• Fahrt durch Potsdam
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So richtig Glück mit dem Wetter haben wir diese Woche nicht. Aber immerhin: Es hat aufgehört zu schütten. Gemütlich-kuschelig ist es trotzdem nicht, also kommt wieder mal die Ski-Unterwäsche zum Einsatz. Alle, die am Ruder sitzen, wünschen sich zusätzlich Handschuhe, denn der Fahrtwind zwickt in den Fingern.

Heute müssen wir ordentlich Strecke machen, fast 20 Kilometer entfernt liegt unser Ziel Templiner See. Ambitioniert, da wir wegen der Reparatur erst nach 16 Uhr ablegen konnten. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Kilometern pro Stunde ist es ein Glück, dass es lange hell bleibt.

Wir fahren übrigens ziemlich genau auf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Links von uns ist Berlin-Steglitz und damit ehemaliger Westen, rechts Potsdam. Auf der Glienicker Brücke, unter der wir hindurch fahren, sind in der Zeit des geteilten Deutschlands drei Mal Agenten zwischen Russen und Amerikanern getauscht worden. Von jeder Seite wurden die feindlichen Spione freigelassen, um im Gegenzug die eigenen Leute wieder zu bekommen. Ein heikles Unterfangen, bei dem die Wachleute auf beiden Seiten ihre Gewehre im Anschlag hatten. Erst wenn die Männer eine Markierungslinie auf der Brücke überschritten hatten, die die zwei Machtblöcke voneinander trennte, waren sie in Sicherheit. Und wir dachten, solche Geschichten gäb’s nur bei James Bond.

Auch unsere Begegnung mit der Glienicker Brücke bringt etwas Aufregung mit sich. Das Telefon klingelt, Floßbauer Martin ist dran. Freunde von ihm hätten grad das Floß an der Glienicker Brücke gesehen. Ob wir sie ein Stück mitnehmen könnten? Peter und seine Tochter Samina (9) warten schon seit Beginn der Tour darauf, dass das Floß endlich durch Potsdam fährt. Im Floßblog haben sie genau verfolgt, wo wir sind – und haben sich heute, am Tag X, mit dem Fernglas auf die Lauer gelegt. Ehrensache, dass wir sie an Bord holen. Anlegen können wir zwar nicht, aber wir legen das Floß in den Leerlauf und fahren mit dem Kanu zum Ufer.

Peter hat beim Bau mitgeholfen, und auch Samina kennt das Floß noch im Rohbau. Mit Peter haben wir außerdem einen fachkundigen Lotsen, der uns sicher durch die viel befahrene Havel in Potsdam bringt. Zur Sicherheit lässt er uns seine Handynummer da, denn wir sind noch ein paar Tage in der Gegend, und man kann ja nie wissen.

Als wir am Templiner See sind, hat der Wettergott Petrus oder einfach der Wind ein Einsehen: Der Himmel reißt auf. Als das Boot vertäut ist, sehen wir noch die Sonne als Feuerball im See versinken. Die Nacht wird klar, und alle Städte mit ihrer Lichtverschmutzung sind weit genug weg, dass Djuke eine kleine Sternbildführung geben kann. Löwe, Jungfrau und Waage stehen am Himmel, der Skorpion kriecht am Horizont hinauf, und wir sehen einige Sternschnuppen. Unter dem Funkeln der „Großen Bärin“ am Himmel lassen wir uns in unserer „Großen Bärin“ auf dem Wasser in den Schlaf schaukeln.