Der NABU forscht nach: Wie rund läuft der Textilrecycling-Kreislauf?

Der NABU forscht nach: Wie rund läuft der Textilrecycling-Kreislauf?

Die Modeindustrie bewegt sich im rasenden Tempo – und wir mit ihr. Haben wir uns sattgesehen an unseren Klamotten, landet alles, vom Wollpulli bis zur Fleecejacke, im schlechtesten Fall im Restmüll, im besten Fall direkt bei einem lokalen sozialen Projekt oder in einer Sammlung für Altkleider. Früher sammelte sich dort die Mode von vor fünf Jahren oder mehr. Mittlerweile gibt es schon häufig die ausrangierte Kleidung der vorletzten Saison. Das zeigt, wie kurz heutzutage Kleidung noch getragen wird. Dabei ist es viel besser für die Umwelt, Kleidung länger zu tragen. Und genau das haben die meisten Leute im Sinn, die ihre Kleider in einen Container geben: Sie wollen, dass ihre Sachen von anderen Menschen weitergetragen werden. Das zeigen repräsentative Umfragen. Aber was passiert mit meinen Klamotten, nachdem ich sie aussortiert habe und in einen Kleidercontainer gebe? Dieser Frage bin ich nachgegangen, und habe mich auf den Weg zu einem Unternehmen in Sachsen-Anhalt gemacht, das Textilien sortiert und recycelt.

Quo vadis, ausgediente Kleider?

Der Sortier- und Recyclingsbetrieb befindet sich auf einem riesigen Gelände. Hier stehen vor einer großen Halle zahlreiche LKWs, voll beladen mit bunten Säcken. Die leicht transparenten Plastiksäcke stammen aus kommunalen und gewerblichen Straßensammlungen. Auch namenhafte Hersteller und Versandhäuser, die ausrangierte Kleidung von Kunden einsammeln, geben Altkleider an das Werk ab. Die Säcke auf den LKWs beinhalten gebrauchte Textilien, Schuhe, Federn, aber auch Elektroaltgeräte und vieles mehr. Was fehlerhaft eingeworfen wurde und nicht in die Sammlung gehört, muss hier nun mit als Erstes aussortiert werden. Auf drei gelbe Wagen wirft das Personal die Säcke nach Augenmaß und trennt beispielsweise auch Schuhe von Textilien. Kaum vorstellbar: rund 25 Tonnen Alttextilien laufen täglich durch den Betrieb.

Ein ausgeklügeltes System mit auf Schienen fahrenden gelben Tonnen bringt die Textilien in die Vor- und Feinsortierung. Dafür steht Personal bereit: Sie sortieren die Textilien per Hand und werfen sie dafür in kleine beschriftete Boxen. Welches Teil in welche Kategorie kommt, wird in Sekundenschnelle entschieden. Bei der Sortierung werden insgesamt 400 verschiedene Kriterien angewendet und die Qualität der Textilien teils „erfühlt“.

(Noch) kein geschlossener Kreislauf

Fast 60 Prozent der Textilien aus diesem Werk kommen auf den Second-Hand-Markt und werden im Idealfall weiter getragen. Insgesamt ein Drittel werden zu Putzlappen verarbeitet oder gehen  ins Recycling. Im Recycling landen zum Beispiel Jeans, die zu kaputt sind, um sie weiter zu tragen. Das Recycling hat mein ganz besonderes Interesse geweckt. Ist es möglich, aus einer alten Jeans wieder eine neue herzustellen? Leider nein, stattdessen entstehen hier zum Beispiel Dämmstoffe für Autos. Kleidung wird „downgecycelt“, denn bislang fehlt entsprechende innovative Technologie und ein wirtschaftlicher Anreiz. Es gibt dementsprechend in der Verwertung von Textilien immer noch Lücken in dem aus ökologischer Sicht sinnvollen Kreislaufsystem. Das soll sich jedoch in Zukunft ändern. An innovativen Methoden wird stark geforscht, dies ist auch im Interesse des Textilrecyclers.

Reparieren und weniger kaufen – das Beste für die Umwelt

Bis dahin gilt jedoch der Rat, die Kleidung längstmöglich zu nutzen. Und danach noch Tragbares in ein lokales Projekt oder in den Kleidercontainer mit dem Label FairWertung zu geben. Container mit dem diesem Label sind in ganz Deutschland zu finden und werden zu sozialen und karitativen Zwecken gespendet oder verkauft. Ansonsten auch gerne selbst Hand anlegen an alte Kleidung: Löcher oder fehlende Knöpfe sind kein Grund, Kleidungsstücke wegzuwerfen. Repariert eure Lieblingsstücke selbst oder bringt sie zur Änderungsschneiderei. Oder stellt selbst Putzlappen, waschbare Abschminkpads oder auch hochwertige Kleidung aus ausgedienten Klamotten für euch her. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Am Wichtigsten ist aber am Ende nicht nur weniger wegzuwerfen, sondern auch weniger Neuware zu kaufen. Langes Tragen ist hier der Schlüssel. Daher lieber gebrauchte Teile kaufen oder auch mal Lieblingsteile ertauschen, wenn man etwas Abwechslung braucht. Das ist ökologisch das beste und schont dazu den Geldbeutel.

Interaktive Grafik: Was ist wichtig beim Kleiderkauf?

Unsere interaktive Grafik zeigt, worauf Sie im Bekleidungsgeschäft und zuhause achten sollten, damit Kleidung umweltfreundlicher wird, und was Modeunternehmen und -geschäfte besser machen können.

Hier geht’s zur Grafik auf www.NABU.de.

Verena Bax

Verena Bax

Referentin für Umweltpolitik
Verena Bax

5 Kommentare

Dr. Peter Witton

30.06.2018, 12:04

Hallo an das Team, ich habe erfahren, dass Altkleidung in Containern auch in Entwicklungsländer verschifft wird, z.B. seien das früher in Tanzania monatlich 2 Container gewesen, teilweise illegal. Dies hätte die dortige Textil-Herstellung auf dem einheimischen Markt sehr geschädigt. Trifft das zu? Wenn ja, betrifft dies auch Deutschland, in welcher Größenordnung?, gibt es Möglichkeiten dies zu stoppen?, z.B. Verbot der Ausfuhr. MfG P. Witton

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Verena Bax

Verena Bax

06.07.2018, 09:23

Hallo Herr Witton, laut einer Studie vom Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bsve) verbleibt der Großteil der Altkleider aus Deutschland (44 Prozent), welche in gewerblichen und kommunalen Sammelcontainern gesammelt werden, innerhalb der EU sowie in den ehemaligen Sowjetstaaten. Rund 28 Prozent der Altkleider wird auf den afrikanischen Kontinent verschifft, weitere Regionen sind Indien, Pakistan, Südamerika und der nahe und mittlere Osten. Somit landen tatsächlich ein beachtlicher Prozentsatz in Ländern des globalen Südens. Illegale Sammlungen sind natürlich zu untersagen, da stimme ich Ihnen zu. Ein Verbot der Ausfuhr ist insoweit nicht sinnvoll, da der Absatzmarkt für gebrauchte Kleidung in Deutschland zur Zeit nicht ausreicht, um die Massen an Gebrauchtkleidung zu decken. Aus Umweltsicht ist es gut, wenn Kleidung länger getragen wird, da keine neue Kleidung produziert werden muss. Der einheimische Markt in Ländern des globalen Südens wird hauptsächlich durch die Billigmode aus asiatischen Ländern geschädigt.

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Saaba

29.06.2018, 11:40

Schon beim Titel dachte ich, Recycling bzw. Downcycling kann doch nur der allerletzte Schluss sein. In Kleidung ist heute so viel Kunststoff, und diese Fasern - Mikroplastik - werden dann weiterhin in die Umwelt gebracht, z.B. aus elastischen Jeans und PE-Fleecepullovern oder Sachen aus Mix-Strickwolle. Zuhause habe ich noch die Möglichkeit, die alte Kleidung im Guppy-Friend zu waschen, um Fasern zurückzuhalten, oder verschliessene Kleidung mit Kunststoffanteilen über die Restmülltonne der Verbrennung zu übergeben. Wenn es einmal in der Kleidersammlung ist, werden Fasern mindestens über Putzlappen weiter in die Umwelt geraten. Ausgediente Kleidung gebe ich daher nur noch weg, wenn keine Kunststoffe drin sind.

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Verena Bax

Verena Bax

06.07.2018, 09:28

Hallo Saaba, das Thema Mikroplastik in Textilien ist ein wichtiges Thema. Es ist ein guter erster Schritt beim Waschen darauf zu achten, dass Fasern sich möglichst nicht ablösen. Eine andere Möglichkeit ist auslüften, statt häufiges waschen. Es darf aus ökologischer Sicht aber nicht darum gehen, Kleidung aus synthetischen Fasern nicht mehr in Kleidersammlungen abzugeben oder sie gar in die Restmülltonne zu tun. In die Restmülltonne gehören nur stark verschmutzte Kleidungsstücke, die beispielsweise mit Farbe oder anderen Chemikalien in Berührung gekommen sind. Seriöse Kleidersammlungen sind, im Gegenteil, der Restmülltonne zu bevorzugen, denn die meiste Kleidung wird in Folge weiter genutzt. Aus ökologischen Gesichtspunkten ist außerdem das Recycling immer noch besser als das Entsorgen von Fasern, da die Ressourcen nicht verloren gehen.

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Georg K.

29.06.2018, 11:33

Bravo Verena Graf, Sie sprechen mir aus der Seele, pfleglich mit aktuellen Sachen umgehen, dann hat man auch länger Freude daran. VIELES laßt sich auch reparieren! Weiter so und viel Erfolg Servus Georg

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