu verstehen, dass es zwar schade um die Kanutour sei, es aber auch einen Landweg gebe: „Dat kunnt ehr uk gahn, dat is nech wiet wech!“ So statteten wir Andreas mit Poncho aus, die Kamera regensicher zu verstauen, und machten uns auf den Weg.

Wir überquerten die verkehrsreiche Heerstraße und tauchten sofort in einen grünen Laubwald ein. Einmal links abgebogen trafen wir auf einen wunderschön geschnitzten Baumstamm, der darauf aufmerksam machte, dass hier die Tiefenwerder Wiesen begannen. Eine alte Holztreppe führte hinab auf einen Steg, der durch die Binsen, Pappeln, Birken und Weiden führte. Dies ist zugleich „das letzte noch erhaltene Überschwemmungsgebiet in Berlin und das einzige natürliche Hechtgebiet der Stadt“, wie zu lesen war. Diese Feuchtwiesen werden mit Wasserbüffeln extensiv bewirtschaftet und eben diese sanften Riesen wollten wir finden.

Und so marschierten wir über Stock, Stein und Pfad während Andreas, der Förster, für und mit uns Schwarzpappel, Purpurweide und Eschenblättrigen Ahorn bestimmte. „Dumm gehen wir hier nicht weg“, sagte Rebecca, die eben in diesem Moment die majestätischen Wasserbüffel erblickte. Da war es dann um sie geschehen. Denn der Herdenälteste hatte seinen archaischen Büffel-Charme spielen lassen und Rebecca war hoffnungslos verloren. Dem riesigen Bullen schienen die Streicheleinheiten gut zu gefallen. Rebecca von ihrem neuen Freund zu trennen, war nicht einfach. Es ging nur mit viel Geduld und der Anmerkung, dass Andreas sein Handy auf dem Weg verloren hatte. Das Mobiltelefon fand sich dann auf dem Floß wieder ein – Zufall?

  • seenot
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In Fast-Seenot auf dem Wannsee

Neuer Tag, neues Glück? Das Wetter hat von dieser Regel noch nie gehört und schüttet auch beim Ablegen am Stößensee immer weiter Wasser auf uns runter.

Wir müssen weiter nach Süden, Richtung Wannsee. Die Havel weitet sich hier zu einem mächtigen Strom und hat nichts mehr mit dem idyllischen Flüsschen der ersten Wochen unserer Havelberry-Finn-Tour zu tun. Hier ist ordentlich Verkehr auf dem Wasser, fast sind wir froh, dass das Wetter so unfreundlich ist, denn so brauchen wir nicht auch noch auf private Segelboote zwischen den Ausflugsdampfern und Lastenkähnen zu achten.

Wir müssen in der Fahrrinne bleiben, die roten Tonnen rechts, die grünen links von uns. Die Ufer der Havel sind im Regendunst schwerer zu erkennen, an den Fenstern perlt der Regen runter. Regelmäßig geht jemand raus ins Nasse und guckt zusätzlich mit dem Fernglas, ob wir freie Fahrt haben. Sebastian ist am Ruder, Djuke hat vorne Dienst, Andreas hält achtern Ausschau nach überholenden Yachten. Rebecca hat sich aus den zusammengerollten Futon-Matten ein Lager gebaut und holt fehlenden Schlaf von nachts nach. Es gab ein mittelschweres Schnarchproblem, gegen das kein Ohropax geholfen hat.

Der Wind geht mäßig, aber das Wasser ist noch kabbelig vom Unwetter gestern. Die Große Bärin tanzt auf den Wellen voran, es fühlt sich mindestens an wie raue Ostsee. Die Bugwelle eines Frachtschiffs schüttelt uns durch und reißt fast unseren Topf mit dem Rest Linsensuppe vom Herd, mit der wir uns mittags aufgewärmt haben.

Bevor wir zum Wannsee fahren, wollen wir der legendären Pfaueninsel einen Besuch abstatten. Wir lassen uns doch vom Regen die Entdeckungslust nicht vermiesen! Die Enttäuschung ist um so größer, als wir feststellen: Wir können da gar nicht anlegen. Außer per Fähre ist es nicht möglich, die Insel zu betreten.

Wir wenden, denn unser Ziel liegt etwas weiter nördlich. Nach der Pfaueninsel weitet sich die Havel wieder. Wir schieben uns aus dem Windschatten der Insel heraus und bekommen zusätzlich mächtig Gegenströmung. Ein paar Böen erfassen uns, denn das Floß ist alles andere als windschnittig. Sebastian gibt mehr Gas, aber es nützt nichts: Der Wind treibt uns wie einen Wasserball vor sich her. Der Steuermann flucht, das Spitzwasser der sich brechenden Wellen schlägt gegen die Fenster.

Meter für Meter kämpfen wir uns voran, wir müssen zum Anleger im Wannsee und dazu die Einfahrt zwischen zwei Tonnen treffen. Der Wind drückt uns weiter in die falsche Richtung, die rote Tonne rückt immer näher. „Hart links einschlagen! Liiinks!“, ruft Djuke von vorn und macht sich mit einem Bootshaken bereit, das Floß wenn nötig von der Tonne abzustoßen. „Was glaubst du, was ich tue?!“, tönt es gereizt vom Ruder zurück. Es klappt gerade so, die Tonne gleitet in Armlänge an uns vorüber.

Andreas und Rebecca horchen derweil auf den Motor, der nicht mehr sein freundlich-leises „Tuck-tuck-tuck“ von sich gibt, sondern unangenehm röhrt und vibriert. Wir haben kaum noch Vorschub, trotz Vollgas. Schließlich schaffen wir es doch in den Hafen, auch wenn wir beim Anlegen ganz schön rumeiern. Der Hafenmeister schüttelt den Kopf und fürchtet um die schicken Yachten um uns herum.

Als der Motor still steht, montieren wir unsere Unterwasserkamera an einem Bootshaken. Unsere Befürchtung bestätigt sich: Die Schraube ist hin. Wir rufen Martin, den Floßbauer an. Ob es ihm gelingt, am morgigen Feiertag einen Mechaniker mit passendem Ersatzteil zu organisieren? Wir hoffen es!

 

  • Havelschwäne
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Auf den Spuren von Theodor Fontane: Schwanenknechte und Rupfweiber

Auf unserer Havelreise sind zwei Arten zu unseren ständigen Begleitern geworden: Zum einen der Graureiher, der mit gemächlichem Flügelschlag dicht über dem Wasser gleitet. Zum anderen der majestätische Höckerschwan, der mit seinem weißen Gefieder, dem roten Schnabel und dem schwarzen Höcker an Schneewittchen denken lässt.

Den Havelschwänen hat Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein ganzes Kapitel gewidmet. Mitte des 19. Jahrhunderts soll es um die 2000 Schwäne auf der Ober- und Unterhavel gegeben haben. Den Tegeler See (wo wir gerade herkommen) und den Wannsee (wohin wir auf dem Weg sind) zählt Fontane zu den wichtigsten Aufenthaltsgebieten.

Die Havelfischer waren besonders scharf auf das Gefieder der Schwäne: Die Schwungfedern waren begehrte Schreibwerkzeuge, die Daunen waren in Decken gestopft die Wunderwaffe gegen kalte Füße. Aber wie kommt man an Schwanenfedern? Die Tiere schießen? Wenig nachhaltig, fand man schon damals. Also haben sich die Fischer etwas einfallen lassen: Sie haben allen jungen Schwänen Schwungfedern entfernt, so dass sie nicht mehr fliegen konnten und ihr Leben lang an der Havel bleiben mussten. Die flugunfähigen Altschwäne konnten dann zum Rupfen eingefangen werden.

Die Rupfzeit war genau um diese Jahreszeit, Ende Mai, und eine der Rupfstationen war auf Pichelswerder – am dort angrenzenden Stößensee lagen wir letzte Nacht am Steg. Deswegen sei uns ein kleiner literarischer Exkurs ins 19. Jahrhndert erlaubt. Theodor Fontane hat nämlich genau beschrieben, was beim Schwanenrupfen auf Pichelswerder passiert:

Die Fischer der verschiedenen Haveldörfer machen sich auf und treiben die auf ihrem Revier lebenden Schwäne zusammen, dann fahren sie mit einem zehn Fuß langen Hakenstock in die Schwanenmasse hinein, legen den Haken geschickt um den Hals des Schwans, ziehen ihn heran und in ihr Fahrzeug hinein. Binnen kurzer Zeit ist das Boot mit dicht nebeneinander hockenden Schwänen besetzt, die langen Hälse der Schwäne blicken über die Bootskante. Ein sehr eigentümlicher, grotesker Anblick.

In dieser Ausrüstung treffen nun die Boote aus wenigstens zwanzig Dörfern ein und liefern ihre Schwanenfracht auf dem Depothof ab, von wo sie nach und nach zur Rupfbank geschleppt werden.

Die Rupfbank ist ein langer Tisch, der in einem mächtigen Schuppen steht. An der einen Seite des Tisches entlang, mit scharfem Auge und flinker Hand, sitzen die Rupfweiber, meist Kiezfischer-Frauen. Ein Schwanenknecht trägt nun Stück für Stück die Schwäne herein, reicht sie über den Tisch, die Frauen packen zu und klemmen den Hals zwischen die Beine, während der Knecht den auf den Tisch liegenden Schwan festhält. Nun beginnt das Rupfen, mit ebensoviel Vorsicht wie Virtuosität, erst die Federn, dann die Daunen, kein Stück vom Fleisch darf sichtbar werden. Nach Beendigung der Prozedur aber nimmt der Schwanenknecht den Schwan wieder in seinen Arm, trägt ihn zurück und wirft ihn mit aller Macht in die Havel.

Im Winter wurden die Schwäne übrigens erneut eingefangen – diesmal aber, um sie gesammelt an einen Ort zu bringen, der nicht zufriert – und wo die Havelfischer dafür sorgten, dass die Schwäne genug zu Fressen hatten. Fontane kommt zum Schluss:

So bringt der Hofstaat seine sommerliche Untat durch winterliche Guttat wieder in Balance.

Wir haben uns damit begnügt, die eleganten Schwäne beim Schwimmen zu beobachten. Der Schwan, den ihr auf den Bildern am Floß seht, hat uns ganz freiwillig besucht und hatte hinterher noch sein komplettes Gefieder. Versprochen.

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Übernachten im Wasserfall

Nach unserem unfreiwilligen Abenteuer vor der Spandauer Schleuse und einer halben Stunde Fahrt durch eine Havel im Betonbett, vorbei an Industriegebieten und Büro-Hochhäusern, haben wir im Stößensee am Steg der Segelschule der TU Berlin festgemacht. Eigentlich nicht öffentlich, aber für den NABU auf Havel-Renaturierungsmission hat Herr Zint eine Ausnahme gemacht. Natürlich haben wir ihm dann das Floß gezeigt, und da das Floß wie ein Magnet wirkt, hatten wir – zack – schon den nächsten Neugierigen angezogen: Gerd, 76, der seit 30 Jahren jeden Sommer mit seiner Frau in seiner Datsche am Stößensee verbringt und genau beobachtet, was in der Natur um ihn rum passiert. Er hat uns den Tipp gegeben, morgen mit dem Kanu in einen kleinen Seitenarm des Sees zu paddeln, der auch „Klein Venedig“ genannt wird, dort gebe es gute Chancen, einen Biber zu beobachten.

Flöße hat Gerd auch schon einige gesehen, ein so großes wie unseres aber nicht. Die Größe hat allerdings auch ihre Tücken – den halben Tag verbringen wir hier mit Suchen: den Objektivdeckel der Kamera, ein Ladekabel, die Sonnenbrille, ein frisches T-Shirt… Als Gerd an Bord ist, sucht Andreas vergeblich nach unseren Heft mit der Routenplanung, denn Gerd will nicht nur ungefähr, sondern ganz genau wissen, wo wir lang fahren. Sein Tipp: „Immer erst im Kopf suchen!“ Die Karte findet sich, Gerd ist begeistert und wäre eigentlich auch ein würdiger Mitfahrer. Dieses Frühjahr nämlich haben er und seine Frau für einige Wochen so wenig Zeit wir möglich an der Spüle verbracht, um das direkt davor brütende Rotkehlchen nicht aufzuschrecken. Von den sieben Küken haben trotzdem nur zwei überlebt. Aber an Gerd lag’s nicht! Wahrscheinlicher ist, dass der Hausfuchs der Segelschule einen kleinen Snack genommen hat.

Wir sind übrigens sehr froh über unseren windgeschützten Liegeplatz. Nach einigen Stunden sanftem Landregen geht jetzt doch das angekündigte Unwetter über uns nieder. Vorsorglich haben wir unser Kanu an Bord geholt und umgedreht, damit es nicht komplett vollregnet diese Nacht. „Falls ihr euch hier den Arsch abfriert, könnt ihr euch auch gern drinnen aufwärmen“, hatte uns Herr Zint vor der Sintflut noch angeboten. Das hätten wir uns aber überlegen müssen, solange noch keine Wasserwand vor dem Floß war, die diesmal uns alle bis auf die Haut durchnässen würde. Aber eigentlich ist es auf dem Floß ganz kuschelig. Nur Djukes Füße werden leider nicht warm, da Sebastian seinen klatschnassen Pullover über ihre Schuhe aufgehängt hat…