• Pritzerbe
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Am gestrigen Nachmittag blieb noch Zeit, von der ursprünglich vorgegebenen Route auf der Havel abzuzweichen und einen größeren Abstecher in den Pritzerber See zu unternehmen. Belohnt wurde das Team dafür mit der schönen Beobachtung eines alten Fischadlers, der sich in einer ruhigen Bucht beim Fang von Fischen in die nassen Fluten stürzte und danach für längere Zeit die Stangen einer Reuse zur Rast aufsuchte. Auch ein Seeadler kreiste über der Wasserfläche. Entdeckt wurden von den neu und bereits seit längerer Zeit ornithologisch infizierten Teilnehmern der Floßfahrt auch mehrere offensichtlich aber nicht mehr genutzte Brutröhren des Eisvogels, ohne jedoch die Urheber in der Nähe des umgestürzten Wurzeltellers zu entdecken.

Besonders freundlich fiel nach der Rundtour in Pritzerbe der Empfang durch Hafenmeister Mirko aus, der uns wie alte Bekannte begrüßte und unser „Einparken“ mit dem Floß in zweiter Reihe mit lockeren Sprüchen begleitete. Wider erwarten (unser Sonnensegel haben wir nach den  Erfahrungen der Vornächte lieber gleich abends eingefahren) verlief die Nacht ruhig. Die einzige „Ruhestörung“ ging vom „Karrekiet“ aus, lautmalerische niederländische Bezeichnung für den hier noch erstaunlich häufig auftretenden Drosselrohrsänger. Zusammen mit dem Rohrschwirl, den wir ebenfalls bereits entdeckt haben und dessen schnarrendes, minutenlang anhaltendes „trrrrrrr…“ von manchem eher einem Insekt zugeordnet wird, bevorzugen beide große, alte Schilfbestände.

Naturschutz-Probleme auch an der Havel

Doch nicht nur an der Havel und den angrenzenden Seen geht dieser charakteristische Lebensraum immer weiter zurück. Als Ursache wird vor allem das durch die hohen Nährstoffkonzentrationen in den Gewässern stark beschleunigte Wachstum der Reet-Halme angesehen, die dadurch weniger Stützmaterial aufbauen, dünner bleiben und daher schneller brechen. Als Folge läuft der Halm voll, die Pflanze stirbt ab. Eine weitere Ursache stellt die leider an der Havel in manchen Abschnitten doch recht intensive Nutzung der Uferbereiche dar, insbesondere, wenn bebaute Seegrundstücke dahinter liegen. Gegen eine auch den Belangen des Schutzes von Schilfbewohnern gerecht werdende Konzentration der Liegeplätze in sog. „Marinas“, wie sie mehrfach angestrebt wurde, gab und gibt es jedoch seitens der Grundeigentümer erheblichen Widerstand. Dies erfährt das Team bei längeren Gesprächen mit Anwohnern und engagierten Einheimischen. Ein Problem stellt dabei der Status der Havel und seiner durchflossenen Seen als Bundeswasserstraße dar. Hier endet damit in vielen Dingen die Kompetenz der Bundesländer. Für fortschrittliche Lösungen muss immer auch das zuständige Bundesverkehrsministerium mit ins Boot geholt werden, das allein Beschränkungen erlassen kann. Ein vielfach leider langwieriges und oft auch hoffnungsloses Unterfangen, wie schon Beispiele an der Ostseeküste und bei der Ausweisung des Walschutzgebietes im schleswig-holsteinischen Wattenmeer-Nationalpark gezeigt haben. Mit diesem rechtlichen Status verbunden ist auch die Möglichkeit, mit Motorbooten die Gewässer zu befahren, wovon insbesondere zu Pfingsten reichhaltig Gebrauch gemacht wird. Vorhandene Regelungen wie das Verbot, Schilf- und Seerosenbestände zu beeinträchtigen, wirken da eher hilflos. Wichtige Bereiche wie Buchten und Altarme, die ein hohes Naturschutz-Potential haben, sind bislang nicht adäquat zu sichern. Eine Herausforderung für die Verantwortlichen, wenn zur Bundesgartenschau 2015 den Besuchern ein modernes Konzept gezeigt weden soll, dass eine effektive Sicherung unseres Naturerbes sicherstellt. Es bleibt noch viel zu tun!

In die Binsen …

Am anderen Morgen steht ein Besuch der Rohrweberei in Pritzerbe auf dem Programm, der einzigen noch Schilfmatten für Privatkunden produzierenden Werkstatt in der Bundesrepublik, die seit April 2014 auch als Museum hergerichtet ist. Die Visite wird zu einem Highlight des Tages, nicht nur wegen des faszinierenden Einblicks in dieses alte, fast augestorbene Handwerk, sondern auch wegen der Art und Weise, wie uns der Leiter des Museums, Wolfgang Wagner, fachkundig und mit viel Hintergrundwissen auch über Land und Leute die Arbeit mit dem Naturmaterial erläutert. Heute wird allerdings aus Naturschutzgründen kein am nahegelegenen See im Winter geerntetes Schilf mehr eingesetzt, sondern Miscanthus, ein aus Asien eingeführtes Ried, dessen Hackschnitzel u. a. auch in der Energie-Erzeugung genutzt werden. Urteil der Crew: Absolut sehenswert!

Auf dem Rückweg kehren wir noch zum Mittagessen in Mannis Feldküche ein. Mannis Petra versorgt uns mit Gulasch, Linsen- und Erbsensuppe bei freiem Kaffee. Nicht ökologisch, dafür aber mit sehr lustigem Ambiente.

Wir sinken!

Nach dem Ablegen in Pritzerbe steuert die Mannschaft auf ein neues Erlebnis zu. „Wir sinken!“, lautet das einhellige Urteil aller – nämlich nach dem Anlegen und Tore-Schließen in der ersten Schleuse bei Bahnitz, wo wir in den tieferen Teil der Havel abgeschleust werden. Doch auch diese Herausforderung meistern wir natürlich mit Bravour!