Berlin

Nachts im Museum

Freitag, September 15, 2017
Nachts im Museum

Text: BatCityBerlin-Mitglied Kerstin Pabst

Am Freitag, den 01.09. hatte ich gemeinsam mit 15 BatCity-Berlinern und Freunden das Vergnügen einen Blick hinter die Kulissen vom Museum für Naturkunde zu werfen. PD Dr. Frieder Mayer ist der Stellvertretende Leiter des Forschungsbereiches Evolution und Geoprozesse und hat sich für uns eine ganze Menge Zeit genommen, um uns aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Fledermäuse vorzustellen und einen Eindruck in die Arbeit der Säugetierforschung zu geben. Dabei hat ihn Dr. Simon Ripperger zu Beginn unterstützt.

Miniatur-Sender

Zunächst ging es dafür einige Stufen hoch in einen Hörsaal, damit wir uns eine Präsentation über die Fledermausarbeit angucken konnten. Da ich selbst oft mit der Arbeit von Ingenieuren in Berührung komme, fand ich es besonders interessant zu hören, wie neue technische Möglichkeiten die Forscher in ihrer Arbeit unterstützen können und welche Symbiosen aus den unterschiedlichen Fachrichtungen entstehen können. Die Gruppe um Dr. Simon Ripperger nutzt z.B. aktuell ein “Trackingarmband” (Sensorknoten) für die Ortung der Tiere. Damit können Verhaltensmuster wie u.a. Mutter-Kind-Dynamiken und Fission-Fusion-Dynamiken (also sozialer Gruppen, die nur für kurze Zeit oder für bestimmte Anlässe zusammen kommen und sonst einzeln agieren) erforscht werden und die Identifikation von Kleingruppen erfolgen. Aktuell wird damit zum Beispiel eine Wochenstube des Großen Abendseglers in der Königsheide untersucht. Dabei werden die Miniatur-Sender mit medizinischem Kleber am Rücken der kleinen Tiere befestigt. Dieser hält dann etwa 10 Tage am Körper und kann in dem Zeitraum fleißig Daten an Empfangseinheiten übermitteln, die wiederum die Daten an die Forscher leiten. Dadurch können auch Fragen wie zum Beispiel: Erkennen Fledermäuse gute Futterorte und kommen sie regelmäßig wieder?, geklärt werden. Danach hat Dr. Frieder Mayer gut verdeutlicht wie auch andere neue Methoden z.B. DNA-Untersuchungen immer wieder neue Erkenntnisse bringen, aber damit auch wieder neue Fragen aufgeworfen werden.

Schädelsammlung

Nach einem Überblick der faszinierenden Geschichte des Museums, welche mir, obwohl gebürtige Berlinerin, noch nicht bekannt war, ging es in die Sammlungen, die sonst den Besuchern verborgen bleiben. Etwa 10.000 Objekte befinden sich in der Ausstellung und etwa 30 Mio. sind insgesamt in der Sammlung des Museums. Ein Drittel der Aufgaben des Museums ist die Bildung, die anderen Teile sind Forschung und mit der Masse an Objekten offensichtlich die Sammlung. Forscher kommen von überall her, um damit zu arbeiten. Etwa 80 Forscher pro Jahr nutzen allein die Säugetiersammlung. Und in diese sollte es nun gehen. Im ersten Raum hingen Schädel von Huftieren und sogar der Holotypus (weltweites Einzelstück einer Tierart für die Erstbeschreibung) vom Waldelefanten ist hier gelagert.

Walskelett

Danach sind wir in den Teil der Ausstellung gegangen, der Nass-Sammlung genannt wird. Hier befinden sich die Objekte, die in Alkohol konserviert werden. Das Museum schließt 18.00 Uhr und dadurch waren die Lichter schon aus, was dem Ganzen eine noch spannendere Atmosphäre verliehen hat.
Dann ging es weiter durch verschiedene Gänge, über Stufen und noch mehr Räume. Mein sonst eigentlich ganz guter Orientierungssinn hat sich dann hier leider schnell verabschiedet und wir mussten immer wieder aufpassen, dass niemand abhanden kommt. Das hätte allerdings bei den vielen Objekten hinter Glas, in Vitrinen und in antiken und neuen Schränken schnell passieren können. Im nächsten Raum gab es das für mich beeindruckendste Objekt: das Skelett von einem Wal. Ich weiß gerade nicht einmal ansatzweise wie ich diese Dimensionin Worte fassen soll. Dafür kann hoffentlich das Foto einen Eindruck vermitteln:

Fledermauspräparate

Der “Fellraum” war der letzte, den wir uns angeguckt haben. Schon beim Eintreten ist mir der starke Geruch aufgefallen, denn hier lagern verschiedene ausgestopfte Tiere oder eben auch nur ihre konservierten Felle. Damit sind wir dann wieder bei dem Thema unserer Gruppe angekommen: Auch Fledermäuse sind hier archiviert.

Obwohl wir etwa drei  Stunden unterwegs waren, haben wir nur einen Bruchteil der Sammlung gesehen und nur einen kleinen Ausschnitt von der Arbeit des Museums erfahren können. Eins steht für mich fest: ich werde jetzt wieder öfter ins Museum gehen.

Sebastian Kolberg

Sebastian Kolberg

NABU-Fledermausexperte

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