Posts written by Der NABU

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Übernachten im Wasserfall

Nach unserem unfreiwilligen Abenteuer vor der Spandauer Schleuse und einer halben Stunde Fahrt durch eine Havel im Betonbett, vorbei an Industriegebieten und Büro-Hochhäusern, haben wir im Stößensee am Steg der Segelschule der TU Berlin festgemacht. Eigentlich nicht öffentlich, aber für den NABU auf Havel-Renaturierungsmission hat Herr Zint eine Ausnahme gemacht. Natürlich haben wir ihm dann das Floß gezeigt, und da das Floß wie ein Magnet wirkt, hatten wir – zack – schon den nächsten Neugierigen angezogen: Gerd, 76, der seit 30 Jahren jeden Sommer mit seiner Frau in seiner Datsche am Stößensee verbringt und genau beobachtet, was in der Natur um ihn rum passiert. Er hat uns den Tipp gegeben, morgen mit dem Kanu in einen kleinen Seitenarm des Sees zu paddeln, der auch „Klein Venedig“ genannt wird, dort gebe es gute Chancen, einen Biber zu beobachten.

Flöße hat Gerd auch schon einige gesehen, ein so großes wie unseres aber nicht. Die Größe hat allerdings auch ihre Tücken – den halben Tag verbringen wir hier mit Suchen: den Objektivdeckel der Kamera, ein Ladekabel, die Sonnenbrille, ein frisches T-Shirt… Als Gerd an Bord ist, sucht Andreas vergeblich nach unseren Heft mit der Routenplanung, denn Gerd will nicht nur ungefähr, sondern ganz genau wissen, wo wir lang fahren. Sein Tipp: „Immer erst im Kopf suchen!“ Die Karte findet sich, Gerd ist begeistert und wäre eigentlich auch ein würdiger Mitfahrer. Dieses Frühjahr nämlich haben er und seine Frau für einige Wochen so wenig Zeit wir möglich an der Spüle verbracht, um das direkt davor brütende Rotkehlchen nicht aufzuschrecken. Von den sieben Küken haben trotzdem nur zwei überlebt. Aber an Gerd lag’s nicht! Wahrscheinlicher ist, dass der Hausfuchs der Segelschule einen kleinen Snack genommen hat.

Wir sind übrigens sehr froh über unseren windgeschützten Liegeplatz. Nach einigen Stunden sanftem Landregen geht jetzt doch das angekündigte Unwetter über uns nieder. Vorsorglich haben wir unser Kanu an Bord geholt und umgedreht, damit es nicht komplett vollregnet diese Nacht. „Falls ihr euch hier den Arsch abfriert, könnt ihr euch auch gern drinnen aufwärmen“, hatte uns Herr Zint vor der Sintflut noch angeboten. Das hätten wir uns aber überlegen müssen, solange noch keine Wasserwand vor dem Floß war, die diesmal uns alle bis auf die Haut durchnässen würde. Aber eigentlich ist es auf dem Floß ganz kuschelig. Nur Djukes Füße werden leider nicht warm, da Sebastian seinen klatschnassen Pullover über ihre Schuhe aufgehängt hat…

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Mann über Bord!

Beim Anlegemanöver an einer Park-Haltestelle unmittelbar vor der Spandauer Schleuse gibt es von achtern einen mächtigen Platsch. „Sebastian, alles klar?“ ruft Andreas am Steuer. Nichts zu hören außer dem Motor. Während wir anderen schon auf dem halben Weg zum Rettungsring sind, hören wir erleichtert ein lautes Prusten. Sebastian ist wieder aufgetaucht, unverletzt, nass bis auf die Knochen, Mütze wie festgetackert auf dem Kopf. Die gute Nachricht: Er hatte weder Handy noch Schlüssel noch andere wichtige Dinge in der Tasche. Die schlechte: Die Sachen trocknen so schlecht, wenn’s draußen nieselt.

Weil wir alle jetzt ein bisschen nervös sind und ein Unglück selten allein kommt, schmeißt Rebecca beim zweiten Anlege-Versuch auch noch den Sack unserer Solardusche in die Havel. Bootshaken raus, kurz fischen, alles wieder gut.

Bei unserem Glück heute ist es vielleicht ganz gut, dass gleich der Floßbauer Martin zu uns stößt, um uns sicher durch die Spandauer Schleuse zu bringen. Das war aber schon vor unserer Mann-über-Bord-Episode geplant! Es ist die größte Schleuse auf der Havelberry-Finn-Tour, die intensiv auch von der Berufsschifffahrt genutzt wird, und für Schleusen-Laien wie uns kann das gefährlich werden.

Bootsstände Lahe - mit Hafenmeister Mette
Heute Morgen beim Abschied vom Tegeler See und einem letzten Schnack mit Hafenmeister Mette war es noch deutlich friedlicher. Da schien auch noch die Sonne.

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Försterglück im Tegeler See

Baumwerder, Hasselwerder, Lindwerder, Maienwerder… der Tegeler See ist reich an Inseln. Leider dürfen wir mit unserem Floß nirgends anlegen. Alles Privatliegeplätze. Wir haben das Beste draus gemacht, haben am schönsten Platz geankert und sind in unser Kanu gestiegen. Unser Ziel: Reiswerder.

Dicke Äste von Weiden und Erlen hängen tief bis ins Wasser hinein. Graureiher, Kormoran und Blässhühner machen Pause auf vermoderndem Holz, das aus dem Wasser ragt, dazwischen wachsen gelbe Seerosen. Kaum zu glauben, dass das hier alles zu Berlin gehört. Ein tolles Ziel für einen Tagesausflug!

„Versorgungssteg“ steht an dem Anlieger, wo wir festmachen. Nach ein paar Schritten wird klar, wofür: Eine Kleingartenkolonie überzieht fast die ganze Insel, eine Laube neben der anderen. Am Schwarzen Brett des Vereins: Eine lange Liste, wer alles auf einen Schrebergarten wartet. Und der Hinweis, dick und rot und mit Ausrufezeichen: „Hecken schneiden nicht vergessen!“

Ein paar Schritte weiter wartet Andreas. „Komm her, guck mal, das hab ich schon lange nicht mehr gesehen!“ Grund für den Jubel des Försters: Eine Ulme. „Die ist in Deutschland fast ausgestorben“, erklärt er Djuke, die etwas verständnislos guckt. Der Grund für den Ulmentod: eine Pilzinfektion, die die Leitungsbahnen der Bäume verstopft. Dieser Pilz wird vom Ulmensplintkäfer übertragen, vor allem in den 1980er Jahren sind viele, auch sehr alte Ulmen, daran eingegangen. „Da konnte man nix gegen machen, da half kein wegschneiden, kein Fällen – nicht mal Gift“, sagt Andreas. Nur in die seit 100 Jahren bestehende Kleingartenkolonie hat sich der Ulmensplintkäfer offenbar nicht getraut. Ganz Förster erklärt Andreas noch schnell, woran man eine Ulme erkennt: an der asymmetrischen Blattbasis.

Und noch eine Seltenheit ist uns auf dem Tegeler See begegnet: der Drosselrohrsänger, auch bekannt als „Karrekiet“. Der charakteristische Ruf war so laut, als ob jemand den Vogelstimmenlautsprecher angemacht hätte, als wir mit dem Floß an dem schmalen Schilfgürtel vorbeizogen.
Wer will, kann sich den Drosselrohrsänger hier anhören (auf der Seite etwas runterscrollen).

Die Nacht werden wir nicht vor Anker liegen, sondern gut vertäut an den Bootsständen Lahe. Der Wind ist ordentlich aufgefrischt, die Vorhersage lautet: Unwetter…

  • Innenaufnahmen
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Homestory – Das Floß

Als wir die Hängebrücke in Hennigsdorf mit dem Auto überquert haben, ist es uns sofort ins Auge gestochen – das Floß der Havelberry-Tour. Nicht nur, weil es ein echtes Unikat ist, sondern weil der Kontrast kaum größer sein könnte als zwischen unserem rustikalen Holzfloß und den gleißend weißen Booten im Yachthafen. Zumindest von außen.
Dass unser Floß in der Kategorie der fahrbaren Untersätze auf der Havel mindestens 3 Sterne verdient hat, erschließt sich halt erst auf den zweiten Blick. Zum Beispiel die Küche, die alles hat, was man braucht: einen Gasherd mit zwei Platten, ein kleiner mit Gaskartuschen betriebener Kühlschrank und riesige Kaffeebecher mit NABU-würdigem Blumenmuster. Zentrales Utensil: Der Wasserkessel. Um heißes Wasser zum Abwaschen zu machen. Und natürlich für Kaffee. Wenig Vertrauen erweckend war aber die Warnung der Gruppe vor uns: „Ihr müsst mal gucken, ob das irgendwie komisch schmeckt. Uns ist leider das Wasser da drin angebrannt.“ Wie genau das passieren konnte, bleibt ein Geheimnis… Der erste Kaffee aus den Pötten war jedenfalls bestens.
Die „Große Bärin“ fährt mit dem NABU übrigens ihre erste Saison. Es ist das größte Floß, das Martin Richter zu vermieten hat: 8,5 Meter lang, 3,5 Meter breit, angetrieben von einem 8-PS-Motor. Da das Floß stattliche fünf Tonnen wiegt, kommen wir aber trotzdem nur gemächlich voran. Vier bis fünf Kilometer schafft man im Schnitt pro Stunde, und der Motor ist kaum zu hören. Das Grundgerüst der „Großen Bärin“ ist aus Kiefernholz, und zwar aus ganz besonderem: Es ist Neumondholz, geschlagen im Winter. Auch wenn es esoterisch klingt, hat es laut Martin Richter einen handfesten Hintergrund: Das Holz wird im Winter geschlagen, weil der Baum dann in einer Ruhephase ist – und sich somit auch seine Säfte nicht bewegen. Der Neumond bewirkt zusätzlich, dass das Wasser sich ganz besonders weit außen im Baum befindet. Man kann es glauben oder nicht – Martin Richter schwört drauf und braucht sein Floß nicht chemisch zu behandeln, um Schädlingsfraß zu verhindern.
Nach unserem ersten Tag auf dem Floß freuen wir uns vor allem darauf, uns im wetterfesten Navigations- und Kochhäuschen in den Schlaf schaukeln zu lassen. Und zwar gebettet wie die Prinzessin auf der Erbse: Erst eine isolierende Decke, dann richtig dicke, sich selbst aufblasende Isomatten, und darauf kommt noch mal ein acht Zentimeter dicker Futon.
Morgen geht’s zum Tegeler See, dort ist „Tag des offenen Floßes“. Liebe Berlinerinnen und Berliner: Wollt ihr uns besuchen? Wir nehmen euch auch gern eine Runde auf der Großen Bärin mit.
Ab 11 Uhr liegen wir hier: Bootsstände Lahe, Im Saatwinkel 15, 13599 Berlin. Mit dem ÖPNV: Bus Nr. 133, Haltestelle Maienwerder Weg – und dann noch 10 Minuten zu Fuß.

Nieder-Neuendorfer-See – 4. Mannschaftswechsel

Team 4 übergibt an Team 5 – bei traumhaftem Wetter. Wie ihr seht, sind wir auch dafür gerüstet. Martin hatte dem Floß als letzten Schliff noch eine Markise verpasst. Dafür sind wir jetzt sehr dankbar und freuen uns auf eine sonnige Woche rund um Berlin.

  • Birnen zum Abschied
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Birnen zum Abschied

Zu Besuch bei den Ribbecks im Havelland, das stand heute auf unserem Programm. Im beschaulichen Ribbeck ein Birnbaum neben der Kirche stand. Und wir nebendran. An unserem letzten Tag haben wir noch einmal neue Eindrücke aus dem Havelland gewonnen.

Ein kleiner Abstecher ins Grüne führte uns vorbei an alten Gutshäusern mit Storchengeklapper und Obstwiesen, die leider nicht so gut in Schuss waren. Einen Barfußpfad später kehrten wir bei Frau Wäsche ins alte Waschhaus ein. Mittlerweile ein Cafe, in der keine schmutzige Wäsche mehr gewaschen wird (höchstens in der Küche), sondern es die besten und größten Birnentortenstücke im Havelland gibt. Als wäre es das schon gewesen, nein, dort gibt es auch Birnenbrot, Birnensenf, Birnenketchup, Birnengelee, Birnenlikör- und Schnaps, Birnen-Kartoffel-Suppe und sogar Birnensalami. Und zwei zauberhafte Damen, die die Besucher köstlich unterhalten. Wer einmal im Cafe sitzt, kommt fast nicht wieder weg, soviel gibt es zu quatschen. Wissen Sie, was eine Pissnelke ist? Alles schmeckte so lecker, dass wir nicht drum rum kamen, ein paar Mitbringsel einzupacken.

Morgen heißt es dann schon Abschied nehmen vom Floß, und bevor es jetzt ins Bett geht, müssen wir als Team noch etwas Abschied nehmen. Also macht es gut! Ahoi!

  • Heißes Feuer in zweierlei Variation
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Zweimal heißes Feuer

Heute war ein ereignisreicher und heißer Tag in doppelter Hinsicht. Nicht nur draußen war es warm, sondern auch uns wurde eingeheizt: Wir durften uns als Schmiede betätigen.

Früh am morgen hat uns Frank Odebrecht am Hafen abgeholt. Er betreibt eine Schmiedewerkstatt in Henningsdorf, ist sehr naturverbunden und an der Havel aufgewachsen. Daher bedeutet ihm der Fluss auch alles. Als Kind ist er fast täglich auf der Havel gepaddelt. Seine Tochter hat er schon mit drei Monaten mit auf die Havel genommen. Sie ist selig eingeschlummert. Als Schmied schafft er nachhaltige Arbeiten, das ist ihm wichtig, seine Werkstatt betreibt er als Ausgleich mit Solarstrom. Zur Arbeit fährt er meistens mit dem Fahrrad; er besitzt 17 davon. Zu einem Spaziergang an der Havel holt er uns aber mit seinem Lastenrad ab. Das Ziel ist seine Werkstatt. Während des Laufs erfuhren wir unter anderem einige Geschichten über die Havel während DDR-Zeiten.

An der Werkstatt angekommen, erwartete uns ein erstes Highlight: unser Mittagessen bereitete Frank in einem Lehmklumpen zu. Dazu musste nur das mitgebrachte Rindfleisch in Wirsingblätter gehüllt werden, dann wurde es mit einer Lehmschicht ummantelt. Auf den Lehm kam dann eine Ladung Holzkohle und nach zwei Stunden und ordentlich Hitze war das Fleisch tatsächlich durchgebraten und sehr köstlich! In einem gusseisernen Topf, auf den ebenfalls Holzkohle kam, haben wir gleichzeitig noch Wirsing gekocht. Unser erstes Mal Kochen ohne Strom oder Gas. Dazu gab es geräucherten Knoblauch von Detlef Werner, den wir auf dem Weg getroffen haben. Er räuchert den Knoblauch nach einem selbst entwickelten Spezialrezept. Da er früher viel Wassersport betrieben hat, ist auch er eng mit der Havel verbunden.

Während der Kochzeit war uns auf keinen Fall langweilig, denn es folgte die nächste Premiere. Frank Odebrecht zeigte uns, wie man schmiedet, und der Hauptteil von unserer Vierer-Truppe hat es sogar geschafft, einen Eisenhaken herzustellen. Schwitzen in der Sonne und Schwitzen am Schmiedeofen – so ging ein weiterer toller Tag an der Havel zu Ende.

Von Blog zu Blog

Wie die beiden Romanfiguren von Mark Twain fahren auch wir stromabwärts und hoffen auf eine bessere Zukunft – für die Havel. Das hat Michaela Seide, Redakteurin bei Mein schönes Land -bloggt schön zusammengefasst. Warum der Fluss ein wenig Unterstützung braucht, wie die Aktion zustande kam und welche Überraschungen so eine Floßtour bereithält, könnt ihr jetzt im Interview mit Jasmin aus Team 2 auf dem Blog des Magazins Mein schönes Land nachlesen. Viel Spaß dabei!

  • Wieder an der Havel
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Wieder auf der Havel

Heute ging es von Oranienburg auf die Havel. Und schon veränderte sich das Bild: Industrie am Wasser und viel befahrene Wasserstraße, aber trotzdem zahlreiche Graureiher und Tafelenten.

Bei 30 Grad ging es auf den Nieder-Neuendorfer See, wo wir mehrmals versuchten anzulegen, jedoch von unfreundlichen Brandenburgern immer wieder verscheucht wurden, da es sich um Privatgrundstücke handele. So konnten wir leider keinen Abstecher in die Stolper Heide machen.

Von der Hitze ermattet haben wir dann bei Henningsdorf an einem Hafen angelegt. Dort musste bei den Damen dringend ein Grundbedürfnis gestillt werden: duschen. Die Männer haben von dort dann noch zu Fuß einen Abstecher in die Stolper Heide gemacht und sich dann mit einem Bad in der Havel abgekühlt.

Leider war die erste Dusche kalt, was ein Hafenanlieger mit „Is doch trotzdem jut jeworden“ kommentierte. Wenn das Wetter so weiter macht, brauchen wir zum Schlafen keine Schlafsäcke mehr an Bord. Gute Nacht, heute mit Froschgequake.

  • Im Gartenparadies Eden
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Im Gartenparadies Eden

Heute haben wir die größte Tour schon hinter uns und sind wieder in Oranienburg gelandet. Das ist aber auch völlig in Ordnung, denn wir haben die „Big Three“ in Brandenburg schon getroffen. Auf unserer Tour sind uns Seeadler, der Kranich und heute morgen dann endlich der Biber begegnet.

Am Nachmittag sind wir pünktlich zu unserem Termin aufgebrochen. In der Gemeinnützigen Obstbau-Siedlung Eden haben wir Geschäftsführer Marco Fredersdorf und Vorstandsmitglied Rainer Gödde zum Interview getroffen. Unsere anfänglichen Vorstellungen von einer Obstbaugenossenschaft wurden schnell revidiert. Eden hat mittlerweile eine Fläche von 120 Hektar und 1500 Einwohner. Die Siedlung besteht aus 461 Grundstücken und die müssen verwaltet werden. Dazu gibt es unter anderem einen eigenen Kindergarten und eine Grundschule in Eden. Bei unserer Ankunft in der Siedlung fiel uns sofort der Kindergarten ins Auge, denn er hat ein wunderschönes begrüntes Dach. Später erfahren wir, dass der Kindergarten die größte freitragende Lehmkuppel aus ungebrannten Lehmziegeln der Neuzeit in Europa hat.

Richtig interessant ist allerdings die Geschichte von Eden. 18 Berliner gründeten 1893 die „Vegetarische Obstbaukolonie Eden“. Ihre Vision war eine Gemeinschaft von Vegetariern, die sich ausschließlich von dem eigenen angebauten Gemüse ernährt. Selbst Rauchen und Alkohol war verboten bzw. verpönt. Doch nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Städter mit der Landbewirtschaftung nicht hinterher kamen. Um weitere Siedler anzulocken wurde das „vegetarisch“ aus der Satzung gestrichen. So entstand nach und nach eine Siedlungsgemeinschaft, die zusammen arbeitete und Feste feierte. Der Name Eden wird zudem eine Marke, verkauft wird Marmelade, Saft, Obst und Gemüse in Gläsern und Margarine. Friedrich Landmann entwickelte die erste reine pflanzliche Margarine, die unter dem Begriff „Eden-Reformbutter“ auf den Markt kam. Für Städter wurde Erholungsurlaub angeboten.

Heute bauen nicht mehr alle Bewohner der Eden-Siedlung ihr eigenes Gemüse an. Geblieben ist nur die gemeinnützige Genossenschaft. Trotzdem gelten Bestimmungen, die dafür sorgen, dass der Gartenanteil erhalten bleibt. Ein großer Ausstellungsbereich führt durch die Eden-Geschichte und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Rainer Gödde wurde in der Siedlung geboren, wohnte dann in der Stadt, seit den 90er Jahren aber wieder in der Siedlung und konnte uns als „Urgestein“ von vielen spannenden Anekdoten berichten. Der Gedanke, der die Siedler immer noch zusammenhält ist auf jeden Fall der Wunsch im Grünen zu wohnen, weg von der Großstadt.