• Schilf_Schmidt

Auf der Naturschutzinsel Buhnenwerder treffen wir Herrn Schmidt. Er gehört zum Verein „Naturschutz Brandenburg e.V.“ und betreut mit seinen Vereinskameraden das Naturschutzgebiet „Buhnenwerder-Wusterau“. Herr Schmidt erzählt uns vom Rückgang des Schilfs. „Früher war hier mehr Schilf. Der Schilfstreifen war viel breiter. Er reichte viel weiter in den See hinein“, erfahren wir von ihm und sind zugleich etwas verwundert. Schilfröhrichte haben uns schließlich auf der gesamten Fahrt am Ufer begleitet. Von Schilfsterben war doch eigentlich keine Spur. Oder entging uns etwas?

Fakt ist, dass wir Schilf gesehen haben. Fakt ist aber auch, dass breite Schilfsäume mit hohen, raschelnden Halmen für etliche Seen in Europa früher einmal sehr typisch waren. Fakt ist ferner, dass solche Schilfröhrichte seit Jahrzehnten an Flüssen und Seen auf dem Rückzug sind. Über die Ursachen für das Schilfsterben wurde lange Zeit von den Experten gestritten. Manche machten den Fraßdruck der Graugänse verantwortlich. Andere führten das Absterben des Schilfs auf die Überdüngung der Gewässer mit Nährstoffen zurück. Und wie so oft im Leben haben beide wenigstens ein bisschen Recht.

Heute wissen wir, dass die Überdüngung der Gewässer mit Nährstoffen aus der Landwirtschaft und den Haushalten – hier insbesondere auch das Phosphat – das Wachstum der Pflanzen sehr begünstigt. Die Schilfhalme wachsen rasch heran, „vergessen aber in der Eile“ Festigungsstrukturen auszubilden. Man kann es mit Stahlbeton vergleichen, dem nicht genug Baustahlmatten hinzugefügt werden. Eine derart gebaute Betondecke würde bei geringer Belastung einstürzen. Beim Schilf führen die unzureichenden Festigungselemente dazu, dass die Halme durch Wind, Wellenschlag oder Fraß von u. a. Graugänsen abbrechen. Dringt dann Wasser von oben über die innen hohlen Halme bis zu den Schilfwurzeln vor, sterben die Pflanzen ab. Und mit jeder Pflanze stirbt ein weiterer kleiner Teil des Schilfgürtels. Damit geht nicht nur ein Lebensraum für Tiere und weitere Pflanzen verloren. Es verschwindet auch eine wichtige natürliche und daher kostengünstige Uferbefestigung.

P.S.: Als Ausflugtipp für Wasserwanderer ist das NSG „Buhnenwerder-Wusterau“ sehr zu empfehlen. Der zwei Kilometer lange, ausgeschilderte Natura-Trail führt durch das Gebiet und gibt interessante Hinweise zur Flora und Fauna der Insel.