• Havelschwäne
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Auf unserer Havelreise sind zwei Arten zu unseren ständigen Begleitern geworden: Zum einen der Graureiher, der mit gemächlichem Flügelschlag dicht über dem Wasser gleitet. Zum anderen der majestätische Höckerschwan, der mit seinem weißen Gefieder, dem roten Schnabel und dem schwarzen Höcker an Schneewittchen denken lässt.

Den Havelschwänen hat Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein ganzes Kapitel gewidmet. Mitte des 19. Jahrhunderts soll es um die 2000 Schwäne auf der Ober- und Unterhavel gegeben haben. Den Tegeler See (wo wir gerade herkommen) und den Wannsee (wohin wir auf dem Weg sind) zählt Fontane zu den wichtigsten Aufenthaltsgebieten.

Die Havelfischer waren besonders scharf auf das Gefieder der Schwäne: Die Schwungfedern waren begehrte Schreibwerkzeuge, die Daunen waren in Decken gestopft die Wunderwaffe gegen kalte Füße. Aber wie kommt man an Schwanenfedern? Die Tiere schießen? Wenig nachhaltig, fand man schon damals. Also haben sich die Fischer etwas einfallen lassen: Sie haben allen jungen Schwänen Schwungfedern entfernt, so dass sie nicht mehr fliegen konnten und ihr Leben lang an der Havel bleiben mussten. Die flugunfähigen Altschwäne konnten dann zum Rupfen eingefangen werden.

Die Rupfzeit war genau um diese Jahreszeit, Ende Mai, und eine der Rupfstationen war auf Pichelswerder – am dort angrenzenden Stößensee lagen wir letzte Nacht am Steg. Deswegen sei uns ein kleiner literarischer Exkurs ins 19. Jahrhndert erlaubt. Theodor Fontane hat nämlich genau beschrieben, was beim Schwanenrupfen auf Pichelswerder passiert:

Die Fischer der verschiedenen Haveldörfer machen sich auf und treiben die auf ihrem Revier lebenden Schwäne zusammen, dann fahren sie mit einem zehn Fuß langen Hakenstock in die Schwanenmasse hinein, legen den Haken geschickt um den Hals des Schwans, ziehen ihn heran und in ihr Fahrzeug hinein. Binnen kurzer Zeit ist das Boot mit dicht nebeneinander hockenden Schwänen besetzt, die langen Hälse der Schwäne blicken über die Bootskante. Ein sehr eigentümlicher, grotesker Anblick.

In dieser Ausrüstung treffen nun die Boote aus wenigstens zwanzig Dörfern ein und liefern ihre Schwanenfracht auf dem Depothof ab, von wo sie nach und nach zur Rupfbank geschleppt werden.

Die Rupfbank ist ein langer Tisch, der in einem mächtigen Schuppen steht. An der einen Seite des Tisches entlang, mit scharfem Auge und flinker Hand, sitzen die Rupfweiber, meist Kiezfischer-Frauen. Ein Schwanenknecht trägt nun Stück für Stück die Schwäne herein, reicht sie über den Tisch, die Frauen packen zu und klemmen den Hals zwischen die Beine, während der Knecht den auf den Tisch liegenden Schwan festhält. Nun beginnt das Rupfen, mit ebensoviel Vorsicht wie Virtuosität, erst die Federn, dann die Daunen, kein Stück vom Fleisch darf sichtbar werden. Nach Beendigung der Prozedur aber nimmt der Schwanenknecht den Schwan wieder in seinen Arm, trägt ihn zurück und wirft ihn mit aller Macht in die Havel.

Im Winter wurden die Schwäne übrigens erneut eingefangen – diesmal aber, um sie gesammelt an einen Ort zu bringen, der nicht zufriert – und wo die Havelfischer dafür sorgten, dass die Schwäne genug zu Fressen hatten. Fontane kommt zum Schluss:

So bringt der Hofstaat seine sommerliche Untat durch winterliche Guttat wieder in Balance.

Wir haben uns damit begnügt, die eleganten Schwäne beim Schwimmen zu beobachten. Der Schwan, den ihr auf den Bildern am Floß seht, hat uns ganz freiwillig besucht und hatte hinterher noch sein komplettes Gefieder. Versprochen.