• Bibertour
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Brian  Ferrys „Let’s stick together“ schallt ohrenbetäubend laut durch den Abendhimmel als wir gestern unter Margots Leitung auf der Brandenburger Niederhavel nach Biberspuren suchen. Die laute Rockmusik trübt zwar den Naturgenuss, erleichtert uns und den sieben zusätzlichen Exkursionsteilnehmern aber das Paddeln im Takt. Erst bei sehr genauem Hinsehen erschließen sich uns die wenig auffälligen, doch sehr zahlreich am Ufer zu findenden Biberspuren. Hier eine nur wenige Quadratmeter große Uferfläche, deren Staudenbewuchs nahezu vollständig von den Bibern kurz gehalten worden ist, dort ein unter Uferpflanzen verborgener Ausstieg, über den die Biber vom Wasser an Land wechseln.

Selbst die großen Uferburgen sind kaum als solche zu erkennen. Die Biber sind überall präsent, aber dennoch verborgen. Der DJ – angeblich soll irgendwo in der Nähe ein sechzigster Geburtstag gefeiert werden – legt gerade AC/DCs „Highway to hell“ auf, als wir uns bei Stromkilometer 60,5 einer großen Biberburg nähern. Im Wasser vor der Burg „toben“ zwei neugeborene Jungbiber herum. Weder die Musik aus den späten 1970ern noch unsere vier Kanus scheinen sie zu stören. Vermutlich sind sie erst seit Kurzem in der Lage, den Bau selbstständig zu verlassen und nutzen ihre neu gewonnenen Freiheiten recht sorglos. Wir können sie einige Minuten ungestört beobachten. Dann tauchen sie vor der großen Biberburg ab und verschwinden.

Auf dem Rückweg zu unserem heutigen Nacht-Rastplatz am Buhnenhaus werden wir noch Zeuge eines einzigartigen Naturschauspiels. Ein Schwarm von rund 600 Staren hatte gerade am Ufer seinen Schlafplatz bezogen als urplötzlich ein Baumfalke am Himmel erschien. Für die Stare galt von einer Sekunde auf die nächste höchste Alarmstufe. Der Schwarm stieg auf und versuchte durch geschickte Flugmanöver dem Falken zu entkommen. Dieser schnellte in die Höhe und stieß im Sturzflug mitten durch den Schwarm. Er verfehlte jedoch – zumindest für den Moment – sein begehrtes Ziel.

Wir kehrten wohlbehalten zum Rastplatz zurück und ließen unseren letzten Abend gemütlich im Biergarten des Buhnenhauses ausklingen. Als wir gegen Mitternacht unsere Schlafplätze auf dem Floß einnehmen, ist der DJ vom Sechzigsten immer noch aktiv. Janis Joplin singt gerade „Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz?“ Uns fällt hingegen nur ein Songtext der Beatles ein: „Now it’s time to say good night. Good night, sleep tight.“