Die Vogelwelt steht bei einem alten Naturschutzverein wie dem NABU, der seine Wurzeln ursprünglich im Vogelschutz hat, immer noch hoch im Kurs. Zahlreiche der Vogelkunde mächtige Mitglieder sind im NABU organisiert, und auch bei den Floßtouren ist die Gruppe der Ornithologen präsent. Die einfachste Form, die Vogelwelt zu dokumentieren, ist es, Listen der gesehenen Vogelarten zu erstellen. Auch auf der Havelberry-Finn-Tour haben sich einige Teams daran versucht – und Team 6 hat mit 92 dokumentierten Arten bislang die Spitzenposition inne. Doch das soll – geht es jedenfalls nach den Orni-Begeisterten von Team 7 – nicht so bleiben! Der Wettlauf um den Titel ‚NABU Havel-Champs of the Birds‘ ist derzeit im vollen Gange – der Ausgang noch völlig offen!

Erschwerte Voraussetzungen

Dabei kann nicht von gleichen Voraussetzungen für alle Teams des Havel-Birdrace ausgegangen werden. Die Zahl der möglichen Vogelarten variiert naturgemäß zwischen den Lebensräumen, wobei Feuchtgebiete wie Flüsse und Seen durchaus eine reichhaltige Vogelwelt beherbergen können. Wer sich zudem etwas abseits des Stroms begibt und auch angrenzende Wälder und Wiesen mit einbezieht, wird weitere Vogelarten wie Spechte und Watvögel finden. Da die Havel auch menschliche Siedlungsflächen berührt, sind Kulturfolger wie Haussperlinge und Hausrotschwanz ebenfalls zu erwarten. Der Anteil dieser verschiedenen Lebensräume ist aber von Team zu Team verschieden – folglich auch die Bedingungen, um auf unterschiedliche Vogelarten zu treffen. Da hat es Team 7 noch ganz gut getroffen, denn viele Flächen und der Flußlauf selbst sind eher naturnäher ausgeprägt, es liegen aber auch andere typische Lebensräume in Sichtweite.

Ein weiterer Einflussfaktor ist der Fortgang in der Jahreszeit. Im Frühjahr haben alle Vögel ein Interesse, ein Revier zu besetzen, und die Männchen kennzeichnen dieses meist laut und auffallend mit ihrem typischen Gesang. So kann man um diese Zeit Vogelarten fast „im Schlaf“ erfassen (Stichwort: ‚Penner-Ornithologie‘) – genaues Hinhören und die Kenntnis über die unterschiedlichen Lautäußerungen reichen völlig aus, um etwa Rallen oder Kleinvögel zu entdecken. Schreitet die Brutzeit voran, verstummen dagegen viele Arten und widmen sich statt dessen dem Brüten und der Jungenaufzucht. Enten ziehen sich ins Schilf zurück und werden mausernd (d.h. die Federn wechselnd) oder mit den kleinen Jungen nahezu unsichtbar. Nur manchmal verraten charakteristische Warn- oder Kontaktlaute sie dann noch. Hier fangen die Schwierigkeiten für das aktuelle Team an: Viele Fast-Allerweltsarten wie die Klappergrasmücke, aber auch lange Zeit der Fitis, fehlen noch (bzw. lange) in der Vogelliste, und es bedarf schon ausdauernder Suche, die nun stummen Gesellen im grünen Dickicht doch zu finden.

Natürlich kann auch die Witterung starken Einfluss nehmen – wer sitzt schon gerne im strömenden Regen mit beschlagenem Fernglas im Wind, um auf die Vogelart zu warten, der das gar nichts aus macht? Doch dabei stand das aktuelle Team bislang eher auf der Sonnenseite des Vogelkundlerlebens. Kurios: Auch das Alter des Beobachters spielt eine Rolle: Schwirle – kleine braune Vögel im Schilf, hohem Gras (Feldschwirl) oder im Bruchwald (Schlagschwirl) beheimatet – rufen in einem Frequenzbereich, der von älteren Personen nicht mehr gehört werden kann. Da wir aber zumindest den Rohrschwirl erfasst haben, für uns also noch kein Problem. Ornithologisch bestätigt: Wir sind jung!

Hurra, wir sind 87!

Das aktuelle Ergebnis unserer Vogelliste – für deren Vervollständigung aber noch 2 Tage bleibt – beträgt nun 87 (Liste unten)! Es ist also noch Luft nach oben, denn 93 wollen wir schaffen. Darunter sind manche Vogel-Gattungen fast vollständig abgedeckt, wie die der Rohrsänger. Entenarten dagegen sind nur – im Vergleich zu anderen Seen in Norddeutschland – in jämmerlich schlechter Artenzahl nachgewiesen worden. Wer uns nun auf der Strecke und in der Umgebung bis Rathenow noch Tipps für fehlende gefiederte Freunde geben kann, ist herzlich eingeladen, dies zu tun! E-Mail: Guido.Weidner@NABU.de

Liste der vom Team 7 beobachteten Vogelarten

Flußseeschwalbe Grünfink Schwarzmilan Reiherente Gartengrasmücke Rauchschwalbe Zilpzalp Neuntöter Seeadler Teichralle Graugans Haubentaucher Sumpfmeise Rohrschwirl Weißstorch Star Bachstelze Kleinspecht Mönchsgrasmücke Girlitz Kormoran Rotkehlchen Schnatterente Pirol Rabenkrähe Graureiher Teichrohrsänger Rohrweihe Goldammer Baumpieper Eichelhäher Drosselrohrsänger Haussperling Kiebitz Fitis Nebelkrähe Großer Buntspecht Baumfalke Hausrotschwanz Ringeltaube Rohrammer Waldohreulen Bluthänfling Stockente Trauerschnäpper Grünspecht Höckerschwan Singdrossel Gartenrotschwanz Beutelmeise Trauerseeschwalbe Kuckuck Elster Fasan Lachmöwe Kranich Schwarzhalstaucher Turmfalke Blesshuhn Rotmilan Kleiber Feldlerche Fischadler Blaumeise Mehlschwalbe Zwergtaucher Straßentaube Weidenmeise Nachtigall Schilfrohrsänger Buchfink Schwanzmeise Sumpfrohrsänger Dorngrasmücke Mauersegler Dohle Kernbeisser Amsel Feldsperling Zaunkönig Gelbspötter Kohlmeise Schellente Mäusebussard Silbermöwe Misteldrossel Waldlaubsänger