• Auf Grund gelaufen
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Aus der Krummen Havel kommend biegen wir am frühen Abend in den Altarm Klein Kreutz ein. Unser Ziel ist ein idyllischer Liegeplatz mit Standstrand am Rande der Ortschaft. In langsamer Fahrt umfahren wir ein vor uns liegendes Teichrosen-Feld. Urplötzlich verstummt der Motor. Unsere erste Ursachen-Vermutung ist Spritmangel. Nach über zwanzig Tageskilometern, die hinter uns liegen und einer Fahrt bei starken Gegenwind erscheint uns der Gedanke naheliegend. Schnell wird nachgetankt. Für Sekunden läuft der Motor wieder. Beim Einlegen des Vorwärtsgangs schaltet er sich wieder ab. Das Rätselraten um die Ursache hat schnell ein Ende. Die Schiffsschraube hat über mehrere Meter eine Furche in die Sandbank gefräst und steckt jetzt bis über alle Rotorblätter im Sediment fest. Betretenes Schweigen erfüllt das Deck. Der Tag scheint gelaufen. Die ganze Floßtour vielleicht auch?

Kerstin schießen Fernsehbilder von auf Grund gelaufenen Frachtern in den Kopf. Ralf erinnert sich an Geschichten von friesischen Strandräubern, die in Not geratene Schiffbrüchige ausplündern. Hartmut ergreift ein Paddel und Margot nimmt sich einen Bootshaken. Gemeinsam versuchen sie, das Boot aus dem Schlamm zu drücken. Ralf wechselt derweil zum Bug des Schiffes, um unter Einsatz seines Körpergewichts den Auftrieb am Heck zu erhöhen. Mittlerweile hat Kerstin das Mobiltelefon ergriffen, zögert aber noch das für Problemfälle verabredete „SOS“ an Martin, den Floßbauer, zu senden.

Nachdem alle Versuche, dass Floß von Deck aus wieder frei zu bekommen, scheitern, reift die Überzeugung, dass die Hilfe vom 40 Meter entfernten Ufer kommen muss. Mehrere Schiffstaue werden zusammengeknotet. Der Kanadier wird startklar gemacht. Hartmut und Ralf sollen zum Ufer fahren und versuchen, dass Floß mit Hilfe des Seils aus dem Schlamm-Massel zu ziehen. Etwas später haben sie tatsächlich festes Land unter den Füßen. Sumo-Ringern gleich gehen sie in Position. Das Tau von der rechten Hand über die Schulter zur linken Hand geführt, legen sie sich in die Seile. Jetzt heißt es „Dicke Backen machen!“. Das Seil spannt sich und schwebt über dem Wasser. Das Floß dreht sich mit dem Bug in ihre Richtung. Aber zu einer Vorwärtsbewegung kann es sich nicht entscheiden. Nach mehreren Versuchen scheint sich das Blatt für die beiden „Bergungsschlepper“ zu wenden. Wenn es ihnen gelingt, die Zugspannung für einen längeren Zeitraum aufrecht zuhalten, scheint das Floß wenigstens zu einem kleinen Entgegenkommen bereit. Nach etlichen Versuchen erliegt die „Große Bärin“ zwar immer noch nicht dem Charme der beiden Männer. Aber immerhin scheint sie bereit, ihren Widerstand aufzugeben. Erst Zentimeter für Zentimeter, dann Dezimeter für Dezimeter bewegt sie sich von der Schlammbank weg. Schließlich hat sie wieder eine Hand breit Wasser nicht nur unter den Kielen sondern auch unter der Schraube. Margot kann den Motor starten. Der Propeller dreht frei und schiebt das Boot in tiefes Wasser.

Ein gutes Gefühl macht sich breit und die letzten Schlammspuren, die die Bergung an Deck hinterlassen hat, sind nach der erfolgreichen Selbstbergung ebenfalls schnell weggeschrubbt.