• Bibertour
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Darauf haben wir uns schon die ganze Woche gefreut: Die Kanutour mit den NABU-Biberexperten Burghard und Petra Sell auf der Nuthe, einem Nebenfluss der Havel. Das Floß machen wir an einer noblen Marina neben der Humboldtbrücke in Potsdam fest, den Rest der Strecke paddeln Djuke und Andreas mit dem Kanu. Und bekommen einen Vorgeschmack, von dem, was sie erwartet: Normalerweise ist die Nuthe ein zahmes Flüsschen – nach den Regengüssen der letzten Woche aber ist die Strömung deutlich stärker als sonst. Statt der erwarteten 10 Minuten bis zum Treffpunkt brauchen die beiden eine gute halbe Stunde und kommen etwas zu spät. Macht nix, Burghard ist noch bei der Einführung, wo überall der Biber rund um Potsdam zu finden ist.

Danach ist weiter kräftiges Paddeln angesagt, zwei Kilometer geht es flussaufwärts gegen die zum Teil erhebliche Strömung der Nuthe. Besonders unter Brücken müssen wir kämpfen – dort ist der Fluss vollständig einbetoniert, hat nach rechts und links keine Möglichkeit auszuweichen und muss sich mit Macht durch dieses Nadelöhr zwängen.

Der Rückweg ist dafür um so angenehmer: Wir halten die Kanus aneinander fest und lassen uns einfach treiben, während Burghard mit uns auf die Spuren der Nuthe-Biber geht. Da die Tiere nachtaktiv sind, sehen wir leider keinen live, aber dafür ihre Burgen und Fraßspuren. „Der Biber ist ein echter Renaturierer“, sagt Burghard. „Der nagt die Weichhölzer am Ufer an, irgendwann kippen die Bäume um und der Fluss wird in seiner Fließgeschwindigkeit gebremst. Weiden, Erlen und die anderen Arten, die auf nasse Füße stehen, haben die Fähigkeit, neu auszuschlagen – und so entsteht mit der Zeit dichtes Strauchwerk. In einigen Jahren geht das Spiel dann von vorne los.“

Burghard und Petra sind passionierte Biber-Fans und haben sich alles Wissen über die Tiere selbst angeeignet. Drei Jahre lang haben sie sich sogar dem Tagesrhythmus der nachtaktiven Biber angepasst: Ab 17 Uhr standen sie auf ihren Beobachtungsposten an der Nuthe und haben bis weit in die Dunkelheit hinein das Verhalten der Biber studiert, bis mindestens 23 Uhr. Dann ab nach Hause, die Beobachtungsdaten sorgfältig in den Rechner eingeben, eine Mütze Schlaf nehmen – und am nächsten Tag von vorn. So intensiv betreiben sie ihr Hobby inzwischen nicht mehr, aber einmal abends kurz nach den Bibern gucken, ist immer drin.

Nach der Tour erklären sie uns an einem Biberfell noch ein paar Besonderheiten: Der Biber hat ein unglaublich dichtes Fell – bis zu 12.000 Haare wachsen pro Quadratzentimeter(!). Zum Vergleich: Auf dem Kopf eines Menschen sind es nur 200 Haare pro Quadratzentimeter. Damit der Biber trotz dickem Fell nicht friert, muss er es regelmäßig und sorgfältig einfetten „Der Biber hat den Kamm erfunden“, scherzt Burghard und zeigt uns die extra dafür ausgebildeten Krallen. Der Biber-Schwanz heißt Kelle und ist ein Multifunktionswerkzeug: Paddel und Steuer unter Wasser, bei Gefahr schlägt der Biber damit patschend Alarm auf dem Wasser, und im Winter setzt er sich drauf, um keinen kalten Hintern zu bekommen. Weil die Biber-Kelle mit Schuppen besetzt ist, galt der Biber übrigens früher als Fisch. So war er in Klöstern ein willkommenes Festmahl in der Fastenzeit, in der nur Fisch, aber kein Fleisch auf den Teller durfte.

Nach der Tour serviert uns Burghards Frau Petra natürlich kein Biberfilet, sondern ihren Käsekuchen Havelländer Art – mit getrockneten Aprikosen. Lecker!